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Sonnmtng, ton 1. Augujl 1929

Dir ^Ob«i»elstjche Zritrrng" «r- schrint ftctxmol wöchentlich. Be­zugspreis monatlich2.lv GMauS- schliebl. Zustellungsgebühr, durch ptePost2-35 GM.FSr etwa infolge Streiks. Maickinendefekte »der etewenlarer (iteigaifi« ausfallende Kummern wird kein Er,atz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hiheroth. Druck der Univ.-Duchdruckerei b. Jod. Aug.^och, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. n. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Nr 5015. Sprechzeit bet Redaktion von 1011 und »fei1 Uhr.

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Anzeiger fiir (das frühere kurhessifche) Oberhessen

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Der SkqeigenpretS beträgt fstr den 10 gespalt. Zeilenmillimetrr 0.08 ®9K, kleine Baranzeigen 0.06 <598-, amtlich« und aus­wärtig« Anzeiq«« 0.10 GM. Bei schwierige» Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50%, Aufschlag. Sammeian zeigen 100 % Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Feder Rabatt gilt als Barrabatt. Fiel 5 Tage.

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Anzeiger der» amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

.Graf sevsclin" zur Amerika Fahrt Märtet

Natt um 129 M M - Wer ein blinder Magier an Berd - Sie elften Meidnngen vom Sing

fk. Friedrichshafen, 1. Aug. Das LuftschiffEraf Zeppelin" ist heute früh 3.29 Uhr mit 1§. Passagieren an Bord unter Führung Dr. Eckeners zur Fahrt nach Amerika aufgestiegen. Der Aufstieg ging glatt und vorzüglich vonstatten. Das Luftschiff nahm sofort Kurs in Richtung Basel.

fk. Friedrichshafen 1. Ang. Am 2.15 Ahr besteigen die Amerikafahrer den vor ihrem Hotel bereitstehenden Omnibus und begeben sich zur Werft, vor deren Toren sich zahlreiche Neugierige angesam­melt haben, denen aber der Zutritt durch strenge Kontrolle verwehrt blieb. Die Pas­sagiere sind guter Dinge und wechseln die letzten Abschiedsgrüße mit den Angehöri­gen und Freunden. Am 2.45 Ahr ertönt bas KommandoBesatzung ins Schiff". Nachdem der Dalast teilweise entleert ist, gehen auch die Passagiere an Bord. Als einer der ersten der russische Pianist Gvu» revitsch.

Mister Channing aus Bern ist nicht ein­getroffen. Der Juwelier Siedel verab­schiedet sich unter Beifallklatschen mit einem herzlichen Kuh von einer seiner Angehöri­gen. Kapitän von Schiller hat sich vor der Treppe aufgestellt, damit niemand ohne Fahrschein in das Schiff gelangt. Gegen 3 Ahr werden die letzten Balastfäcke entfernt und das Schiff ausgewogen. Es muh noch viel Wasser abgegeben werden. Die chinesische Filmschauspielerin Mah Wang, die im letzten Augenblick-an der Fahrt teilnehmen sollte, steigt zur Gondel empor. Man sieht es ihr an, daß sie gern mit dabei sein möchte. Schliehlich verab­schiedet sie sich von Kapitän Milkins und verschwindet wieder unter der Menge. Dr. Eckener hat sich bereits in der Halle eingefunden und geht mit vergnügter Mine in Begleitung seiner Gattin am Schift auf auf und ab. Auch Kapitän Lehman n taucht auf. Am 3.11 Ahr begibt sich Dr. Eckener in das Schiff. Bier Minuten spä­ter schon wird derGraf Zeppelin" mit dem Heck voraus durch das Westtor in die kühle Nacht b'"^"'""^egen.

Der blinde Passagier.

Als kaum das Schiff die Halle verlassen hatte, war bereits das Gerücht verbreitet, daß ein Mann vom Dach der Halle auf das in Bewegung befindliche Luftschiff ge­sprungen sei. Bald wird diese Nachricht auch von einem Bearnten, der die Kon­trolle im obersten Laufgang der Halle ge­habt hatte, bestättgt. Der ungebetene Gast hatte sich, wie sich herausstellte, an einem drrzen Strick vom Hallendach herunterge- lossen und war dann auf die Hülle des Luftschiffes gesprungen. Wie verlautet soll es sich um einen erst kürzlich entlassenen Arbeiter der Werft handeln. Kapitän Flämming ordnet sofort an, daß das Luft­schiff durchsucht wird. Währenddessen wird der von zahlreichen Zuschauern umspielte Schiffskörper mit dem Heck nach Süden ge­dreht. Man sucht immer nach dem un­gebetenen Passagier, kann ihn aber in der Dunkelheit nicht finden. Die Zurückblei- venden verabschieden sich noch einmal von den Insassen des Lufffchiffes. Alles blickt gespannt auf die Gondeltür, um den blin­den Passagier zu sehen. Er erscheint aber Nicht. Am kein« kostbare Zeit zu verlieren, Entschließt sich die Schiffsleitung die Fahrt ?u beginnen. Der kühne Sprünger ist also m Lufffchiff geblieben und wird die Fahtt Mllmachen. Am 3.29 Ahr erschallt das KommandoLufschiff hoch". Anter un­aufhörlichen Hoch- und Heilrufen hebt sich »Graf Zeppelin" rasch von der Erde ab Und geht langsam hoch. Die Maschinisten Aben mit ihren Taschenlampen die letzten Drühe zurück. Zunächst steuert das Schiff

in nordwestlicher Richtung, dreht aber bald nach Westen ab und verschwindet mit dem Kurs auf Basel.

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Dr. Eckener über die Amerikafahrt.

Friedrichshafen, 31. Juli. Am Mittwoch um 17.30 Ahr versammelten sich die Fahrgäste, deren Zahl sich durch das Ausbleiben von Herrn und Frau Pierce letztere soll krank in Moskau liegen auf 19 vermindert hat und die Pressevertreter, die in großer Zahl erschienen sind, um Dr. Eckener. Dann nimmt Dr. Eckener das Wort, um den voraussichtlichen Reiseweg bekanntzugeben. Wie er ausführte, sind für die Abfahrt in so früher Morgen­stunde lediglich Metropolische Gründe maß­

gebend. Aeber der irischen See befindet sich ein für diese Jahreszeit ganz unge­wöhnliches Sturmtief, das langsam mtt Windstärke 8 auf das Festland herein­dringt. Durch die frühe Abfahrt wird es wahrscheinlich möglich sein, schon zwischen den Alpen und dem Schwarzwald zu sein, ehe das Tief hereindringt. Der Weg wird zunächst wieder über Basel und Be­ n c o n gehen, das um 5 Ahr erreicht werden dürfte. Bis dahin wird es heller Tag sein, und beim Einsetzen des Sturmes wird man nach links abbiegen und den Weg nach Lyon und Marseille einschlagen können. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß man den Weg über den Golf von Biscaha nehmen wird. Wie Dr. Eckener betonte, hat er die Erfahrung gemacht, daß die

Die Moet Konferenz

Berlin, 31. Juli, lieber die formale Seite der Einberufung der Haager Kon­ferenz verlautet von unterrichteter Seite, daß die sechs beteiligten Mächte vereinbaren, sich am 6. August zu einer festgesetzten Stunde im Haag zu treffen. Zu dieser Zeit wird dann die Eröftnungssitzung stattfinden. Die­selben sechs Mächte laden Amerika ein, an der Konferenz teilzunebmen und zwar erfolgt die Einladung durch den Doyen des divlomati- fchen Korvs in Washington. In welcher oorm die Vereingten Staaten sich beteiligen, ob nur durch Entsendung eines Beobachters oder in aktiverer Form, steht bei der Ent- scheidung der amerikanischen Regierung.

Paris, 31. Juli.Matin" stellt fest, datz seitens der französischen Regierung an dem 6. August als dem Termin des Beginns der Haager Konferenz festgehalten werde. Das Blatt erklärt, datz die Nachricht, Mac Donald werde sich an der Konferenz nicht per­sönlich beteiligen, nicht erst zu nehmen sei; denn gerade der persönliche Wille Mac Do­nals sei der einzige Grund gewesen, weshalb die Konferenz nicht in der Schweiz, in der Nähe von Genf, abgehalten worden sei.

Pole» und die Haager Konferenz.

fk. Warschau, 1. Aug, Die hiesige Presie rechnet bestimmt damit, datz Polen ein-

geladen werde, an der Haager Konferenz teil­zunehmen. Sie erblickt darin ein neues Zei­chen für das Erstarken des internationalen Ansehens des polnischen Staates.

fk. Rom, | Aug. Wie ,,Povolo de Roma" meldet, ist zwar die italienische Delegation für die Haager Konferenz noch nicht defi nitiv ernannt. Es wurden aber als italie­nische Delegierte Senator Mosconi, Staatssekretär iw Aubenministerium Gran- d i, Senator Alberto Pirelli und ein Botschafter ernannt werden.

Macdonald auf Urlaub.

London, 31. Juli. MinifterprPdent Macdonald begibt sich am Donnerstag im Flugzeug nach seiner schottischen Heimat in Lcssiemouth. Macdonald hofft, etwa 3 Wochen in Schottland bleiben z« können.

Senders»« reist Ende der Woche w* dem Haag.

/London, 31. Juli. Außenminister Hender­son, als Führer des politischen Teils der britischen Abordnung für die Haager Konfe­renz, wird Ende der Woche London verlaßen. Er wird sich voraussichtlich vom Haag aus direkt nach Genf begeben zur Teilnahme an der Herbsttagung des Völkerbundes.

Fahrt nach den Bereinigten Staaten in den allerseltensten Fällen auf dem direkten Wege durchgeführt werden kann. Der Weg über di« Biscaha bis zu den Azoren be­trägt rund 2 700 Kilometer, müßte aber bei der gegenwärtigen Wetterlage gegen den Wind von 1012 Sekundenmeter- Stärke durchgeführt werden. Wird da­gegen der Weg über Gibraltar genommen, der bis zu den Azoren 3 400 Kilometer lang ist, würde man trotzdem sieben bis acht Stunden Zeit gewinnen, da man die eineinhalbfache Gesckwnndigkeit haben wird. Die Fahrt wird also anfangs nur langsam vor sich gehen. Nach Gibraltar wird dann aber der Ostpaffat eine sehr rasche Fahrt ermöglichen.

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fk. Konstanz,!. Aug- Das Luftschiff Eraf Zeppelin" überflog um 3.55 Ufr früh- »n ziemlicher Höhe Koustanz. Das Luftschiff bot an dem klaren Himmel einen prachtvollen Anblick.

fk. F r e i b « r g, 1. Aug.Graf Zeppe­lin- passierte um 4 Uhr Schaffhausen, um 5.15 Uhr Waldhut, um 5.30 Uhr Säckin- gen und um 6.05 Uhr Basel.

ff. Paris, 1. Aug. Nach einer Mel­dung der Agentur Hadas aus Belfort überflog'Graf Zeppelin" um 7.45 Ahr die Ortschaft Beaucourt bei Bel­fort. Infolge der tiefhängenden Wollen

I ruck» Regen war das Luftschiff nicht zu 1 sehen. Man hörte rntr das Surren der Propeller.

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vkyMskkkrn MM pvtMmMkk Aufsicht

Berlin, 31. Juli. Eine kleine An­frage mehrerer Landtagsabgeordneter der Deutschen Bolkspartei hatte im Hinblick auf die augeordueten Schulfeiern zum 1L August, die in Berlin unter freiem Him­mel stattfinden, und wohin die Kinder in geschlossenem Zuge aus den Schulen hin- geführt werden sollen, das Staatsministe­rium um Auskunft ersucht, ob es aufgrund der allgemeinen Schulpflicht die Eltern für gebunden halte, ihre Kinder an diesen Veranstaltungen teilnehmen zu lassen, und welche Sicherungen es den Eltern gewähre, datz ihre Kinder nicht infolge etwaiger Gegendemonstrationen zu Schaden kom­men. Der preutzische Minister für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung hat, wie der Amtliche preutzische Pressedienst mit­teilt, die kleine Anfrage folgendermatzen beantwortet:Die Schüler und Schülerin­nen sind verpflichtet, an Schulfeiern teilzu- nehmrn. Für die Sicherheit der teilneh­menden Schulkinder ist im Einvernehmen mit der Schutzpolizei gesorgt."

MobllmMmg

Von Joses Buchhorn, M. d. L.

Die Blätter sind voller Notizen über die Verfasiungsfeiern am 11. August. Nie vor­dem ist so der Geburtstag des Kaisers, ist so der 18. Januar oder die Erinnerung an Sedan begangen worden. Nie so kommandiert, auf datz der deutsche Repu­blikaner in Parade stünde! Sedan quoll aus dem Herzen des Volkes: da war ein welcher Kaiser, der uns freventlich ange­griffen und ans den Plan gezwungen hatte, geschlagen, mit seinem Heer von un­seren Kriegern umkesielt und erledigt wor­den. Da wurde die Poesie, die sonst spär- ttch mit dem siebziger Krieg ging, spring­lebendig und formte ihre Verse aus dem Blut der Mitlebenden, draußen und da­heim.

Aber der H. August? Ja, er ist der Ge­burtstag unserör Verfasiung und hott'uns Boden unter die Füße gegeben. Und so: zu achten! Nur, datz Freude, allgemeii« Volksfreude mit ihm sein soll? Die Ver­fasiung ist nicht unbestritten, und ihre schärfsten Krittler sind die Parteien der Linken, die aller Augenblicke durch Reichs- tagsbeschlüsie an ihr modeln, ohne die Zi­vilcourage zu haben, grundlegende Arbett zu leisten. And die Verfasiung hat den schlimmsten Feind in uns lebendig werden lasien: die Zwietracht, die mit dem Flag- genwechsel aufgestanden und tarn nicht mehr zu bannen ist.

Datz keiner von den Oberen baranf kommt, einen anderen Tag zum Ausgang eines allgemeinen Gedenkens zu machen: den 2. August? Denn er ist der größte Tag in der deutschen Geschichte des Weltkrie­ges, größer selbst als die siegreichste Schlacht, und heiße sie Tannenberg! Denn an diesem 2. August ist einmal eine Lohe aus deutschen Herzen aufgeschlagen; ete Wille, sich wider Tücke und Tod zu be­haupten, Blut geworden; ein Glaube an die Gerechtigkeit unserer Gegenwehr und eine Zuversicht, daß wir unseren Aus- marsch in eine glückliche Heimkehr wenden würden . .,

Daß dem so war: ein Volk, einig ru all seinen Gliedern, einig in all seinen Par­teien, von rechts und links, eins mit seinem Kaiser, den es spontan, ohne alle Kommandierung und Mache, immer wie­der suchte und fand: das ist geschicht­liches Erlebnis. Und war mehr als Er­lebnis, war eine Offenbarung der deut­schen Seele, die in Eefahrenzeiten, Zeiten höchster Rot, wenn es um Sein oder Nicht­sein ging, immer in einem Puls pochte, eines Geistes und Willens war: wie da­mals im Teutoburger Wald, als es bas Joch der Römer abzubürden galt, so spä­ter, als die Lützower ausstanden und die Landwehr unter dem Eisernen Kreuz mit jenen wider den ersten Napoleon den Marsch rheinwärts begann.

Wer Zeuge jener Kundgebung ftn deut­schen Reichstag war, als von Westarp bis zu Haase nur ein Gelöbnis aufklang, Voll und Vaterland nicht zu lasien und einen Wall von eng zufammengeschlosienen Hän­den und Herzen darum zu legen, dem ist damals eine Erinnerung geschenkt worden, die nie verlöscht. Nie, selbst in trübsten Trauerstunden, jeglichen Glanz verlieren kann, der noch aus jener Hochstunde deut­scher Einigkeit mit ihr und um sie ist.

Da warm wir stark. Da war Luther unter uns und in uns lebendig:und wenn die Welt voll Teufel wär'"; war Geist vorn Geiste des großen Friedrich über uns mächttg und Lohe, wie sie aus Fichtes Reden an die deutsche Nation" auf­flammt. Da war unsere ganze große Der- gangenheit in die Wucht einer Stunde ge­preßt und stand da: aternheitz und unüber­windlich! Weck wir einig waren:ein