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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kveis Marburg.
Schsu eine KrW der Mett Konferenz?
Paris gegen die „Prsvszierung und Lrmffnns" SneivdenS - Rededuell StreiMam>>Brimd - Sie Räumung abhängig een der Erfüllung des AoungplaneS
Die beiden Ausschüsse der Konferenz, der politische Ausschuh unter dem Vorsitz von Henderson und der Finanzaus- schuh unter dem Vorsitz des belgischen Finanzministers Houtart lind am Donnerstag nachmittag zum ersten Mal zusammengetreten.
Die Verhandlungen des politischen Ausschusses
find lüs streng vertraulich erklärt worden. Selbst die höheren Beamten der einzelnen Abordnungen werden zu den Sitzungen dieses Ausschusses nicht zugelassen. Dieser Ausschuh wird als ersten Punkt die Frage der Rheinlandräumung behandeln. Die grohen Schwierigkeiten, die die gesamte Konferenz zurzeit beherrschen, dürften hierbei bereits in aller Schärfe zutage treten.
Auf französischer Seite besteht offen- sichtlich das Bestreben, die Verhandlungen über die Räumungsfrage in eine gewisse Abhängigkeit zu bringen zu dem Fortschrttt der Arbeiten des Finanzausschusses, obwohl formal die beiden Ausschüsse ihre Arbeiten unabhängig voneinander ausgenommen haben.
Die. Regelung der Saarfrage denkt Man sich auf französischer Seite jetzt in der Weise, dah in der nächsten Zeit eine deutsch-französische Konferenz zusammentreten soll unter Beteiligung der Regierungskommission des Saargebiett. Diese Konferenz soll dann endgültig die Saar- ftage regeln. Der Zusammentritt einer derartigen Konferenz wird auf französischer Seite für September während der Versammlung des Völkerbundes gewünscht. Eine deutsche Stellungnahme zu diesem zunächst lediglich propagandistisch $u bewertenden Gedanken liegt noch nicht vor.
Die Arbeiten des Finanzausschusses werden zunächst vollständig von der gleich zu Beginn der Konferenz aufgetretenen englisch-französischen Krise in der Frage des Verteilungsschlüssels beherrscht sein. In der Unterredung, die am Donnerstag vormittag zwischen Hilfcrding und Snowden stattgefunden hat, ist von englischer Seite mit großer Entschiedenheit auf den in der grohen Snowdenrede am Dienstag dargelegten Standpunkt der englischen Skegierung hingewiesen worden, wobei besonders betont wurde, dah
eine Aenderung des im Youngplan vorgesehenen Verteilungsschlüssels zu dem Wahlprogramm der Labourparty gehört hat und dah deshalb ein Abweichen von diesem Standpunkt für die englische Regierung völlig untragbar sei.
Es verstärkt sich somit allgemein der Eindruck, dah die Haltung der englischen Regierung nicht nur taktischer Natur, sondern durch entscheidende innerpolitische Gesichtspunkte bedingt ist. Aus diesem Grunde wird mit außerordentlich heftigen und langwierigen Kä mpfen im Finanzausschuß gerechnet.
Auch
di« Frag« der Sachlieferung««, die als erster Punkt behandelt werden soll, dürfte erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Die Konferenz steht somit auch am dritten Tage der Verhandlungen noch völlig unter dem Zeichen der englisch-französischen Krise, «re durch die Presse dieser beiden Länder täglich verschärft wird.
Auf deutscher Seite wird man diesem Streit der beiden Mächte zunächst ohne ak- ave Teilnahme gegenüberstehen. Man rechnet nicht damit, daß das Eintreffen Macdonalds eine Aenderung in der Haltung der englischen Abordnung berbeiführcn wird, da die Stellung des englischen Schatzkanzlers Mr derzeitigen Kabinett und in der Labour- Varty als auherordentlich stark beutteitt wird.
Da» amtliche Kommunique.
,H a a g, 8. Aug. Das amlliche Kommu- kque über die Sitzung der politischen EommWou lautet wie folgt: Die politische
Kommission tagte um 4 Uhr nachmittags unter dem Vorsitz Hendersons. Henderson eröffnete die Sitzung, indem er darauf hinwies, daß die Kommission ihre Arbeiten auf die Genfer Resolutton vom 16. September 1928 stützen sollte und unterstrich die besondere Bedeutung, die ihr Ergebnis für die Zukunft haben würde. Briand und Stresemann setzten wechselseitig ihre Ansicht über das allgemeine Räumungsproblem und die Zusammenhänge auseinander, die zwischen den Arbeiten der politischen und Finanzkommission bestehen. Sie versicherten beiderseits ihren Willen, zu einer praktischen Lösung zu gelangen, wobei nach Notwendigkeit Sachverständige zugezogen werden sollen. Die Kommission wird morgen nachmittag 4 Uhr wieder zusammentreten.
Die Teilnahme der amerikanischen Regierung an den Arbeiten der beiden Aus- schüsie der Konferenz steht noch nicht fest. Doch wird damit gerechnet, daß der ame- ttkanische Beobachter Wilson an den Arbeiten des Finanzausschusses teilnehmen wird, da die Regierung der Vereinigten Staaten anteilmäßig an die Verteilung der deutschen Tributleistungen beteiligt ist. Dagegen wird eine Teilnahme der Amerikaner an den Arbeiten des polittschen Ausschusies nicht angenommen. Die amerikanische Regierung soll, wie verlautet, im Voraus die Forderung einbringen, daß der Tett ihrer gesamten Forderungen von etwa 66 Millionen RM., der sich auf die Wiedergutmachung von Schäden bezieht, in den ungeschützten Teil bet Zahlungen einbe-
en mirh
Der Kampf um -le Röumung
Arland Ul die Einsetzung einer technischen Äemmilfien durch
Heber den Verlauf des Rede-Duells Streseman-Briand in der polittschen Kommission im Haag will der B ö r - sen-Courier mitteilen können:
Stresemann hat etwa folgendes ausgeführt:
Die Besetzthaltung deutschen Gebietes, zehn Jahre nach dem Kriege, entbehre ftder moralischen, rechtlichen und polittschen Grundlage und stehe im Widerspruch zu dem gerade von der französischen Regierung vertretenen Gedanken einer europäischen Solidarität.
Auch mtt dem Locaruo-Pakt und den Satzungen des Völkerbundes sei die Rheiulaudbe- setzung unvereinbar.
Dr. Sttesemann wies darauf hin, daß der Versailler Vertrag eindeutig der deutschen Negierung ein Recht auf Räumung des Rheinlandes gebe, nach dem Deutschland alle Verpflichtungen uneingeschräntt erfüllt habe. Bittere Klage führte er darüber, daß in den vier Jahren seit dem Abschluß des Locarno-Pattes die damals gegebenen Versprechungen nicht erfüllt worden seien. Die deutsche öffentliche Meinung sei mit Recht aufs Tiefste enttäuscht. Bisher seien nur unzulängliche Schritte getan worden. Das Anrecht Deutschlands auf Räumung des Rheinlandes nach Artikel 431 des Versailler Vertrages sei von den alliierten Regierungen bereits vor zwei Jahren anerkannt worden, da Deutschland völlig abgerüstet und die militärische Kontrolle aufgehoben wurde.
Deutschland habe aber mehr noch als dies getan. Obwohl sich die deutsche Wirtschaft in einer schweren Notlage befinde, habe die deutsche Regierung den Poung-Plan als Grundlage einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage angenommen. Was die Sicherheitsfrage be- tttfft, so wiederholte Stresemann, daß Deutschland abgerüstet sei und niemanb an eine Revanche denke.
Briand erwiderte,
er zweifle nicht an dem guten Willen der gegenwärtig Deutschland führenden Männer, doch gebe es keine Bürgschaft dafür, daß diese Männer noch lange am Rude: bleiben. Niemand könne leugnen, daß in Deurschland breite Schichten und einflußreiche Parteien bestünden, die die Politik der gegenwärtigen Regierung ab
lehnten, und ihre bishettgen Entscheidungen nicht michtmachten.
Frankreich hab« außerordentlich durch de« Krieg getttte«, es habe den Wett« krieg nicht gewollt und man könne sich nicht darüber wnnderu, wenn das französische Volk gewisse Sicherheiten für die Zukunft verlange.
Aus diesem Grunde, so fuhr Briand fort, habe er in Genf die Einsetzung eines Fefl- stellungs- und Vergleichsausschusses für die Rheinlands gefordert, in dem auch Deutschland vertreten sein solle. Frankreich besitze gegenwärtig zwar eine relative, aber keineswegs eine absolute Bürgschaft für seine Sicherheit.
Aus diesem Grunde könne das Rheinland nur etappenweise «ut- sprechend der Annahme und Durchführung des Pouug-Plaues und der Einsetzung des Bergt e ßchsa » s s ch u s s es geräumt werden.
Briand gewinnt M
4 Der im Haag weilende Korrespondent des „3n a i i n “ berichtet über die Fühlungnahme betreffend die Rheinland- r S « m u a g, es sei in Zukunft die Ernennung eines Sachverständigen- Ausschufses ins Auge gefaßt, der zwei Ausgaben hätte, nämlich den fit das Rheinland vorgesehenen F e ft st e l - lungs- und Ausgleichsausschuß zn studiere« u«d ferner für den gegebene» Fall das Tempo der Rhein - landräumung festzusetzen.
Auch der Berichterstatter des „Jour- u a l" crttärt, daß Briand die sofortige Einsetzung eines militärischen Ausschusies gefordett habe, der die Bedingungen, ««ter denen die eventuelle Räumung erfolge« soll, erörtern sollte. Stresemann habe diesen Vorschlag als einen Versuch, die Dinge aufdie lange Bank z, schiebe«, betrachtet. Briand habe sich energisch dagegen verwahrt und erklärt, es sei absolut unerläßlich, Maßnahmen zu treffen, um 50000 Soldaten abzutransportiere«. Man ge
winne also nur Zett, wem» mau sofort Ne Techniker an die Arbeit führe. Unter diese« Umstände« hätte Stresema»« nichts mehr gegen de« Pla« eiazuwevdea gehabt.
9et Kmitschlng Snowdens
Di« gesamte Pariser Presse spricht von einer KrisiS der Haager Konferenz und ergeht sich in schärfsten Angriffen gegen Schatzkanzler Snowden. So schreibt „Mat in": Snowden widersetzt sich wegen einer geringfügigen Geldsumme der Befriedung Europas. Er habe gestern wie der schärfste Aationa- list gesprochen. Wenn die Haager Konferenz einen Mißerfolg erleide, dann habe man diese Tat der zweiten Internationale zuzuschreiben.
Dem „3ourn al" wird aus dem Haag berichtet: Der dritte Konserenztag endete mit einem Theatercup, und mit was für einem? Es handelt sich nicht nur um eine auffordernde Mahnung Snowdens, sondern um eine Provozierung und Erpressung. Ueberdies habe sich der Schatzkanzler auch seinen Mickzug abgeschnitten, indem er nachdrücklich auf die Veröffentlichung dieser Maßnahmen bestand.
»Echo d« Paris" erklätt: Man kann sagen, dah niemals so ein lebhafter Streit zwischen London und Paris enfftanden sei und dah die Konferenz im Haag sich in Gefahr befinde.
Das „petit Journal" fragt, ob es denkbar sei, daß der englische Sozialismus seine Grundsätze internationaler Dottrinen vergesse. Man such« vergeblich eine vernünftige Erklärung für den Fausts chlag Snowdens.
„Excelsior" schreibt, wenn der britische Schatzkanzler den Kindergedanke« fmtte, mit der Politik der Entente cordial« zu brechen, dann könnte er nicht anders handeln.
Der im Haag weilende Korrespondent der „A g e n c e H a o a s" berichtet über den Eindruck, den der Verlauf des gestrigen Verhand- lunsstases gemacht habe: Die auf jeder internationalen Konferenz unvermeidliche Krisis, die nach der Rede Snowdens bade eintreten muffen, fei feit gestern abend Tatsache. Mit einer Schärfe, die man nach den vorausgegangenen maßvollen Interventionen nicht vor ausgeahnt hätte, habe Snowden im Finanzausschuß in Anwesenheit der demfche Delegierten eine scharfe Anklagerede gegen die alliierte« Mächte und ganz besonders gegen Frankreich gehalten, wobei er sogar so weit gegangen sei, zu erklären, daß
England am Kriege 1914 kein vitales Interesse gehabt hab«.
Snowden habe erklärt, er rootte keinen Kompromiß annehmen.
Die Regelung dec Samstage
Der Haager Korrespondent des „E ch o de Paris" berichtet über die Behandlung der Saarfrage, Stresemann habe Briand die Einreichung eines Vorschlags zur Regelung des Saarproblems angekündigt. Briand nehme die Verhandlung unter der Bedingung an, daß sie sich auf Frankreich und Deutschland beschräntt, das heißt, daß Frankreich den Nutzen dessen, was es abtrete, erhalte. Wenn das Abkommen abge- schlosien sein werde, würden die Mächte aufgefordert werden, es ihrerseits zu bestätigen. Dieser Beschluß sei gestern am Schluß der privaten Sitzung der sechs Mächtevertreter gefaßt worden. Von dem Augenbllck an, m dem man den