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?dlung

ZMtszeitung

Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhefsen

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WM» für hie Haager Konferenz

England besteht auf Abänderung des AoungWanes - NemuHKAK lange Kenferenzbauer - Seutschlant lest wieder einmal ble Sellen tragen

Amsterdam, L9. Juli. Für die dip­lomatische Konferenz ist im Haag und in Scheveningen bereits für 300 Personen Unterkunft bestellt worden. Von der deutschen Vertretung, die aus ungefähr 80 Personen bestehen wird, werden etwa 60 Mitglieder im Hotel Oranje untergebracht. Vor kurzem hat der Prinzgemahl dem Haag einen Besuch abgestattet und auch das Hotel Oranje besichtigt. Im ganzen soll im Haag und in Scheveningen die Unterbringung von 500 Personen in Ho­tels sicher gestellt sein, während noch zahl­reiche Zimmer bei Privatleuten und in Pensionen zur Verfügung stehen. Für den Empfang der Journalisten hat sich ein Ausschuß gebildet, der in einem Aufruf die Bevölkerung auffordert, Zimmer zur Ver­fügung zu stellen. Die Regierung hat für den Empfang der Journalisten ihre größt­mögliche Unterstützung zugesagt. Obwohl das Kebäude, in dem die Konferenz ab­gehalten werden soll, noch nicht bestimme ift, ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzu­nehmen, daß die Wahl auf die 2. Kammer des holländischen Parlaments und andere Räume in den Regierungsgebäuden im Haag fallen wird. Für die Haupt­fitzungen soll der große Rittersaal verwen­det werden.

London für Beschlennigung der Konferenz- arbeiten.

London, 29. Juli. Von amtlicher britischer Seite verlautet, es stehe jetzt end­gültig fest, daß die Reparationskonferenz im Haag stattfinden wird. Der Zeitpunkt sei jedoch noch nicht offiziell festgesetzt worden. Großbritannien . sei bestrebt, keine Verschiebung des Zeit­punktes eintreten zu lassen, da es die Aufgaben der Konferenz mir möglichster Beschleunigung erledigt wissen wolle. Es besteht, den Informationen von amtlicher britischer Seite zufolge, die Ab­ficht, die Konferenz in zwei Teile zu teilen, und zwar einen finanzieller Art, der sich mit dem Young-Bericht und der gesamten Fragen der ^Reparationen befaßt und den anderen polifischer Natur, der Fragen wie die Räumung des Rheinlan­des und die Frage der Ernennung des s^ststellungsausschuffes behandelt.

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Seiet die Haltung bet britischen Abordnung

auf der Konferenz steht nach Mittefiungen von gutunterrichteter Seite soviel fest, daß Großbritannien entgegen der ursprüng­lichen Absicht, sich nicht mehr damtt begnü­gen wird, den Youngplan zu seiner gegen­wärtigen Form unter einem formellen Widerspruch anzunehmen, sondern auf Abänderungen in wesentlichen Punkten bestehen wird. Das ist inso­fern bemerkenswert, als dieser Entschluß zeigt, daß die Nachteile des Youngplans als so groß angesehen werden, daß sie auch nicht durch politische Zugeständnisse etwa Frankreich wettgemacht werden könnten, womit früher ernsthaft gerechnet werden konnte.

Heute liegen die Dinge so, daß Schatz- kanzler Snowden unter allen Umstän­den in einigen Punkten seine Auf­fassung durchsetzen will

Und sich durch mehr formale Zugeständ­nisie, wie etwa die Verlegung des Sitzes »er Internationalen Bank nach London hiervon nicht abbringen lasten wird. Dre Konferenz wird daher unter allen llm- nanden recht lange dauern. Das ist inso- lern wesentlich, als sich bereits deutlich ökigt, daß vor der nächsten Völkerbunds- «Dung kaum etwas entschieden sein wird.

Staatsmänner der verschißenen Län­

der werden infolgedesten in Genf zusam­mentreten, ohne daß die Regierungen ini Haag sich vorher verständigt haben.

Die Folge davon wird der Versuch sein die Inkraftsetzung des Youngplanes hinausznschieben und die hieraus ent­stehende zusätzliche Belastung Deutsch­land aufzubürden, etwa in der Form, daß es bis zum 31. Dezember die höheren Verpflichtungen des Dawes- plane« zu zahlen und auch die Be- satzungskosten weiter zu übernehmen hätte.

In der Räumungsfrage stehen, wenn man von der nun schon fast als selbstverständlich angesehenen Verschiebung um einige Monate vom L September auf den 31. Dezember absehen will, Sie Dinge günstiger. Es besteht guter Grund für dr» Annahme, daß die britischen Vertreter in dieser Hinsicht ihren Standpunkt durchzu­setzen vermögen. Sie werden auch wesenr- liche Unterstützung durch die englische Preste finden. Die schriftlich und in ein­

deutiger Form niedergelegte Auffastung der Rechtsberater der britischen Krone hat der Versailler Vertrag eine gemeinsame Besetzung, aber keine gemeinsame Be­setzungsverpflichtung vorsieht, sodaß die etwaige Zurückziehung der englischen keine Verletzung des Versailler Vertrages dar­stellen würde, hat ihren Eindruck umso weniger verfehlt, als diess Rechtsgutachten auf die Amtszeit der Konservativen Re­gierung zurückgeht. Es kann daher auch von Chamberlain und den Konservativen nicht zurückgewiesen werden.

Die britisch« Deleaatü«.

fk. London, 30. Juli. Wie der divloma- tische Korresvondent des ,Daily Telesruph" berichtet, wird der Britischen Delegation für die Haager Konferenz außer dem Echatzkanzler snowdens und dem Staatssekretär des Aeubern Sendersen auch der Präsident des Handelsamtes Graham angehören. tSahlreiche Sachverständige des Foreyn Office und des Schatzamtes würden sich ebenfalls nach dem Haag begeben. Ferner werd« die Jrage der Rheinlandräumung möglicherweise di« Suziebung von MUitärfachverstLrdtgeu notwendig machen - -------

Kein FrentweMl in Frankreich

Brüind übernimmt das Sabine» $etnmrt

Paris, 29. Juli. Das neue fran­zösische Kabinett ist de facto gebildet. Kurz nach zwölf llhr mittags erllärte Außenminister B r i a n d der versammel-

Briaud.

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tea $tcifc, daß nach bet Absage der Radi- kalsozialiften seine Aufgabe seht verein­facht sei. Das alte Kabinett wetde hn Amtt bleibe« mit dem einzigen Unter­schieb, daß er an d« Stelle Pomcarös trtte. Somit fit bet Regierungsantritt des neuen Kabinetts nut noch eine Form­sache und wird erfolgen, sobald Briand die Lifte der alte« Mitarbeiter Poiacarüs dem Präsibenie« znr Bestätigung vorgelegt hak.

Llach der Kabinettssitzung stellten sich Briand und feine Mitarbeiter dem Prä­sidenten der Republik im Elhse vor. Briand gab dabei folgende Erfiä. rung ab: „Beglückwünschen Sie mich nicht zur Regierungsbildung, ich verdiene es nicht. Ich übernahm das alte Kabi­nett, weil es unmöglich war, eine andere Lösung zu finden, und die Zeit drängte. Machen Sie sich nicht lustig über meine Absicht, Minister ohne Parte- feuille in die Regierung auszunehmen. Im Jahre 1914 wurde ebenso verfahren, damals im Interesse der einheiüichen Kriegsführung. Sollte das, was für den Krieg möglich war, nicht auch für ein Werk des Friedens gehen? Wenig­stens im Interesse der Entspannung hätte man es hm sollen, da zur Zeit inner­politische Fragen nicht zur Er­örterung stehen.-

Der Gang der Kabinettsbildung.

Paris, 29. Juli. Zurückblickend wird übet den Verlauf der Krise berichtet, daß Briand zunächst Herriot unmittelbar nach dessen Rückkehr nach Paris heute früh 8 Ahr empfangen hat. Herriot machte die Annahme der Aufforderung, als I Staatsminister ohne Portefeuille m das ^abmett einzutreten, von der Zustimmung ftmer Fraktion abhängig. Später erschien Da la vier bei Briand, um ihm mitzu- teifen, daß er mit Rücksicht auf den in- Zischen gefaßten Beschluß der Radikalen Fraktion sich nicht an der Regierung be­teiligen könne. Herriot seinerseits hat Bri­and in einem Brief seine Ablehnung Mir Kenntnis gebracht.

Di« Attchmmg der radikalssrialiftischrn Partei.

Paris, 29. Juli, lieber die Sitzung der radlkaliozialistischen Partei, die unter dem Vorsitze Daladiers am Montag früh tagte, smd noch folgende Einrelheiten nachzuttagen: Da ein großer Teil der Ab­geordneten sich bereits in den Ferien befin- oet, nahmen an der Besprechung nur etwa 40 Mitglieder, unter ihnen Herriot und Sar- raut teil. Die Gruppe beriet eingehend über das Angebot, das ihr am Abend zugegangen (Fortsetzung Seite 2.)

Srinnb statt Minnick

Es ist doch ein eigenartiges Vorspiel für die politische Konferenz. Der deutsche Reichskanzler ist von schwerer Erkrankung heimgesucht, die ihn hindert, die Führung der deutschen Delegation zu übernehmen. P o i n c a r 6 ist ebenfalls ein kranker Mann geworden. And in Wahrheit. Richt, wie hie und da gesagt wird, ein politisch kranker Mann. Das wird ein so zäher Politiker, wie Poincare ist, nicht. Er trat zurück. Trotz aller Bitten seiner Kabinetts­kollegen. Vielleicht nicht ungern. Viel­leicht sogar schweren Herzens, er, der auf 32 Jahre Ministertätigkeit zurückblicken kann.

Dewitz, die politische Situation Bei sei­nem Rücktritt ist seltsam genug gestaltet. Denn Frankreich steht vor nicht minder schweren Entscheidungen wie Deutschland. Jin Haag und in Genf. Es hat da­neben noch mit einer psychischen Amstel- lung im französischen Volke zu rechnen. Das Kabinett Poincare hat schwere Stun­den hinter sich: Die Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Amerika. Poin­care, sich nach französischer Auffassung lange sonnend im „Ruhme" eines gerisse­nen, unbezwingbaren politischen Meisters, mutzte mit seinem Kabinett eine demütt- «gende diplomatische Niederlage erleben. Es folgten schwere innerpolitische Kämpfe, krisenhafte Kammerdebatten. Oft genug hing das Schicksal des Kabinetts am sei­denen Faden. Die Opposition, die angeb­lich wahren „Friedensförderer" auf der finken Seite, — ob in Wirklichkeit oder simuliert, sei dahingestellt — würde immer stärker. Zuletzt nur noch mit acht Stimmen in der Mehrheit.

Das könnte Grund für Poincare gewesen sein, die Erkrankung zum' willkommenen Anlaß für den eventuell auch sonst sicheren Rückttitt zu nehmen. Aber täuschen wir uns nicht. So wenig ein Clemenceau oder Millerand polittsch tot zu kriegen ist, so. wenig der Veteran des Ministeramtes, Poincare. And ein kaltgestellter Poin­care ist für uns sogar noch gefährlicher als ein amtierender, denn er wird unablässig dafür kämpfen, daß in Schicksalsstunben die französische Parteifront geschlossen auf- marschiert, zumal, wenn es gegen Deutsch­land geht.

Es gibt nun Sfimmen, die sagen, daß vor allem den Linkskreisen Frankreichs der Rückttitt Poincare ungelegen gekommen sei. Denn sie wollten ihn und nur ihn, keinen anderen, mit der Verantwortung für dis politische Konferenz und ihren Ausgang belasten. Mag sein. • Aber das ist sicher. Poincare hätte auch hier nicht geschwankt und diese Verantwortung getragen, wäre auch mit der Kammer fertig geworden. Das zeigt uns die jahrzehntelcmge Ge­schichte seiner Winistettätigkeit.

Damit fit es also nichts. Ganz abge­sehen davon, daß es für Deutschland gleichgültig ist, welche Regierung in Frankreich während der polittschen Kon­ferenz am Ruder ist. Auch eine Links­regierung würde, selbst etwa unter Füh­rung eines Leon Blum, genau so unnach­giebig oder ebenso wenig entgegenkommend sein, wie ein Kabinett Poincare — wenn es sich um die Wahrung und Siche­rung französischer Forderungen und Inter­essen handell. Es wäre für uns trügerisch zu glauben, die französische Mentalität 4 hätte sich schon sowett geändert zu unseren Gunsten, wre teilweise Poincares Reden, der Pan-Älropa-Ruf Briands, oder schließlich die letzten Vorstöße der fran­zösischen Linken in der Kammer es erwar­ten lassen dürften. Es sind Hoffnungen. Aber von den Reden zu Taten, war in Frankreich immer noch ein weiter Weg. And mancher „S überstreifen" kam in den letzten Jahren wieder zum Verblassen.

Briand wird mm der neue Mann in Frankreich sein. Wird Frankreichs „©e- " schäfte" im Haag besorgen. Ein rätselhaf­ter Manm Schöne Worte hat er viele.