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Dir ^Ob<rh«ssisch« Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20 S9R.au*. schließl. Zustillungsgebühr« durch M« Post 2.45 SM. Für etwa durch Streik. Mafchinendefekt oder elementar« Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag Dr. §. -itzervth. Dr«k der Univ.-Buchdrucker«! Zech. Aug. Koch. Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit 'et Redaktion von 10—11 und ’M—1 Uhr.
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ÄberhrMche — Zeitung
Anzeiger für (bas frühere kurhesfische) Oberhefse«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Der Kampf um tas Dukungsprommm ein mner KempromiKveriWag be§ ReühAabinelts - Sie EnWelbnn, IW W bei der
Das Reichskabinett hat gestern abend wieder mehrere Stunden mit den Parteiführern verhandelt. Gegen 9 Uhr abends führten die Beratungen zu dem Ergebnis, daß zwischen allen Regierungsparteien mit Ausnahme der Bayrischen Volkspartei eine Einigung über das Deckungsprogramm zustande kam. Die anderen Parteien waren der Bayerischen Volkspartei entgegengekommen, indem sie die Viersteuererhöhung statt der ursprünglichen 75 Prozent auf 50 Prozent begrenzten mit der weiteren Beschränkung, daß die kleineren Betriebe mit einer Jahresproduktion bis zu 10 000 Hektoliter von der Biersteuererhöhung freibleiben sollen.
Die Bayerische Bolkspartei hielt aber an ihrem Standpunkt fest. Sie wollte im besten Falle 30 Prozent bewilligen.
Die Fraktion ist nach der Besprechung mit dem Kabinett noch zu einer Sitzung zu- sammengetreten, um ihre endgültige Entscheidung zu fällen. Auf alle Fälle werden die übrigen Regierungsparteien heute rm Reichstage das Kompromiß in Form eines Jnitiativgesetzes einbringen. Es fieht außer der Umsatzsteuer von 0,75 aus 0,85 Prozent vor und für Umsätze über 1 Million einen Zuschlag von 0,50 Prozent, sodaß also
die Umsatzsteuer für Warenhäuser
1,35 Prozent
beträgt. Die Tabacksteuernovelle wird in das Initiativgesetz in der Form hineingebracht, daß der Verwaltungsbeitrag nicht 1 Prozent, sondern % Prozent ausmacht. Ferner wird die Mineralwassersteuer wieder hergestellt, und gewisse Ermäßigungen, die beim Petroleumzoll in Aussicht genommen waren, fallen fort.
Nach den Berechnungen der Finanzsachverständigen ist damit
das Defizit des Reichshaushaltes gedeckt.
Die Biersteuererhöhung soll 148 Millionen erbringen, wovon 93,2 Mill, auf das Reich und 54,8 Mill, auf die Länder Entfallen. Bei der allgemeinen Umsatzsteuer wird mit einem Mehrertrag von 110 Mill, gerechnet, wovon 77 Mill, für das Reich und 33 Mill, für die Länder bestimmt sind. Aus der Warenhaussteuer werden 27 Mill, erwartet. Davon entfallen 19 Mill, auf das Reich und 8 Mill, auf die Länder. Insgesamt wird mit einem Ertrage von 532 Millionen gerechnet, davon für das Reich 356,2 Mill, und für die Länder 175,8 Millionen.
In parlamentarischen Kreisen rechnet Nlan damit, daß
die Abstimmung am Schluß der zweite» Lesung der Deckuugsvorlage bereits heute abend
erfolgen wird. Die Haltung der Deutschnationalen wird nach der Ansicht parlamentarischer Kreise mit davon abhängen, ob es gelingt, zunächst einmal innerhalb der Regierungsparteien eine einheitliche Front herzustellen d. h. also die Bayerische Volkspartei zur Unterstützung des Finanzprogramms zu bewegen. Auf der Fraktion der Bayerischen Volkspartei ruht nach der Ansicht der anderen Regierungsparteien eine schwere Verantwortung, weil es von ihr abhängt ob der Reichstag Ichueßlich doch aufgelöst werden muß oder ob die Regierung ihre Arbeit ohne Störungen fortsetzen kann. Es ist anzuneh- Men, daß diese Erwägung bei den Bera- vrngen der BVP. eine erhebliche Rolle Stelen wird. Die dritte Lesung der Fi- ??NMsetze wird wenn die heutige Abstimmung eine Mehrheit ergibt, voraus- stchtlich am Sonnabend stattfinden. Am
Bayerischen Bolkspartei
Freitag würde die erste Lesung der Agrarvorlage zwischengeschoben werden. Die könnte dann am Montag und Dienstag beendet werden, sodaß das Deckungs- und das Agrarprogramm also noch vor Ostern geregelt sein würde.
Die Bayern lehnen ab.
Die Beratungen der Bayerischen Volkspartei am Mittwoch abend waren gegen 22 Uhr zu Ende. Es wurde folgender Beschluß bekannt gegeben:
Die Beratungen der Reichstagsfiaktion der Bayerischen Bolkspartei über das vor-
Im Anschluß an die Vorstandssitzung trat am Mittwoch die Parteivertretung der Deut sch nationalen, Volkspartei zusammen. Zu Beginn der Sitzung gedachte Dr. Hugenberg des verstorbenen Großadmirals von Tirpitz und feierte dessen Andenken als des Schöpfers der deutschen Flotte. In den Vorstand wurde u. a. neu hinzugewählt: Graf Westarp, dessen Mandat mit seinem Rücktritt als Vorsitzender der Reichstagsfraktion erloschen war. Der Parteivorsitzende hielt einen Vortrag über die politische Lage. Nach einer längeren Aussprache wurde mit allen Stimmen folgende Entschließung gefaßt:
«Die Parleioertretung billigt die Beschlüsse des Parteivorstandes. Sie spricht ihrem Führer Dr. Hugeuberg und dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Oberfohren ihr volles Vertrauen aus."
Zu dem Beschluß der deutschnationalen Partekvertretung verlauten in parlamentarischen Kreisen noch folgende Einzelheiten: Grundsätzlich sind die Parteivertreter dahin übereingekommen, daß der Parteiführung und der Fraktion keine gebundene Marschroute gegeben werden könne. Es herrsche aber Einmütigkeit darüber, daß die deutschnationale Partei zu dem Kabinett Brüning kein Vertrauen haben könne.
SeutMr RelMng
Der Reichstag beendete gestern die erste Beratung der Vorlagen über die Vorbereitung her Finanzreform und die Uebergangs- regelung des Finanzausgleichs. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Hertz begründete nochmals den ablehnenden Standpunkt der Sozialdemokraten zu der von den jetzigen Regierungsparteien vorgeschlagenen Kompro- mitzregelung für die Arbeitslosenperficherung. Wenn die Sozialdemokratie der Eesamtvor- lage trotz mancher Bedenken gegen die Steuervorlagen zugestimmt hätte, so sei jetzt die Sachlage geändert, nachdem die ursprüngliche Regierungsvorlage zur Arbeitslosenversicherung nicht mehr aufrechterhalten werde. — Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer antwortete kurz, die Regierung werde die Sanierung durchsetzen können, allerdings nur, wenn ihre Vorlagen nicht abgelehnt werden. Die Tendenz des Hilferdingschen Finanzprogramms habe sich garnicht von. dem jetzigen Finanzprogramm unterschieden, denn auch Hilferding habe mit Zustimmung der Sozialdemokraten die. überspannten direkten Steuern abbauen und durch indirekte Steuern ersetzen wollen. — Die Vorlage über die Sanierung der Arbeitslosenversicherung ging an den Sozialpolitischen Ausschuß, die übrigen Teile des Finanzprogramms wurden dem Steueraus- I schuß überwiesen. — Rach kurzer Aussprache *
gelegte Steuerkompromiß haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Fraktion einstimmig beschloß, das Kompromiß abzulehnen. Die Fraktion hat gleich, zeitig beschlossen, entsprechende Anträge einzureichen, die zeigen, daß die Deckung des Bedarfs des Reiches unter Berück, sichtigung der Notlage der Länder und Gemeinden auf anderem Wege mög, lich ist, der mehr der steuerlichen Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Notlage entspricht.
Eine Verkoppelung des Landwirt, schaftsprogramms mit dem Finanz- progrgmm lehnt die Partei ab.
Er kam zum Ausdruck, daß die Erleichterungen, die der Landwirtschaft im Agrarprogramm gegeben werden sollen, durch steuerliche Belastungen und damit durch Verteuerung der Betriebsmittel wieder wettgemacht würden. Auch, daß die Ermächtigung zur Durchführung oer Land- wirtschaftsmaßnah'men dem Kabinett und nicht dem Reichsernährungsminister gegeben werden soll, wurde für außerordentlich gefährlich gehalten. Die vom Kabinett geforderten Zölle würden im übrigen im Augenblick nur den Händlern zugute kommen, da die Landwirtschaft kein Getreide mehr in den Händen hat. Wer jedoch nach der nächsten Ernte die Bestimmungen über die Eleitzölle ausführe, sei gänzlich unbestimmt. Was das Finanzprogramm angeht, so herrschte
einmütige Auffassung, daß die Deutschnationalen nicht ein Programm gutheißen könnten, das als eine Erbschaft der großen Koalition durch die Sozialdemokraten maßgebend beeinflußt und durch sozialdemokratische Forderungen notwendig geworden ist.
Die damit tatsächlich gegebene Anlehnung auch der jetzigen Regierung an die Sozialdemokratie mllsie von den Deutschnatio- nalen abgelehnt werden.
wurde ein Antrag des Verkehrsausschusses angenommen, der sich gegen die Schließung von Eisenbahnwerkstätten in Dortmund ausspricht. Dem Ausschuß überwiesen wurde ein Antrag, der gegen die Schließung von Eisenbahnwerr- ftätten in Breslau protestiert. — Am Donnerstag 15 Uhr soll die Beratung der vom Steuerausschuß erledigten Deckungsvorlagen der Regierung beginnen.
Vorläufig kein Reichsschulgesetz.
Berlin, 9. April. Sn der heutigen Sitzung des Dlldungsausschuffes des Reichstages stellte der deutschnationale Abgeordnete Dr. Spahn ksie Frage, ob die Reichsregierung bereit fei, in die Beratung des deutsch- nationalen Antrages auf Vorlegung eines ReichsschulgefetzeS einzutreten. Ministerialdirektor Pellengahr beantwortete die Frage dahin, daß er mit Ermächtigung des Reichsministers des Innern erklären könne, dah die gegenwärtige Aeichsregierung es für ihre wichtigste Aufgabe betrachte, die zur Sanierung der Reichskasse erforderlichen finanziellen Maßnahmen mit allem Rachdruck durchzuführen. Bevor nicht die dem Reiche aus dem gegenwärtigen Zustand erwachsenen finanziellen Schwicrigkeiten restlos beseitigt seien, Zehe, sich. die Reichsregierung nicht in der'L'ag e,. irgendwelche 'gesetzgeberischen Aufgaben' in Angriff zu nehmen, die geeignet seien, das Reich oder die Länder mit neuen Ausgaben zu belasten.
Die Sattung -er Deutschlmtionalen
SagcSipfegtl
Der bisherige Verlauf der Verhandlungen im Steuerausschuß des Reichstages sowie der Beginn der großen Auseinandersetzung im Plenum selbst lassen darauf schließen, dah das drohende Gespenst einer Reichstagsauflösung noch nicht gebannt ist. Die Regierung hat kernen leichten Stand. Sie muh und wird gestalten, die Parteien aber versagen noch größtenteils. Enttäuschungen über Enttäuschungen erlebt unser Volk. Anstatt dah man auf das große Ziel zustrebt, das allein einen Erfolg gewährleistet, unterhält man sich über die Wege zu diesem Ziel. Der eine will nach rechts, der andere nach links ausbiegen, nirgendwo die erforderliche Einheit. Es sck^int uns fast so, als ob man bereits zu viel Angst vor möglichen Reuwahlen hat, die jede Entschlußkraft lähmt, und dafür nur Rücksicht auf die Gunst der Wählerschaft nehmen läßt. So kommen wir aber nicht zum Ziel. Wenn die Regierung ihr Finanzprogramm und gleichzeittg mit diesem auch die Vorlagen über die Agrar-Hilfe fettiggestellt hat, dann muh sie vor den Reichstag toten. Sie hat keine Zeit mehr zu verlieren. Das Kassen-Defizit, das Ende März 222 Millionen RM. betrug, wird im Mai immer noch in einer Höhe von rund 100 Millionen RM. zu decken sein, selbst wenn besttmmte Steuern bald zu fliehen beginnen. Das wissen auch die Parteien. Sie wissen ferner, oah die Regierung auch dann handeln muß und wird, wenn der Reichstag sich nicht zu einem Entschluß aufzurafsen vermag. Das würde unter Umständen für Ende dieser oder für den Anfang nächster Woche eine Auflösung des Reichstags bedeuten. Dann würden die verfassungsmäßigen Mittel anzuwenden sein zur Durchführung der notwendigsten Verordnungen, auf die das Kabinett schon des öfteren hingewiesen hat. Der Reichskanzler geht diesen Weg nur gezwungen mit aus tiefer Sorge für die Ret- rung unseres Volkes und der Wirtschaft. Daß er ihn vielleicht gehen muh, wäre die Schuld der Parteien, die nicht das Vaterland über die Partei, sondern die Partei über das Vaterland stellen. Wir verstehen, dah es für manche nicht leicht ist, plötzlich eine staatspolitische Kursumstellung vorzunehmen. Aber sie müssen es doch, denn das Doll verlangt es. Es will endlich andere Methoden angewandt sehen, Methoden, die aus einem festen Willen kommen, die durch straffe Anwendung auch die Erreichung des Zieles einer gesunden Reform sichern. Richt die Regierung, der Reichstag ist vor die Frage des Seins oder Nichts eins gestellt. Eine Beantwottung ist darauf noch nicht möglich. Alles wird sich wohl entscheiden zwischen der zweiten und dritten Lesung der Steuergesetze. Dann heißt es Tatvollendung oder Auflösung!
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Die Berliner Blätter sind voll von Berichten über das bevorstehende große diplomatische Revirement. Rach unseren Informattonen beruhen die verschiedenen Arten der Verteilung der deutschen Auslandsposten, die in manchen Punkten übereinstimmen, in anderen wiederum stark voneinander abweichen, in der Hauptsache auf leeren Kombinattonen. Fest steht bisher nur, dah von dem Revirement der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Schubert, der schon seit langem für das Reich ins Ausland zu gehen wünscht, ferner der deutsche Botschafter in Rom v. Reurath, der deutsche Botschafter in Paris v. Hoesch, der Gesandte in Warschau Ulrich Rauscher und der Reichspressechef Dr. Zechlin erfaßt werden. Auch die Kandidatur des volkskonserva- tiven Reichstagsabgeordneten v. Lindeine r-Wildau ist bisher nicht in der Versenkung verschwunden. Aller Voraussicht nach wird die Osterpause die Lösuna 'der Revirementfrage bttngen. Die neu1 ernannten Diplomaten dürften jedoch ihre Posten erst später beziehen, da die technische Seite der Angelegenheit, so ins-