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Donnerstag, ten 15. Anguil 1929

Die ^Oberhclstich« Sethmg- et- (Seint sechsmal wöchentlich. Br- zngsprr i< monatlich 2.10 ®9R. ans. schließt. Zustellungsgebühr, durch diePost2.35 GM.^ür etwa infolge Streik« Maichinendefekte oder etementarer Lreigniße ausiallende Nummern werd kein Ersatz ge­leistet. Verlag». Dr. §. Hitzervth. Druck der Unib.-Buchdruckrrei v. Zoh. «ua. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. e. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessischej Oberhessen

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Der «uzeigenprrts betrügt Mr bett 10 gespalt. Zcllenmillimeter 0.08 GM., klein« Baranzeigen 0.06 SM, amtliche und aas- wckrtiqe Anzeige» 0.10 GM Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50« I, Aufschlag. 100 °u Auf­schlag. Reklame« der Millim. 0,40 SM Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Frsnkrsßch fammelt Helfer gegen England

Seheime 3ufamme#timft ter ftomSMen, belgischen, ttaltrniichen und inpsmsche« Abrrtmmg Snowden btotbt fest

In den Verhandlungen hinter den Kulissen ist, nach einer Meldurm der T. U., am Mittwoch eine neue Verschär­fung eingetreten. Die verschiedenen Vorschläge, die von belgischer und franzö­sischer Seite der englischen Regierung ge­macht worden find, sind von dieser als völlig ungenügend bezeichnet worden. Am späten Abend hat, wie ver­lautet,

eine geheime Zusammenkunft zwischen der belgischen, französischen, italieni­schen und japanischen Abordnung stattgefunden, in der der Beschluß ge­faßt worden sein soll, am Sonnabend die englische Regierung vor eine e«d- giiltige Entscheidung zu stellen.

In den Abendstunden verstärkte sich der Eindruck, daß zunächst jedenfalls die bis­herigen Vermittlungsversuche geschei­tert sind und man vor einer ernsten Wendung der Lage steht. Die englische Abordnung, die in den letzten Tagen offensichtlich eine gewisie Bereitwilligkeit zum Entgegenkommen zeigte, hat jetzt von neuem ihren bisherigen Standpunkt ein­genommen, daß sie

au den drei grundsätzlichen Forderun­gen unter allen Umständen festhalten müsse.

Diese Haltung hat anscheinend auf fran­zösischer Seite den Eindruck erweckt, datz weitere Verhandlungen kaum mehr möglich seien. Bei dem viel­fachen Hin und Her dieser Konferenz ist zwar noch nicht zu beurteilen, wie weit es sich hierbei lediglich um stimmungsmätzige Beeinflussung der Oeffentlichkeit handelt oder ob tatsächlich auf englischer und fran­zösischer Seite weitere Verbandlunqen als aussichtslos angesehen werden. Es wird jedenfalls auf französischer Seite ostentitiv betont, daß die am Mittwoch vormittag gefaßten Beschlüsse, am Sonnabend die drei Organisations-Ausschüsse des young- planes zusammenzuberufen, in keiner Weise eine Festlegung bedeuten.

Das Schicksal der Konferenz hängt jedenfalls heute wie am ersten Tag ausschließlich von der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Einigung zwischen England und Frankreich ab.

Es ist nicht damit zu rechnen, daß die französische Regierung sich zu weiteren politischen Verhandlungen bereit finden wird, wenn die finanziellen Verhandlun­gen zusammenbrechen sollten. Auf welche Gründe die plötzliche Versteifung der Lage und die Verschärfung dieser engiischen Hal­tung zurückzuführen ist, ist zurzeit noch nicht zu übersehen. Für England bandelt es sich jedenfalls bei den drei großen finanziellen Forderungen nicht nur um Mnanzfragen, sondern um Angelegenhei­ten der gesamten europäischen Orientie­rung der Politik des neuen englischen Kabinetts. Ein wesentliches Entgegenkom­men, wie dies auf französischer Seite in den letzten Tagen erhofft worden war, könnte somit tatsächlich kaum erwartet werden.

Reuter über die Haager Fiu«»zbest,rech«u- geu.

Der Haager Korrespondent des Reu­terbüros erfährt von maßgebender Seite von einem S ch w äch erw erden der Haltung Snowdens sei keine Rede. Zweifellos habe sich die Lage gebessert, insofern, als die britischen Forderungen ihrer Annahme näher gekom­men seien als vorige Woche. Zugleich wird aber gemeldet, so heißt es in dem Reuterbericht weiter, daß zwar die Franzosen einen versöhnlichen

Geist zeigen und sich bemühen, den briti- schen Schatzkanzler mindestens teilweise zu- srieden zu stellen, daß aber die Italie­ner keine derartige Neigung bekunden und von Rom ermutigt werden, an den im Youngplan Italien zugewie­senen Prozentsätzen festzuhalten. Es ist nicht sicher, ob Snowden darauf bestehen wird, daß ein Unterausschuß zur Prüfung der Möglichkeit einer Revision der Vertei­lung eingeset wird, da, wenn in den pri­vaten Besprechungen eine Vereinbarung zustande komme, kein Grund bestehe, aus diesem Unterausschuß zu beharren.

Wer verhindert die Berftön-isung?

Sämtliche Blätter des Hearst-Konzerns bringen in ihrer gestrigen Morgenaus­gabe eine« von Randolph Hearst persönlich gezeichneten Leitarttkel, in dem die Hal­tung Eroßbritannieas auf der Haager Kouferenz voll und ganz gebilligt uud Amerika aufgefordert wird, de« mutigea Entschluß der Arbefterregierung, Frank­reichs Vorherrschaft auf dem europäische« Konftnent z« breche«, kräftig za unter­stützen. Frankreich tue stets empört, wenn es zahlen oder einen Teil seiner Beute aufgebeu solle. Dabei trage es durch seine unverantwortliche Verlängerung der Rheinlandbesetzung dazu bei, die Schwie­rigkeiten der deutschen Regierung zu er­höhen, das deutsche Volk zahlungsfähig und zahlungswillig zu mache«.

Frankreich habe man es zu verdanken, daß 1919 kein wirklicher Friede ge-

deulsibe Staatsbüraer iwana. sich der Herrschaft Frankreichs, der Tschecheflowa- kei, Jugoslawien, Italiens und Polens zu unterwerfen.

Frankreich habe auch den Grundsatz der Abröstung verleugnet und unter­halte das größte Heer der Wett, so omr. wie es selbst nie eins besessen habe.

Es finanziere darüber hinaus «och die RSftvngen der Kleiaen Entente. Deutsch­land habe durch die Annahme des wahr­lich harten Houng-Planes Frankreich auch die letzte Entschuldigung zur Belassung feiner Truppen am Rhein genommen. Macdoaald verdiente den ungeteilten Bei­

schlosse« wurde, rrnd daß man das Selbstbestimmungsrechl des Menschen gröblich mißachtete u«d

fall Amerikas, wen« er die Entfernung der britisch«, Truppen aus de» Rheinland a««dige und dadurch Frankreichs «apoleonistifche Ideen der Verdammung I der ganzen Welt preisgebe.

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Loucheur not bet Finanzkommission.

Im Finanzausschuß führte Lou­cheur, dessen Rede trotz ihres sachlichen Gehalts nur eine verhältnismäßig kurze Dauer hatte, gegenüber den englischen Beschwerden in der Sachlieferungsfrage aus, daß z. B. der gesamte Lohnwert, der in der denkbar höchsten Sachliefe - rungsquote steckt, nicht mehr als ein Zehntel (nämlid) 1,5 Milliarden gegen 15 Milliarden Franken) der Lohnsumme ausmache, die für die Beschäftigung der englischen Arbeitslosen aufzuwenden wäre, d. h. also, daß die Kohlenlieferun­gen auf Reparationskonto nur eine rela­tiv geringe Rolle für die englische Wirt­schaft und das englische Arbetslosenpro- blem spielen. Trotzdem fei Frankreich bereit, auf diese englischen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, namentlich in der Frage des Reexportes, auf den ver­zichtet werden sollte und in der Frage

einet Beschränkung des Sachliefe­rungsvolumens für den Fall eines im Young-Plan vorgesehenen deut­schen Moratoriums.

Er, Loucheur, halte den Fall eines deut­schen Moratoriums übrigens für recht.unwahrscheinlich und theore­tisch. Weiter setzte sich Loucheur stark für eine internationale Verstän^di- gung der Kohlenwirtschast ein, die nicht durch Sachlieferungen, sondern' durch Ueberproduktion und verminderte Nachfrage, im ganzen durch die Regel­losigkeit ihrer Produktionsverhältnisse, in Schwierigkeiten gekommen sei. Tas Sachlieferungssystem als solches habe in der Tat manche Bedenken, die aber schon seit seinen Verhandlungen mit Rathenau im Jahre 1921 bekannt seien und die l abaestellt werden könnten, solange man nichts besseres gefunden habe.

Sie Reform der Arbeitslose»

Versicherung

DieNationalliberale Correspondenz" er­örtert das wichtige Problem nochmals in fol­gendem Aufsatz:

Bevor der Reichstag in die Sommerferies ging, hatte die Deutsche Vollspattei noch­mals einen letzten Versuch gemacht die drin­gend erforderliche Reform der Arbeitslosen­versicherung vorwärts zu bringen. Ihr be­kannter Antrag hatte eine nochmalige Be­ratung der Regierungsparteien herbeigeführt. Das Ergebnis dieser Besprechung war wenig befriedigend, brachte aber wenigstens den Be­schluß, daß der Sozialpolitische Ausschuß Mitte August zur Beratung eines von der Reichsregierung vorgelegten Gesetzentwurfes zusammentreten sollte. Dieser Gesetzentwurf liegt am 15. August noch nicht vor. Das Reichsarbeitsministerrum hat zwar dem Ka­binett einen Vorschlag unterbreitet, eine Eni- gung darüber konnte jedoch nicht erzieü wer­den. Bekannt ist die Reise der beiden Mi­nister Seoering und Wisset! nach dem Haag, bekannt ist weiter, daß eine Parteiführerbe» fprechung die weitere Entwicklung vorberaten soll. Angesichts all dieser Tatsachen scheint eine ernste Mahnung-am Platze.

Heber die sachliche Notwendigkeit einer baldigen Reform der Arbeitslosenversicherung sollte heute kein Wott mehr verloren werden müssen. Auch die Soziakdemokratte sollte und müßte sich darüber llar sein, denn man kann schließlich diese Frage nicht einfach los­gelöst von der allgemeinen Finanzlage des Reiches betrachten. Nun find im Etat für die Arbeitslosenversicherung Darlehen vorge­sehen. Würde die Versicherung aber in chrer bisherigen Form fortgescht, dann müßte sich außer dem vorgesehenen Bettag von 150 Millionen Mark noch ein Fehlbetrag von 170200 Millionen bis zum 31. März nächsten Jahres ergeben. Dabei ist die all­gemeine Finanzlage des Reiches sehr kritisch. Die Ausgaben im Haushalt dürften die Vor­anschläge um rund 300 Millionen übersteigen. Die allgemeine Wirtschaftslage läßt dagegen nicht ermatten, daß die bereits sehr hoch ver­anschlagten Eingänge voll erreicht werden können. Dazu kommen die immer noch nicht endgültig gelösten Kassenschwierigketten bes Reiches. Auch die Sozialdemokratte, die de» Kanzler und den Reichsfinanzminister ge­stellt hat sollte wissen, welch« Verantwortung dadurch gerade sie für die Finanzen des Reiches trägt

Die sozialdemokratische Presse kümmert M darum aber überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie Iritifiert sogar die Vorschläge des Sach- verständigen-Ausschusses als ungenügend und unsozial. Auch der Reichsarbeitsmmifter Wissell scheint dieser Auftassung zu fein. Er hat anscheinend vergessen, daß der Sach- verständigen-Ausschuß auf seinen und seiner Partei Wunsch zusammenberufen und nach seinen Vorschlägen zusammengesetzt wurde. Dabei gehen die Vorschläge der Sachverstän- digen-Kommission nach unserer Auftassung in einer ganzen Reihe Fragen zu weit. Wir hätten gewünscht, daß der Ausschuß in ein­zelnen Fragen zu tlareren Ergebnissen und bestimmteren Sparvorschlägen gekommen wäre. Die Vorschläge, die die Deutsch« Volkspartei gemacht hatte, gaben dazu ge­nügende Hinweise. Weder m der Heiinar- betterfrage, noch bei den Ersatzkassen ist der Ausschuß, um nur einiges zu nennen, diesen Vorschlägen gefolgt. Dabei wissen wir, datz gerade die Angestellten und damit eine große Zahl deutscher Arbeitnehmer nach rote vor mit aller Entschiedenheit Ersatzkassen verlan- S Es ist zu bedauern, daß der Ausschuß _ : einer Mehrheit von allerdings nur 2 Stimmen) sogar eine Beitragserhöhung von Vr Prozent vorgeschlagen hat. Die Deutsche Volkspartei hat eine Beitragserhöhung stets abgelehnt.

Der Reichsarbeitsminister will aber nicht einmal die Vorschläge des Sachverständigen- Ausschusses durchführen. Der Einfluß der ihm nahestehenden sozialistischen Gewerkschaft-