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Montag, ten 5. August 1989

Bfr «Obrrhessi schr 3rttHng et- scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2.10 GM.ans, schließt. Zustellungsgebühr, durch diePostLSS GM.FSr etwa Infolge Streik«, Mafchinendefekte oder elementarer Lreigntste ausiallend« Nummer« wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. 5. Hitzervth. Druck der Unib.-Buchdrnckerri b. Zoh. Auq. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. n. Rr. 55; Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

ÄdechMsche ÄUiMWiM Zeitung

Nr.181 64.3ateg. Marburg a. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Graf IrMek'n" s?stt se!s«tet

Der Mißerfolg »sm 17. Rai mit gemacht - 9255 Kilometer in 93 Stunden

fk. Lakehurst, 5. Aug. Das Lustschiff Graf Zeppelin" erschien 7.32 (0.32 mitteleuropäischer Zeit über dem Lan­dungsplatz von Lakehurst, von zahlreichen Flugzeugen begleitet. Dr. Eckener funkte dem Stationskomman­danten, das Luftschiff fliege zunächst nach Newyork und kehre «m 8.30 Uhr (1.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) zurück. Um 8 Uhr (1.90 Uhr mitteleuropäischer Zeit) erschienGraf Zeppelin" über der Bucht, 8.20 Uhr über der Stadt Newyork, fuhr bis zum Zentrum Manhattan, zog eine große Schleife und überflog New Jersey wieder in Richtung Lakehurji, worauf das Luftschiff landete.

Die Landung.

fk. Lakehurst, 5. Aug.Graf Zep­pelin" kreuzte über dem Flugplatz über 20 Minuten, ehe er «die Landungstaue 8.48 Ahr Ostnormalzeit (2.48 Ahr mitteleuro­päischer Zeit> herabließ. Die Bodenmann- schaften zogen das Luftschiff darauf zum kleinen Ankermast. Sofort nach der Lan­dung verließen die Passagiere das Luft­schiff, das die Nacht über am An­ke r m a st belassen wurde. Die Zuschauer­menge wurde im Gegensatz zum letzten Herbst in mustergültiger Ordnung gehal­ten. Allerdings hatten sich nur 10000 Personen und einige Tausend Autos eingesunden. Für die Zoll­abfertigung und die Einwanderungs­formalitäten war weit besser vorgeforgt als im vorigen Herbst. Ein mit Radiophon und Rundfunksender ausgestattetes Flug­zeug war demGraf Zeppelin" einige Meilen bis über den -Ozean entgegen ge­flogen und begleitete das Luftschiff wie­der nach Lakehurst, dabei Beschreibungen des Luftschiffes über das große Netz der Funkstationen ganz Amerikas durch Runv- funk verbreitend. In dem Flugzeug be­fanden sich auch Berichterstatter verschiede­ner Zeitungen, die eine Schilderung des in der Sonne glänzenden Luftschiffes ihren Redaktionen funktelephonisch über­mittelten.

Kursänderung desGraf Zeppelin" nach Nordea.

Die Marinestation Lakehurst gab einen Funkspruch des an Bord des Luftschiffes befindlichen Vertreters der Astociated an die Columbus-Rundfunk-Eesellfchaft aus, wonach derGraf Zeppelin" seinen Kurs infolge ungünstiger Winde geändert habe und nördlich direkt auf Cap May und Philadelphia zu­steuere.

Mit les Kilometer Eeschwindigkett dem Festlande zu.

Eine inoffizielle Meldung aus L a k e - h u r st gab den Standort desGraf Zeppelin" um 8 Ahr morgens Ostnormal­zeit (14 Uhr M. E. Z.) mit 36 Grad 35 Minuten nördlicher Breite an, die etwa 750 . Kilometer von Lakehurst darstellt. Die * Marinebehörden erklärten, diese Positions- * angabe ergebe, daß der Zeppelin etwa 105 Kilometer die Stunde zurücklege, was in Anbetracht der Wetterlage als beson­dere gute Leistung angesehen wurde.

Graf Zeppelins" Gesamtleistung.

fi. Lakehurst, 5. Aug. Die Eesamt- fahrdauer desGraf Zeppelin" beträgt 94 Stunden 1 Minute. Die Marinebe- hörden haben ausgerechnet, daß das Luft­schiff insgesamt 5331 Meilen mit einer mittleren Geschwindigkert von &0 Kilometer die Stunde zurücklegte.

Nückflug desGraf Zeppelin" am Mittwoch.

fk. Lakehurst, 5. Aug. Dr. Eckener kündigte an, er werde den Rückflug bereits Mittwoch Nacht antreten, falls Brennstoff und Del schnell genug eingenommen wer­den könnten.

Der blinde Passagier in Haft genommen.

fk. L a k e h u r st, 5. Aug. Sofort nach dem Aussteigen der Passagiere wurde der blinde Passagier der Polizei übergeben, die ihn i n H a f t n a h m. Er wurde mit der Bahn nach New Jersey gebracht, von dort wird er ausgewiesen und mit dem nächsten nach Deutschland abgehenden Dampfer zurückbefördert. Dr. Eckener lehnte es ab, seinen Namen bekannt zu

geben, damit der Eindringling keine un­gewöhnliche Publizität erhält. Die Passa­giere erklären jedoch, es handele sich um einen Albert Buhtskow aus Dortmund.

Gleich nachdem die Mitreisenden das Luftschiff verlassen hatten, wurden die Zoll- und Paßangelegenheiten rasch er­ledigt, worauf die Reisenden im Omnibus zu dem wartenden Sonderzug gebracht wurden, der sie bald nach Newyork führte.

Der blinde Passagier heißt B u s ch k o, ist 18 Jahre alt, aus Düsseldorf und von Beruf Bäckerlehrling. Der Junge wurde während der Fahrt eingeschlossen, weil man befürchtete, er könne noch wei­teren Unfug anrichten. Dr. Eckener war über seinen blinden Passagier recht auf­gebracht.

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Sr. ESeaett Mrwericht

fk. L a k e h u r st, 5. Aug. Nachdem der Wind in den späten Abendstunden nachge­lassen hatte, wurde das Luftschiff nach der großen Lakeyurfter Halle gebracht und festgemacht.

Den Pressevertretern gab Dr. Eckener folgende Erklärung ab:Die Reise war sehr interessant. Wir hatten alle Ar­ten von Wetter, Sturm, als wir abflogen, und zwar zunächst so heftig, daß wir sogar schon zögerten, den Flug fort­zusetzen. Wir entschlossen uns aber doch und wählten den Weg über Gibraltar. Dann hatten wir längere Zeit gutes Wet­ter, aber die letzten 40 Stunden waren wieder abscheulich. Ueber dem Golfstrom hatten wir starken Regen. Der Flug von Friedrichshafen bis zur ersten Ankunft in Lakehurst (Donnerstag früh 3.30 bis Montag früh 0.30 Uhr) hat 93 Stunden gedauert. Zurückgelegt haben wir eine Strecke von 5 003 Meilen (9 255

Kilometer). Der Flug von Gibraltar bis zum amerikanischen Festland dauerte 67 Stunden und 30 Minuten. Auf dieser Strecke, also über dem Ozean, hatten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 55 Knoten (101,86 Kilometer) in der Stunde.

Die Reise zeigt endgültig, daß das Zeppelin-Luftschiff alle Arten von Wetter überstehen kann.

Wir hatten an Bord genügend Unterhal­tung, wir machten Musik, wir tanzten und hatten auch genügend Wein zu trinken. Drei Passagieren sagte die Reise so zu, daß sie mich baten, die Reise wieder mit­machen zu dürfen. Zu meinem Bedauern mußte ich dies ablehnen, da für die Rück­reise die Plätze bereits vergeben sind.

Ich bin von dem Ergebnis so befriedigt, daß, wenn alles bereit wäre, sofort die Weltreise angetreten werden könnte. Am nächsten Mittwoch abend werden wir wie­der nach Friedrichshafen zurückfliegen."

Die Strecke -es EuroNssiuses

Venedig' ^riz/o

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Stäffu. Ziel

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Paris, 3. Aug. Der Europaflug, der bei de« internationalen Flngveranstaltungen von Ort«, die unter starker deutscher Beteiligung gestern besonnen baden, das Sauptprogramm bildet, siebt eine Flusstretke von 6288 Kilo­metern vor, deren einzelne Etappen folgende sind: Paris, Basel, Lyon, Marseille, St. Ra- vbael, Turin, Mailand, Beuedig, Zagreb,

Belgrad, Turm», Severin, Budapest, Men, Brünn, Prag, Breslau, Warschau, Posen, Berlin, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Paris. 3n allen diesen Städte« find Landungen vor, geschrieben. Der start erfolgt am 7. August krüh g Ubr früh auf dem Flughafen von Orly. Die Ankunftskontrolle beginnt am 14. August um 15 Uhr und endet am 20. Aug. um 18. Uhr.

Berlin - Song

Mo Sitzung des Kabinetts am Freitag hat sich, wie wir vermuteten, in der Haupt« fache mit formalen Dingen beschäftigt. Die Delegation umfaßt außer den in dem amt­lichen Kommunique aufgeführten Herren eine große Anzahl technisches Personal, Bürodiener, Stenotypistinnen usw. Me Delegation verläßt Berlin in dem Bewußt­sein, daß ihrer diesmal besonders schw«e Aufgabe harren. Es stehen Fragen zur Behandlung, die über die Zukunft von Generationen und über das Schicksal großer deutscher Gebiete, die immer noch der deutschen Souveränität entzogen sind, ent­scheiden. Angesichts der geringen Steigung, die in Frankreich zur Auftollung des Saarproblems besteht, ist es von be­sonderer Bedeutung, daß nach unseren Kd- verlässigen Informationen gerade in den letzten Tagen in Berlin entscheidende Res- sortbesprechungen stattgefunden haben, als deren Ergebnis festgestellt werden kann, daß Deutschland auf der Konferenz aus der Aufrollung des Saarproblems bestehen wird. Die formale Behandlung der Frage wird einige Schwierigkeiten machen; man vermutet, daß die Konferenz Frankreich und Deutschland ausfordern wird, sich zu­nächst einmal unter sich zu verständigen. Gegen einen solchen Verhandlungsmodus wäre nichts einzuwenden, wenn von der Konferenz eine bindende Marschroute für die deutschen und französischen Sonder- Verhandlungen gegeben würde, die eine Verständigung verspricht. Da gegen den Willen der deutschen Regierung die Qr- ganisationskomitees noch nicht zusammen- getreten sind und chre Berichte deshalb noch nicht vorliegen, dürsten sich die Ver­handlungen der Haager Konferenz minde­stens über 3 Wochen erstrecken. Ausge­schlossen ist es auch nicht, daß die Ver­handlungen noch andauern, wenn der Völ­kerbund sich Anfang September in Gens versammelt. Dann mühten sich die im Haag versammelten Außenminister der Mächte vorübergehend vertreten lassen. Das wäre immer noch das kleinere Aebel gegenüber einer Unterbrechung der Haager Konferenz, an deren posittven Ergebnis ja nicht nur Deutschland, sondern die halbe Welt interessiett ist. Aus jeden Fall dürste die bevorstehende Völkerbundstagung einen Anreiz zur Beschleunigung der Arbeiten mt Haag bieten.

Zm übrigen kst in dem diplomatischen Meinungsaustausch der letzten Tage von Deutschland mit Nachdruck betont worden, daß unbedingt Parallelverhandlungen stattfinden müßten, d. h. es wurde jener Auffassung widersprochen, die zuerst die mit dem Boungplan technisch zusammen­hängenden Fragen erledigen will, um dann an die politische Auseinandersetzung über die Aäumungs- und Saarstage heranzu­gehen. Man hat in Berlin den Eindruck, daß hinsichtlich des Verfahrens der deutsche Standpunkt sich durchsetzen wird.

Die amerikanischen Meldungen Re be­sagen, daß man in Aewhorker Bankkrei­sen der internationalen Reparativns- bank in Berlin das Wott redet, sind m Deutschland mit großer Aeberraschung zur Kenntnis genommen worden. Zn Berliner Politischen Kreisen hatte man bisher all­gemein damit gerechnet, daß der englisch­französische Gegensatz in der Frage, wo die Bank errichtet werden solle, praktisch zur Ausschaltung eines der Gläubiger- länder führen würde. Man nahm an, daß schließlich nur ein neutrales Land als Sitz der Reparationsbank in Frage kommen würde, da dann die Bank sowohl den Ein­flüssen der Gläubiger als auch der Schuld­ner entzogen sei. Bekanntlich wollten die in den letzten Wochen besonders aus Lon­don vorliegenden Pressestimmen davon wis­sen, daß, ebenso wie man sich schließlich auf den Haag als Konferen^irt geeinigt habe, auch eine Einigung "über Amsterdam als Sitz der Reparationsbank erziell wer-