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Anzeiger für (bas frühere kurheMchsj Oberhesse«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
ReMmMMW auf WÄmSem Boöeu
Mim am 6. August — Der Kenfmnrsrt in der Schweiz oder in SvIIand
Paris, 25. Juli. Außenminister Briand empfing Donnerstag vormittag den deutschen Botschafter v. H ö s ch und den englischen Botschafter Lord Tyrel. Die Botschafterbesuche stehen im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Regierungskonferenz. Lord Tyrel hat, wie verlautet, als Antwort auf die von ihm nach London übermittelten französischen Dorschläge Gegenvorschläge seiner Regierung überreicht, über deren Inhalt noch nichts bekannt ist.
Paris, 25. Juli. Die Besuche des deutschen Botschafters v. Hoesch und des englischen Botschafters Tyrel bei Außenminister Briand galten erneut der bevorstehenden Regierungskonferenz. Noch hegt man in allen Ausarbeitungsausschüsien die Hoffnung, daß es möglich sein werde, die Konferenz am 6. August beginnen zu lasten, doch dürften die Ausschüsse, deren Zusammentreten man in Deutschland bereits am 15. Juli erhoffte, erst gemeinsam mit der Konferenz ihre Arbeit beginnen können Man weist auf deutscher Seite darauf hin, daß es bei gutem Willen auf allen Seiten möglich sein werde, im Laufe der bis zu Beginn der Bölkerbundstagung am .2 September noch zur Verfügung stehenden vier Wochen die gesamten finanziellen und politischen Fragen zu erledigen. Doch mutz man ausdrücklich hervorheben: Voraussetzung hierfür ist der gute Wille auf allen Seiten. Ueber den Konferenzort ist noch keine Entscheidung gefallen, zur Stunde steht nur soviel fest, daß die Konferenz unter allen Umständen in einem neutralen Lande stattfinden wird. Frankreich möchte gern, daß die Konferenz in einer Schweizerischen Stadt in der Nähe Genfs, beispielsweise in Lausanne, durchgeführt werde. Sonst bleibt nur Holland übrig, das aber von den Belgiern nicht gern gesehen würde. Die britische Negierung besteht nicht mehr auf London als Konferenzort.
Reuter erfährt über die Besprechungen zur Wahl des Ortes der Reparationskonferenz, es sei wahrscheinlich, daß isie Wahl auf den Haag fallen mürbe.
Paris, 25. Juli. Obgleich Datum und Ort der zukünftigen Regierungskonferenz noch nicht feststehen, werden in allen beteiligten Staaten die sorgfältig st en politi scheu Vorbereitungen für die Konferenz getroffen. Der Pariser Vertreter der Telunion hatte Gelegenheit, sich mit einer deutschen Persönlichkeit, die diesen Arbeiten nicht fern steht, über den
mutmaßlichen Verlauf desjenigen Teils der
Konferenz zu unterhalten, der der Inkraftsetzung der Aoungplanes ge widmet sein wird.
Die wichtige Aufgabe der Sachverständigen der Regierungskonferenz wird es fein, aus dem Doungplan einen internationalen Vertrag z-u macken. Zu diesem Zweck wird es notwendig sein, einen großen Teil des Doung- plcms, soweit er Erwägungen, Betrachtungen und Urteile widergibt, und die dann 'ibrig- bleibenden, von den Sachverständigen neu ausgearbeiteten Richtlinien des Doungplcrns in eine juristische Form umzuwandeln. Ferner Muß all das, was die Sachverständigen noch offen gelassen haben, ausgearbeitet und die einzelnen Lücken ausgefüllt werden.
Soweit sich diese Arbeiten schon jetzt übersehen lassen, dürften für ihre Durchführung
drei Ausschüsse
eingesetzt werden: 1. ein juristischer Ausschuß, 2. ein Finanzausschuß und 3. ein Liyuidie- oungsausschuß. Die Hauptarbeit dürfte dem Finanzausschuß und dem juristischen Ausschuß zufallen, von denen der erste die Empfehlungen der Sachverständigen ausarbeiten, der zweite fk m eine juristische Form umzuarbeiten hätte. Der Liquidierungsausschuß wird sich küt allen Bestimmungen aus dem Versailler Friedensvertrag, aus dem Dawesplan und aus anderen Abmachun- 9«t zu beschäftigen haben, die durch den
Doungplan überholt werden. Auf ausdrücklichen Wunsch der französischen Regierung wird er unter anderem auch vor einer
Aenderung des Versailler Friedensvertrages
nicht zurückschrecken dürfen, da Poincarö die Bestimmung des § 234 dieses Vertrages gern abgeänüert sehen will, die unter anderem besagt, daß Deutschland im Falle seiner Zahlungsunfähigkeit an die Reparationskommission appellieren kann. Wenn auch die Arbeiten am 2. September beendet wären, dann würde der Doungplan noch nicht am 1. September in Kraft treten, da er nach der Billigung durch die Regierungen noch einer Ratifizierung der
Parlamente der zuständigen sechs Regierungen bedarf. Bis zu dieser Ratifizierung, die erst nach der Genfer Völkerbundstagung, vermutlich Mitte November, in allen Staaten erfolgt sein dürfte, wird somit noch eine gewisse Zeitspanne verstreichen. Allerdings müßte die Ratifizierung bann in der Weise erfolgen, daß diese mit rückwirkender Kraft den Doungplan zum 1. September m Kraft setzt.
Man rechnet in unterrichteten Kreisen für die Regierungskonferenz mit einer Teilnehmerzahl Don lOOObis 1500 Personen, zu denen noch etwa 500 bis 600 Journalisten au» allen Ländern der Welt kämen.
Msm Will in Moskau MhaMku
ft. London, 26. Juli. „Daily Telegraph" meldet aus Wurden vom Mittwoch, daß in Tschangtschun, dem südlichen Endpunft der chinesischen Ostbahn, Besprechungen zwischen den Bevollmächtigten der Mukdenregierung, General Tschangsio Hsiang und dem russischen Generalkonsul in Charbin Melnikosf begonnen hätten. Es verlautet, daß Chinas Haltung die sei, daß General Lu durch oie Ausübung der Haussuchungen bei russischen Beamten seine Befugnis überschritten hat und daß China den Grundsatz der gemeinsamen Kontrolle annehme. Dieser- öffne den Weg für Verhandlungen. El? werde berichtet, daß der russische Bedollmächttgte einen Sichtvermerk erhalten hat und sich auf dem Wege nach Charbin befindet, wo er mit dem chinesischen Gesandten aus Finnland zu- sammentteffen wird, der der Abgesandte der Nankingregierung ist. Es werde angennommen, daß der Weg für friedliche Verhandlungen eröffnet ist. — Reuter meldet dagegen aus Tokio, einem Telegramm aus Charbin zufolge sind der russische Generalkonsul, der russische Vizepräsident im Vorstand der chinesischen Ostbahn Chirkin und 31 andere Russen am Donnerstag nachmittag nach der Grenzstation Mandschuli abgefahren ist, um sich nach Sibirien za begeben.
ff. Paris, 25. Juli. Der „Chicago Tribüne" wird aus Mukden gemeldet, man nehme cm, daß China bereit sei, wegen der Beschlagnahme der ost chinesischen Eisenbahn eine Entschuldigung vorzubringen. Auch sei die nationalistische Regierung bereit, die meisten der bei der Beschlagnahme
verdrängten russischenDeamtewie- der in ihre Po st en einzusetzen. Die Rankingregierung erkennt also den Grundsatz der gemeinsamen Kontrolle der Eisenbahn an. Bei der gestrigen Fühlungnahme der Vertreter Chinas und Rußlands habe der Vertreter von Nanking erklärt, China habe sich ohne das (Eingreifen einer dritten Partei bereit erklärt, mit Rußland in Verhandlungen einzutreten. Jetzt sei der WegfürdirekteVerhandlungen erschlossen. In Adikden herrscht eine vpttmisttsche Atmosphäre. Die chinesische FriedenSdelegatton habe sich nach Charbin begeben, um sich von da nach der Stadt zu begeben, die die Russen als Konferenzort Vorschlägen werden.
Beschießung von Sowietflugzengr« durch chinesische Truppen.
Tokio, 25. Juli. Nach einem aus der Mandschurei eingetroffenen Telegramm beschossen chinesische Truppen fünf Sowjetflugzeuge, die am frühen Morgen Mandschuli überflogen. Eine von der Zeitung „Nitschi-Nitschi" aus Mandschuli übermittelte Meldung besagt, daß es zu einem Feuergefecht zwischen chinesischen und Sowjettruppen gekommen sei, als 16 Sowjetflugzeuge um 6 Uhr über der Stadt erschienen und die Bevölkerung in Bestürzung versetzten.
Meine deutsche Vermittlung im russisch-chinesischen Konflikt.
Berlin, 25. Juki. Die Gerüchte von der Aufforderung zu einer deutschen Vermittlung im russisch-chinesischen Konflikt sind nicht begründet. Es hat den Anschein, als ob es zwischen den beiden Parteien zu direkten Verhandlungen kommen würde.
Wlttritt NsimarSö?
ft London, 26. Juli. „Daily Telegraph" meldet awe Paris, es verlaute nach der Aerztekonferenz von gestern vormittag, daß die Wiederherstellung Poincar. s möglicherweise ziemliche Zeit erfordern werde. Die Aerzte wollten ihre endgültige Antwort erst nach Verlauf von drei Tage« aussprechen, aber der Rücktritt Poincarss müsse als eine Möglichkeit angesehen «erden. Alles deute darauf hin, daß Poiucars nicht in der Lage sein werde, persönlich an der kommenden Reparationskonferenz teils zunehmen. Briand werde in diesem Falle die französische Delegation führe«. 3« bet Meldung heißt es weiter: Was den Tagungsort der Konferenz betrifft, so wird heute in Brüssel die Entscheidung fallen. Die französische Regierung hat dem Haag zngc-
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stimmt. Es ist jedoch jetzt Sache des britischen Botschafter« in Brüssel, die Zustimmung der belgischen Regierung zu erlangen. Aus Brüssel meldet „Daily Telegraph" zu den dringenden Vorstellungen des Geschäftsträgers Großbritanniens und Frankreichs gegenüber der belgischen Regierung, inpolitischen Kreisen werde allgemein geglaubt, daß die belgische Regierung den Wunsch ihrer Rachbar« anerkenne« wird.
Das Veendamer Explosionsunglück.
E r on i n g e n, 25. Juli. Nach den letzten Berichten aus Veendam find nunmehr aus den Trümmern der durch eine Explosion zerstörten Kartoffelmehlfabrik sechs Leichen geborgen worden. Bei dem Explosionsunglück wurden außerdem sleben Per jonen schwer und elf leichter verletzt. Hebei die Ursache der Explosion ist man sich noch im Unklaren.
Re MM Zwergstaat« ter Ette
Von F. Dunbar von KalckreLth.
■3m Zeitalter, das „in Erdteilen zu denken" sich gewöhnt, bilden die 15 Avers- floaten Kuriosa, die man nicht gern von der Bildfläche der Atlanten verschwinden sehen möchte, da ihrer Existenz noch etwas Romantisches innewvhnt, das an jene Zeiten erinnert, als den Menschen die Erde noch nicht so klein erschien wie heute und dem staattichen Eigenleben mehr Erttsal- • tungsmöglichkeit geboten war.
Liechtenstein ist die einzige deutschsprachige Monarchie; ein einsames Berg- land, dessen Hauptstadt Vaduz allein von allen in Europa keine Eisenbahn besitzt. — Monako ist als internationaler Sreff» punkt das Gegenstück, am Meere gelegen. — Der Kirchen st aat besteht nur aus einer „Stadt der Kirchen, Paläste und Gärten", geschützt von den schönsten Soldaten, Schweizern, Palast- und Nobelgarden. — Wie ärmlich dagegen Andorra mti> Gaust. die sich, wie Liechtenstein, an die heimischen Berge klammem und von einem Hirtenvolke bewohnt werden. Sie verdanken ihre Existenz Karl dem Großen, der sie ihrer kriegerischen Dienste gegen die Araber wegen zu Freistaaten erklärt hat. — Noch älter, der älteste Zwergstaat Europas, ist die Republik von San Marino, südlich von Venedig, die sogar ein Heiliger, Marinus, 350 n. Ehr. während einer Christenverfolgung gegründet hat; selbst ein Napoleon hat ihr die Freiheit nicht abkaufen können, die heute noch von 60 Soldaten verteidigt wird. — Luxemburg ist der größte von Europas Miniaturstaaten, besitzt eine Viertelmillion Einwohner, 325 Soldaten und wird von einer Frau regiert. — Eine wahre Scherz- monarchie besteht auf der Insel Sardinien, das Königreich Tavarola, in dem kürzlich Paul II. den Thron bestiegen hat. Es besteht seit 1843. Damals besuchte der Landesherr das einsame Bergtal und sagte zu dem Aellesten seiner Hirten: „Guten Tag, ich bin nämlich der König von Sardinien und Sie wlchl der König von Ta- varola?" Dieser nahm das Königswort ernst und lieh sich sogar 1862 seine Würde ausdrücklich von dem ersten König des geeinten Italiens bestätigen; seitdem steht das kleine Königreich „unter italienischem Protektorate". — Auch England besitzt einen Zwergschutzstaat in der Insel Bar dsay bei Wales, die 50 Bewrchner hat und von einem mit der alten wall- sischen Bronzekrone gekrönten Wahlkönig regiert wird. Die „Souveränität" dieser Insel ist nämlich einmal übersehen worden, und die englische Krone hat sie deshalb nachttäglich anerkannt und bestätigt. — Ein Gegenstück bildete das einftige „Königreich Pvetvt" in der Normandie, das von 535—1789 offiziell von Frankreich anerkannt worden war. — Auch die heuttge Republik Lettland läßt großmüttg einen schwedischen Fischerstaat auf der Insel Runoe bei Riga bestehen. Er ist insofern eine Besonderheit, weil er, seit der Gründung Rußlands durch die skandinavischen Waräger im 9. Jahrhundert, kommunistisch regiert wird. — Wieder eine andere Staatsform hat der jüngste Zwergstaat, Die Freie Stadt Danzig, dessen Abtrennung vom Reich eine für das deutsche Mutterland unhaltbare Gewalt- mahnahme bedeutet. — Mit allen bisher erwähnten Kleinstaalsgebllden nicht Ai vergleichen ist die uralte Mönchs-Republik auf dem Berge Athos. Kein weiblicher Fuß hat ihren Boden je betreten, und die 6000 Untertanen des ErzabteS bilden eine wirlliche „Internationale". —
Außer diesen europäischen sechs monarchischen und fünf republikanischen Liliputstaaten gibt es in fremden Erdteilen nur vier. In Asien den Bergstaat Bhutan (50 000 Quadratkilometer), dessen 200 000 Einwohner gemeinsam von einem geistlichen und einem weltlichen Herrscher regiert werden, dann die Dahrein-In-