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LinienschiffHefien", dahinter das Flaggschiff Linienschiff..Schleswig-Holstein in den Holtenau« Geschwaders zu der 2'i, monatigen Ausbildungsreike ins Mlttelmeer.

Die Ausfahrt der deutschen Flotte ins Mittelmeer

Maifenkin-er suchen eine Heimat

Von W. Hoeppener-Flatow

Ein akttägliches Bild. Bahnbeamten und Polizisten nicht unbekannt:

Aus einem dunkleni entlegenen Winkel eines Bahnhofes, eines öffentlichen Gebäudes oder aus dem Gebüsch eines Parkes tont das durchdringende Wimmern eines klemm, hungernden Kindes.

Ausgesetzt! Ein furchtbar«, «n* * faßlicher Gedanke! lind doch wie oft werden Kinder ausgesetzt, m emen Win­kel des Bahnhofes gelegt, in emen Park, odu auf die Treppe eines Waisenhauses. Die Wohlfahrtsämter und Fürsorgestellen wissen ein Lied davon zu singen, wieviel wie un- mdlich viel Mütter es gibt, die ihr Kmd aussetzen", es einem ungewissm Schicksal überlassend!

Wer sorgt für solch emen armen, halbver- Sirten, unglücklichen Wurm, von dem nie- weM ivü und wann er geborm und wer seine Eltern sind?

Zunächst mutz sich die Gemeinde, in der es gefunden wird, seiner annehmm. Es kommt in ein Krankenhaus, wird zuerst ein­mal mit Nahrung versehen (oft vergehen mehr als 24 Stunden, bis solch em Fmd- tmg aufgestöbert wird), mutz längere Zeit in der Quarantäne st ation bleiben, bis der Arzt festgestellt hat, daß es leine an­steckenden Krankheiten hat, kommt dann m ein Waisenhaus und erhält endlich emen Namen.

Zwei Jahre bleibm die Findlinge im Säuglings-Waisenhenn. dann kommen sie m ein ,^l Inders chutzh au s", wie fast iede Provinz es besitzt. Da unterhaltungspflich­tige Eltern oder Verwandte nur m den aller- seltensten Fällen aufgefundm werden können, müssen Gemeinde, Provinz und Staat sich in die Unterhaltungskosten teilen. Die meisten der Schutzhäuser sind grobe, Helle und luftige Gebäude mit eigenen Aerzten, einem recht groben Stab an, Pflegepersonal und einigen Lernschwestern, die hier zu Km- derpflegerinnen ausgebildet werden.

So freundlich aber die Schwestern und Aerzte zu den Kindern auch sein mögen, so sorglos und sonnig die elternlosen Klemen auch aufwachsm mögen das Eltern- Haus wird ein solches Heim nie ersetzen kön­nen! Spiel- und Turnsaal. Helle, zugge­schützte Veranden, ein grober Garten und gutes, kräftiges Essen, das sind Dinge, die sie oft bei ihren Eltern nicht gehabt hatten. Und doch auch das bestgeleitete Herrn und die liebevollste Schwester kann das Elternhaus nicht ersetzen.--

Das kann vielleicht das Elternpaar, das den Findling an Kindesstatt aimimmt Ader vielleicht auch nur unvollkommm...

Die Nachfrage nach Waismkinderm die als eigen" angenommen werden sollen, ist weit gröber, als man gewöhnlich glaubt Allein im Jahre 1928 wurden von, den preußischen Waisenhäusern und dm Klnder- schutzanstalten an kinderliebe, ab« kinderlose Ehepaare abgegeben:

480 Kinder im Alter bis zu 12 Monaten, 265 Kinder im Alter bis zu 3 Jahren, 106 Kinder irn Alter bis zu 9 Jahren,

61 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren u.

11 Kinder über 14 Jahren.

Angefordert wurden im Jahre 1928 insgesamt etwa 14 000 Pflegekinder, also weit mehr, als die Waisenhäuser abgeben können. Don den Gesuchen um Ueberwei- fung eines Pfleglings kamen

43 Prozent aus Kreisen des Mittelstandes,

18 Prozent aus der Landwirtschaft und

11 Prozent aus Arbeiterlreisen.

Der Rest verteilt sich auf die anderen Be­rufe. Rund 60 Prozmt der Gesuche muhten allerdings ohne Rücksicht auf den Kinderbe­stand abgelehnt werden, da der Verdacht be­stand. datz die Kind» nicht aus eblen Mo­

tiven gesucht wurden, sondern nur als billige Arbeitsftaft verwandt werden sollten! Um dem vorzubeugen, unterhalten die Waisen- und PflegeSmter übrigens auch besondere Konftollen, die auch Behandlung, Ernährung und Unterbringung des Kindes beaufsichtigen, so bah bei unbefriedigenden Meldungen die Wohlfahrtsämter die Möglichkeit haben, em« jugreifen und unter Umständen das Kind m eine andere Pflege zu geben.

Diese Kontrolle dauert an. bis das Kind mündig gewordm oder adoptiert worden ist! Denn auch das kommt vor. oft sogar! Kind und Pflegeeltern sind dann nn Laufe der Jahre so ineinander gewachsen, datz Pflegevater und Pflegemutter das Bedürfnis haben, dem seelisch ihr eigen gewordenen Kinde auch ihren Namen und oft auch ihr Vermögen zu übertragen.

Im allgemeinen sind die Erfahrungen, die Pflegeettern mit angenommenen Kindern machen, sehr gut, besonders, wenn sie sehr klein m ihr Haus ausgenommen werden und so von frühester Jugend in die dort herr­schende Atmosphäre hineinwachsen. Es kommt natürlich auch vor, dab erbliche Belastungen in späteren Jahren durchbrechen und alle Erziehungsarbeit zunichte machen., Diele Fälle sind aber nach Ansicht der Waiscnhausleiter so selten, dah es fast in 95 von 100 Fällen allein Schuld der Pflegeeltern ist,, wenn das heranwachsmde Kind auf die schiefe Ebene gerät.

Diese Gefahr besteht jedoch infolge der oben geschilderten Kontrollen nur in den allerseltensten Fällen. Vielmehr geben sich weitaus die meisten Pflegeeltern die größte Mühe, mit Liebe und Güte aus den ihnen anoertrauten Kindern fleißige und brauchbare Menschen zu machen, die all die Liebe, die an sie verschwendet wurde, danken, indem sie vorwäfts kommen und tüchtige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werdm.

Ser Tonfilm marschiert

Emil Zannings im Blaue« Engel.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Die lang erwartete Uraufführung des Ton­films der Erich-Pommer-Produktion der Ufa, Der Blaue Engel, ging im Eloria-Palast vor sich. Am Nachmittag wurde der Film der Presse gezeigt, die feststellen konnte, dah er von großer Wir­kung ist. Der Tang der Handlung stützt sich auf den Roman von Heinrich Mann, Professor Unrat. Das Manuskript haben Karl Zuckmay« und Karl Vollmöl­ler versaht. Die Hauptrollen find in den Händen von Emil Zannings und Marlene Dietrich die sich beide am Schluß der Aufführung dem äußerst dank­baren Publikum zeigen konnten. Die Musik ist von Friedrich Holländer. Beson­ders gut ist die Tonbildung gelungen, die den von der Sprechbühne her gewohnten Lauten fast vollkommen gleichkommt. Der Film wirkte vom Klassenzimmer des Gymnasiums über das Variete zum Blauen Engel bis zur Umnachtung des Profesiors vielfach erschütternd bei nur ganz wenigen komischen Einschlägen. »

Zn der Presse wird der Film fast allgemein als technische Meisterleistung bezeichnet und gerühmt. Heber die Fabel gehen die Ansichten natürlich auseinander. Marlene Dietttch ist übrigens unmittel­bar, nachdem sie sich zum letzten Male dankend vor dem Publikum verbeugt, in großer Begleitung zum Bahnhof gefahren, um über Bremen nach Hollywood zu reifen, wo sie zunächst den Roman von Benno Vigny Amy Jolly verfilmen soll.

Ein Male des Mount Everest?

Dr. Joseph Rock, der Direktor der amerikanischenRational Geographie Society" will auf seiner jüng­sten Forschungsreise durch Südwestchina und Tibet im Bergmasiv des Himalaza einen Gipfel entdeckt haben, der den des Mount Everest noch überragen soll. Wenn sich diese Nachricht bestätigte, so wurde der Mount Everest des Anspruchs auf den Ehrentitel des höchsten Berges der Welt verlustig gegangen fein. Dr. Rock, der jetzt nach den Vereinigten Staaten zuruck­gekehrt ist, hat das gesamte topographische Material der Geographischen Gesellschaft zur Prüfung vorgelegt. Eine Bestätigung des sensationellen Ergebnisies der For­schungsreise ist ebensowenig zu erhalten wie ein Dementi. Zn wissenschaftlichen Kreisen weist man indesien darauf hin, daß die Behauptung des amerikanischen Forschers nicht ohne weiteres als unmög- ' lich bezeichnet werden dürfe, da in Tibet sowohl in Westchina noch weite unent­deckte Gebiete, die noch kein Europäer oder Amerikaner betreten habe, vorhan­den seien, sodaß es wohl möglich sei, dah ein bisher unbekannter Berg von Riesen- gröhe existiere. Um höher als der Mount Everest zu seilt, und den Rekord auszu­stellen, mühte der von Dr. Rock angeblich entdeckte neue Berg eine Höhe von 8850 Meter überschreiten.

El« SrohStkttin?

Der Magistrat und die Stadtverord­netenversammlung der Stadt Stettin hat sich mit der Eingemeindungsfrage besaht. Es wurde dabei einmütig festgestellt, dah die Eingemeindung zahlreicher Vororte zur gebieterischen Notwendigkeit für die * weiter Entwicklung der Stadt geworden

= Die Kunst-Akademie ehrt Dr. Schwander. Auf einstimmigen Antrag des Lehrerkollegiums der Kunstakademie zu Kafiel, hat der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung den scheidenden Kurator der Akademie, Ober- präsident Dr. Schwander, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdiente um die Akademie zum Ehrenmitglied der Staat­lichen Kunstakademie ernannt.

= Die Riesenayflage derBudden­brooks". Anfang November vorigen Jahres erschien von dem bekannten Ro­manBuddenbrooks" von Thomas Mann eine billige Volksausgabe in einer Auf­lage von' 100 000 Stück. Vierzehn Tage später mußte bereits das 500. Tausend in Druck gegeben werden. Thomas Mann bekam für 1 Million Exemplare, die be­reits einige Wochen nach Erscheinen der ersten 100 000 gedruckt waren, das statt­liche Honorar von 250 000 Mark., Mann hatte kurz vorher den Nobelpreis in Höhe von 230 000 Mark erhalten, also rund eine halbe Million Mark allein in einem | Monat verdient...

- Schulmufittagnna in Kafiel verlegt. Die für Kafiel vorn 31. Mai bis 4. Juni d. 3. an­gekündigte Schulmusikalische Tagung des Zenttalinstituts für Erziehung und Unter­richt ist auf den Herbst verschoben.

Sochsämlnachrichten

X Den Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, Dr. August Hirt (Anatom»), Prosettor am Anatomischen Institut, Dr. unedrich Schultze-Rho nhof (Eeburtshflfe und Gynäkologie) und Dr. Helmut D e nn ig

ist Zn den an den Regierungspräsiden­ten gerichteten Vorschlägen wird die Eingemeindung »on 2 0 Dor orten, darunter auch Altdamm gefor­dert. die der Stadt Stettin eine $ergro= herung der Einwohnerzahl von 270 0UU auf etwa 335 000 bringen soll wahrm^ der Flächeninhalt des Stadtgebietes sich von 8200 Hektar auf 22 800 Hektar aus- dehnen würde.

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Einäscherung Colima Magners

K o b u r g, 3. April. Heute nachmittag wurde hi« im Krematorium des Städttschen Friedhofes Cosima Wag­ner eingeäschert. Als nächste Familien­angehörige waren Siegfried Wagner mit Gattin und seinem Sohn Wieland zu­gegen. Erschienen waren ferner u. a. der Fürst zu Hohenlohe Langenburg mtt Fa­milie Vertretungen des Äontgs ^erbi nand von Bulgarien, der herzoglichen Fa­milie von Sachsen Koburg-Eotha der Re­gierungspräsident von Oberfranken Dr von Ströhenreuther, Oberbürgermeister Preu-Bayreuth und Rechtsrat Dehler für die Stadt Koburg. Dem Wunsche der Ver­storbenen entsprechend wurde die Fe»« mit dem vom Chor des Landestheaters Koburg gelungenen Pilgerchor «us Tann­häuser eingeleitet, worauf Stadtrat Pistorius - Koburg die Gedächtnisrede hielt Prof, du Moulin - Eckardt - München feierte die Verstorbene als Trä­gerin der deutschen Kultur und des deut­schen nationalen Empfindens Regierungs­präsident von Strötzenreuther legte im Auftrage des bayerischen Ministers für Kultus und Unterricht, Oberbürgermeister Preu im Namen der Stadt Bayreuth, deren Ehrenbürgerin die Derstorbene war, Kräme nieder. Mit dem vom Bochrod«- Quartett des Landestheaters gespielten Karfreitags-Zauber aus Parfival endete die stimmungsvolle Fei«.

Prof. Heinrich Wölfflin, der berühmte Kunsthistoriker, hat nun­mehr die Einladung angenommen, an der Berliner Universität im Sommersemester Gastvorlesungen zu halten. Die Kunstwelt verehrt in Wölfflin den hervorragendsten Kenner der Malerei des 15. und 16. Jahr­hunderts darüber hinaus einen der grund­legendsten Theorettker der Kunstästhettk.

(Innere Medizin), Oberarzt an, der Medizmi- fchen Klinik, ist die Amtsbezeichnung aufcer- ordentlicher Professor verliehen worden.

X Die außerordentliche Professur für, Bo­tanik an der Tübinger Universität ist dem Privatdozenten Dr. Walter Zim­mermann daselbst übertragen worden.

X Professor Dr. jur. Julius Georg Laut- ner an der Handelshochschule Mannhetm hat den an ihn ergangenen Ruf auf das Or­dinariat des römischen Rechts und Mltver- I tretung des modernen Privatrechts an der | Universität Zürich als Nachfolger von Prof. A. B. Schwarz angenommen.

X Geheimrat Profesior Dr. jur. et phil. I). t. Ernst Heymann, der bekannte Rechts- lehrer der Berliner Universität und be­ständiger Settetär der philosophisch-histori- schen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften, vollendet am 6. April das 60. Lebensjahr. In Berlin geboren, studierte er in Breslau, war zunächst als Referendar tätig und habilitierte sich 1896 in Breslau als Privatdozent. Drei Jahre später wurde Heymann Eitraordinarius in Berlin, kam Ostern 1902 als Ordinarius nach Königs­berg als Nachfolger von Geheimrat Eareis, später nach Marburg als Nachfolger von Geheimrat H. Lehmann und 1914 nach Ber­lin als Nachfolger Hellwigs.

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