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Dienstag, Sen 11 August 192»

Mr ^oberhrsftich« Settxng" «- scheint srch-mal mtchenttich. Bk- prgSprrlS monatlich 2.10 ©9R.au«. schließt. ZnstellungsgebLhr, durch di«Post2-S5 GM.??Sr etwa infolge Streik«. Maichinendesrktr oder elementarer Lreignisie anstallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdrnckerri b. Job. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—21 und ‘1,1-1 Uhr.

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Anzeiger für ldns frühere kurhefsifche) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Sas Entfpmmungs KommiM im Ms

Englands Anteil en den Annuitäten feil erhöht »erden — Man rechnet mst einer MriagMg der stsnferknz bis nach der MkerbuaWhung

Reuter meldet aus dem Haag: Rach Meldungen aus französischer Quelle ist ein Kompromißvorschlag in Vorbereitung, wonach Englands An­teil erhöht werden soll. England soll einen großen Teil des Betrages der deut­schen Annuitäten erhalten, der nach Be­stimmung der Ansprüche der Hauptmächte verbleibt. Das soll dadurch ermöglicht werden, daß die kleinen Mächte Rumä­nien. SLdstnwien, Griechenland und Por- xtugal dnrch Herabsetzung ihrer Kriegs­schulden au andere Großmächte für den Verlust des erwähnten Rückganges enr- schadigt werden. Heute dürfte es sich zei­gen, welche Aufnahme dieser Plan bei den Engländern finden wird.

Ser SinamauWich «ertast

Der Haager Sonderkorrespondent des „Daily Chronicle" erwartet, daß die Franzosen gegen Ende der Woche Vorschlä­gen werden, die Finanz ko mm ission solle sich bis nach der V ölkerbunds- f a i s o n vertagen. Der Korrespondent glaubt, daß dieser Vorschlag zweifellos Annahme finden werde.

Auch der Haager Korrespondent des „Daily Expreß" hält es für nahezu sicher, daß die Konferenz sich Ende dieser oder anfang nächster Woche bis nach der Völkerbunds-Saison vertagen wird.

Der Haager Sonder-Korrespondent der '„Daily New s" schreibt: Es scheint, daß Snowden bereits beginnt, die Früchte seines kraftvollen Eintretens für die briti­schen Rechte zu ernten.

Die Londoner Blätter melden über­einstimmend aus dem Haag, daß die Spannung beträchtlich nachge­lassen habe. Die Tatsache, daß Snow­den den Antrag auf .Vertagung des .Finanzausschusses unterstützte, wird als Zeichen dafür ausgelegt, daß die privaten Besprechungen einen den briti­schen Wünschen entsprechenden, Verlauf nahmen.

P e r t i n a x meldet dem „Daily Telegraph" aus dem Haag: Offenbar wird versucht werden,

den britischen Anteil an den Repa­rationen um ungefähr 40 Mil­lionen Goldmark zu erhöhen.

Die britische Forderung Nach 22 % des geschützten Teiles der Annuität bedeutet ein viel schwierigeres Problem. Das wich­tigste Ergebnis des gestrigen Tages war zweifellos die Unterredung Snow­dens am Vormittag mit dem b e l g i - scheu Premierminister. Das ge­meinsame Eintreten Houtarts und Snow­dens für Vertagung bis Mittwoch wird auf diese Unterredung zurückge­führt. Das gilt als Beweis einer allge­meinen Besserung der Atmosphäre.

Der Haager Korrespondent des Arbei­terblattes „Daily Herald" meldet: Henderson hat gestern mit Nachdruck dar­auf bestanden, daß die britischen Besatz­ungstruppen das Weihnachtsfest in ihrer teimat verbringen müßten. Dis britische orderung nach sofortiger und bedin­gungsloser Räumung ist u n v e r ä n -

Die Pariser Presse zum Telegramm Macdonalds.

Der Montag im Haag wird von der Pariser Morgenpresse als ein Tag der Entspannung gekennzeichnet. Das, Telegramm Macdonalds an Snowden

wird verschiedentlich beurteilt. Während einige Blätter darin eine weitere Gefähr­dung der Lage erblicken, sind andere Blätter wiederum bereit, das Telegramm durchaus nicht als Abbruchsdrohung an­zusehen.

Sauerwein, der Haager Korre­spondent des „Matin", ist der Anschau­ung, Macdonald schätze und ermutige den Schatzkanzier. Das sei das Recht eines vorsichtigenStv'tschefs. Die­ser Schritt Macdonalds fei bedeutungs­voll für die weitere Haltung Snowdens.

Eine andere Beurteilung erfährt das Telegramm durch den „Petit Pari- f i e n“, der von einer ungünstigen Aus­wirkung auf die erwartete Entspannung spricht. Das „fair play“ fordere, das englische Außenamt hätte den interessier­ten Mächten vorher und nicht erst in einer Rede die Vorschläge mitteilen müs­sen, die man im Haag einbringen wollte. England hätte nach dem Haag nicht einen Spielverderber und Diktator, sondern einen ruhigen, höflichen und entgegen­kommenden Mann schicken sollen.

Englands RßnmungsdesKlnß

(Segen die

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" ist in der Lage, auf Grund von Auskünften von maßge­bender Stelle mitzuteilen, daß

die englischen Truppen unter allen Umstände« und unbeachtet des Ergebnisses der Haager Konferenz bis Ende des Jahres aus dem Rheinland zurückgezogen sein werden.

Die Zurückziehung der englischen Truppen werde auch nicht davon abhängig gemacht werden, ob man sich im Haag auf eine be­sondere lleberroachungskommission der ent­militarisierten Zone einige oder nicht. Die Entscheidung der englischen Regierung sei entweder bereits den übrigen Alliierten und der deutschen Negierung übermittelt worden oder werde ihnen in den nächsten Tagen zugehen. Wahrscheinlich werde der Außenminister Henderson im Haag selbst einen entsprechenden Schritt unter- nehmen.

Der Korrespondent weist weiter darauf hin, daß vom rechtlichen Standpunkt aus die englische Negierung sich auf die Gut­achten der führenden konservativen Ju­risten stützen kann, wie sie in einem vom 3. Febr. 1923 stammenden Gutachten der Rechtsberater der Krone an die Regie­rung Donar Law niedergelegt worden seien. Diese Gutachten seien ergänzt durch ein zweites Schriftstück, in dem die Rechts­berater der Krone die Auffasiung vertre­ten hätten,

daß durch die gleichzeitige Zurück­ziehung des englischen Mitgliedes aus der Rheinlandkommission die recht­liche Daseinsberechtigung dieser Kom­mission zerstört würde.

Der letzte Punkt werde besonders die Auf­merksamkeit der englischen Regierung ge-

I fanden haben, der feiner Zeit bereits von Donar Law und Lord Curzon im Früh­jahr 1923 geprüft worden sei. Damals habe die englische Regierung damit ge­droht, alle englischen Mitglieder aus dem alliierten Komitee wie aus der Botfchaf- , terkonferenz zurückzuziehen, wenn die Alliierten Englands weitere Sanktionen gegen Deutschland verhängen sollten, ohne sich vorher um die englische Zustimmung zu kümmern.

Die Wirkung dieser Drohung habe dnmals darin bestanden, daß keine weiteren Sanktionen erfolgt seien.

Der Korrespondent erhofft offenbar ähnliche Wirkungen aus einer neuen ähn­lich bestimmten Haltung Englands im Zu­sammenhang mit der Zurückziehung des englischen Mitgliedes aus der Rheinland­kommission "und der grundsätzlichen Ableh­nung Englands, an jeder Art von Kon­trolle in der entmilitraisierten Zone teil­zunehmen. Was die gegenwärtig im Haag erörterten drei verschiedenen Pläne anbe­langt:

1. die von Frankreich stammende Idee der Einsetzung eines Feststellungs­und Ausgleichkomitees

2. die Schaffung einer ständigen Ver- söhnungskommisston in Uebereinstim- mung mit dem deutsch-französischen Schiedsgerichtsvertrag, der dem Lo­carnovertrag beigegeben ist und

3. die Errichtung eines llnterkomitees des Völkerbundes,

so würde weder Deutschland noch England eine Lösung annehmen, die aus einer lleberwachung deutschen Ge­bietes über den 10. Januar 1935 hinaus bestehe. Die zeitliche Begren­zung des Versailler Vertrags für dre Räumung der 3. Zone des Rheinlandes set unbedingt endgültig.

RMrlich jlotff muh die MumungsörbaUe

Der politische Ausschuß

hat am Montag nachmittag nur eine kurze einstündige Sitzung abgehalten. Dr. Stresemann und Wirth nahmen an der Sitzung teil. Der Vorsitzende He n de r s o n teilte mit, daß der Juristen­ausschuß am Dienstag nachmittag um 3 llhr zusammentreten werde. Er stellte ferner fest, daß es sich jetzt darum handele, die Art der Räumung festzusetzen. Die Räumungsfraqc zerfalle in folgende zwei Punkte:

1. Das Datum der Räumung,

2. Liquidierung der Ergebnisse der Räumung.

Er hob hervor, daß die Aussprache zwischen Stresemann und Briand diese Frage« nicht gefördert habe.

Aus diesem Grunde mache er den Vor­schlag, daß die Hauptdelegierten der vier an der Räumung beteiligten Mächte Eng­land, Deutschland, Frankreich und Belgien Dienstag nachmittag um 4 llhr am Sitz der englischen Abordnung zu einer priva­ten Besprechung zusammentreten sollten. Bevor die Verhandlungen im politischen Ausschuß weitergeführt würden, sei es not­wendig, daß zwischen den vier Hauptdele­gierten eine grundsätzliche Einigung über die Räumung erzielt werde.. In dieser Be­sprechung solle ferner darüber beraten werden, ob ein oder zwei Ausschüsse für

(Fortsetzung stehe Seite 2

EmNachwvrtzum Msassungskag

Die „Nationalliberale Korrespondenz", der offiziellen Pressedienst der Deutschen Vollsparlei schreibt ein Nachwort zu den Berliner VersassungSseiern, in dem eS ik a. heißt:

Der Verfassungstag ist vorüber. Ernste Versuche der Kommunisten, erneute Zu­sammenstöße herbeizuführen, sind — von kleineren Dorfällen abgesehen — am'Ver- fassungstage selbst nicht zu verzeichnen gewesen. Wohl aber zeigte sich erneut in Kreisen,der Linken das Bestreben, den Tag zu rein parteimäßiger Reklame gu benutzen. In fetten Aeberschriften ver­kündeten Blätter der Linken „Volksfest der Jugend", sprachen sie vom „machtvollen Aufmarsch des Reichsbanners" a. a. m. Sie hatten anscheinend vergessen, daß die Jugend zum Stadion hingeführt wurde und daß selbst hunderttausend demonstrie­rende Reichsbannermänner noch lange nicht „das Volk" sind. Vielleicht überlegen sich einmal die Verfertiger dieser über­schwänglichen lleberschriflen im stillen Kämmerlein, wie sie selbst ähnliche Auf­märsche des Stahlhelm kritisierten und ziehen daraus zu eigenem Nutz und From­men die Lehre.

Allerdings war diesmal auch der Festakt der Reichsregierung im Reichstag wenig befriedigend. Sie äußere Aufmachung die­ser Feier ist im Laufe der Zeit Tradition geworden. Das ist gut so. AIS Neuerung waren diesmal die Flaggen der Länder nicht mehr im Plenarsaal, sondern in der Wandelhalle des Reichstages unterge­bracht. llebrigens bot die Ausschmückung des Plenarsaales selbst trotz der Mit­wirkung des Reichskunstwarts nicht allzu viel Künstlerisches. And die Veranstallung selbst? Mußte die Feier bis nahe an die Grenze des Langweiligen Herangehen, wie das diesmal der Fall war? Schließ­lich die Festrede SeveringS! Wir hatten mehr und Besseres erwartet. Leider wur­den wir enttäuscht. Zwar begann der Reichsinnenminister Severing seine Aus­führungen recht verheißungsvoll. Er wies darauf hin, daß die Derfassungsseier wie­der wie schon so ost in vergangenen Jahren in eine Zeit falle, in der Schicksalsfragen der deutschen Nation zur Entscheidung ständen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß den Staatsmännern im Haag ihr Werk gelingen möge. Er führte wörtlich aus: „Wer die Vergangenheit nicht ehrt, ist einer besseren Zukunft nicht wert." Dem stimmen wir ebenso zu wie dem Verlangen: „Wenn wir das Gute der Vergangenheit anerkennen, so dürfen wir verlangen, daß auch diejenigen, die mit ihrem ganzen Gefühlsleben in der Vergangenheit wurzeln, dem Neuen dieselbe Achtung ent­gegenbringen." Einverstanden sind wir weiter, wenn Severing erklärte, auch unter der alten Staatsform haben wir Großes geleistet. Warum nannte er dabei aber nur das Werk des Freiherrn vom Stein, die Kämpfe der 48er, die Geschichte der PaulSkirche, das allgemeine Wahlrecht, die Erziehung der Arbeiterschaft in den svzial- politi sichen Körperschaften? Denn diese Aufzählung war dürftig und unvollständig. Was wäre, um nur eines hinzuzufügen, Deutschland ohne Bismarcks Reichs­gründung?

Was aber Severing dann im zweiten Teil seiner Rede vorbrachte, waren nicht Gedanken eines Reichsministers, sondern solche eines sozialistischen Arbeiterführers, und wenn er dann dabei Forderungen aufstellte, die wie die Wirtschaftsdemo­kratie oder die neue Verteilung der Lasten nach' einem Inkrafttreten des Voung- Planes politisch stark umstritten sind, dann gehörte das nicht in eine Festrede am Verfassungstag. Ein Politiker w.e Severing mußte sich darüber klar sein, daß er da­mit Auffassungen vertrat, die von den übrigen Regierungsparteien mehr oder minder scharf abgekehnt werden. Wir hat­ten gehofft, den Reichsinnenminister zu hören, wir erlebten die. Rede des sozialisti- fchen Parteiführers. So war eS denn ni **