Mittwoch, tat 14. August ISA
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Skmikreich W m einem Semerem# In ter Sertettmgefroec «Wungen wetten
Testern nachmittag hat, wie vorgesehen, eine etwa zweistündige Besprechung zwischen den Reichsministern Dr. Etresernann und Dr. W i r t h und Henderson, Hymans und Briand stattgefunden. Sie hatte zum Gegenstand erstens die Frage des Endtermins der Räumung, also des letzten Ta- ßes, bis zu dem noch ein Besatzungssolüat im Rheinlande steht, und zweitens die Erledigung der finanziellen Frage n, die mit der Räumung Zusammenhängen. Dieser zweite Punkt war von der Gegenseite aufgeworfen worden. Das wichtigste Ergebnis der Aussprache dürfte der
Verzicht auf die ursprünglich vorgesehene Einsetzung eines oder mehre- rer militärischer und finanzieller Sa<^»erständigenausschüsie zur Räu- mungsfrage
sein und die Zusage der Besatzungsmächte innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums, also jedenfalls noch im Laufe dieser Woche, den Endtermin zu nennen, zu dem die Räumung nach chrer Auffassung vollzogen fein soll.
Das Wesentliche dieser Uebereinkunft ist» daß man über den Punkt hinausge- kommen ist, wo mit auslegungsfähigen Formulierungen wie „Räumung mit aller Beschleunigung" oder „innerhalb der kürzest möglichen Frist" operiert werden kann. Ob der Termin selbst, der datumsmäßig genannt werden soll, und zwar namentlich von Seiten Frankreichs, da die englischen Absichten in dieser Beziehung bereits bekannt sind und die bel- sischen, gutem Vernehmen nach, nicht ehr weit davon abweichen, befriedigend st, steht jedoch vorläufig noch nicht fest. Ebenso ist Nachdruck darauf zu legen, daß
der französische Standpunkt, die Abhängigkeit einer Regelung der Räumungsfrage von derfenige der Annahme des Aoung-Planes abhängig zu machen, durchaus unverändert besteht.
Immerhin ist einstweilen der Vorteil erreicht, daß diese Angelegenheit der Verschleppung und Erschwerung durch Ausschüsse entzogen wird.
,.Nenter" meldet ans dem Haag, | am nächsten Sonntag werde Dr. S t r e s e- mann wisien, an welchem Datum der letzte französische Soldat das Rheinland verlassen werde, vor- = «»gesetzt, daß di« Haager Konferenz eia ^endgültiges Ergebnis erreicht. Dies sei das Verspreche«, das gestern nachmittag Briand dem Reichsanßen- minister gegeben habe.
Der Sonderkorrespondent des Reuterbüros berichtet weiter, Dr. Streftmann sei zum mindesten zufrieden, daß eine Einigung in der Räumungsfrage endlich in Sicht sei. Es verlautet aus deutschen Kreisen, in der gestrigen Rachmittags- sitzung habe Henderson erklärt, die Räumung des Rheinlandes durch die britischen Truppen erfolge unabhängig von dem Inkrafttreten des Y o u n g p l a - n e s, während Briand dargelegt habe, daß er diese Auffassung nicht teile. Er erklärte den französischen Pressevertretern erneut, daß die Räumung s von einer befriedigenden Regelung der Reparattonsfrage abhängig sei. Er ! verlautet, daß der "belgische Standpuntt sich dem britischen nähere, der dahin acht, btiR die Engländer die Räumung "im September beginnen und bis
Weihnachten beenden. In der Frage der Entschädigung für Ersatzansprüche durch die deutsche Zivilbevölkerung scheine die deutsche Regierung zu Verhandlungen bereit zu sein.
Die mit der Rheinlandräumung zusammenhängende finanzielle Frage hat eine deutsche Seite und eine solche der Gläubigermächte. Aus deutscher Seite stehen die bekannten, zu einer sehr be- - trächtlichen Summe angelaufenen ^ahl- lungs- und Entschädigungsforderungen
aus Leistungen für die Defat- zungstruppen, die zum Teil noch von der Räumung der ersten Zone herrühren.
Es scheint, daß man den deutschen Vertretern nahelegen wird, für diese Ansprüche eine entgegenkommende Geste zu machen.
Doch hat sich die deutsche Delegatton mit dieser Frage und dem Gedanken einer etwaigen Abgeltung der Einzelforderungen wie vor allem der Festsetzung einer Pauschalsumme noch nicht besaßt.
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Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" bestätigt trotz der, wie er sagt, beeinflußten Berichte in gegenteiliger Richtung, daß sowohl die Führer der deutschen wie der französischen Delegation im Haag von der Regierung Kenntnis hätten, ihre Truppen Ende des Jahres zu- rückzuziehen, gleichgültig, ob ei« Abkommen mit den übrigen Besatzungsmächten erreicht werde oder nicht. Das schließe nicht aus, daß eine Einigung über eine Gesamträumung bevorzugt würde. Wesentlich bleibe aber, daß England die Initiation ergreife, wenn diese Einigung nicht möglich sei.
In Londoner amtlichen Kreisen neigt man. wie der Korrespondent weiter feststellt, dazu, die erneute Vertagung der Arbeiten der Finanzkommission im Haag als ein Anzeichen dafür auszulegen, daß Bestrebungen für die Gewährung von Zugeständnissen an England im Gange seien. Es werde aber als wenig wahrscheinlich angesehen, daß die von Frankreich, Italien und Belgien angebotenen Zugeständnisse ausreichend seien. In diplomatischen Kreisen sei eine gewisse Genugtuung darüber festzustellen, daß man auch auf alliierter Seite dem Gedanken näher getreten sei, England an dem ungeschützten Teil der deutschen Zahlungen teilnehmen zu lassen.
In einem Haager Bericht der „Dirn e s" wird festgestellt, daß Außenminister Henderson in den Besprechungen mit den Delegierten Frankreich und Belgiens das äußerste Datum erwähnte, zu dem England seine Truppen aus dem Rheinland zurückziehe.
Es besteht Grund für die Annahme, daß die Zurückzishnng der englischen Truppen bis zur 3. Woche des Dezember beendet sein werde.
Belgien nehme in dieser Frage eine gleiche Haltung ein und sowohl die englische wie die belgische Delegation würde, was auch immer Frankreich in dieser Frage beschließen werde, zu ihren Beschlüßen stehen, daß eine baldige Rheinlandräumung auch aus politischen Gründen unbedingt notwendig sei.
Nach dem Haager Sonderkorrespondenten des „Daily Herald" soll die Räumung dos Rheinlandes in drei Etappen vollzogen werden:
1 Die Zurückziehung der englischen Truppen wird ungefähr am 15. Sept, beginnen und auf jeden Fall vor Weihnachten beendet sein.
3. Die Franzosen und die B e l - fti e r werden die Räumung der
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In der Umgebung Briands habe man sich Dienstag abend, wie das „I o u r n a I“ zu melden weiß, recht befriedigt gezeigt. Zurückhaltender hab« sich Lsucheur äußert.
zweiten Zone anfangs Ottober beginnen und Ende Dezember ober Anfangs Januar beenden.
3. Die Franzosen werden die Räumung der dritten und letzten Zone Ende des Jahres beginnen und bis Februar wird die Räumung des Rheinlandes durchgeführt sein.
Pertinax meldet dem „Daily Telegraph" aus dem Haag, Briand werde am niesten Freitag die polittschen Kommissionen konkrete Vorschläge für die Räumung der Koblenzer Zone machen, die in schnellem Tempo durchgeführt werden würde, und ebenso für die Räumung der Mainzer Zone, die sich aber über eine längere Periode ausdehnen werde.
Briand erklärte immer wieder, jede von der politischen Kommission erreichte Entscheidung müsie von der Annahme und der Inkraftsetzung des Ponngplanes abhängen.
Paris stellt Entspannung im Haag fest.
In den Kommentaren der Pariser Morgenblätter zu den Haager Verhandlungen wird der Verlauf des gestrigen Dienstages weniger pessimistisch beurteilt. Man bezweifelt nicht, wie z. B. der „F i g a r o" schreibt, im Rahmen des Poungplanes, und ohne seinen Bestand zu gefährden, Maßnahmen zu finden, die ermöglichen, gewissen englischen Forderungen zu entsprechen. Der „Petit P a r i s i e n" stellt eine völlige Entspannung im Haag fest. Auch der Haager Vertreter des „M a t i n" ist der Ansicht, daß der gestrige Dienstag, rchwohl keine offizielle Sitzung stattfand, als bedeutungsvoll angesehen werden kann.
Sowohl »om finanziellen wie vom politischen Standpuntt aus hätten sich die Berhältnisie entspannt und
Rarer gestaltet.
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Newyork, 13. Aug. Wie aus Caracas berichtet wird, unternahmen venezulani- o A u isländische den Versuch, sich der «tadt Cuntana zu bemächtigen, erlitten jedoch eine schwere Niederlage. Wie dre venezuelanische Regierung bekannt gibt, endete der Angriff mit dem Tod der beiden öuhrer der revolutionären Bewegung; ihre Truppen ergaben sich. General Emilio Fernandez, der Befehlshafer der Regierungs- ttuppen, ist während des Kampfes gefallen.
Sm Ne Reform ter Arbeit loienveriichening
Morgen tritt der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages zusammen, um zu dem Gesetz» entrourf des Reichsarbeitsministers über die Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen und um die Reform für die dem- nächsti-gen Verhandlungen des Reichstages beratungsreif zu machen. Die Arbeit dräugh denn es besteht in allen politischen und wirte schaftlichen Kreisen Uebereinstimmuns bat* über, daß das Arbeitslosenversicherungsgesetz in seiner jetzigen Sossung noch vor dem Winter eine Aenderun« m wichtigen Punkten erfahren mutz. Es besteht aber auch llebereia- stimmung darüber, datz die Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung au sich sich bewährt bat, und datz eine solche Versicherung bei der besonderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Struktur Deutschlands auch in Zukunft nicht entbehrt werden kann. Zwei Hauptziel« verfolgt die Reform: einmal sollen di« Mist» stände und die mißbräuchliche Ausnutzung der Versicherung, wie sie, insbesondere auf dem Lande, namentlich im vergangenen Jahr feste gestellt worden ist, beseitigt werden; dann aber soll auch die Reichsachtalt für Arbeite losenverstcherung und Arbeitsvermittlung finanziell so gestellt werden, datz es, auch in Zeiten g-rotzer Arbeitslosigkeit, nicht me&t notwendig ist, datz die Reichsanstalt öffente liche Mittel im bisherigen Umfange in Anspruch zu nehmen braucht. Die in Verlstr weilenden Reichsminister haben m bat Plänen des Reichsarbeitsministers, die im einzelnen noch nicht bekannt sind, erstmalia am letzten Sonnabend Stellung genommen. Dabei soll sich, wie verlautet, ergeben haben, datz diese Pläne nicht die Zustimmung aller anwesenden Mitglieder der Reichsregieruns gefunden haben. Darach ist es wohl auch zu- rückzchübren, datz der Reichsarbeitsmintfter Wissel sich entsthiosien hat, nach dem Haag, zu reisen, wo die neben Herrn Wissel ressört- mätzig zunächst beteiligten Minister, bie Herren Dr. Curtius und Dr. Hilferding zur Zeit weilen. In der Begleitung Wissels befindet sich der Reichsinnenminister Schering. Die beiden Minister wollten frühestens am 13. August in Berlin wieder emtreffen. Dann soll, wie verlautet, das Kabinett über ben Gesetzentwurf des Reichsarbeitsministeriums endgültig Beschluß fassen. Dem Ausgang der Kabinettsbevatungen siebt man allgemein mit großer Spannung entgegen. Man verbehlt sich nirgendwo, datz m der Frage der Arbeits. losenversicherungsreform Schwierigkeiten aufgetaucht find, die unter Umständen den Bestach) der augenblicklichen Reichsregierung gefährden können. Es bedarf eigentlich keines besonderen Hinweises, datz diese innervolitt- schen Schwierigkeiten hn Interesse der schicksalsschweren außenpolittschen Verhandlungen im Haag möglichst überbrückt werden müssen.
Wie wir von unterrichteter Sekte zu den vielfach widersprechenden Angaben in der Presse erfahren, werden sich die Verhandlungen über das Problem der Arbeitslosenversicherung, rein äußerlich gesehen, in den nächsten Tagen folgendermaßen abwickeln:
Am heutigen Mittwoch werden die aus dem Haag zurückgekehrten Minister Wissel und Severing den übrigen m Berlin anwesenden Mitgliedern des Aeichskabinetts über ihre Haager Verhandlungen berich:en. Am Donnerstagvormittag um 11 Uhr wird Reichsarbeitsminister Wissel bann mit den Parteiführern verhandeln, und man hofft, daß es aufgrund dieser Besprechungen möglich sein wird, einen neuen Entwurf auszuarbeiten, der dann dem Kabinett in Berlin einige Tage darauf in einer neuen Sitzung unterbreitet wird. Der Sozialpolitis che Ausschuß tritt nun doch am Donnerstag zusammen. Er wird sich dann allerdings nur mit dem Gutachten beschäftigen können, das ihm bereits dor- liegt, um sich dann auf etwa den 2 2. vertagen müssen, weil der neue Entwurf kaum vorher vor! ie gen dürfte.
Die S. P. D. hinter Wissel und Severing.
Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion trat am Dienstag vormittag unter Hinzuziehung von Leipart, Muller - Lichtenberg und Spltedt vom Vorstand des ADGB.. zu