Einzelbild herunterladen
 

SvnnecSIag, tee 8. August 1929

t* drttimg- «t-

sch«tn< sechsmal wtehentttch. Br- z»g«pr<t« monatlich 2.10 ® 5R.au«- schiteßl. ZastelluntzSgebühr. durch teePvst2L5 69R.S*t etwa Infolge Streik«, Maichtnendefekte oder elementarer Lreignifie ««fallende Kammern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag tz.Dr.fi. Hitzeroth. Druck der Unfd.-Buchdrnrkerei b. Job. 9ng. «och, Markt 21/23 Fern frecher: Kr. 54. x. Sir. 55. Postscheckkonto: Amt ffranksnrt cu M. Kr. 5015. — SprechM der Redaktion von 10—11 «*

*W—I w-

Sbechesflsche

<*— y|«ma m>x

Wk / | «7 H ■ A A H ■ |B immhmm

Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberheffe«

St.184 64.806» Rar-ukg o. Lada

bat Ivgespatt» ZeSermMuaet« (M)8 GM, Seine Baranzeigea (L06 GM, amtliche und ob* vilrttge «rqeigen 0.10 SM. Bei schioierigem Satz sowie de! Platz. Vorschrift 50*fc Aufschlag. — Sommetanzeigen KW*t» Anf- schtag. Reklamen der ®Mta. 0,40 SM. Jeder Rabatt güt* Varrabatt. Ziel 5 Tage.

Offerten-Gebühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg, 1 Soidmart — 1/m Dollar.

Anzeiger ber amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

„Graf Swetin" zum SBeltftofl geftattet

B. Lakehntft, 8. Mg. Das «uftschisf »Gras Stppdin" ist am Domkkslag M 0.4» W amerikanischer W (6.«i W> mitteleuropäischer M) zu seiner Weltreise gesiarlel. ES nimmt zunächst Kurs aus Zetan» (Weitere Meldungen siehe Seite 2.)

Nir Arbeit ter KontrrM beginnt

Ende ter Generaldebatte - Eia finanzieller und ein volistschcr Ausschuß sind gebildei

i Die Haager Konfevenz ist am Mittwoch vor- mittag em 10 Uhr unter Vorsitz von I a s p a r « einer geheimen Vollsitzung w sammensetreten. An dieser Sitzung, an der wtedernm alle Abordnungen teilnahmen, hat der framöfische Fimmzminister T Heron so­gleich zu Beginn das Wort ergriffen, um den Stantwunkt der französischen Regierung zu dem englischen Vorstoß hinsichtlich der Vertei­lung der Reparationszahlungen unter den Gläubigern darzulegen. Der

Standpunkt der französischen Regierung, wie er von dem Finanznnnister der Konferenz vorgetraoen wurde, läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Die in der Rede Snowdens angeführten Ziffern über die Zahlungen, welche Frankreich nach dem Voungvlan erhält, sind nicht zu­treffend. Rach dem Dawesplan erhält Frankreich 1310 Millionen Mark jährlich, nach dem Poungvlan durchschnittlich nur 1066 Mil­lionen jährlich. Ferner ist der im Dawesvlan für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete vorgesehene französische Anteil größer als der Anteil Frankreichs an dem ungeschützten Teil der Reparationszahlungen nach dem Boung- plan.

Rach dem Dawesvlan würde Frankreich dl diesem Jahr 300 Millionen französische Franken und im nächsten Jabr 800 Mil­lionen französische Franken mehr erhalten, als nach dem Nonngplan.

Dies sind reine Verluste für den franzö­fischen Haushalt. Von den etwa 2 Millionen englisch« Pfund, welche das britische Reich nach dem Voungvlan weniger erhält, kommt Frankreich nichts zugute. Bon diesem Betrag erhält Italien 1840 000 ensL Pfund, während der Rest auf Belgien und die anderen kleinen Mächte verteilt wird. Frankreich ist in seinen finanziellen Opfern im Boungnlan bis zur äußersten Grenze gegangen.

Sine weitere Einschränkung des franzöfi­schen Anteils an den Reparationszahlun­gen ist für Frankreich untragbar.

Von den Unkosten für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete bekommt Frankreich tatsäch­lich nur 25 v. H. der hierfür verauslagten Summen.

Dann sprach für Italien der italienische Fi­nanzminister Mosconi, der, ähnlich wie Cheron, den Nachdruck darauf legte, das der Boungvlan einen Komvromigcharakier trage. Er verlas alsdann noch einmal den bekannten

Standpunkt Mussolinis

und stellte darauf die Frage, ob die Sachver­ständigen, falls man sich nicht über die An­nahme des doungplans einigen könnte, noch einmal zusammentretcn sollten. Zum Schlug wies er noch den Vorwurf zurück, daß die kleinen Staaten bei der Aufstellung des Boungplanes nicht gebührend berücksichtigt worden leien. Die Tendenz seiner Rede, in der er ziemlich deutlich von dem gestern von Snowden bekanntgegebenen englischen Stand­punkt abrückte, ging auf

di« Annahme des Plaues als Ganzes hinaus.

Sowohl D e n i z e l o s wie auch der jugo- stawische Außenminister Marinkowitsch führten dann ihrerseits aus, daß sie durch die jetzt in Aussicht genommene Regelung nicht befriedigt werden könnten, weil die Ver- plflichtunsen ihrer eigenen Länder dadurch nicht gedeckt würden.

Als letzter Redner der Vormittagssitzung sprach der deutsche Reichsaußenminister

Dr. Stresemanu.

Er führte aus: In den verschiedenen Erklä­rungen, die gestern nachmittag und heute vor­mittag abgegeben worden sind, sind hinsichtlich einzelner Teile des Voungvlancs Ansichten rum Ausdruck gekommen, di« voneinander ab­

weichen. Es handelt sich dabei tnt wesent­lichen um Punkte des Planes, di« in erster Linie das Verhältnis der Gläubiger- regierungen untereinander angeben. Ich glaube deshalb, daß ich mich in der General­diskussion »ur Kennzeichnung der Haltung der deutschen Delegation darauf beschränken kann, auf die seinerzeit von der Reichsregierung veröffentlichte Erklärung hinsuweisen, die dahin geht, daß

Deutschland bereit ist, auf der Grundlage

des Planes zu einer Lösung des Repa- rationsvroblems zu gelangen.

Da, wie der Vorsitzende gestern betont bat, unsere Gcneraldiskusston sich lediglich auf den Bounvglan und nicht auf die politi­schen Fragen erstreckt, kann ich auch davon absehen, näher darauf einzugehen, welche poli­tischen Fragen nach Auffassung der deutschen Regierung m?t der Regelung der Revara- tionsfrage in einem Zusammenhang« stehen.

„Wenn Wnmrä

Zu dem gestrigen Beschluß der Haager Konferenz, zwei Ausschüsse einzusetzen, schreibt der Sonderberichterstatter des „Malin", es sei nicht wahr, daß Briand dadurch ein« willige, sich mit politischen Fragen, also mit der Nheinlandfrage zu beschäftigen, bevor die Annahme des Poungplanes gewährleistet sei, und in kein;r Weise der These recht gebe, wonach die Räumung ein absolutes Recht sei. 9I6er Jburdj diese Methode ge­winne man Zeit. Man verschaffe Stresemann die Gelegenheit, seine These voll­kommen auseinander zu setzen.

Der im Haag befindliche _ AußenpvIMer des „Echo de Paris" streikt, die fi­nanzielle und politische Lage würde jetzt pa­

nigin der Niederlande für die BegrLßungs- wünsche entgegen und vertagte sich bis 17 Uhr, wo die Plenarversammlung di« Eeneraldis- kussion fortsetzen wird.

Nachmittags wurde die allgemeine Aus­sprache über den Boungplan fortgesetzt, nach­dem um 4 Uhr eine Privatbesprechuna der Vertreter der sechs einladenden Mächte stattgefunden hatte.

Die Sitzung, die den Abschluß der allge­meinen Aussprache brachte, wurde vom belgi­schen Außenminister Hymans mit einer Er­klärung eröffnet, in der er seine Anerkennung für die Leistungen der Sachverständigen aus­sprach. Er wies dann darauf hin, daß das ganze Werk auf der Grundlage des Genfer Kommuniques zustandegekonimen sei und daß es ein Kompromiß darstelle. Die belgische Regierung habe den Boungplan als Ganzes angenommen. Er hob hervor, daß

darum aus diesem Plan nichts heraus- gerissen werden könne.

Wenn man über Einzelheiten verhandeln wolle, müßte man vielleicht auch einen neuen Sachverständigenausschuß ein.berufen. Hymans fern zu der mit großem Nachdruck ausgespro­chenen Schlußfolgerung, daß der Plan als Ganzes angenommen werden müsse.

Hierauf wurde die Eeneraldiskus- s i o n geschlossen.

Ich kann es mir Vorbehalten, daranf ht der politischen Kommission zurückrukom- men, di« ihre Arbeiten ja gleichzeitig mit der finanziellen Kommissiion aufneh» men wird. Was die hier vovgetragenen Mei- nunssVerschiedenheiten über einzeln« Teile des Poungplanes angeht, so möchte ich, welche Bedeutung ihnen auch zukommen mag, doch der dringenden Hoffnung Ausdruck geben, daß darüber eine Einigung unter den beteiligten Delegationen zu erzielen sein wird.

Die deutsche Delegation wird mit allen Kräften dahin wirke«, die Konferenz $a einem Abschluß zu führen, der, wie Herr Cheron sagte, Me Vergangenheit liqui­diert und die Grundlage eines dauer­hafte«, guten Verhältnisses der beteiligte« Rationen bilden kau«.

Die Versammlung nahm zum Schluß ein Antwvrttelegramm mit dem Dank der Kö-

MI Sang träte r

rallel verfolgt und gleichzeitig in Angriff genommen. Briand habe einen großen Fehler begangen. Der Feh­ler könne die Lösung der Haager Konferenz schwierig machen. Man begreife nicht die Schwäche Briands im Vergleich zu der Auf­fassung, die er und die chm nahestehenden Persönlichkeiten noch am Tage vorher ent­wickelten. Nach einem Hinweis darauf, daß private Unterredungen zwischen Briand und Stresemann auch über die Saarfrage statt­finden würden, schließt der Korrespondent mit der Bemerkung, im Haag erkläre man ein­mütig, wenn Poincarä da wäre, wür­de« die Dinge nicht diesen Verlauf nehmen.

Es folgten dann die geschäftsordnungs- mäßigen Vorschläge Jaspars. Es wurde

tw finanzieller mrd ein politischer Aus­schuß gebildet.

3m finanziellen Ausschuß sollen alle Mächte durch je zwei Delegierte ver­treten sein. Die finanziellen Probleme, die nur die einladenden Mächte betreffen, sollen von deren Vertretern allein behandelt wer­den. Titulescu, durch Marinko­witsch unterstützt, verlangte Klarstellung, ob die sechs einladenden Mächte gegebenen­falls einen besonderen Ausschuß bilden wollen, worauf festgestellt wurde, daß nur ein Ausschuß gebildet werden solle, bei des­sen Arbeiten die Materie nach Interessen ge­teilt werden soll. An den Beratungen, die nur die Interessen der einladenden Mächte berühren, sollen die sechs eingeladeneu Mächte nicht teilnehmen.

Die politische Kommission besteht gleichfalls aus je zwei Delegierten, jedoch nur der einladenden Mächte. Unter- auslchüsse für beide Kommissionen sind nach Bedarf einzufetzen. Snowden (England) schlug unter allgemeiner Zustimmung für den Finanzausschuß den belgischen Finanzminister Baron H o u t a r t als Vorsitzenden vor, der die Wahl dankend annahm. Für die poli­tische Kommission wurde von Briand Hen­derson als Vorsitzender vorgeschlagen. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen. Die

Kritik nn -er Salttmg Briands

Dorfftzenden bet beiden Ausschüsse rSYAt cfls Delegierte nicht mit.

Deutschland hat für den finanzpolitischen Ausschuß die Minister Hilserding m,d Cu rti u s benannt, für die politisch« Kommission die Minister Strese­mann und Wirth. Beide Kommis»

Honett sind als permanent anrnsrhe».

Nkr SKMtymgWNMt DöruM

Das englische Auswärtige Amt veröf­fentlich soeben den 16 Paragraphen umfas­senden Entwurf des neuen englisch-ägyp­tischen Beitrages, wonach beide Länder einen Bündnisvertrag mit einander schlie- hen und die militärische Besetzung Aegyp­tens durch englisches Militär aushören soll. Bemerkenswert ist, daß England auf den Schutz der Ausländer in Aegypten ver­zichtet und diesen der ägyptischen Regie­rung überträgt. Sollte irgendeine der bei­den Parteien in einen Krieg verwickelt werden, so muh ihr die andere zu Hilfe kommen. Besonders wird der König von Aegypten dem König von England auf ägyptischem Gebiete alle Erleichterungen zur Verfügung stellen. Falls Aegypten ausländische Instrukteure für sein Militär anstellt, müssen sie Engländer sein. Zum Schutze der Verbindungswege des Briti­schen Reiches durch den Suezkanal erhält England die Ermächtigung, auf ägypti­schem Gebiet ösllich des 32. Längengrades so viele Streitkräfte zu unterhalten, als England für diesen Zweck notwendig hält, jedoch srsil die Anwesenheit dieser eng­lischen Truppen keine Besetzung und keine Einschränkung der ägyptischen Souveräni­tät bedeuten. England übernimmt auch die Beseitigung der Kapitulation, die als über­lebt betrachtet wird. Streitigkeiten über die­sen Vertrag werden vor den Völkerbund gebracht, auch unterstützt England den ägyptischen Wunsch, Mitglied des Völker­bundes zu werden. Eine Revision des Vertrages ist erst nach 25 Jahren möglich.

Der englische Auhensinister Hender­son wie mich der ägyptische Minister­präsident Mahmud Pascha erkennen an, daß England mit diesen Vorschlägen bis an die äußerste Grenze der Möglichkeit seines Entgegenkommens gegangen ist. England verlangt, daß der Vertrag ourch die Parlamente ratifiziert wird, sodaß mit alsbaldigen Reuwahlen in Aegypten zu rechnen ist. Wird der Vertrag von beiden Parlamenten angenommen, so be­deutet er die Anerkennung der bisher von England verweigerten vollen Souveräni­tät Aegyptens, sodaß es nicht verwunder­lich ist, wenn der Vertrag in einem Tell der englischen Presse auf echeblichen Wi­derstand stößt. Während die liberale »Daily Rews" der Labour-Regierung die Unterstützung der Liberalen Partei im Parlament zusagt, legt die konservative Presse große Entrüstung an den Tag. „Daily Expreß" spricht sogar von einem Verbrechen am englischen Reiche. Im übrigen bemängelt die bürgerliche Presse, daß England auf das Recht ver­zichtet, den Schutz der Ausländer in Aegypten auszuüben, was zu SchwieriK- keiten gegenüber den ausländischen Re­gierungen führen würde, da England die­sen Schutz zugesagt habe. Die ägyptische Presse äußert sich dahin, daß der vvrge- schlagene Vertrag zwischen Aegypten und Großbritannien der beste sei, der Aegyp­ten je angeboten sei, ein Vertrag, befjen Wortlaut keine Zweideutigkeit enthalte und der das Ende der Besetzung klar erkennen lasse. .. ...... i . . . -