Einzelbild herunterladen
 

yRlttWOtw Ne 7. August 1929

ff- - rf. - frr -« - 0-1^ - - --

xw »WwwW* «JönoBg w* scheint sechsmal IvScheiEH. Be- zugopret« monatlich 2.10 SSttxtefr schließt. Zustrktungpgrbühr. durch biePostLLS GM.ASr etwa infolge Streik«. Maschinen defekte oder elementarer Ereignisse anchallende Vivmmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hcheroth. Druck der Unid.-Buchdrnckerei v. Ioh. Ang. «vch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. x. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr. 5015. ShrechM der Redaktion ben 10M w»

*hil Uhr.

öberhMschs

ÄMmzetz« Zeitung NchrEMW

Anzeiger Mr (das frühere kurheffifche) Oberhefsen

Slr.m M.3o6t9. Rardurg n. Latze

Ser SK-ieigenprrt« beträgt f»B den 10 gespakt. Zestenmillimetee 0.08 ®9t, kleine Baranzrigen 0.06 GM amtliche und a»*> wtlrtiae Anzeigen 0.10 SM. Bet schwiringem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50*f, Aufschlag. Sauuneian zeigen 100 *i» Antz» schlag. Reklamen der fflüta. 0,40 GM. Jeder Rabatt qM <M Barrabatt. Ziel 5 Soge.

Offerte »-Gebühr: 25 Psg. Beleg« werden berechnet. Erfülkunadort Marburg.

1 Svidmark =/M Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadl und Kreis Marburg.

Die HMMm FMAMßM im Sm

Sr. ArOmmi eetrrstnW Ne »ÄWchr DrNeieez Nr vieren)UMrtzerstestuug »er Nutschen ösMrmiitSk

®i« Haager Konferenz wurde gestern vormittag um 11 Ahr durch den nieder­ländischen Außenminister feier­lich eröffnet.

Der Konferenzsaal war bereits 20 Mi­nuten vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Watz gefüllt. Auf der Pressetribüne standen die Vertreter der internationalen Presse und Photographen dicht nebenein­ander. Ginige hatten sich auf den Sitzen stehend einen erhöhten Posten ausgesucht. Ein großer Teil der Senatssihe war ent­fernt worden, u nd an ihre Stelle ein r i e - sigerovalerTisch.an dem die Dele-- gierten Platz nehmen sollten, aufgestellt. Die deutsche Abordnung hat in der Mitte des Tisches ihren Platz erhalten. Hinter den einzelnen Staatenvertretern haben die Sachverständigen und Beamten des diplomatischen Korps Watz gefunden. Man sieht unter anderem den päpstlichen Internuntius S ch t o p p a, den deutschen Gesandten Graf Zech, den bel­gischen, französischen und österreichischen .Gesandten.

Neben Stresemann sitzt aus der lin­ken Seite der belgische Finanzminister Houtard, auf der anderen Seite Hil- ferding.Eurtius und Wirth. Hin-^. ter dem Sitz des Präsidenten sind die Plätze der Dolmetscher, die vom Völ- kerbundselretariat zur Verfügung gestellt worden sind.

Angefähr 10 Minuten nach 11 Ahr gibt der niederländische Außenminister, nach­dem alle Delegierten Platz genommen ha-? ben, mit drei kurzen Hammerschlä:,e i das Zeichen zur Ruhe, und lautlose Stille tritt ein. DaS Magnismmlicht blitzt auf, Photographen knipsen und Filmoperateuie kurbeln. Hierauf erhebt sich Minister

Beelaerts van Blockland

zu seiner Begrüßungsrede.

Er begrüßte die ausländischen Staats» männer und sprach ihnen im Ramen der holländischen Regierung die le'ien Wünsche für das Gelingen ihrer Beratungen aus. Ich hoffe, so führte er aus,daß das Er­gebnis nicht weit hinter Ihren berechtigten Erwartungen zurückbleibt. An der Rege­lung der internationalen Fragen hätten die Niederlande nicht mitzuwirken. Ader wenn ihnen auch der bescheidenere Teil der Auf­gabe zufalle, so hoffe sie, durch den Deist derAnparteilichkeitund derVer- f ö h n u n g, durch die Atmosphäre im Haag zum Gelingen beizutragen. Sie habe Vertrauen in die Arbeiten zur endgül­tigen Befriedung Europas und. begleite sie mit den heißesten Wünschen. Dabei bin ich, so schloß der Minister, nicht nur der Sprecher des holländischen Volkes, sondern drücke gleichzeitig die Hoffnung aus, deren Gewissen in wachsendem Maße die wech­selseitige Abhängigkeit und die Solidarität der Völker empfindet.

Nach der Rede des holländischen Außen­ministers ergriff

Briand

das Wort. Er dankte zunächst in aller Na­men für die Gastfreundschaft in Holland und bat, der Königin der Niederlande die ergebenden Grütze der Konferenz zu übermitteln.Wir kommen", so führte er auszur Erfüllung einer ziemlich schwie­rigen Aufgabe hierher. Aber alle find voll ?uten Willens, überzeugt, datz unsere Ar- eiten, wenn sie von Erfolg gekrönt sind, nicht nur der Sache der eigenen Länder, sondern der ganzen Menschheit dienen. Holland ist auf das engste mit dieser Ar­beit verbunden, auch wenn es nicht direkt mit ihr befaßt ist. Aber die Wünsche, die wir gehört haben, die Sympathien, die uns entgegengebracht sind, haben die ver­dienstvolle Wirkung, datz sich unsere Ar­

beit in der geeignetsten Atmosphäre voll­ziehen wird.

Der Haag stellt ein Friedenssymbol dar. Hier sind die größten Anstren­gungen gemacht worden und werden noch gemacht, um der Menschheit die Rückkehr zur Gewalt unmöglich zu machen und die Anwendang der Mit­tel des Friedens sicher $u stellen.

Er sei überzeugt, datz durch die Einbe­rufung der Konferenz ein weiterer Schritt zum Frieden getan worden sei und er wünsche lebhaft, datz ein Ergebnis erzielt werden möge, das alle Völker befriedigen sollte. Denn alle Völker seien an diesem Ziel interessiert. Keine Nation könne die

Am die NevWn

EiMÄM gorhtungec

Den Vorsitz der N a ch m t t t a a s s i tz u n g rührte der belgische Ministerpräsident I a s - d er. Die Tagesc-rdnvng umtobte 4 Punkte: Die Wahl des Präsidenten der Plenar­versammlungen, die Mahl eines General­sekretärs, eine Vereinbarung' über Vcrörfent- lichunacn der Verbandlungen und die Frage der Organisation der Komerenmrbeit. Es wurde- beschlossen, datz das Präsidium zunächst von den einladenden Mächten in alpbabett- scher Reibenfolie gestellt werden soll und daß sir Maurice danken als Generalsekretär be­stellt wird. Vor Erörterung des 4. Punktes, der die Einsetzung der vorgesebenen zwei Kommissionen gebracht hätte,

beantragte Snowden den Eintritt in eine Generaldiskussion des Voung-Planes.

Hinsichtlich des Schemas der Annui­täten erklärte er, die englische Regierung sei sowohl mit der Eesamthöhc wie mit den Jahresraten für die deutschen Leistungen ein­verstanden, wobei man mit Recht von der deutschen Leistungsfähigkeit und nicht von dem Bedarf der Gläubigerstaaten ausgegangen sei. Er sei der Meinung, datz der Plan nicht die deutsche Leistungsfähigkeit überschreite. Der 2. Punkt sei di«

Abschaffung der Konttolle und die Wieder­herstellung der ökonomischen SouverLmtSt

Deutschlands.

Dies werde besonders von England begrübt. Bei diesem Punkt wies Snowden auf die Rede Dr. Stresemanns am Vormittag hin. Sehr wichtig sei auch, datz im Poung-Plan noch eine gewisie Unklarheit über die Zahlungen der Deutschen Reichsbahn bestehe, von denen es zweifelhaft fei, ob sie den Charakter einer be­sonderen Garantie trügen. Nunmehr ging Snowden zu einem

Kamps gegen den LerteUunasfchlüssel der deutschen Zahlungen

über. Er wies zunächst auf das Vorhanden­sein eines Neberschusses von etwa 380 Milli-

französischen Ministerpräsidenten zu wie­derholen, sondern um auch der niederlän­dischen Regierung durch ihren Außeck- minister ein besonderes Wort des Dankes zu übermitteln für die Anstrengungen, die er zur Erleichterung der Aufgabe der Weltpresse gemacht habe.

Denn unsere Arbeit, so hob »er Mi­nister hervor, kurt nur Erfolg haben, wenn fie em grotzes Echo bei den Völkern findet.

Der holländische Außenminister habe die große Bedeutung dieser Arbeit sehr tref­fend charakterisiert; aber über das hinaus habe der Haag als Ort, in dem zuerst der Gedanke einer neuen internationalen

wechselseitige Abhängigkeit verkennen, von der der holländische Außenminister ge­sprochen habe; alle hätten die Erfahrung gemacht, datz der Krieg kein gutes Geschäft sei und auch für den Sieger schreckliche Nachteile im Gefolge habe. Briand sprach dann den holländischen Gastgebern den Dank für die Vorbereitung der Konferenz aus.

Anschließend an Briand -nahm der deutsche Außenminister

Dr. Stresemann

das Wort, er führte u. a. aus: Er wünsche den Ausführungen Vriands einige Worte hinzuzufiigen, nicht nut, um den Dank und die Anerkennung für die Unterstützung der bevorstehenden Beratungen im Sinne des

des AlmMWSs

k» W.itzkaiiziers SnoioNn

oncn Mark aus den Mehrleistungen Deutsch­lands nach dem Dawes-Plan bis 31. August «nd für bi* erste SrnttmberrvoHe seveufihe« dem am 1. Avril in Kraft zu setzenden Boungt Plan hin und empfahl Verwendung dieser Summe für kleinere Bedürfnisse, insbesondere für die im Boung-Plan nicht mehr vor­gesehenen Besatz ungsko ft en.

Die Punkte, in denen Schwierigkeiten vor­handen seien, seien erstens das Verteilungs­verhältnis der Gläubigermächte mit Bezug auf die geschützten und ungeschützten deutschen Zahlungen, zweitens die Aenberung des Ver- teitungsschlüsiels von Svaa und drittens die Frage der Sachlieferungen. Snowden gab eine ziffernmätzise Darstellung der Ver­teilung, wie die 660 Millionen ungeschützten deutschen Jahreszablungen vorgenommen wer­den sollen.

Frankreich erhalte davon 560 Millionen und Italien 42 Millionen. Die Zahlun­gen für die Dawes-Annnitäten erforderten zunächst 90 Millionen, und nur her kleine verfügbare Rest solle für alle übrigen Mächte veElciben.

Ebenso kritisierte er die Schlüsselung der Gesamtverteilung, die abweichend von dem Spaa-Schlüssel für Frankreich 10,7 Mil­lionen, für Italien 36,8 Millionen, für Bel­gien 12,2 Millionen Mark mehr als früher versehe, während England 48 Millionen Mark weniger, erhalt«. In diesem Zusammenhang bezeichnete er auch Amerika und die kleineren Mächte als benachteiligt.

England könne mit seinen Opfern nicht weiter gehen als es gegangen fei. Es fei zwar durchaus geneigt, auf Reparations­zahlungen überhaupt zu verzichten, aber solange solche bezahlt würden, müsse ihre Verteilung gerecht erfolgen.

Darüber seien sich alle englischen Parteien einig.

Rechtsordnung seine Wiege und feinen Sitz gefunden habe, eine große symbolische Bedeutung für die Förderung des Frie­dens gehabt. Heute gelte es zunächst einer Fortsetzung der Beratungen von Jahre 1924, denen einige der hier am Tisch Versammelten bereits beigewohnt hätten. Damals sei es der erste Versuch einer wirtschaftlichen Lösung gewesen, deren Fortführung in verschiedenen Etappen von den Sachverständigen der verschiede­nen Nationen in aufopferungsvoller Tä­tigkeit getätigt worden sei, zuletzt noch durch den Sachverständigenausschuß in Paris.

Aber,- so betonte Dr. Stresemann, ..in den wirtschaftlich-finanziellen Er­

gebnissen kann nicht allein das Refnl- tat liegen. Sie müssen politische Re­sultate nach sich ziehen.

Für die Beteiligten und barü6er hinaus für die Völker, wie Herr Briand sich aas» gedrückt hat, für alle Völker gilt es, die Leistungen, die vollbracht werden fallen, auch weltwirtschaftlich zu ermöglichen. Zch sehe eine künftige weltwirtschaftliche Kon­ferenz voraus, in der vom Kleinhandel zu einer Nationalisierung der Weltwirtschaft übergegangen wird. Mit einem gewissen Lächeln sehen wir heute auf den Zustand Deutschlands zurück, in dem stch die Klein­staaten untereinander durch eigene Zoll­grenzen und eigenes Geldwesen vonein­ander absperrten. Ich hoffe, datz wir der­einst mit dem gleichen Lächeln uns des Zustandes Europas erinnern können, der demfenigen des vergangenen Deutschlands entspricht, und ich erhoffe von den Resul­taten unserer Beratungen eine Besserung dieses Zustandes."

Als einen zweiten wichtigen Punkt be­tonte der Reichsautzenminister die Not­wendigkeit, die' Arbeit in Freudigkeit zu vollbringen, Freudigkeit der Beziehungen Aneinander fei eines der Imponderabilien des Erfolges und fei schon von den grötzten deutschen Staatsmännern als ein solches erkannt worden. Die wirtschaftliche Leistung hänge -von der geistigen Einstel­lung in ihrer politischen Wirkung ab.

Das Ergebnis müsse deshalb eine freudig anerkannte Gleichberechtigung in Ausübung der Sonveränitätsrechte, eine Zufammenarbett der ehemals im Kriege miteinander gewesenen Völker fein.

Stresemann fuhr fort: Wenn in den letz­ten Jahren der Puls des Verständigungs­willens schwächer geschlagen habe und Enttäuschungen der Völker beobachtet roet« den müßten, so hoffe er auf einen neuen Impuls, auf eine Beschleunigung als Folge dieser Konferenzarbeit.Ich ver­hehle mir nicht die Schwierigkeiten," so schloß Dr. Stresemann,aber als Führer darf man nicht abwarten, bis man die Zustimmung von 99 Prozent der Bevölke­rung hinter sich hat, sondern man mutz führend vorangehen. Der Ort der Haager Konferenz ist ein gutes Omen dafür, und ich danke der Regierung der Niederlande für die Unterstützung, die sie uns hier zu­teil werden läßt."

Allgemein ist ausgefallen, datz die Ans- führnngen Briands, des holländischen Außenministers und anch des englischen Finanzministers von der Konferenz mH dem üblichen Beifall aufgenommen wur­den, während die langen und für die Ar­beiten der Konferenz bei weitern beben» tungsvollsiea Ausführungen Dr. Strefernanns von den anwesenden Abgesandten mit Schweigen ausge­nommen wurden.

Hierzu bemerkt der Sonderberichter­derD. A. Z.":

Der mangelnde Beifall bei Dr. Stresemanns Rede beweist, datz die übri­gen Delegationen seine politische Absicht, die ihrer Taktik entgegenläaft, sehr wohl verstanden haben. Gegenüber den rein formalen Begrüßungsansprachen der an­deren hat der deutsche Außenminister gleich das politische Problem in voller Erötze ge­stellt, wobei man von dem wirtschaftlichen Pan-Eurova-Tranm füglich wohl «bsehcn kann. Hoffentlich wird diese Linie auch ttt aller Zukunft konfeyuent durchgehalten."