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Anzeiger für (das frühere kur-hessische) Oberhessen
Sir.8L «5.Mrmn^ Marburg a.d. Ma
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AuMrg oder Niedergang?
ReWsimmzmiWer Moltenhauer über das SanierunMrogrmnm — Enge Verbundenheit von Sinanzreform und Agrarprogramm
Magdeburg, 6. April. Im Nahmen des Vertretertages der Deutschen Volkspariei des Wahlkreises X sprach am Sonntag Neichsfinanzminister Dr. Moldenhauer über das Thema: „Niedergang oder Aufstieg". Er führte u. a. Folgendes aus:
1. die Reichsfinanzreform und
2. die Hilfe für die Landwirtschaft und für den deutschen O st e n. Beide Aufgaben hängen eng miteinander zusammen. Ohne Finanzreform sei auch eine wirksame Hilfe für die Landwirtschaft unmöglich. An der Reichsfinanzreform seien alle Parteien in gleicher Weise interessiert.
Ein übermäßiger Steuerdruck wirke sich auf alle Bolksschichteu aus.
Ihm sei im Haag klar geworden, daß eine Außenpolitik nicht geführt werden könne, solange die Finanzen sich in vollkommener Unordnung befänden. Auch eine unabhängige Politik im Innern sei nicht zu führen, wenn der Finanzminister an den Tagen des Ultimo von Bank zu Bank laufen müsse, um die letzten Gelder für unbedingte Zahlungen zu borgen. Das führe mit der Zeit zu Zuständen, die nicht mehr zu ertragen seien. Finanzierung heiße in erster Linie, die Ausgaben herabmindern und die Einnahmen erhöhen. Das bequemste Mittel sei die Steuererhöhung.
Wichtiger sei aber, uachzuprüfen, wo die Ausgaben gesenkt werden könnten.
Der Haushalt für 1930 sei so sparsam wie nur irgendmöglich aufgestellt worden. Die laufenden Ausgaben für 1931 würden unter allen Umständen unter denen für 1930 liegen. Das Reichskabinett habe ihn beauftragt, ein Ausgabensenkungsprogramm vorzulegen. Die Vorbereitung dieses Gesetzes sei Samstag abend fertig geworden. Er beabsichtige, noch vor Ostern dem Kabinett den Entwurf vorzulegen, um dann ganz schnell an diese Fragen heranzugehen. Das Ausgabensenkungsgesetz bedeute allerdings einen Eingriff in unendlich viele Verhältnisie, auch Behörden müßten zusammengelegt werden usw. Man werde auch bei den Gemeinden nachprüfen müsien, wie sich deren Ausgaben mindern ließen. Weiter müsse eine Rechnungslegung deren größeren Gemeinden bei einer unabhängigen Stelle erfolgen. Es gäbe Städte mit einem Etat, der über den der kleineren Länder hinausgehe. Im Vordergrund der Ausgabensenkung stehe die Arbeitslosenversicherung.
Der Etat sei im letzte« Jahr durch die Ausgabe« für die ArbeitÄose«verfiche, rung völlig über de« Hanfe« geworfen. Wenn es gelungen sei, in diesen Tagen die Kreuzeranleihe vorzufinanzieren und dabei günstige Bedingungen zu erreichen, so sei für die Monate April und Mai der Reichshaushalt dadurch gesichert. Es sei dadurch nicht nur für die Reichskasse, sondern für die Gesamtheit ein großer Dienst geleistet worden. Dadurch würde auch das Arbeitslosenproblem gewindelt. Es sei beschlossen worden, Reichsbahnvorzugsaktien im Betrage von 500x Millionen Mark zu verkaufen. Die Durchführung seines Gesetzentwurfes mache weiter zur Bedingung, daß an die Frage der Verbesserung der Verwaltung der Arbeitslosenversicherung herangeaangen würde, die nach seiner Ansicht nicht richtig aufgezogen sei. Er sei sich mit dem Reichsarbeitsminister Stegerwald darüber einig, daß das ganze Gebiet der Sozialversicherung verbessert werden müsse, um auch dort Ersparnisse herauszuholen.
Die Sozialversicherung solle jedoch «icht abgebaut, souder« nur rational!«
fiert und ihr Wirkungsgrad dadurch gehoben werde«.
An die Regelung dieser Fragen müsse doch in der Sommertagung des Reichstages herangegangen werden. Er sei sich darüber klar, daß der Kampf um die Ausgabensenkung ein sehr heftiger sein werde.
Trotz alledem bleibe ein Fehlbetrag von rund 300 Millionen Reichsmark übrig. Eine Deckung dieses Fehlbetrages sei ohne Biersteuererhöh u n g nicht denkbar wenn man nicht den ganz gefährlichen Weg gehen wolle, die Umsatzsteuer stark zu erhöben, denn mit einer Erhöhung auf 1 v. H. könne bei weitem nicht der Fehlbetrag, sondern höchstens 180 Millionen Reichsmark gedeckt werden. Er habe gestern im Steuer-
Doungpla« im Senat angenommen.
Paris, 5. April. Der französische Senat nahm am Sonnabendabend die Haager Abkommen und den Voungplan mit 284 gegen 8 Stimmen an.
In der Aussprache ging Tardieu sehr ausführlich ein auf die Frage der
Rheinlandräumung.
Der Tert über das Datum der Rheinlandräumung fei sehr schlecht, sowohl für die Deutschen als auch für die Franzosen redigiert gewesen, besonders was die Nennung des 30. Junis betreffe. „Im Grunde besteht aber jetzt zwischen Deutschland und Frankreich keine Meinungsverschiedenheit mehr. Die deutsche Regierung hat anerkannt, daß es nicht Schuld Frankreichs war, wenn in Deutschland so spät erst ratifiziert werden konnte. Die Räumungsfristen haben noch nicht zu laufen begonnen. Es wurde auch deshalb mit der Räumung noch nicht begonnen. Wir haben sogar Rekruten ins Rheinland erst neulich noch geschickt.
Wir haben der deutschen Regierung keinen Zweifel darüber 'gelassen, daß unsere Truppen in der dritten Zone so lange bleiben werden, bis alle Bedingungen vorher erfüllt sein werden, das heißt die Rafifizierung, das Funktionieren der BIZ. und die Aushändigung der Schuldzertifikate an die BIZ. Sobald diese Aushändigung erfolgt sein wird, kann auch die Räumung beginnen und wird auch sehr rasch vollzogen wer-
der Real-, Grundvermögens-, Gewerbe- und Einkommensteuer kommen.
Eine wichttge Bedingung hierfür sei die Belebung des Baumarktes. Ohne Bewilligung der neuen Steuern sei die Durchführung des Agrarprogramms unmöglich. Die Regierung werde an den Reichstag appellieren, ob er den Mut habe, einer Regierung die Gefolgschaft zu verweigern, die die Finanzen sanieren und der Landwirtschaft helfen wolle. Die Regierung sei entschlossen, alle verfassungsmäßigen Mittel zu gebrauchen, um ihren Willen durchzusetzen. Die Entscheidung müsse in den nächsten Tagen fallen. Sollte jedoch engherzige parteipolitische Voreingenommenheit dazu führen, daß man nicht zur Einigung gelange, bann werde die Reichsregierung auch ohne den Reichstag weiterregieren und an das deutsche Volk appellieren.
ausschuß erklärt wenn die neuen Steuern in Höhe von 300 Millionen Reichsmark bewilligt würden, und zwar bis vor Ostern, dann könne er auch die Garantie dafür übernehmen, daß wir nicht nut die nächsten Monate, sondern das ganze Jahr hindurch über die Kassenschwierigkeiten hinwegkämen, und daß in dieser Richtung keine Besorgnisse mehr gehegt zu werden brauchten. Wenn man die Dinge, so wie bisher, weiter laufen lasse, und wenn übertriebene Ansprüche an den Etat erhoben würden, so würde er von seinem Posten zurücktreten und dem deutschen Volk Rechenschaft geben.
Wir müßten über die Schwierigkeite« des Jahres 1930 znr Entlastung der Wirtschaft und znr spateren Senkung
den: dem es besteht nicht das germgfte Interesse daran, eine derartige Lage zu verlängern. Dor dem Beginn der Räumung mutz jedoch Deutschland die Zerstörung gewisser Befestigungs- anlagen vollständig zu Ende geführt haben. Es muh jetzt darangehen und die fraglichen Werke restlos zerstören. Eine nur scheinbare Zerstörung würde nicht ausreichen. Innerhalb dreier Tage wird eine Rote in diesem Sinne an die deutsche Regierung ausgehändigt werden. (Sehr gut, sehr gut! auf verschiedenen Bänken des Hauses.)
Tardieu erinnerte daran, datz er von dem Auswärtigen Ausschutz des Senats gefragt worden sei, ob nach den Abmachungen der ersten Haager Konferenz genügend Vorkehrungen getroffen worden seien, um Verfehlungen Deutschlands in der entmilitarisierten Z o n e. feststellen zu können. Er verlas zur Beruhigung der Gemüter einen stenographischen Bericht mit den Ausführungen Bnands über diesen Punkt Mi Auslegung des Abkommens. Stresemann habe keine Einwendungen darauf erhoben und keine Einschränkungen gemacht. Die von Briand gegebene Erläuterung bestehe infolgedessen zu Recht.
11m seine Regierung gegen den Vorwurf der Schwäche zu schützen, benutzte Tardieu die Gelegenheit, um auszurufen: „Auf der Londoner Konferenz haben unsere Unterhändler noch keinen Futz, ja noch keinen Finger breit nachgegeben. Ich bm ihnen dankbar dafür."
5 Milliarden Steuerermäßigung in Frankreich
Paris, 6. April. Ministerpräsident Tardieu hielt heute mit dem Finanzminister, dem Budgetminister, dem Unter« staatssekretär für Nationalwirtschaft und dem Gouverneur der Bank von Frankreich eine Besprechung ab, in deren Verlauf die Erundzüge eines neuen Steuerermäßigungsprogramms, das die Regierung sofort nach Verabschiedung des Budgets in der Kammer einbringen will, festgelegt wurden. Es sind im ganzen neue Steuererleichterungen in Höhe von 1500 000 vorgesehen. was mit den bereits beschlossenen Steuererleichterungen insgesamt mehr als 5 Milliarden ergibt.
Verschleppung der Räumung?
zrmknich fertert die Schleifung eon BerleidigungSwrrken
Tagesspiegel
Der ReichSsparkommisfar beschäftigt sich zurzeit mit den Einfparungs- Möglichkeiten in den Reffortbereichen des Reichswehr- und ReichsfinanzministermmS. Der Bericht über die Reichsfinanzverwaltung, die von dem Ministerialdirektor von Laer, zuletzt Präsident des Landesfinanz- amtes Kassel, geprüft wird, wird in der nächsten Zeit ferfiggestellt sein und dem Reichsfinanzministerium zur Rückäußerang zugehen. Wenn die Stellungnahme des ReichSfinanzministeriums zu dem Bericht erfolgt ist, kann feine Weiterleitung an die ReicAregiermig, das Reichsparlameut und auch an die Oeffentlichkeit erfolgen. Der Bericht des Reichssparkommissars über Er- sparniSmögllchkeiten in der württember- gischen Verwaltung wird wahrscheinlich schon in den kommenden Tagen veröffentlicht werde«.
(3n den Senksch-rvssischen Verhandlungen, die zur Zeit in Berlin und Moskau gepflogen werden, und deren Ausgang noch in nebelhafter Ferne liegt, ist einer der umstrittensten Punkte der sogenannte Propagandaparagraph. Deutschland verlangt hier nach englischem Dor« bild ein für alle Wal die Einstellung der Tättgkett der sowjetrussischen Propagandastellen in Deutschland. Die Verhandlungen sind insofern außerordentlich schwierig, als Rußland immer wieder mit Argumenten operiert, die Deutschland eine grundsätz-- lich sowjetfeindliche Haltung Unterstellen wollen. Dem positiven oder negativen Ausgang der deutsch-russischen Verhand. hingen kommt die größte Bedeutung za, km von ihm die gesamte europäische Ostpoli- ttk beeinflußt werden dürste.
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Zn einem soeben veröffentlichten Erlaß des preußischen Kultusministers werden oie kürzlich vom preußischen Innenminister ausgestellten Richtlinien für die Vernehmung von Jugendlichen ihH d K i n» dein in Strafsachen gegen Lehrer zum Gegenstand näherer Anordnungen gemacht. Die Vernehmung von Kindern und Jugendlichen stellt an die psychologische Vorbildung der Beamten hohe Anforoe- rungen. Mehr als der Laie es ahnt, liegt hier die Gefahr vor, daß oas schließliche Ergebnis der Vernehmung kein objekttves Bild des Tatbestanoes, sondern nur das subjektive Bilo des ost leicht beeinfluß* baren Kindes ist oder oie Ansicht des vernehmenden Beamten wiedergibt. . Eine solche erste Vernehmung ist aber für den Ausgang eines Strafverfahrens vielfach von ausschlaggebender Bedeutung und das Geschick des Lehrers, oft genug das feiner ganzen Familie, tarnt von der sachgemäßen Durchführung der ersten Vernehmungen abhängig sein. Es ist deshalb die Vernehmung von Schulkindern vom Innenminister im Regelfälle in die Hand oer Schulver- waltungsbeamten gelegt und bestimmt worden, daß solche auch bei unaufschieb- baren Vernehmungen nach Möglichkeit hin- zugezvgen werden sollen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird in den Ausführungsbestimmungen des Kultusministers darauf hingewiesen, daß in der Riederschrist von KinoerauSfagen oie Vorgänge möglichst wörttich so zu schildern sind, wie es oie Kinoer selbst getan haben, also in der Sprache des Kinoes und nicht etwa übersetzt in die Sprache der Erwachsenen. Eigene Eindrücke bei der Vernehmung (z. B. über die Glaubwürdigkeit des Kindes ooer die Möglichkeit seiner Beeinflussung) sollen in einer besonderen Aeuherung außerhalb der Riederschrist oer Kinderaussagen gegeben werden. Die Sachlichkeit des Verfahrens wird durch diese Anordnungen gewiß gefördert werden.
Die Vorgänge in derBerlinerDer. kehrsgesellschaft mit ihrem Per- sonaldirektor B r o l a t haben des öfteren in der Oeffentlichkett in der letzten Zett Beachtung gesunden. Eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Berlin hat jetzt