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Sonnabend, den 27. Mi ISA

Vie ^Vberhesstsch« Zrtvmg" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be zagSprei« monatlich 2.10 GM. aus. schließ!. Zustellungsgebühr, durch di«Post2.35 GM.Für etwa infolge Streik«, Maschinrndefekte »der elementarer Lreiguisie ausfallend« Kummern wird kein Ersah, ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Htheroth. Druck der Univ.-Buchdruckeret d. Zoh. Ang. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 »nd

V-l Uhr.

öbevtiessische

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Wimms Mmckseseetm

Mmtiffon aus grsmMitlichm Mksilbioa Briand bildrl die neue Regierung Simm in dee

Paris, 26. ZaN. Havas veröffent­licht heute 23 Uhr folgende Mitteilung: Ministerpräsident Poiucars hat heute abend seine Mitarbeiter davon in Kennt­nis gesetzt, daß et sich einem chirurgi­sche« Eingriff unterziehe« müsse, der ihn auf zwei oder drei Monate aktionsunfähig machen werde, und daß er beschlosien habe, dem Präsidenten der Republik seine Demis­sion zu überreiche«.

Die Regierung, die heute abend im Lutzenministerium zu einem K a b i - »ettsrat zusammengetretea ist, hat de« Minister« Barth»« und Briand de« Auftrag z« geben, dem Ministerpräsi­denten di« ehrerbietige «nd herzliche SqmpaOie des Kabinetts zum Ausdruck zu bringe« «nd ihn aufz«fordern, unbeschadet der für seine Wiederherstellung notwendigen Erholung an der Spitze der Regierung zu verbleiben. Bartho« und Briand werde« sich morgen zur Erfüllung dieses Auftrages in die Wohnung Poin- carss begeben. Mit Rücksicht darauf wird der für morgen vormittag 9y2 Uhr im Elqs^e ««beräumte Ministerrat eins Stunde später zusammentrete«.

Der Gesundheitszustand PoincarS».

fl. Paris. 27. Juli. Siebet den Ge­sundheitszustand des Ministerpräsidenten Poincare und über die Folgen seiner Er­krankung berichtet derQUatin** folgendes: Poincare leidet an einer Erkrankung der Prostata und man befürchtete sogar eine zeitlang eine Harnvergiftung, doch soll seit einigen Tagen der Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten viel zufriedenstel­lender gewesen sein. DaS Allgemeinbefin­den soll sogar gut sein. Ende nächster Woche soll eine Prostata-Operation durch­geführt werden. Die Wiederherstel­lung der Gesundung dürste je­doch zu lange Zeit in Anspruch nehmen, als Poincare die Mög­lichkeit hätte, an den Arbeiten der Regierungskonferenz teil­zunehmen. Die Aerzte befürchten an­dererseits, daß Poincare, trenn er nicht von seinem Amte zurücktrete, während der Be­handlung nicht die nötige geistige Ruhe haben würde. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde der Präsident der Republik nach dem Ministerrat die Lage Hären müssen. Selbstverständlich würden im Falle der Demission Poincares alle Minister ihren Rücktritt einreichen.

Sturm in der Kummet

Paris, 2b. Juli. In der französischen Kammer kam es am Freitagabend zu einer großen Ueberraschung, als zum Schluß der Aussprache der Vorsitzende der Finanz­kommission, der Radikalsozialist Mal vH. den Anttag stellte, die Regierung sollte sich am kommenden Freitag zur Frage der Steuerermäßigung äußern. Obwohl noch eine Reihe von anderen Anfragen für die nächsten Tage in Aussicht genom­men waren, u. a. eine sozialistische über die allgemeine Amnestie, Betrat Iustiz- vlinister Barth ou die Tribüne und ver­las, ohne den Abgeordneten Malvy einer Antwort zu würdigen, den Erlaß der Re­gierung, der die Kammer auf Mo­nate in die Ferien schickte. Die

Ewpörung über diesen Gewaltakt der Regierung, die eiae anscheinend una«- ,

ftmwh'hbcn Kammer

genehme Aussprache vermeide« will, war allgemein.

Ordnungsgemäß mußte die Kammer nach zehn Minuten erneut zusammentreten, nm bad Protokoll der letzten Sitzung zu billi­gen, bevor sie in die Ferien ging. Diese Sitzung hat eine knappe Viertelstunde ge­dauert, und es kam während ihr zu einem wahren Sturm. Es hagelte schärfste Angriffe gegen die Regierung. Beschlossen wurde, über die Annahme des Protokolls der letzten Sitzung namenüich abzustimmen. Die Abstimmung begann sofort.

Die Absttmmung hatte ei« über­raschendes Ergebnis. Das Protokoll der letzte« Siung wurde mtt 376 gegen 256 Stimmen abgelehnt.

Rach Bekanntwerden des Ergebnisses er­schollen von zahlreichen Bänken des Hau­ses Zurufe, die Regierung solle zurücktreten. Der Iustizminister und die übrigen Minister der Regierung halten die Kammer bereits verlassen. Der Prä­sident hob die Sitzung auf und veranlaßte das Büro der Kammer, das dem deutschen Aeltestenrat entspricht, zusammenzutreten und über die Sachlage zu beraten.

Protest gege« die Schließung des fran­zösische« Parlaments.

fk. Paris, 27. Juli. Infolge der Zwischenfälle, die sich gestern abend bei der unerwarteten Verlesung des Dekrets

zur Schließung der Parlaments-Session kn der Kammer ereignet haben, sind auf Wunsch einer Anzahl Radikaler und So­zialisten für Sonnabend vormittag Frak­tionssitzungen dieser beiden Parteien an­beraumt worden, mn einen Protest gegen die Schließung der Kammer.auSzu- arbeiten. Der radikale Abgeordneie Leon Meyer sammelt unter seinen Kollegen An- terschristen, um die Wiedereröffnung der Parlaments-Session durchzusetzen, die er­folgen muß, wenn die Hälfte aller Abge­ordneten es verlangt. Durch die inzwischen eingetretenen Ereignisse, die die Rotwen­digkeit einer neuen Kabinettsbildung er­geben könne, wird die Aküon der vier Linksparteien wahrscheinlich insofern eine Aenderung erfahren, als das neue Mini­sterium für das Vorgehen des Iustizmini- sters Barthou in der gestrigen Kammer- sitzwtzg nicht verantwortlich gemacht wer­den kann, wodurch dann der Protest hin­fällig werden würde.

Der Senat sttmmt der Ratifizierung der Schi'ldenabkommen'zu.

Paris, 26. Juli. Der Senat stimmte mit 242 gegen 30 von 272 Stimmen der Ratifizierung des Schuldenabkommens mit den Vereinigten Staaten zu. Die Rattfi- zierung des Schuldenabkominens mit Eng­land wurde durch Handaufheben gutge- heihen. In einer Entschließung spricht der Senat die gleichen Vorbehalte zur Rati­fizierung aus wie die Kammer, jedoch in sehr viel vorsichtigerer Form. i

Scharfe Kritik am AeunsBlan

SrMnvMdSrorges und Snowdons - Abichnmg dMonnMiaM?

London, 26. Juli. Lloyd George eröffnete im Unterhaus heute eine Debatte über den Young-Bericht, den er als un­glaublich bezeichnete. Er sagte:

,,3d) bin erstaunt, daß dieser Bericht dem britischen Schatzamt als eine gerechte Be­rücksichtigung der britischen An­sprüche unterbreitet worden ist. Ich glaube. Snowden wird seinen Einsluh benutzen, um sehr beträchtliche Abänderungen an dem Plan durchzusetzen. Meine Bedenken richten sich nicht dagegen, daß die deutschen Zah­lungen herabgesetzt werden. Jede Revision hat bisher zu einer Herabsetzung gefühtt, und ich glaube nicht, dah diese die letzte sein wird. Aber ich erhebe Widerspruch dagegen, dah die Gesamtheit der Opfer in der Hauptsache von Grotzbritan- nien getragen werden soll. Wenn es eine Herabsetzung geben muhte, dann hätte sie ge- recht auf alle Gläubigerländer verteilt werden müssen. Deutschland ist nur imstande gewesen, zu zahlen durch umfang­reiche Anleihen und durch Niedrig­halten der Löhne. Das kann nicht unbegrenzte Zeit so fottgehen. Die Regie­rung darf ihre Unterschrift nicht unter einen Bericht setzen, der nicht nur ein Rückschritt, sondern eine Demütigung für uns ist."

Schatzkanzler Snowden erwidette darauf u. a.:Ich bin in einer heiklen Lage, will aber klar und deutlich erklären, dah England keineswegs zur An­nahme der Anempfehlungen des Young-Planes verpflichtet ist. Meines Wissens hat bisher keine der inter­essierten Regierungen den Bericht akzeptiert, mindestens keine der Eläubigermächte. Der deutsche Außenminister scheint erklätt zu ha­ben, die deutsche Regierung nehme den Be­richt als Grundlage einer Konferenz an. Ich glaube, die Gläubigermächte sind der Mei­nung, dah es ihnen freistrht, über den Bericht zu verhandeln. Tatsächlich würde eine Kon­ferenz unmöglich fein, wenn die Re­gierungen den Bericht in seiner jetzigen Form

annehmen mühten. Wir haben keinen Grund, die Summe der von Deutschland verlangten Zahlungen zu erhöhen. In diesem einen Punkt sind sich, wie ich glaube, viele Betei-

Tät Herabsetzung des britischen Anteils betrügt durchschnittlich 2,415 Millionen

Pfund im Jahr.

Diese Summe kommt Italien und Frank­reich zugute, hauptsächlich Italien, das 1,840 Millionen Pfund erhält. Wenn wir alle im Young-Plan vorgesehenen deutschen Zahlun­gen erhalten, dann werden wir zusammen mit den Zinszahlungen unserer europäischen Schickdner gerade genug zur Bezahlung un­serer Schiüden an Amerika haben.

Für Grotzbritamüen bleibt kein lieber;

schuh. Frankreich wird einen Ueberschvtz von 21 Millionen Pfund habe«.

Alle anderen Eläubigermächte werden auch einen lleberschuh haben. Wenn die An­empfehlungen des Young-Ausschusses akzep- tiett werden würden, dann mürben wir zu opfern haben nicht nur die 2,5 Millionen infolge der Abänderung des Verteilungssche­mas, sondern auch die 200 Millionen Pfund Rückstände für unsere früheren, an Amerika geleisteten Zahlungen. Wenn wir durch die Spa-Prozentsätze nur rund 2,5 Millionen Pfund mehr erhalten könnten, dann haben wir zur Verminderung dieses Defizits von 200 Millionen Pfund ungefähr 37 Millionen Pfund erhalten. In der Frage der Sach­lieferungen könne« wir die Vorschläge des Ausschusses nicht akzeptieren.

Snowden schloh: ,Zch weih nicht, wie weit wir Erfolg haben werden, aber welches Ergebnis die Konferenz auch haben mag, ich kann dem Hause versichern, dah es keine weitere Preisgabe btitischer Jn- t e r e s s e n geben wird, die ein entschlossener Mann verhindern kann."

| Äenftrtroert: 9tt «trag

Brüssel, 26. Juli. Die belgische Re- gieraug hat sich mtt dem Haag als Ta, gvagsott der Konferenz der Regierungen einverstanden erklärt, «m eine Verständi- gung in der Frage zu ermöglichen, 6u seit mehreren Wochen Gegenstand v-m Mei- uungsverschiedenhetten war.

Die sich verdichtenden Meldungen, daß nach dem gemeinsamen englisch-französi­schen Schtttt in Brüsiel am Donnerstag nunmehr endlich die Konferenz am 6. Aug. im Haag beginnen kann, hat in Ber­liner politischen Kreisen offene Genug­tuung ausgelöst. Man erwartet, daß die Frage endgülttg in ein oder zwei Tagen geflärt sein wird.

Gegenüber Pressemeldungen, die ans der Beurlaubung der Reichsminister eine Arbeitsunfähigkeit der Berliner Wilhelm- stratze folgern wollen erfahren die Blatt ter, daß die deutsche Regierung die Orga­nisationskomitees seinerzeit sofort vorbe­reitet hat. Die sachlichen Vorbereitungen sind mit Hochdruck betrieben worden, und da sie Sache der fachlichen Beamten sind, ist für sie die Anwesenheit der Minister nicht unbedingt nötig. Deutschland ist zu einer für den 6. August beginnenden Ta­gung der Konferenz durchaus gerüstet.

Doch noch Verschiebung der Reparati«», konferenz?

fl. L o nd o n, 27. Juni.Times" berichtet aus Paris: Wenn die Absicht der betei­ligten Regierungen, die Vereinigten Staa­ten zur Entsendung eines Vertreters zur Reparationskonferenz einzuladen bestehen bleiben, so würde die für die Ernennung des Delegierten und seiner Reise nach Europa erforderliche Zeit die Verschiebung des Eröffnungstages notwendig machen. Unter Berücksichtigung dessen wird der 16. August als der wahrscheinlichste Zeitpunkt für den Zusammenkrttt der Konferenz angesehen.

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ölinnes stoigesprochkii

fl Berlin, 27. Juli. Im Stimm-, Prozeß verkündete unter lebhaftem An­drang des Publikums Landesgerichts, direktor Arndt heute früh folgendes llr- tell: Die Angeklagten Stinnes, Nothmann, Leo Hirsch und Schneid werden freige­sprochen. Verurteilt werden: Der Ange« klagte von Waldow wegen gemein­schaftlichen Betrugsversnches zu 4 Mona­ten Gefängnis, wovon 7 Wochen für die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gelten: der Angeklagte Dela Groß we­gen demselben Vergehen zu 4 Monaten Gefängnis, wovon eine Woche durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Der Angeklagte Engen Hirsch wegen Bei­hilfe zum versuchten Betrüge zu 3000 Mk. Geldstrafe bezw. 1 Monat Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens fallen soweit Frei­sprechung erfolgt, der Staatskasse, im übri­gen den verurieilte« Angeklagten zur Last. Die Haftbefehle gegen Stinnes, Rothman« und Leo Hirsch werden aufge­hoben. Bon Waldow erhält Bewährungs­frist von 3 Jahre«.

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NieBremen" auf der Stürmtet muh Europa

fl. Rewhork, 2. Juli. Der Llvyd- dampserBremen" trat heute morgen 1 Uhr seine Rückfahrt nach Europa an. Aus dem Llvhddock in Broollhn hatte sich eine gewaltige Menschenmenge eingefunden, die Die Wacht am Rhein" sang, während das Riesenschiff, das bis auf den letzten Platz besetzt war, aus dem Dock hinausfuhr. Der Dampfer war hell erleuchtet, seine Flaggen wurden von Scheinwerfern be=> strahlt. DieBremen" Passierte um 2.18 Uhr San dH Hook.