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' Erfüllungsort Marburg.
1 Soidmark — Dollar.
Anzeiger für (das frühere knrheffrfche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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schiff eine große amerikanische Warensammlung mitnehmen, außerdem einige Kegelkugeln, ein Geschenk an den Reichspräsidenten v. Hindenburg. Zn Philadelphia werden im Marinehafen 130 Mann zur Verstärkung bereitgehalten, da die Mannschaften in Lakehurst für den „Graf Zeppelin" nicht ausreichen. Die hiesige Vertretung der Zeppelin-Werkke hob hervor, daß der Weltrundflug nur dank des Entgegenkommens der amerikanischen Marine möglich sei, die außer der Landungshilfe in Lakehurst und Los Angeles die Ankermasten in Camp Lewis, Washington und Honolulu bereitgestellt habe.
ff. Lakehurst, 2. Aug. Leutnant Jack Richardson von der hiesigen Marine»
Ve, r i vr t 1t Aua. Der, Polizeipräsident teilt um 21.0 llbr mit: ..Die bentiMn Antr- kriegskundaebungen sind rubig verlausen. Bei der Kundgebung der K. P. D. im Lustgarten mutzten einige Personen zwangsgcstcllt und ein Wagen, der beleidigende Ausstellungen enthielt, sichergestellt werden. Der An- und Abmarsch der verschiedenen Züge vollzog sich reibungslos und den Anordnungen der starken Polizeiposten wurde bis auf einige kleine Fälle Folge geleistet.
• Die Kundgebung der S. P. D., die auf der Spielwiese in Friedrichshain stattfand, war so stark besucht, datz in den umliegenden Strotzen Parallclkundgebungen abaehaltcn werden mutzten. Auch bicr vollzog sich die Kundgebung selbst und der An- und Abmarsch der Masten reibungslos. Vis um 21 Uhr wurden im Zusammenhang mit den Kundgebungen insgesamt 16 Personen zwangsgestellt."
Die Meldungen aus dem Reich brachten ebenfalls nichts Besonderes. Lediglich bei Nürnberg und Hamburg kam es zu Zusammenstößen.
ft. Hamburg, 2. Aus. Die Versammlungen in Hamburg und die Demonstrationsum- ziige in Altona sind im allgemeinen ohne Zwischenfälle verlaufen. Lediglich im Hafen kam es Nachmittags zu Zwischenfällen und Zusammenstößen, wobei auch Schüsse fielen. Als ungefähr 700 Kommunisten aus Altona, wo die Umzüge gestattet waren, versuchten geschlossen über die Hamburger Grenze zu marschieren, wurde von der Polizei, als die Beamten hart bedrängt waren und einer von ihnen zu Boden geworfen war, drei Schüsse abgegeben. Einer der Angreifer erhielt einen Schutz in den Oberschenkel. Durch die Schüsse konnten sich die Beamten befreien und die Angreifer ergriffen die Flucht.
Der 1. August iw Ausland.
ff. Paris, 2. Aus. Das Innenministerium veröffentlichte um Mitternacht eine Uebersicht über den Verlauf des als „Roter Tag" angekündigten 1. August. Daraus ergibt sich, datz
der Tag in1 ganz Frankreich ohne ernste Zwischenfalle verlaufen ist. In Paris sind noch einer amtlichen Mitteilung im ganzen 70 Personen verhaftet worden, darunter 50 Ausländer. Am späten Abend bat die Polizei an zwei Stellen der großen Boulward Versuche zur Bildung von Umzügen verhindert und dann eine Anzahl Personen festgenommen.
Aus de r Provinz werden eine Anzahl Verhaftungen gemeldet. So aus Bordeaux 50, aus St. Etienne 3, aus Lyon 30 und im Somme-Devartement 5. Noch einer Meldung des „Petit Journal" aus Troyes kam es dort zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, wobei die Polizei von den Waffen Gebrauch machen mußte, da die Demonstranten einen Polizeiposten mit Steinwürfen ftnsiiffen. 10 Personen wurden festgenommen.
ff. Paris, 2. Aug. Zu dem Verlauf des 1. August schreibt der „Mali n": Das war ein jämmerlicher Tag für Moskau.. Die Ordnung ist überall aufrecht erhalten worden, die Arbeit wurde nirgends gestört. Es kann vorkommen, daß man unter dem Vorwand einer Kundgebung für Saeco und Vanzetti einige Schublade plünderte. Wenn aber die Behörden auf der Hut sind, ist nichts zu machen. Paris ist keine geeignete Operationsbasis für einen vorsätzlichen Aufstand. Paris ist eine Stadt, in der die Polizei marschiert.
Warschau, 1. Aug. Angesichts der umfangreichen Vorkehrungen der polnischen Polizei sind in den letzten Tagen in Warschau 100 kommunistische Verhaftungen vorgenommen worden.
Kowno, 1. Aug. In der Nacht zum 1. August entdeckte die Polizei eine geheime Versammlung von Kommunisten. 26 Teilnehmer, darunter einige Führer, wurden festgenommen. Unter den Festgenommenen befand sich fein Litauer. Um jeden Versuch von Ansammlun- oen im Voraus zu vereiteln, wurden heute 29 Verdächtige verhaftet.
sich entwickelnden Störungen auf dem Atlantik ihn erreichen können.
Günstige Witterungsverhältnisse auf dem Ozean.
fk. Newyork, 2. Aug. Die hiesige Wetterwarte teilte mit, das Luftschiff „Graf Zeppelin" werde beim Ueberfliegen des Ozean wahrscheinlich günstige Witterungsverhältnisse vorfinden.
Hamburg, 2. Aug. Das Seeflug- rejetat der deutschen Seewarte Hamburg teilt mit: Die Wetterlage über Westeuropa wird von einem Sturmgebiet beherrscht, das mit einem Luftdruck von nur
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könnte den „Graf Zeppelin" veranlassen, schon zur Mittagsstunde zu landen. Eine Landung Sonnabend nacht wirb nicht erwartet, da die Winoe bei oen Vermuda und den Azoren um oiese Jahreszeit für einen Westslug ungünstig sind. Indessen rechnen die Marine-Experten mit der Möglichkeit, daß Dr. Eckener den ungünstigen Winden durch Kurs über Madeira ausweichen weroe, sooaß er später, ausgenommen die letzten 800 Kilometer, Rückenwind haben würde. Wan erwartet nun eine Steigerung der Geschwindigkeit, die „Graf Zeppelin" in die Lage verseht, die ungünstige Wetterzone bereits verlassen zu haben, ehe die
Die bisherigen Meldungen über den Flug des Zeppelins lauten recht günstig. Man kann aus ihnen ersehen, daß die bisherig« Reiseroute in ganz glatter Fahrt durchmessen wurde, und,daß die Stimmung ; an Bord fast noch zuversichtlicher ist, als wie dies bei der letzten Reise der Fall war. CS wird vielleicht manchen befremdet haben, daß in den ersten Stunden seiner Fahrt der Zeppelin durchschnittlich nur 60 bis 70 Kilometer zurücklegen konnte. Diese geringe Geschwindigkeit läßt sich aber aus den ungünstigen Windverhältnissen erklären. Erreichte doch der Gegenwind, gegen den das Luftschiff anzukämpfen hatte, eine Stundengeschwindigkeit von 15 bis 30 Kilometer. Die Wettermeldungen lauten jetzt günstiger.
Wir verzeichnen folgende Meldungen über den
Fahrtverlauf.
10.30 Ahr Macon, Alles in Ordnung. Schiff fährt gut, hatten zuerst starken Gegenwind.
10.58 Ahr Lyon: Fahren Rhoneab- wärts über das Mittelmeer nach Gibraltar.
12.20 Ahr über Va lence.
Heber dem Rhonetal.
wtb. Lyon, 1. Aug. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich beim Aelerfliegen der Stadt in einer Höhe von etwa 300 Metern und hatte eine Stuncea- geschwindigkeit von ungefähr 80 Kilometer. Es wurde von einem Flugzeug begleitet, das es in weitem Dogen umkreiste. Sobald das starke Surren der Motoren gehört wurde, stürzten die Bewohner an die Fenster, um das Luftschiff, das über der linken Seite des Rhonetales flog, zu sehen. Eine große Menschenmenge sammelte sich am Afer der Rhone an, von wo aus das fonnenbeglänzte Luftschiff mit allen Einzelheiten an Bord am besten zu sehen war.
Hebet dem Mittelmeer.
fk. Friedrich shafen, 2. Aug. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat um 11 Ahr gestern abend Cap de Gata bei Almeria in Spanien erreicht.
fk. Friedrichshafen, 2. Aug. Beim Luftschiffbau Zeppelin sind folgende Etandortmeldunzen des „Graf Zeppelin" eingegangen: 2.30 Ahr Cap Cauta, 30 Grad Wärme, 3 Ahr mitteleuropäischer Zeit Gibraltar. Alles klar. Unterschrift: „Graf Zeppelin".
Der blinde Passagier.
fk. Newyork, 2. Aug. Nach einem Funkspruch eines Zeppelin-Passagiers an eine amerikanische Zeitung erklärte Dr. Eckener, der blinde Pssaagier werde von Amerika aus mit dem nächsten Dampfer nach Deutschland zurückgesandt werden, wo er eine strenge Strafe zu gewärtigen habe.
Bridge-Turnier an Bord.
Newyork, 1. Aug. Wie Associated Preß meldet, berichtet der Amerikaner §rank Nocholson, der die Fahrt des „Graf eppelin" als Sonderberichterstatter des Columbia Radio-Konzerns mitmacht, in einem Funkspruch von Bord des Luftschiffs, daß die Damen, die sich an Boro befinden, wegen der starken Gegenwinde etwas nervös geworden feien. Heber Frankkreich hätten die Passagiere ein Bridge-Turnier begonnen.
Amerikanischer Empfang für den „Gras Zeppelin".
Newyork, 1. Aug. Die Morgenblätter bringen die Abfahrt des „Graf Zeppelin" in großer Aufmachung. Namentlich ,£> e r a I b Tribüne" und „W orld" bringen ausführliche Einzelheiten. Stuf der Rückfahrt wird bas: Luit
station wird an der Weltrundfahrt des „Graf Zeppelin" als Gast teilnehmen. Die Borbereitungen zur Landung sind beendet. Die Landungsmannschaften sind über 400 Wann stark. Die Leitung hat Kommandeur Clarke inne.
fk. Washington, 2.Aug. Nach dem Dafürhalten der Sachverständigen oes Marinearntes für Lustnavigation wird der „Graf Zeppelin" voraussichtlich am Sonntag in Lakehurst eintreffen. Da die Tagesstunden für eine Landung als wenig günstig angesehen werden, erwartet man, daß der Zeppelin, falls er schon Sonntag früh den amerikanischen Kontinent erreicht, über den Städten cer Oftküste bis zum Abend kreuzen werde. Nur oaS Herannahen einer schlechten Wetterzone
Sen Kottewitz mich Bremberg
Der neue Deutschenprozeß in Polen.
Mit dem Alitzprozeß hat Polen aufS neue sein Ansehen als Rechtsstaat aufs Spiel gesetzt. Selten ist in einem politischen Prozeß die Anklage so zerpflückt worden wie im Alitzprozeß. Trotz der schlagendsten Anschuldsbeweise hat das polnische Gericht, dessen Mitglieder nach Aufhebung der Anabhängigkeit des richterlichen Standes in Polen nichts weiter als dienstbereite Werkzeuge der Warschauer Regierung waren, mit verzweifelter Logik ein Schuldig gesucht und im Bewußtsein des schlechten Gewissen daü ausgesprochene Gefängnisurteil zu mildern versucht. MA reinen Händen geht die deutsche Minderheit Polens hervor. Von Hochverrat hatte der polnische Außenminister Zaleski in Lugano gesprochen. In Genf war er bereits bescheidener und sprach nur noch von Massendesertionen. Der Kattowitzer Prozeß aber hatte nur einen einzelnen Fall von Dienstpflichtentziehung zum Gegenstand! Kann somit außenpolitisch von einem eklatanten Hereinfall Polens gesprochen werden, so dürfte auch innenpolitisch der Prozeß, der die öffentliche Meinung der der ganzen Welt für das Schicksal der deutschen Minderheit in Polen interessiert hat, nicht die von Warschau beabsichtigte Wiistung haben. Die deutsche Minderheit wird sich um die Hetze der polnischen Presse wenig kümmern, si e wird weiter wie bisher dem polnischen Staate ihre loyale Mitarbeit nicht versagen, sie wird aber nunmehr erst recht mit allen Kräften an ihrem deutschen Volkstum festhalten. Von jeher ist es die schlechteste Methode der Minüer- heitenpolitik gewesen, Märtyrer z» schaffen.
Daß Polen nicht gewillt ist, aus dem Alitz-Prozeß die einzig richtige Lehre zu ziehen, geht aus den letzten Beriten aus Pomerellen hervor, denen zufolge man ht Polen beabsichtigt, nach dem Alitzprozeß einen neuen großen Tendenzproh gegen die deutsche Minderheit aufzuziehen. ES handelt sich um Mitglieder des im Jahre 1923 von der polnischen Regierung aufgelösten Deuts chturnbundeS in Drvmberg. Damals fanden bei verschiedenen Führern des Deutschtums Haussuchungen statt, die zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen eine ganze Reihe von Personen führten. Wochen- und monatelang wütete eine scharfe Pressehetze gegen die deutsche Minderheit, und immer wieder wiesen die polnischen Organe auf „zentnerschweres" Ma-' terial hin, das den polnischen Anklagebehörden angeblich zur Verfügung stehen sollte. Die Deutschen waren sich keiner Schuld bewußt und forderten energisch die beschleunigte Durchführung des Prozesses. Immer wieder versuchten die Führer der deutschen Parlamentsfraktionen in Eingaben bei der polnischen Regierung die Durchführung des Verfahrens durchzusetzen. Ohne Erfolg. Jetzt nach sechs Jahren, wenige Tage nach der Verurteilung eines Deutschenführers in Ostoberschlesien, ist die Antersuchung gegen die angeschuldigten Personen wieder ausgenommen worden. Der frühere Leiter des DeutschtumbundeS in .Bromburg, Studienrat Heidelck. wurde nach einer mehrstündigen Vernehmung, die das im Jahre 1923 beschlagnahmte Material zur Grundlage hatte, unter Polizeiaufsicht gestellt, da er „verdächtig sei, Material, welches im Interesse des Staates geheirnzu- halten sein, gesammelt und ausländischen Mächten übermittelt zu haben". Außer Heidelck werden von der Anklage noch einige andere ehemalige Leiter des Deutschtumbundes in verschiedenen Städten Posens und Pommerellens betroffen. Nach ' dem Wortlaut der Verordnung, durch welche die Antersuchung im Deutschtumsbundprozeß jetzt eingeleitet wurde, werden die Betreffenden unter Anklage gestellt
a) wegen Spionage aus dem Gesetz vom 3. Juni 1924, verübt durch bewußtes Sammeln von Nachrichten, die im Interesse der Landesverteidigung --Leheimgehalteu werden muffen, um Jene