Einzelbild herunterladen
 

vvmmdkm, He 17. äugelt 1921

Ne --»«chesstsch« 3titimg" et- scheint sechsmal wöchentlich. De- Mgsprels monatlich 2.1« GM. ans- fo&Ml. Zustellungsgebühr, durch Mt >?oft2.35 GW.^ür etwa infolge Streiks. Maschinen defekte oder elementarer Lrergntfie ausfallend« Nummern wird kein Ersatz ge­nistet. Deriaq b. Dr. 5. Hitzervch. Druck der Unid.-Dnchdrnckerei 6u Joh. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Stt. 54. tu Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <u M. Nr. 5015. — Sprechzeit Hc Redaktion von 10—11 und ’M-! Uhr.

öbechessssche

00 8**°

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Rr.M 64.3ateg. Marburg a. Mn

Der Anzeigenpreis betrügt ftt den 10 gespalt. Zeilemuillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeigen 0.06 GM-, amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50%, Aufschlag. — Sa mmeian zeigen 100 *1» Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Darrabatt. Ziel 5 Lage.

Offertes-Gebühr: 25 Pf» Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

1 Goldmark — V«,, Dollar.

Anzeigen bet amtlichen Bekanntmachnngen für Stabt «nb Kreis Marburg.

Dis Hälfte Les Weses MLvÄDMest SÄ Luftschiff .Skiff Stccclin“ tofcto sich Mute eermiftug ttoa 45# «ilkmetkk Nkktlvkstlich een Tomsk Md tat somit die Stifte ter Strecke SriedrWWeu-rotio auriufgelegt. Rau nimmt an, W das LuftWff das nördliche Ende tos Baikalsees überstiegen wird

Alle Besprechungen im Haag verlast

Sie «folge tot Antwort Snowdens - Sie vier Mächte sollen neue Vorschläge formulieren

Md die SsuMage?

, Sie Sitimtfon im Saug für Denffchlmd fett bedenklich

Ansprüche auf eine Höherbeteiligung an der ungeschützten Annuität in diesem Rahmen eine teilweise Berücksichti­gung erfahren haben sollen."

Englische Befürchtungen.

Die gestrigen Ereignisse im Haag fin­den in der englischen Morgenpresse stärkste Beachtung. Zum erstenmate taucht eine gewisse Befürchtung auf, daß auch Deutschland sich in den anti- britischen Block einreihen könnte. Weiterhin wird aus der Um­gebung Snoitbcns versichert, daß der Schatzkanüler unbedingt fest blei­ben werde, aber größten Wert daraus legt, den vier anderen Mächten jede mög­liche Gelegenheit zu geben, einen befrie­digenden Vorschlag vorzulegen.

Stresemanns mit Briand: Die Besprechun­gen haben sich vor allem auf die politischen Fragen und auf die Rheinlandräumung bezogen. Der Reichsaußenminister habe darauf bestanden, zu erfahren, in welchem Zeitraum die Räumung erfolgen könne. Vriand habe geantwortet, daß nach Ansicht der französischen Sachverständigen die ganze Operation in 10 Monaten von statten gehen könne. Stresemann habe nicht verhehlt, daß diese Frist ihm viel zu lang erscheine. Er habe jedoch eingewilligt, die Verhandlungen auf dieser Grundlage fort­zusetzen.

England für bedingungslose Räumung.

Rach einer Reutermeldnng aus dem Haag betonte Henderson im Laufe seiner gestrigen Besprechungen mit Dr. Strese­mann nochmals mit Nachdruck, daß die bri­tische Regierung bereit sei, das Rheinland innerhalb sehr kurzer Zeit und be­dingungslos zu räumen.

Die bereits angekündigte Verschiebung der für heute vormittag anberaumten Sitzung des Finanzkommitees ist Tatsache geworden. Damit wird auch die geplante Einsetzung der he Young-Plan vorgesehe­nen Orgauisationskomitees sowie der finan- Iiekle» Unterausschüsse vorläufig hinfällig, lleber den Wiederzusammentritt des Fi- uauzkomitees ist noch nichts bestimmt wor­den. Dies wird von dem Verlauf der in­offiziellen Besprechungen abhängen, die in, pvischen zwischen den beteiligten Mächten über die ausgetretenen schwerwiegenden siuanziellen Schwierigkeiten stattfinde« werde«.

Die für heute hr Aussicht genommene informelle Besprechung der Hauptdelegier­te« Deutschlands und der drei Besetzungs­mächte, also Frankreich, England und Bel­gien, ist im Zusammenhang mit den in finanzielle« Frage« aufgetretenen neuen Schwierigkeit«« auf Montag vertagt wor­den. H««te werde« also keinerlei offizielle Sitzungen stattfinden, mit Ausnahme der­jenige« des Juriste«kömitees.

Auch die für heute vorgesehene Bekannt­gabe des Räumungstermins der drei Besatzungsmächte England, Frankreich «ad Belgien ist zunächst auf Montag verschoben worden. Für Montag ist eine neue Bier-Minister-Besprechung von Deutschland, Frankreich, England «ich Bel­gien über die Räumungstermine vorge­sehen. 3« maßgebenden Kreisen der Kon­ferenz meist man, daß die endgültige Ent­scheidung über die politischen Fragen erst während der Septrmberversammlung des Völkerbundes erfolgen wird.

Die Vertagungen sind zurückzuführen auf die Antwort Snowdens, die er den vier Mächten nach einer kurzen Prüfung ihrer Vorschläge erteilt hat und bie im wesentlichen eine Ablehnung bedeutet, wie wir bereis gestern berich­teten.

Lediglich, um ein Scheitern der Kon­ferenz zu vermeiden, hat Snowden den Dertagungsvorschlag gemacht, um, wie er sagte, den vier Mächten Gelegenheit zu geben, befriedigende Vorschläge zu formu­lieren. Er wolle noch ein paar Tage warten, um zu sehen, ob es dazu kommt.

Ser Inhalt des Viermächte- Angedots

lieber die Denkschrift der vier Mächte berichtet H a v a s:

Obwohl über ihren Inhalt Still­schweigen gewahrt wird, kann mit Ziemlicher Sicherheit festgestellt werden, daß er nicht viel von den Vorschlägen ab­weicht, die Francqui bei seiner gestrigen Unterredung mit Snowden bereits münd­lich vorgebracht hat. Vorschläge, die "be­kanntlich von Snowden energisch zurück­gewiesen wurden. Ziffernmäßig sollen die angebotenen Konzessionen darauf hin­auskommen.

daß Englands Forderungen, wie wir bereits voraussagten, zumin­dest z« zwei Dritteln bewil­ligt werden, d.h„ daß England eine Erhöhung seiner Noung-Annuität um über 30 Millionen Reichsmark zuge­sichert erhält.

Die vier genannten Mächte behaupten allerdings, daß ihre Vorschläge bis aus 80 Prozent an die englische Forderung herankommen. Von englischer Seite wird dagegen ihr Ausmaß nur auf etwa 50 % beziffert, weil hierbei Beträge angerech­net seien, auf die die Engländer ohnehin nach dem Voung-Plan Anspruch zu haben glauben. Ebenso gehen die Ansichten dar­über auseinander, inwieweit Englands

Die Hauptfragen der Konferenz, die end­gültige Räumung der Rheinlands und die Saarfrage, sind durch die englisch­französische Krise völlig in den Hinter­grund gerückt worden.

Wenn jetzt nicht von deutscher Seite mit aller Entschiedenheit die Forderung in den Vordergrund gerückt wird, daß un­abhängig von dem Scheitern oder Richt- scheitern der finanziellen Fragen die Konferenz zu endgültigen-Beschlüssen in der Rheinlandfrage kommen muß, so ist nicht abzusehen, welche Form überhaupt eine Entscheidung über die Rheinland­räumung haben wird. Die Lage, in der sich Deutschland auf der Konferenz befin­det, ist außerordentlich bedenklich. Der Streit zwischen England und Frankreich kann für Deutschland in keiner Weise irgend einen Nutzen bringen.

Bria»d braucht 10 Monate Zeit!

Der Haager Korrespondent des „Jour­nals" berichtet zu der Unterredung Dr.

Immer noch Hoffnung!

Die Antwort Snowdens und sein Vor­schlag, die auf Sonnabend vormittag an­gesetzte Sitzung der Finanzkommisiion zu vertagen, um den vier Mächten Gelegen­heit zu geben, die englische Antwort zu prüfen, wurden erst in den späten Abendstunden in Paris bekannt, sodaß nur ein Teil der Pariser Blätter die neue Wendung der Dinge überhaupt erwähnt. Aus der Tatsache, daß die englische Schatz­kanzlei die Vorschläge der vier Mächte nicht rundweg abgelehnt hat, schöpft man neue Hoffnungen. Sauerwein schreibt im „M a t i n", daß die münd!' he Antwort Snowdens an Houtart kurz gewesen sei, aber nicht die Brücke abgebrochen habe. Eine schriftliche Antwort der Engländer werde am Sonnabend erwartet. So sei der gestrige Freitag mit einer teilweisen Lösung zu Ende gegangen. „P e t i t Parisi en" schreibt, die Tatsache, daß Snowden die Note der vier Mächte nicht einfach mit einer drohenden Geste zurück­

gewiesen habe, hätte genügt, um gut Wet­ter für die Konferenz zu schaffen. Das Blatt warnt jedoch davor, nunmehr in einen unbegründeten Optimismus zu ver­fallen. „Die Verhandlungen dauern an. Das ist alles. Es beginnt jetzt die Zeit des Kuhhandels."

Der Haager Korrespondent des .Daily Telegraph" meldet über die Lage am gest­rigen Abend: Die Aussichten auf Erfolg oder Mißerfolg der Konferenz dürften 50:50 stehen. Die italienische Hartnäckigkeit bleibt einstweilen ein wichtiger Faktor.

Pertinax meldet dem „Daily Telegraph" aus dem Haag: Die Rote der vier Mächte an Snowden endet mit dem Vorschlag, einen britischen Sachverständigen zu er­nennen, der die Lage gemeinsam mit ihren eigenen Sachverständigen prüfen soll. LM Snowden sich dazu bereit findet, ist noch nicht bekannt.

Der Rmm im Saag

Konferenzen, wie wir sie aus Genf kennen, und wie sie jetzt im Haag tagt, tragen sehr deutlich beo Stempel von Persönlichkeiten. Man erlebte Kon­ferenzen, die stark unter dem Einfluß Briands standen, und dann wieder Kon­ferenzen, wo Stresemann eine überragende Rolle zu spielen wußte, auch die Persön­lichkeit des Herrn Woldemaras aus dem Heinen Litauen gab des öfteren diesen Genfer Sagungen ihr Gepräge. Zumeist waren es die gleichen Männer, die den Geist dieser politischen Aussprachen be­dingten. Es waren nur wenige. Man konnte sie an den Fingern der einen Hand abzählen.

Was ist das Reue der Haager Kon­ferenz? Die Krisen sind die gleichen ge* blieben, das Ab und Auf der Tempera­mente bewegt sich in den gleichen Aus­maßen wie früher in Genf oder in Locarno. Rur ein Neues gibt es: näm­lich eine neue Persönlichkeit. Philipp Snowden, Englands Schatzkanzler. Ein neuer Fechter, ein neuer Taktiker, alles in allem ein neuer Mann, dessen Persön­lichkeit der politischen Aussprache ihr Ge­präge gibt. Zwischen Frankreich und Eng­land hat es nach der Beendigung des Weltkrieges und nach der Fixierung der übelsten aller Friedensverträge sehr ost argen Zank gegeben. Man sagte sich sowohl in London als auch in Paris Wahrheiten, die nicht immer wie Kom­plimente klangen. Das war nicht ver­wunderlich, denn S8 läßt sich nicht ab- streiten, daß die Interessen der beiden Mächte nach der für die glücklichen Liqui­dierung des Krieges etwas auseinander- gelaufen find. Die Entente cordiale blieb zwar bestehen, aber sie wurde zu einer Fiktion, die mehr auf dem Papier stand oder Tradition war, als lebendige Er­kenntnis aus den Rotwenbigkeiten der Stunde und einer Gemeinsamkeit der Wege. ।

Dun rst Philipp Snowden auf den Plan getreten. Schon seine Ernennung zum englischen Schatzkanzler war ein Schlag gegen Frankreich. Denn dieser Snowden ist alles, nur nicht ein Be­wunderer der französischen Politik nach dem Weltkriege, zudem ein Mann, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Er hat als englischer Abgeordneter den Franzosen Dinge gesagt, wie sie pein- llcher, aggressiver, spitzer und ironischer in französischen Ohren niemals geklungen haben. Snowden Ist ein Pazifist. And deshalb der schärflte Gegner des Ver- salller Friedensvertrages: „Der Vertrag von Versailles," so schrieb er vor einigen Zähren, ^hat die Schlagader des Wirt­schaftslebens Deutschlands durchschnitten." Als er einst im englischen Anterhaus gegen bas Versailler Diktat andonnerte, und ein englischer Konservativer in einer Zwi­schenbemerkung ihn fragte, was Deutsch­land wohl getan hätte, wenn es Sieger geblieben wäre, antwortete er: „Ich weiß nicht, was Deutschland getan hätte, aber eins weiß ich: wenn Deutschland gewonnen hätte, dann hätte es den Verbündeten keinen Frieden auserlegen können, der brutaler, ungerechter und herausfordern­der gewesen wäre, und der mehr dauern­den Haß hervorgerufen hätte, als dieses Dittat der Verbündeten, die höhere Ideale zu vertreten versicherten und die eine andere Denkungsart als die Deutschen haben wollten." Solche Worte Snowdens blieben in Paris nicht unbemerkt. Wan