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Dienstag,

Ml 6. August 1929

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Der «n^tgenprett beträgt Mr den 10 gespatt. ZeSeiuntllimeler 0.08 ®at, kleine Baran^tgen 0.06 DM., amtliche mb «**• wckrtiq« Antigen 0.10 SM. Sei schwierige« Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50%, Aufschlag. — Sammetan zeigen 100 *)• Anf- schiag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Raba« gilt oK Barrabatt. Ziel 5 Tag«.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Beginn -er Hanger Konferenz

Gestern VorbewreKung her sechs Desegattonssühm - ßeute früh Eröffnungssitzung

Di« deutsch« Delegation für die Haager Konferenz mit den Reichsminister« Dr. Stresema««, Dr. Curtius, Dr. Wirth «nd Dr. Hilferding an der Spitze traf gestern vormittag im Sonder- zng um 11.15 Uhr im Haag ein. Zur Be- grügung hatten sich am Bahnhof «. a. ein- gefunden der niederländische Außen­minister Beelaerts van BloNand und fein Kabinettschef van Ree«, fermer die Gat­tin des deutschen Gesandte« im Haag, Gräfin von Zech, sowie Gesandtschaftsrat Rödiger und Gesandtschaftssekretär Dr. Gregor. Der deutsche Gesandte Graf von Zech-Burkersrode war der deutsche« Dele­gation bis Utrecht entgegengefahren. Bor dem Bahnhof hatte sich neben zahlreiche« Zournalisten u«d Photographen eine große Menschenmenge angesammelt, dse den deutschen Reichsaußenminister, als er zusammen mit dem deutschen Gesandten im Auto Platz nahm, lebhaft begrüßte. Die gesamte deutsche Delegation fuhr vom Bahnhof sofort i« Automobilen nach Sche- veningen weiter, wo sie im Oranje- Hotel abstieg.

Gestern abend kamen die Hauptdelegier- ten der sechs als Einberufer der Haager Konferenz geltenden Mächte, Deutsch­land, Frankreich, England, Belgien, Italien und Ja p a n beim französischen Ministerpräsidenten B r i a n d zu einer ersten formellen Vor­besprechung zusammen. Von deutscher Seite waren Dr. Stresemann uns Dr. Hilferding erschienen. Es wurde beschlossen, daß heute, Dienstag, 11 Uhr, die Konferenz mit einer öffent­lichen Sitzung eröffnet werde und Briand die Eröffnungsrede Beelaerts van Block­land beantworten soll. Die erste sachliche Beratung werde nachmittags 4 Uhr, mit einer nicht öffentlichen Sitzung beginnen und, wie verlautet, von Jaspar-Bel- gi en präsidiert werden. Für die folgen­den Sitzungen ist ein fortlaufender Wechsel des Vorsitzes in alphabe- tischeu Reihenfolge in Aussicht genommen.

Henderson über die Rhernlandfrage.

Reuter berichtet aus dem Haag, unter den dortigen Staatsmännern herrsche Op­timismus vor, obwohl sie sich die bestehen­den Schwierigkeiten vergegenwärtigen. Staatssekretär Henderson erklärte dem Vertreter des Reuterschen Büros, die Konferenz werde seiner Ansicht nach sicher zur Räumung des Rheinlandes sowohl durch die Engländer als auch durch die Franzosen führen.

Bis in den September

Der Auftakt zur Haager Konferenz fin­det in England stärkste Beachtung. Die Morgenblätter veröffentlichen außer­ordentliche Berichte ihrer Sonderkorre­spondenten über den Aufmarsch der ^ein­zelnen Abordnungen und die erste Füh­lungnahme zwischen den Abordnungsfüh­rern. Das Ergebnis der Betrachtungen findet einen einfachen Niederschlag: Eine ziemlich optimistische erste Erklärung des Außenminister Henderson zur poli­tischen Lage läßt eher einen verstärkten Pessimismus in allen finanziellen Fragen erkennen. Der Haager Sonderberichter­statter des „Daily Herald" schreibt, daß die erste Fühlungnahme zwischen den Führern der Abordnungen klar gezeigt habe, daß die Konferenz eine sehr dornen­volle Aufgabe vor sich habe, deren Lösung nicht innerhalb weniger Wochen möglich

sein werde. Es habe keinen Zweck, die Augen vor der Tatsache zu verschließen, daß die Konferenz wahrscheinlich bis in den September hinein dauern werde.

Zu gleicher Zeit verzeichnen die Blätter Aeußerungen von deutscher Seite, die den Nachdruck darauf legen, daß nicht die ge­ringste Berechtigung für die Beibehaltung ausländischer Truppen im Rheinland be­stehe. England sei durch ein Versprechen, das es im Locarnovertrag gegeben habe, gebunden, seine eigenen Truppen zurück­zuziehen und auf die Zerückziehung der­jenigen seiner Alliierten einzuwirken. Die „Times" gibt heute in einem Leitartikel

eine Art Marschroute für die englische Abordnung und unterstreicht mit Nach­druck die Notwendigkeit friedlicher V e > - besserungen des Poungplanes- Es beständen aber große Zweifel, ob das im Haag möglich fein wird. Nach sach­licher Erörterung der finanziellen Auf­gabe der Haager Konferenz sagt die „Times" zum Schluß, daß der Poungplan auf dem Kontinent kaum populärer sek als in England selbst. Unter diesen Um­ständen werde die Aufgabe der Konferenz im Haag keineswegs leicht fein, wenn eine Krise ermieden werden soll? Geduld sei schließlich notwendige^ als Haft.

Fn letzter Stunde!

Ed, Mif der Mtichaft des Wien Gebietes

Koblenz, 5. Aug. Der Wirtschafts­ausschuß für die besetzten Gebiete faßte in seiner heutia-»u Sitzung eine Entschlie­ßung, die der deutschen Delegation im Haag zugeleitet werden wird. Sie hat folgenden Wortlaut:

Der Wirtschaftsausschuß für die besetz­ten Gebiete als Eesamtvertretung von Industrie, Handel, Handwerk und Land­wirtschaft des besetzten Rheinlandes hä» sich angesichts der sich von Tag zu Tag verschärfenden Wirtschaftslage für ver­pflichtet, von der Reichsregierung zu ver­langen, bei den kommenden politischen Verhandlungen im Haag darauf zu be­stehen, daß

die sofortige Räumung des besetzte« Gebietes u«d die Wiedervereinigung des Saargebietes mit seinem Mutter­lande zur Vorbedingung der An­nahme des Youngplanes gemacht werde, der für die deutsche Wirtschaft kaum tragbare Belastungen bringen wird. Die Rheinlandräumung darf nicht von

irgendwelchen wirtschaftlichen oder politi- schen Zugeständnissen abhängig gemacht werden. Insbesondere muß die Ein­setzung einer Feststellungs- und Vergleichskommission nach­drücklich abgelehnt werden, weil sie der Ausdruck eines die endliche Befrie­dung gefährdenden Mißtrauens ist.

Das Saarland bildet eine mit dem deutschea Mutterland« untrennbare wirtschaftlich« Einheit.

Die unnatürliche Grenzziehung schädigt insbesondere die Grenzgebiete aufs schwerste. Eine Wiedervereinigung des Saargebietes mit Deutschland ist um so notwendiger, als Deutschland die ihm auf­erlegten ungeheuren Lasten des Poung- plans nur dann wird tragen können, wenn es seine gesamten wirtschaftlichen Kräfte, .zu denen eine starke Wirtschaft des Saarlandes von jeher gehört ^at, wieder einheitlich zusammen­fassen und in voller Feiheit entfalte« kann.

Die Entscheidung liegt bei Briand

„Le Peuple" über bk Probleme btt Haager

Konferenz.

Zur Haager Konferenz schreibt das Ee- werlschaftsblatt „Le P euple", wenn man den Organen der parlamentarischen Mehrheit glauben könnte, würde Briand im.Haag dafür eintreten, daß die Kommerziali­sierung des französischen Anspruches an | Deutschland Bedingung für die Räu- s mung sei. Der Ministerpräsident, der das Genfer Protokoll vorbereitet und unterzeich­net hat, weiß aber genau, daß beide Fragen, Poungplan und Rheinlandräumung, recht­lich und tatsächlich miteinander verbunden sind, daß die Räumung sogar die vor­herige Bedingung einer Popularisierung der deutschen Schuld ist, und daß er überdies mit dem Willen der englischen Regierung, die mit der gesamten englischen Meinung einig geht, rechnen muß, die englischen Trup­pen, was auch immer eintreten möge, zurück­zuziehen. Der Unterhändler von Locarno und Thoiry ist nicht der Mann, zuzugeben, daß die Aufrechterhaltung der Besetzung irgend eine Sicherheit bedeutet, wie es unsere Natio­nalisten immer noch behaupten. Auf die Saarfrage eingehend, schreibt das Blait, die Saarfrage kann nicht auf dem Pro­gramm der Konferenz stehen, jedoch ist än- zunehmen, daß die Konferenz dazu beitragen werde, die Regelung dieser Frage vorzube­reiten.

Seine chinesisch-russischen Nerhandlmeen

fl. Moska«, 6. Ang. Die Telegra- phen-Age«t«r der Sowjet-llnio« ist er­mächtigt, die ans chinesischer Quell« ver­breitete Meldung über angebliche Vor­verhandlungen eut der sowjet-chinesische« Grenze e«tschiede« z« deme«tieren, ebenso «die Meldungen über eine in den nächsten Tagen bevorstehend« Konferenz, für die angeblich beiderseits bereits Vertreter er­nannt feien.

Der denlsch« Generalkonsul in Marseille vo« einem Auto überfahre«.

Paris, 5. Aug. Wie Sanas aus Mar- . seille meldet, ist der dortige deutsche General­konsul Reuter gestern nacht das Opfer eines Autounfalles geworden. Er wurde von einem Auto, das unbekümmert seinen Weg fortsetzte, überfahren. Passanten hoben ihn auf und brachten chn in seine Wohnung. Er hat starke Quetschun­gen am Körper und vor allem an der rech­ten Hand erhalten. Die Nummer des Autos konnte von. Zeugen des Unfalles festgestellt werden. '

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Zum vierten Mal in der Geschichte der letzten Jahrzehnte beherbergt das gast- freundliche Holland eine Konferenz der europäischen Staatsmänner" und Diplo­maten, die sich zu bedeutungsvollen Be­ratungen zusammengefunden haben. Die jetzige Konferenz, die den offiziellen Titel „Haager Konferenz 1929“ trägt, hat drei gleichartige Vorgängerinnen gehabt. Im Jahre 1899 tagte im Haag die erste Frie-

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Der Vorsitzende der „Haager Konferenz 1929*.

Der belgische Ministerpräsident Zaspa» führt den Vorsitz bei der Eröffnung der soeben beginnenden Verhandlungen der internationalen Regierungskonserenz im Haag.

denskonferenz, die das Ziel hatte, kriegs­verhütende Vereinbarungen unter den Großmächten herbeizuführen, lieber 130 Delegierte und Sekretäre nahmen an ihr teil. 2ln positiven Ergebnissen tvar sie ebenso wenig fruchtbar wie die zweite Frie­denskonferenz, die im Jahre 1907 im Haag im Beisein von 257 Delegierten und Dele­gationsmitgliedern tagte. And im Jahre 1922 wurde hier die sogenannte „Russische Konferenz“ abgehalten, die 116 Teilnehmer aufwies und die gleichfalls negativ ver­lief, da die sowjetrussischen Vertreter sich weigerten, die Vorkriegsschulden der za­ristischen Regierung anzuerkennen.

Auch diesmal handelt es sich um eine „Friedenskonferenz“, die die Aufgabe hat, einen Schlußstrich unter die Meltkata- strophe von 1914 zu ziehen, die die frühe­ren Haager Konferenzen nicht verhindern konnten. Es ist ungemein schwer, der Kon­ferenz an ihrem Vorabend eine zuver­lässige Prognose zu stellen. Der wochen­lange Streit um den Ort und den Termm der Konferenz war nicht dazu angetan, den Glauben an die Erfolgsaussichten der Kon­ferenz besonders zu stärken. Obwohl die Hauptprobleme, deren Lösung sich die Kon- serenz zur Aufgabe gestellt hat, in der öffentlichen Diskussion der letzten Wochen ziemlich Har herausgearbeitet worden sind, verhehlt man sich nirgendwo, daß die na* teriellen Schwierigte.ten, die zu überwinden sind, sich riesengroß darstellen. Der Erfolg der Konferenz ist zum Beispiel von vorn­herein in Frage gestellt, wenn die Eng- iünder ihre Absicht verwirklichen, den Boungplan selbst noch einmal zur Diskus­sion stellen zu wollen. Eine nicht minder bedenkliche Situation würde entstehen, wenn die französische Auffassung sich durch­setzt, daß über die politischen Fragen erst verhandelt werden könne, wenn der Voungplan als.solcher angenommen wor­den sei. Lieber diese beiden Fragen, die für den Erfolg der Konferenz von grund­sätzlicher 'Bedeutung sind, werden vermut­lich schon die allerersten Tage Klarheit icbaffen. । ■