Dienstag, ha 20. Luxnil 1929
Di« ^Oderhrlftl-v« Seitung" a- scheint f«b<mal wLchnitttch. Be- F«8*lprt« mmtatlid, 2.10 «M. an*, stlleßl. Znstetlungsgrbühr, dvrch dttP»st2.S5 ettra infolge
Streif*. 9Reiebmenfefette ober demen rarer teei^nfk «tKieHenbe Summern torrb Fein Tria» geleitet. Verlag b. Dr. <$. thwrotfe. Druck bet Unrd.-Dmdbmckerei d. Job. Sing. Ävch, Merkt 21« Aernkprecher: Nr. M. n. Nr. Ä. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Skr 5015. — Sprechet bet 9teb<ftton vo» 10—11 unb ’M—1 Uhr.
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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1 Maral = DaSar.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Donnerstag Start rar dritten Etappe
Die mm Kell zollt btt Leistung des .«ras Zeppelin" nab feiner Besahnoo Msle Anttkemumg
(Weitere Meldungen siehe Seite 2)
MumunMrmln nicht bcklinntgrgkbkn
Bklmb hat Um »Hingt mittet nicht gehalten — Dl: vttgeichlagraen rrm.lv -denen sich nicht zm Beröffe itlichung' !!
Die fSr Montag aagekLndigte Bekanntgabe des Ränmnngstermins ist ausgeblie- ben. Ein fester Zeitpunkt für die Bekanntgabe der RSnmnugsdate«ist nicht angesetzt worden. Der französische Ministerpräsident B r i a n d hatte in der Soanabend-llnterrednag, S t r e s e» «an« die Bekanntgabe des Räummtgs- termins für Montag zngesagt. Bon der deutschen Abordnung wird über die Mon- tagsunterredung zwischen Stresemana und Briand, in der mit großer Spannung die Bekanntgabe der französischen Stellungnahme in der Röumuagsfrage erwartet worden «ar, lediglich mitgeteilt, datz keinerlei Bekanntgabe über den Anhalt der Unterredung gebracht werden könnte. Der Eindruck dieser negative« Ergebnisse ist allgemein autzerordeatlich uugüa.
danach wurde uns gesagt, Vriand habe sich Bedenkzeit bis Montag ausgebeten. Heute, am Montag, kommt Herr Briand, und nun hat er wieder keinen Zeitpunkt anzugeben bezw. die Zeitpunkte, von denen bei der Besprechung die Rede war, sollen der Oeffentlichkeit aus Zweckmäßigkeitsgründen nicht mitgeteilt werden. Man kommt an dem Eingeständnis nicht vorbei, daß der französische Ministerpräsident sich im Haag ein Spiel erlaubt, das, wenn nicht in der Form, so doch in der Sache, den Methoden der französischen Politik aus der Zeit vor Locarno ähnlich sieht.
Belgische Besatzung an Stelle der englischen!! _ -•
Der f. P.-Diensi verbreitet folgende sensationelle Meldung: Die Belgier be
stätigen eine von der belgischen Telegra- phen-Agentur „Belga" gebrachte Nachricht,
datz die Belgier einen Teil der bet- gischen Truppen, die am 16. September aus der zweiten Zone zurückgezogen werde«, anschließend in die- jenige« Teile der 3. Zone »m Wies- bade« transportieren wolle«, die durch de« Rückzug der Engländer frei wer-
Berlin-TM
„Graf Zeppelin" ist in Tokio gelandet! Der erste gelungene Afienflug des deutschen Luftschiffes ist beendet, und damit ist der Luftverkehr wieder in ein neues Stadium getreten. Denn mit der geglückten Landung ist ein Plan $ut Vollendung geworden, der bereits vor fünf Jahren die Techniker und Politiker beschäftigte. Man trug sich mit dem Gedanken einer
ständige« Lustverbiudm«
zwischen Mitteleuropa,bezw. Berlin und Tokio—Osaka—Lobe.
3m Frühjahr des Jahres 1924 unterbreitete Hauptmann Bruns, der der Generalsekretär der Aeroakttt ist, einen solchen Plan der Sowjettegierung. Ein Jahr später stu- bieite man bereits die meteorologischen lufttechnischen und wittschastlichen Verhältnisse dieses grünen Ozeans, der zwischen uns und dem fernen Osten liegt. Und erneut kam man zu ernsthaften Erwägungen dieses Pro- iettes, dem sich «. a. der ehemalige Ehef- konstruttenr der Schütte-Lanz-Werke anschloß.
den.
Die Luftlinie, die man damals vorfah.
Berlin—Leningrad—Olekminsk—Olekma-
Dieser Meldung wird noch hinzugefügt, daß die englischen Quartiere nacheinander durch belgisches Militär besetzt werden . sollen, um der Besetzung der dritten Zone.
auch weiterhin einen internationalen Eha- rakter zu geben.
tal—Amur — Eharbin — Wladiwostok — Kobe.
stig.
Die Verschiebung ist darauf zurückzuführe«, daß Frankreich nach wie vor an seinem Standpunkt festhält, datz die Rheinlandräumung von der Annahme und Durchführung des do«ag- planes abhängig sei.
Ob die beiden übrigen Besatzungsmächte, England und Belgien, eine andere Haltung in der Besprechung am Montag ein« gekommen haben, ist bisher noch nicht bekannt geworden.
Reuter meldet aus dem Haag: Der deutsche Standpunkt, daß die Räumung von der finanziellen Regelung nicht abhängig gemacht werden soll, wird von Henderson geteilt. Der britische Staatssekretär des Aeußern hat wiederum erklärt, daß die britische Regierung Ende nächsten Monats mit der Räumung beginnen werde.
Rach einer Meldung des Berichterstatters der „Kölnischen Zeitung" laufen die Mitteilungen über die Unterredung Stresemann—Briand darauf hinaus, daß
Briand sich nickt bereit gefunden hat, den Zeitpunkt für den Abschluß der Räumung der Ma'nzer Zone anzugehen. und daß d?e T e r m i n e, die hn Lauf der Unterredung von Briand in die Erörterung gebracht worden sind, nach Auffassung der zuständigen Stellen der deutschen Abordnung nicht geeignet sind, der Oef- fentlichkeit weite rgegeben zu werden.
Die K. Z. bemerkt dazu: Das ist nun bereits das drittemal, daß Herr Briand es für richtig hält, den Reichsminister des Aeußern — man findet, wenn man die Wahrheit sagen will, schwerlich kein andres Wort: — naszuführen. Am vergangenen Mittwoch wurde den deutschen Pressevertretern von der zuständigsten Stelle der der deutschen Abordnung versichert, Herr Briand habe zugesagt. am Sonnabend'danach den Zeitpunkt für den Abschluß der Räumung anzugeben. Am Freitag kam Herr Briand zu Herrn 6tte|emann, und.
Der Gesetzentwurf zur Reform der A. S.
Sire SnupfMinfle — ‘|,
Berlin, 19. Aug. Amtlich wird mitgeteilt: Da» Sleichskabiuett stimmte in seiner heutigen Sitzung einem vom Reichsarbeitsminister vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderuug des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zu. Der Entwurf wird sofort dem Reichsrat und zur informatorischen Kenntnis dem Sozialpolitt- schen Ausschuß des Reichstages als Grundlage weiterer Beratungen zugehen.
Au» dem Entwarf der Reichsregierung.
lieber den Inhalt der gestern vom Reichs- mbinett verabschiedeten Gesetzentwurfs zur Reform der Arbeitslosenversicherung, aus dem von amtlicher Seite noch keine Einzelheiten bekanntgegeben sind, teilt der demokratische Zeitungsdienst u. a. mit: Der vorliegende Gesetzentwurf enthält 67 Aenderungen und eine ausführliche Begründung, in der die finanzielle Lage der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung^ geschildert wird. Auf Grund der gemachten Erfahrungen hat das Arbeitsministerium in dem Entwurf weiterhin Neufassungen vorgenommen, die den Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung ausschließen sollen. Bei den vorgeschlagenen Aende- rungen handelt es sich um vier Hauptpunkte und zwar um die Veränderung der
Prozenl BeilragterWung
Wartezeit, um die Anrechnung der Renten, um die Neuordnung auf dem Erbiete der Krankenversicherung und schließlich um die allgemeine Staffelung bei den Saisonarbeitern. Für diese vier Puntte ist eine finanzielle Berechnung über die Höhe bet Ersparnisse dem Entwurf beigefügt. Diese Berechnung ergabt, daß zum wesentlichsten Teil das vorhandene Defizit von 279 Millionen beseitigt wird — dieses Defizit wird aber nicht ganz beseitigt, es bleibt vielmehr eine Lücke, und diese Lücke zu schließen, ist die Aufgabe der gesetzgebenden Körperschaften, des Retchs- rats und des Reichstags. Die finanzielle Neugestaltung der Arbeitslosenversicherung geht aus von einer Arbeitslosigkeit von 1,1 Millionen. Für die fünf Wintermonate vom 1 November bis 31. März ist mit 1% Millionen Arbeitsloser gerechnet. Der Gesamtaufwand für die Arbeitslosenversicherung wird auf 1119 Millionen beziffert. Davon sind bisher eingegangen 840 Millionen. Der Gesetzentwurf sieht eine Beitragserhöhung um ein halbes Prozent vor, und zwar ist diese Erhöhung auf IVs Jahre beschränkt. Durch die Beitragserhöhung werden jährlich 140 Millionen Mark mehr aufkommen. Das sind insgesamt 890 Millionen. Der Rest muß durch Ersparnisse, wie sie der Gesetzentwurf vorschlägt, zu decken setn. Die Neuordnung der Arbeitslosenversicherung soll mit denk 1. November 1929 in Kraft treten.
IE SRoeate noch Annohnee des Bonngplones!
Die französische Presse zeigt sich befriedigt. Es wird festgestellt, daß die Sachverständigen bereitwillig ihre Akten geöffnet und ohne Umschweife das gewünschte Material geliefert hätten. Zur Räumungsfrage schreibt das „Echo de Paris", wenn Briand bedingungslos die zweite Zone aufgebe, deren Räumung vor Ende Dezember durchgeführt sein soll, so fordert er für die dritte Zone eine genügend lange Frist. Die Truppen sollen zurückberufen werden,
sobald der Young plan von den Parlamente« ««genommen
sei, aber der letzte Soldat werde erst
10 Monate spater das Land v e r l as s e «.
Das Blatt ist besorgt darum, ob Briand auch tatsächlich seine straffe Haltung bet- behalten werde.
3 UnterarrsschSfss
ft. Haag, 20. Ang. Die Fmnnzstuh« »erftäwbigen der fünf Eläubigermächte tagten gestern bis in die S. Abendstnnde. Es werben drei Unterausschüsse f8r die einzelne« Fragen eingerichtet, die mit den englische« Ansprüche« M- sammenhänge«.
Die (Entfernung beträgt 10 500 Kilometer und man kann den Weg in ungefähr 120 Stunden zurücklegen. „Graf Zeppelin" brauchte aber nur 91 Stunden, und damit erreichte er einen Rekord, der in absehbarer Zett nicht geschlagen werden dürfte!
Af e
In der Frühe des Sonntags kreuzte das Luftschiff über der ostsibirischen Stadt Jar- tutsf. Es ist eine der Stätten, an denen mancher Deutsche Jahre seines Lebens über die Sinnlosigkeit des großen Völkermordens nachgrübeln mußte. Hier blieb auch so mancher Soldat, der als Gefangener sein Herz verlor und sein deutsches Handwerk und Gewerbe hier zum Lebensunterhalt ausübte, sich sogar Achtung und Ansehen unter den „Feinden" schuf. In dieser Stadt, die ein paar Tagereisen von der deutschen Grenze entfernt liegt, ist ein
deutscher Heldenfriedhof...
Diele haben das sibirische, kalte Klima nicht ertragen können. Und viele erlebten die Zeit von 1917 nicht mehr, als die Soldaten nach Hause durften und der Zar nach Sibirien verbannt wurde, als ein einfacher Soldat.
Das Luftschiff kreuzte lange über dieser totabt, die für so viele deutsche Soldaten zum Schicksal wurde. Und man warf einen Kranz ab, den Deutsche mitgesandt hatten, um den deutschen Kriegern etn Zeichen de» Gedenkens zu senden.
Hinter Jarkutsk beginnt die uferlose Größe Sibiriens in Schweigen und öder Leblosig- kett. Und es ergab sich, daß die Karten, die Dr. Eckener mit an Bord hatte, der Wirklichkeit wenig entsprachen. Die Geologen, die hier gearbeitet hatten, mögen sich verrechnet haben. Denn das öde Stamvoj- gebirge, in dem kaum ein menschliches Wesen haust, ist bedeutend höher, als es auf den Plänen verzeichnet war. Stunden um Stunden verrannen, die Motoren surrten und sangen ihr eintöniges, dumpfes Lied. Und unten jsog die Erde Sibiriens vorbei. Man kann sich erst einen Begriff von der unendlichen Größe Asiens machen, wenn men Tage um Tage über Felder und Wälder, über Steppen und Gebirgszüge dahinfliegen tarnt, ohne eine menschliche Behausung zu sehen, ohne ein Tier zu entdecken, ohue die geringste Spur von Lebewesen zu bemerken. Nur h« und da findet man den Strang einer transsibirischen Dahn und verfallende Hütten