Einzelbild herunterladen
 

Freitag, teil 16. Limit 1929

Die »Sberhefsische Zeitrmg" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2.10 GM. an«, schließt. Zustrllungsgebühr, durch dlePvst2.3S GM.^ür etwa Infolge Streik« Maichmen defekte oder elementarer ttreignifle amerallende Kummern wird kein Lrfa» ge­leistet. Verlag d. Dr. 5. Hikervtb. Druck der Univ.-Buchdruckerei b. Job. Aua- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Rr. 56 Postscheckkonto: Amt «ranksurt «. M. Rr 5016. — Sprechzeit' der Redaktion von 10—11 und ‘hl—1 Uhr.

ÄKechMsche = Zeitung LmdkWIMg

Ar. 191 MJnHtg.

Rmbitkg o. 8o6«

,Der Anzeigenpret« betidgt ftr den 10 gespalt. Zestenmtllimeter 0.08 ®9R, klein« Daranzeigen 0.06 GM„ «mtli^je und an»< wckrtiq« Anzeigen 0.10 DM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50*h Aufschlag. — Samureian zeigen 100 % Auf­schlag. Reklamen der Millrm. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al«

Barrabatt. Ziel 5 Tage.

Qfferteu-Gebühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Machurg.

1 Sold mark — */*,i Dollar.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Overhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

■WCT

„Graf Jeppelin über Rußlarrö

Mit einer ölimtengtschwniizktil von 120 Kilometern - 9m 1.09 300 Kilometer nördlich Moskau dem Ural an

Da» Luftschiff pgssi.rte im Laufe des gestrigen Rachmittag» «m 12.08 Stettin, 15.00 Danzig, 18.00 Königsberg, 17.00 Tilsit. Am 17.26 Uhr überflog es bei Tanroggen die titanische, um 20.20 Uhr östlich von Dünabu g die russische Grenze (Weitere Meldungen siehe Seite 2)

CnMW lehnt die GegrMrWSge ab

Sang - .Stil die Smnzoken und SlnKentt Seiet bringen feilen“

Wieder größter Wjimismus im

Der belgische Delegierte F r a a c q «i hat gestern tot Name« der vier Delegatio- aea. die das Kompromiß in der Finanz­frage fachen, dem englischen Schatzkanzler Snowden eine Note überreicht, in der Ne Möglichkeiten ausgeführt werden, mit deren Hilfe man glaubt, di« Wünsche der englische» Delegation zmn TeU befriedi­gen za Konen.

Einer „Exchange --Meldung zufolge habe« die vier anderen Elänbigermächte Vrotzbritaanie« die Summe von 17 Millionen Soldmark angebo- tea, das heißt, ungefähr % von dem, was, Snowden verlangt.

Der britische Schatzkanzler habe dazu le­diglich bemerkt: „Sut, jetzt wisse« wir, woran wir fiud."

Pertinax meldet dem „Daily Te­legraph" aus dem Haag, Snowden habe dem belgischen Delegierten, der ihm die Vorschläge der vier anderen Eläubiger- delegierten mitteilte, nicht verhehlt, datz er ste als völlig unzulänglich be­trachte. Es heißt, Briand und Snow­den würden heute eine letzte Zusam­menkunft haben, bevor die Entschei­dung fällt. Eine Bestätigung dafür liegt jedoch noch nicht vor.

Auch der Korrespondent den „Petit Parisien" im Haag meldet, gestern abend sei das Gerücht verbreitet worden, daß Snowden beim Empfang der engli­schen Journalisten erklärt habe: „Die Vorschläge, die mir unterbreitet wur­den, find unannehmbar. Ich habe sie sämtlich abgelehnt."

Jetzt ist Italien der Sündenvock

Auch das Neutersche Büro und die Lon­doner Blätter melden, die Haager Konfe­renz sei in großer Gefahr, zusam­menzubrechen. Snowden sei bereit, am Sonnabend abzureisen, wenn nicht bis da­hin seinen Forderungen Genüge geschehen sei. Im allgemeinen wird der i t a l i e - Nischen Delegation die Schuld an dieser neuen schweren Krise der Konfe­renz beigemessen. So sagt der Haager Korrespondent des „Daily Herald": Es liegt eine bittere Ironie in der Tat­sache, daß gerade die Iataliener einer Vereinbarung eigensinnigen Widerstand entgegensetzten. Dieser Widerstand drohe die Verhandlungen der Sachverständigen und die guten Aussichten aus ein befriedi­gendes Ergebnis zunichte zu machen.

„Daily Telegraph", „Daily Mail" und „Daily C h r 0 n i c l e" be­tonen ebenfalls, daß der Hauptgeg­ner des Verlangens Großbritanniens nach Gerechtigkeit Italien sei. Der Haager Korrespondent der „Time s" schreibt: „Die Delegationen bemühen sich naturgemäß, das Geld aufzutreiben, ohne wesentliche Zugeständniffe zu machen. Man darf vermuten, daß jetzt der Augen­blick gekommen ist, wo sämtliche veran­schlagten lleberschllsse geprüft worden sind, und daß nunmehr wirkliche Zuge­ständnisse gemacht werden müßen. Jn-

folgedessen ist der Ton der französischen und der italienischen Kreise sehr pessi­mistisch geworden. Gestern abend wurde in den Kreisen der englischen Delegatio­nen die Ansicht ausgesprochen, daß es durchaus möglich sei, innerhalb des Rahmens des Youngplanes eine Lösung zu finden, die die berechtig­ten Ansprüche Großbritanniens befriedi­gen."

Der hartnackige Snowden

Nach Pariser Meldungen ist die zuver­sichtliche Stimmung, die am Donnerstag vormittag im Haag herrschte, nach der Un­terhaltung Snowdens mit Zaspar wieder durch den größten Pessimis-

flnOtteutente SchmmStel —

fl. London, 16. Aug. Eine „Ex- cha n g e" - Meldung aus Tokio besagt: „Hier eingetroffene Meldungen bestäti­gen, daß es an der chinesisch-russischen Grenze zu Scharmützeln kommt, aber nach amtlicher Auffassung ist diesen Dingen keine größere Bedeutung beizu­messen. Gut unterrichtete Kreise glauben, die Schwierigkeiten werden dadurch be­endet werden, daß E h i a a in wesentlichen Punkten n a ch g 1 b t."

Karachan über de» Streit um die Ostbahn.

fl. Moskau, 16. Aug. Aus Anlaß der hier einlaufenden Nachrichten, über eine völlige Desorganisation der Ost­chinabahn und über di« Versuche der chinesischen Behörden, Abmachungen nkst ausländischen Banken über die Ostchina­bahn zu treffen, erklärte Karachan Pressevertretern folgendes: Infolge der Gewaltmaßnahmen der chinesischen Be­hörden geriet die Ostchinabahn in einen an einen völligen Zusammen bruch grenzenden Zustand. Wir warnten die chinesische Regierung wiederholt vor den schweren Folgen ihres unerhörten Bruches des Vertrages zwischen der Sowjet-Union und China vom Jahre 1924. Selbstver­ständlich legen wir die Verantwortung mit

den Totengräber bleiben. Snowden sei zu weit gegangen, um einen freien Rückzug zu haben. Die Konferenz müsse in gller Ruhe ihre Arbeit wieder von vorne an­fangen. Pertinax schreibt im „E ch 0 de Paris", daß die für Sonnabend er­wartete Krise bereits am Donnerstag eingetreten sei. Sauerwein berichtet im „M a t i n", daß sich die italienischen und belgischen Minister am Donnerstag bei Briand darüber unterhalten hätten, welches die wahren Beweggründe, für die Haltung Snowdens seien. Niemand Knne sagen, warum ein englischer Minister, der im Besitz seines gesunden Menschenver­standes sei, einen derartigen Lärm um 60 Millionen Mark mache. Man komme daher zu dem Schluß, datz Snowden, be-

m u s abgelöft worden. Die Konferenz be­findet sich in einem Fieberzustand, schreibt das „Oeuvre" und niemand versteht diesen Pessimismus. Es scheint, datz Snowden den Bruch will und keine Verhandlungen wünscht. Auch der „Petit Parisien" stellt fest, datz sich Snowden, der am Vortage noch eine ver­söhnliche Haltung zur Schau getragen habe, zu seiner ersten Methode zurückge­funden habe. Wenn er die Vorschläge Iaspars beiseite schiebe, werde er beftätt- gen, datz er den Bruch der Konferenz von Anfang an gewollt habe. Der Figaro" erklärt, die Konferenz sei sehr krank. Man könne ebenso gut sagen, sie sei t 0 t und b e- e r d i g t. Vor der Geschichte werde Snow-

eint Warnung Karachms

Älen Folgen der chinesischen Regierung auf. Gleichzeitig müssen wir alle aus­ländischen Regierungen, sowie alle Per­sonen unv Behörden, die irgend eine Verbindung mit der Ostchinabahn haben, warnen, daß die S 0 w j e t-R e g i e r u n g nach der Anerkennung der Dahn durch di« chinesischen Behörden keine Ab­machungen, welche über bi« Ofibahn von den chinesischen Behörden oder von Amtspersonen, die von ihr eingesetzt worden sind, getroffen werden, sowie keine Verpflichtung, welche sie im Namen der Ostchinabahn übernehmen, ««erkenne» wird.

Neue Verschärfung der Lage.

fl. London, 16. Aug. Aus Nanking traf heute früh bfe Meldung ein, daß die Regierung do» Nanking den Be­fehl erteilt hab«,

mit 60 000 Maa« Ne sibirische Grenze z» besetze».

300 russische Seesoldaten, Ne zwei kleine Städte am Sungarifluß besetzt hatten, wurden von chinesischen Truppen ver­trieben. 6 Russen und 2 Chinesen wurde» getötet.

einflußt durch Ne nationalistischen Ele­mente seines Landes, ganz einfach den Poungplan torpedieren wolle. Wenn die Forderung des englischen Schatz­kanzlers eine Trennung zur Folge hätte, so dürfe man nicht vergeßen, daß sich in genau zwei Wochen Dr. Stresemann und Briand in Genf mit M a c d 0 - nald und Henderson und Lord Cecil begegnen. Dann werde man in Abwesenheit Snowdens mtt höflichen Mannern (!) sprechen, die von dem Wunsche beseelt seien, einen endgültigen Frieden in Europa zu errich­ten.

Der Streit tm Fernen Osten

Sie Stiemt ter ürteitälefew ottiuternno

Der sozialpolitische Ausschub des Reichs­tages trat am Donnerstag Unter dem Vorsitz des Abgeordneten Effer (Zentrum) zusam­men, um die Fragen der Arbeitslofem»«stche- rung zu beraten. Reichsarbettsminister Wis­sel erklärte, datz die Rrichsregierung leider noch nicht in der Lage sei, dem Ausschuß schon jetzt eine fertig« Vorlage unterbreiten zu kön­nen. Das Reichsarbeitsministerium habe zwar bereits dem Kabinett eine Vottage un­terbreitet, und das Kabinett sei wohl auch in den meisten Punkten einie, aber es beständen in einigen wesentlichen Fragen noch Mei­nungsverschiedenheiten. über die eine Einigung »och nicht erstell werden konnte.

MinisterialdiveRor Dr. Weigert vom ^"^'-"-l'-iisministe-i-im berichtete dann über die Arbeiten des Sachverständisenausfchusfes, wobei er u. a. ausführte, daß der Ausschuß die lou.uu^iutiunaen oer Arbeitslosenunterstützung einer Nachprüfung unterzogen habe. Er habe sein Augenmerk insbesondere auf die Fälle mißbräuchlicher Ausnutzung gerich­tet, di« Arbeitnehmern und Arbeitgebern vor- geworfen werden, und sich zweifellos nicht ver­hehlt, daß mit jedem Berficherungsfystem die Gefahr einer mißbräuchlichen Ausnutzung ver­bunden ist Der Ausschuß fei sich aber auch darüber klar gewesen, daß mit der Erörterung der Mißbräuche dos finanzielle Problem der Arbeitslosenversicherung nicht erledigt werden könne. Niemand könne mtt Sicherheit Voraussagen, wie sich der deutsche Arbeits- markt in den nächsten Jahren entwickeln werde. Vor allem aber wisie man nicht, welche Ereignisse polittscher, wirtschaftlicher oder Sozialer Att in den kommenden Jahren den lrbeitsmarkt beeinflussen werden.

Die Kommission habe emstrmmis ausgespro­chen, daß es erwünscht sei, auch die Fäll« der berufsüblichen Arbeitslosigkeit in der Arbeits­losenversicherung zu behandeln. Eine erheb­liche Mehrheit der Kommissionen habe weiter oorgeschlagen, nicht nur die Fäll« der berufs- Lblichen Arbeitslosigkeit, sondern alle Fälle durch eine besondere Regelung zu er­fassen. Die vollen Leistungen der Arbeits­losenversicherung sollten nur dann gewährt werden, wenn der Arbeitslose vorher etwa 52 Wochen gearbeitet habe ohne daß die­ser Zeitraum durch einen Unterstützungsfall unterbrochen gewesen sei. Habe er weni­ger als 52 Wochen gearbeitet, so senke sich die UnterMtzung nach einer besttmmten Staffe­lung. So sei man mtt anderen Vorschlägen, die ein Ersvarnisprogramm der Mehrhett bil­deten, zu Einsparungen gekommen, die die Höbe von 163 Millionen erreicht. Trotzdem blieben nach den Voraussetzungen der Kom­mission 116 Millionen im Jahre noch ungede- deckt. Hier habe nun der Vorschlag der Kom­mission eingesetzt, für eine begrenzte Zeit den Beitrag um vom Hundert »u erhöhen. Die ^höbung um Y-z vom Hundert bedeute nach den Ergebnissen vom Jahre 1928 ein Auskom­men von 137 Millionen Mark im Jahre. Sie reiche also aus, yn die Lücken zu füllen und die Rücklage noch um ein Weniges zu verstär­ken. Diese Erhöhung der Vettragsleistung könne aber wahrscheinlich vor dem 1. Novem­ber 1929 nicht in Kraft treten, weil die Aende- rung des Gesetzes so viel iZeit erfordern werde. Die Kommission habe geglaubt, daß die Ar­beitslosenversicherung diesen Kredit zu erträg­lichen Bedingungen finden könne zumal wenn das Reich sie dabei unterstütze. Was die Dar­lehen betreffe, die das Reich der Anstalt im letzten Winter habe gewähren muffen, so habe es di« Mehrhett der Kommission abselehnj sich für eine Niederschlagung dieser Darlehen ein­zusetzen. Dagegen habe ein« Mehrheit der Kommission vorgeschlagcn, das Reich möge diese Darlehen zinsfrei bis »um 1. April stun­den.

Der Ausschuß vertagte sich hisvauf bis rum. kommenden Dienst««