Einzelbild herunterladen
 

Soimerstag, Ito 25. Stl« 1$29

DieOberhefflfche Zeitung" tr- scheiut sechsmal wöchentlich. D« zugSprriS monatlich 2.10 GM.au«. schließ!. Zustellungsgebühr, durch dlePost2.3b GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder elementarer Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Httzeroth. Druck der Univ.-Buchdrucker«! d. Zoh. «ug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. «. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

fei1 Uhr.

Äberhessische

Zeitung Wische

Anzeiger Mr (das frühere knrheMchej Oberhesse«

».irr «4Mks.

2Hut pury u« LMM

Der LkezeigenpretS beträgt Pie den 10 gespalt. ZeSrnmkllimeter 0.08 SM kleine Barcnqetgen 0.06 BM amtlich« und aus­wärtig« Anzeige» 0.10 GM. v«i schwierigem Satz sowie b«t Platz- Vorschrift 5O°fe Aufschlag. Sammelanzeige» 100 *1« Auf­schlag. Rrkiam«n der Milli«. 0,40 ®9K. Jeder Rabatt gllt al« Darrabatt. Zi«l 5 Tage. Beleg« werben berechnet, ebenso Auskunft durch t* Geschäftsstelle und Zusmduag ber Angebot«. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark/«.»Dollar.

Anzeiger der amtlichen Betanntmachnngen für Stadt nnd Kreis Marburg.

DestfÄltmS MI in Msskss vermitteln

SlimstoS BermttluiisSMto Noch tone SlellmiMtzne der Srofetetoienmo

Washington. 24. J«li. Staatssek­retär Stimson verständigte gestern die deutsche Botschaft von dem im In­teresse der Verhütung eines Krieges un­ternommenen Schritte und erbat Deutsch­lands Unterstützung hierbei. Der Staats­sekretär sagte, Kellogg habe ihn auf de« hervorragenden Anteil der deutschen Ne­gierung bei dem Zustandekommen des Kelloggpaktes aufmerksam gemacht. Er habe deshalb alsbald auch die deutsche Negierung um ihre MithUfe ersucht. Er freue sich, da'g nunmehr alle Großmächte «t diesem Friedenswerk beteiligt seien.

Kowno, 24. Juli. Das Angebot Staatssekretärs Stimson an Deutsch­land, den amerikanischen Vermittlungs­schritt kn Moskau zu unterstützen, hat in Moskauer politischen Kreisen starke Beachtung gefunden. Er ver­lautet, daß die Sowjetregierung vorläufig nach keine Stellung zu einer deutschen Vermittlung nehmen könne, daß aber ein« Vermittlung Deut sch lands mehr Erfolg haben würde als die französischen und amerikani- scheu Schritte, weil Deutsch­land im Fernen Osten uninte­ressiert sei, war seine Unparteilich­keit gewährleiste.

Am Mittwoch wird eine Besprechung zwischen dem deutschen Botschafter m Moskau und Karachan stattfinden, in der dieser Vermittlungsschritt besprochen wer­den soll.

Paris, 24. Juli. In seinen Be­mühungen, den Kellogg-Pakt als politische Utopie zu brandmarken, beleuchtet das Echo de Paris" die amerikanifch- franzöfischen Bemühungen um die Beile­gung des chinesisch-russischen Streites. Per'tinax schreibt u. a.: Die auswärtige Diplomatie hab« es sich weniger angelegen sein lasten die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, die sie sehr für wahr­scheinlich halte, als darauf, Wert zu le­gen, für nationalpolitijche Zwecke Nutzen zu ziehen. Dieser Gedanke habe die Ini­tiative Stimsons bestimmt, dem die Gele­genheit ausgezeichnet schien, den Wert des Kellogg-Vertrages, der als amerikanisches Werk angesehen werde, herauszustreichen. Vriand, der Amerika die Vaterstadt des Kellogg-Verrrages streitig machte, habe selbstverständlich nicht hinter Stimson Zu­rückbleiben wollen. Daher habe er sich ebenfalls so begeistert. Die Sowjet­regierung habe nicht gewünscht, dah die Währung des Friedens den bürgerlichen Regierungen als Sprungbrett für ihren Triumph diene. Sie habe daher nicht verfehlt, den französischen Vorschlag abzu­lehnen. Während Washington die ganze Welt von seinen Friedensbemühungen unterhalten habe, habe Moskau ohne Un­terlast wiederholt, daß es diese Bemühun­gen gar nicht anerkenne. China dagegen sei von den Vorteilen des Kellogg-Paktes überzeugt, wie der Pariser chinesische Ge­sandte am Dienstag Briand erklärt habe. Gleichzeitig habe der chinesische Gesandte nicht erhehlt, datz die Regierung von Nan­king ohne Mißvergnügen ein Eingreifen des Völkerbundes erwarte. China glaubte, als es sich für die Vermittlung des Völ­kerbundes entschied, für sich vorteilhafte Bedingungen herauszuholen, da Rutzland dem Völkerbund nicht angehöre. Auher- dem habe China gleichzeitig Japan, da der gegenwärtige Vorsitzende des Völker­bundsrates, der japanische Botschafter in Paris, Adatschi ist, einen Gefallen erwei­sen wollen. Die japanische Regierung habe jedoch wider Erwarten Nankings mit der in Washington verfolgten Taktik sich nicht zufrieden gegeben.

Wie dasEcho de Paris" berichtet, y;.tt der chinesische Gesandte in Paris Kau- Hu gestern dem französischen Auhen- minister Briand nicht nur für seine Be­mühungen zur friedlichen Beilegung des chinesisch-russischen Konfliktes seinen Dank ausgesprochen, sondern auch nicht verheim­licht, dah die Nankingregierung es nicht ungern sehen würde, wenn der Völker­bund eingreifen würde.

Russische Dokumente in Charbiu beschlag­nahmt.

Paris, 24. Juli. Die Agentur Indo- pazifique meldet aus Nanking: Die Re­gierung veröffentlicht Dokumente, die vom Sowjetkonsulat in Charbin beschlag­nahmt worden seien und die den Beweis erbringen sollen, daß das Vorgehen der Sowjets darauf hinziele, den Kuoto- mintang zu stürzen. In China wer­den Vvlkskundgebungen veranstal­tet. ' Sie verlangen von der Zentralterwal- tung, dah sie die notwendigsten Maßnah­men ergreife, um den Eingriffen der Sow­jets Widerstand entgegenzufehen.

Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen.

K o w n v, 24. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der stellvertredrnde Außenkomnrissar Karachan den norwegi­schen Geschäftsträger empfangen, der ihm eine Mitteilung der englischen Regierung folgenden Inhalts übermittelte:Im Auf- ttage der Regierung Seiner Majestät über­mittele ich Ihnen eine Erklärung der eng­lischen Regierung, in der die letztere er­

klärt, dah sie bereit ist, chre diplomatstchen Beziehungen mit der Regierung der Sow- jetunirm auszunehmen. Di« Regierung Seiner Majestät bittet die Regierung der Sowjetunion, einen Vertreter nach Lon­don zu entsenden, um alle politischen Fra­gen zu regeln. Die englische Regierung er­klärt, daß die Wiederaufnahme der eng­lisch-russischen Beziehungen auf dem Grundsatz des internattonalen Rechts er­folgen soll. Die englische Regierung hofft, daß die Beziehungen zwischen Rußland und England damit wieder normalisiert werden."

Der stellvertretende Außenkrmrmissar Karachan hat den norwegischen Geschästs- ttäger gebeten, die folgende Erklärung zu übermitteln:Die Regierung der Sow­jetunion ist bereit, ihre Beziehungen zu England wieder aufzunehmen. Sie erklärt, daß der Abruch der Beziehungen nicht durch eine Schuld der Sowjetunion erfolgte. Die Sowjettegierung ist bereit, mit der eng­lischen sämtliche Polittschen Fragen zu be­handeln und hat dem Sowjetbotschafter in Paris Anweisung gegeben, nach London zu fahren, um in Verhandlungen mit dem englischen Außenministerium zu treten. Die Regierung der Sowjetunion erklärt, daß die Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen auf dem Grundsatz der Gleich­berechtigung erfolgen soll."

Me Regierung der Sowjetunion hat dem norwegischen Geschäftsträger ihren beson­deren Dank ausgesprochen für die Vermitt­lung seiner Regierung in der Frage der Wiederaufnahme der rusfij ch-englif chen Beziehungen.

ExploWMaMkoOr in Berlin

SeulWmM ereile emietifeffabrit zerftdkl Seine Miiile on RtoiKesleben

Berlin, 24. 3 «di. Von einer furchtbaren Explosionskatastrovbe wurden beute mittag die Bereinigten S«nr<7>» ' r Zerlin-Borsigwalde beimgefucht. Ans noch unbttannter Ursache flog ein grober Lauerstoiibebälter (da Sauerstoff allein nicht explosionsfiihig ist, mub es sich um ein Gemisch mit Wasserstoff oder Acetbulen bandeln , beim Umsüllen in die Lust. Eine über 100 Meter bobe Flamme schob hervor. Der ganze umfangreiche Sebäudekomvler war im Augenblick in ein Rauch- und Flammen­meer gehüllt. Einig« Sekunden später erfolg­ten weitere Explosionen, Feuerwehr und städtische Rettungswachen eilten mit allen ver­fügbaren Wagen au die Unglücksstätte. Aus dem Feuermeer schoßen unaufhörlich explo­dierende Sauerstofflaschen in die Höhe. Meh­rere Metallteile wurden Hunderte von Metern wett geschleudert. Der Bewohner der umlie­gende» Wohngebäude und der Belegschatten der benachbatten Fabrikbetrieb« bemächtigte sich eine furchtbare Panik. Alles eilte entsetzt ins Freie. Die Feuerwehr mann sch asten konn­ten zunächst nicht an den Srvlostonshech ge­langen.

Der erste Angen-eugenbericht.

Ein Arbeiter schildert den Vorgang der Ervlosion wie folgt:

Beim Verladen von Axetvlen ist eine Ace- tylengasilasche explodiert. Durch diese Ent­zündung sind bie anderen Flaschen mit zur Explosion gebracht worden. Sofort erklang der Schreckensruf:Gasexplosion!" Räumen, alles räumen!" In wilder Hast verlieben die Arbeiter und Angestellten, Männer und Frauen, sämtlche Räume des um­fangreichen Werkes. Es sind bort ungefähr

100 Personen beschäftigt. Sie rannten alle weit weg, und kaum hatten sie das Gelände der Fabrik verlassen, als

eine gewaltige Feuersiiule zum Simmel emoorftteg und Explosion auf Explosion erfolgte. Man hörte aus dem Trümmermeer Hilfegschrei und Rufen. Es kam eine Frau mit schweren Brandwunden heraus. Da in der Rahe die Gasometer ber Gasanstalt sind, besteht zur Zeit grobe Gefahr, bab auch diese von den ümberfliegenden Stücken getrof­fen werden und zum Platzen kommen. 3n den groben Lagerbeständen von Gas und Explosiv­stoffen befinden sich auch 200 Trommeln mit 2 «Zentner Karbid, das rede Minute in die Luft zu stiegen droht. Um 2 Ubr wurde dem leitenden Offizier der Schutzpolizei gemeldet, dab die Anordnung der Räumung des gesamten Nachbarviertels durchge- fübrt fei. In sämtlichen Fabriken, die die Unglücksstätte umsäumen (es sind deren etwa sieben), wurde ber Betrieb sofort eingestellt und die Belegschaft für heute entlasten. Die vttvaten Anwohner haben ihre Säufer ge­räumt und stehen, zum Teil mit Kleidungs­stücken nnd Wettgegenständen beladen, flucht­bereit vor den Türen ihrer Häuser. Die städti­schen Gaswette, Werk Tegel, teilen mit, dah sie alle Vorsichtsmatznahmen getroffen haben, um ein Uebergreifen der Ervlosion auf bie Gasbehälter zu verhindern.

Di« ersten Verwundeten.

Die Unglücksstätte in Tegel ist nach rote vor infolge der zwar schwächer werdenden, aber noch andauernden Explosionen völlig unzu­gänglich. Die Fabrik liegt auf der Nordseite der vom Stettiner Vorortbabnhof nach Tegel führenden elektrisch betriebenen Reichsbabn- vorottstvecke. Auf der Südseite des niederen Bahnganges befinden sich bie bekannten Bor- fig-Werkc, das Tegeler Gaswerks unb ein Grob- pumpwett ber Berliner Wasserwerke. Die Feuerwehr gibt an, dab zehn Alarmrufe ge-

( Fortsetzung sieh« Seite 2J

Was folgt daraus?

Bon Josef Buchhorn, M.d.L.

Wir haben den Völkerbund, den Kellogs» patt; so etwas wie ein Weltgewisten, wenn diese Vokabel auch nicht ganz in einem Be­griff aufgeht. Haben diplomatische Neuiahrs- botfchaften in Washington wie an der Seine, dab Eisen und Schwert wider bie Würbe ber Menschheit sei und haben trotzdem Kon­flikte aller Ecken und Enden. Mal werden sie in einem Notenaustausch offenbar, der nur an die MöÄichkeit tippt, dab man, wenn nicht anders, eben Fraktur sprechen mühte. Mal: spricht man Fraktur und bricht jeglichen Verkehr miteinander ab und stellt sich auf Hauen und Stechen. Wie eben jetzt zwischen Rubland und China. Und meist stecken ganz reale Wette hinter diesem Völkerbund- und Kelloggvaktwidrigen Gehabe und Getue. Man sagt die mandschurische Eisenbahn und meint die Werte an Erzen und Vieh, Holz, Wolle, Gold und was mehr, die sie umschlägt. Man meint anderwärts, wenn man aus lokalen Unstimmigkeiten heraus aufballett, die Kohle und wieder anderwärts das Del. Kurz und gut: solange die Rohstoffe dieser an Rohstoffen ja längst nicht ausgepowerten Erde noch nicht in festen Händen sind, wird man versuchen, sie dahin zu bttngen. So ober so. An einer drit­te Stelle geht es um das Prestige, hinter dem glühender Nationalismus treibende Kraft ist, der keine Ruhe gibt. Wir Deutschen und namentlich die Deutschen im Osten wissen da­von zu sagen.

Rempeleien wie zwischen Moskau und Nan­king werden also immer sein. Vorerst sicher noch. Teils dieserhalb, teils außerdem. Und wenn sie, nachdem das erste, homerische Gebrüll hinüber und herüber abgeebbt ist, nicht gleich zu Blut und Opfern werden, so sicherlich nicht ber schönen Augen irgendeiner Völkerbund- ober Kelloggpaktmacht (und sei es selbst Amerika!) wegen, sondern, weil da noch nicht letzte Bereitschafttn schlagscharfe Eewibheiten verbürgen, und vorerst nur eine Geste auf» sprang. Wieder aus irgendeinem Grund, der eine augenblickbefreiende Wirkung nach auben ober nach innen suchte.

Die Welt ist eben immer noch wie zu den Zeiten eines Friedrich Logau ein gemeiner Tisch,drauf alle Menschen essen". Ra, und an ber Futterkrippe stoben die Ellenbogen sich bekanntlich meist am unfreundlichsten widerein­ander. Und für den Magen sorgt am besten, wer der Stätte ist. Und darum bleibt es in der Zeit des Völkerbundes wie des Kelloss- paltes (Zeit alter wäre falsch, weil weder der eine noch der andere sich bislang irgendwie als zeitbestimmend erwiesen hat!) noch genau fo wie in den Tagen, da man sich ohne sie Sympathien entgegenheuchelte:

Wer nicht vertrieben sein will, mub TX6* treiben;

da herrscht der Streit, und nur die Stätte, siegt.

Oder wie derselbe Schiller, der hier aus dem Wallenstein spricht, in seinem Gedichtdas Ideal und bas Leben" meint:

Nur der Starke wird das Schicksal wüneen, wenn der Schwächling untersinkt.

Wir sind seit Versailles aus der Reihe ber Statten ausgemerzt. Haben keine Macht mehr als bas Recht, das aber nur solange zu un­seren Gunsten wittl, als es von den Mächti­gen um uns nicht bestritten wird. Hätten wir unseren nationalen Willen, bet Wunder ver­mag. Menn er einheitlich gespannt unb bann Stahl ist, ber aber doch darüber brauch ich in diesen Zusammenhängen wohl kein Wort weiter zu verlieren! Wenn uns einer, selbst von den Kleineren, dumm kommen wollt er könnte es. Unb wir hätten nichts dawider $u setzen. Im Gegenteil: die Weltmeinuna, die anderswo gleich empfindlich wird, würde hier zweifellos gebotene Zurückhaltung üben.

Darum ist es an der Zeit, unb gerade hn ZehnjahrMdenken an Versailles wieder und wieder auf die Rechte hinzuweisen, die uns ber Vertrag der Versklavung gelaßen hat. Er bat uns abgerüstet, unb Teil VBestimmun­gen über Landheer, Seemacht unb Luftfahrt" sagt ja bis zum Grauen wie. Aber er bat auch ben Vorbehalt, der uns Stätte im Kamps um unsere Wiedergeltung nicht nur sein kann, son­dern soll:

Um bie Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung ber Nationen ru ermög­lichen, verpflichtet sich Deutschland usw."

Jedermann weib um bie Farce, die auf dem Genfer Theater bisher gespielt worden ist, wenn es bie Verwirklichung dieser These galt. Weitz nunmehr, wenn er es vorher (bann allerdings in {diener Ahnungslosigkeit!) nicht