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Äberhessische
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SlimstoS BermttluiisSMto — Noch tone SlellmiMtzne der Srofetetoienmo
Washington. 24. J«li. Staatssekretär Stimson verständigte gestern die deutsche Botschaft von dem im Interesse der Verhütung eines Krieges unternommenen Schritte und erbat Deutschlands Unterstützung hierbei. Der Staatssekretär sagte, Kellogg habe ihn auf de« hervorragenden Anteil der deutschen Negierung bei dem Zustandekommen des Kelloggpaktes aufmerksam gemacht. Er habe deshalb alsbald auch die deutsche Negierung um ihre MithUfe ersucht. Er freue sich, da'g nunmehr alle Großmächte «t diesem Friedenswerk beteiligt seien.
Kowno, 24. Juli. Das Angebot Staatssekretärs Stimson an Deutschland, den amerikanischen Vermittlungsschritt kn Moskau zu unterstützen, hat in Moskauer politischen Kreisen starke Beachtung gefunden. Er verlautet, daß die Sowjetregierung vorläufig nach keine Stellung zu einer deutschen Vermittlung nehmen könne, daß aber ein« Vermittlung Deut sch lands mehr Erfolg haben würde als die französischen und amerikani- scheu Schritte, weil Deutschland im Fernen Osten uninteressiert sei, war seine Unparteilichkeit gewährleiste.
Am Mittwoch wird eine Besprechung zwischen dem deutschen Botschafter m Moskau und Karachan stattfinden, in der dieser Vermittlungsschritt besprochen werden soll.
Paris, 24. Juli. In seinen Bemühungen, den Kellogg-Pakt als politische Utopie zu brandmarken, beleuchtet das „Echo de Paris" die amerikanifch- franzöfischen Bemühungen um die Beilegung des chinesisch-russischen Streites. Per'tinax schreibt u. a.: Die auswärtige Diplomatie hab« es sich weniger angelegen sein lasten die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, die sie sehr für wahrscheinlich halte, als darauf, Wert zu legen, für nationalpolitijche Zwecke Nutzen zu ziehen. Dieser Gedanke habe die Initiative Stimsons bestimmt, dem die Gelegenheit ausgezeichnet schien, den Wert des Kellogg-Vertrages, der als amerikanisches Werk angesehen werde, herauszustreichen. Vriand, der Amerika die Vaterstadt des Kellogg-Verrrages streitig machte, habe selbstverständlich nicht hinter Stimson Zurückbleiben wollen. Daher habe er sich ebenfalls so begeistert. Die Sowjetregierung habe nicht gewünscht, dah die Währung des Friedens den bürgerlichen Regierungen als Sprungbrett für ihren Triumph diene. Sie habe daher nicht verfehlt, den französischen Vorschlag abzulehnen. Während Washington die ganze Welt von seinen Friedensbemühungen unterhalten habe, habe Moskau ohne Unterlast wiederholt, daß es diese Bemühungen gar nicht anerkenne. China dagegen sei von den Vorteilen des Kellogg-Paktes überzeugt, wie der Pariser chinesische Gesandte am Dienstag Briand erklärt habe. Gleichzeitig habe der chinesische Gesandte nicht erhehlt, datz die Regierung von Nanking ohne Mißvergnügen ein Eingreifen des Völkerbundes erwarte. China glaubte, als es sich für die Vermittlung des Völkerbundes entschied, für sich vorteilhafte Bedingungen herauszuholen, da Rutzland dem Völkerbund nicht angehöre. Auher- dem habe China gleichzeitig Japan, da der gegenwärtige Vorsitzende des Völkerbundsrates, der japanische Botschafter in Paris, Adatschi ist, einen Gefallen erweisen wollen. Die japanische Regierung habe jedoch wider Erwarten Nankings mit der in Washington verfolgten Taktik sich nicht zufrieden gegeben.
Wie das „Echo de Paris" berichtet, y;.tt der chinesische Gesandte in Paris Kau- Hu gestern dem französischen Auhen- minister Briand nicht nur für seine Bemühungen zur friedlichen Beilegung des chinesisch-russischen Konfliktes seinen Dank ausgesprochen, sondern auch nicht verheimlicht, dah die Nankingregierung es nicht ungern sehen würde, wenn der Völkerbund eingreifen würde.
Russische Dokumente in Charbiu beschlagnahmt.
Paris, 24. Juli. Die Agentur Indo- pazifique meldet aus Nanking: Die Regierung veröffentlicht Dokumente, die vom Sowjetkonsulat in Charbin beschlagnahmt worden seien und die den Beweis erbringen sollen, daß das Vorgehen der Sowjets darauf hinziele, den Kuoto- mintang zu stürzen. In China werden Vvlkskundgebungen veranstaltet. ' Sie verlangen von der Zentralterwal- tung, dah sie die notwendigsten Maßnahmen ergreife, um den Eingriffen der Sowjets Widerstand entgegenzufehen.
Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen.
K o w n v, 24. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der stellvertredrnde Außenkomnrissar Karachan den norwegischen Geschäftsträger empfangen, der ihm eine Mitteilung der englischen Regierung folgenden Inhalts übermittelte: „Im Auf- ttage der Regierung Seiner Majestät übermittele ich Ihnen eine Erklärung der englischen Regierung, in der die letztere er
klärt, dah sie bereit ist, chre diplomatstchen Beziehungen mit der Regierung der Sow- jetunirm auszunehmen. Di« Regierung Seiner Majestät bittet die Regierung der Sowjetunion, einen Vertreter nach London zu entsenden, um alle politischen Fragen zu regeln. Die englische Regierung erklärt, daß die Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen auf dem Grundsatz des internattonalen Rechts erfolgen soll. Die englische Regierung hofft, daß die Beziehungen zwischen Rußland und England damit wieder normalisiert werden."
Der stellvertretende Außenkrmrmissar Karachan hat den norwegischen Geschästs- ttäger gebeten, die folgende Erklärung zu übermitteln: „Die Regierung der Sowjetunion ist bereit, ihre Beziehungen zu England wieder aufzunehmen. Sie erklärt, daß der Abruch der Beziehungen nicht durch eine Schuld der Sowjetunion erfolgte. Die Sowjettegierung ist bereit, mit der englischen sämtliche Polittschen Fragen zu behandeln und hat dem Sowjetbotschafter in Paris Anweisung gegeben, nach London zu fahren, um in Verhandlungen mit dem englischen Außenministerium zu treten. Die Regierung der Sowjetunion erklärt, daß die Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung erfolgen soll."
Me Regierung der Sowjetunion hat dem norwegischen Geschäftsträger ihren besonderen Dank ausgesprochen für die Vermittlung seiner Regierung in der Frage der Wiederaufnahme der rusfij ch-englif chen Beziehungen.
ExploWMaMkoOr in Berlin
SeulWmM ereile emietifeffabrit zerftdkl Seine Miiile on RtoiKesleben
Berlin, 24. 3 «di. Von einer furchtbaren Explosionskatastrovbe wurden beute mittag die Bereinigten S«nr<7>» ' r Zerlin-Borsigwalde beimgefucht. Ans noch unbttannter Ursache flog ein grober Lauerstoiibebälter (da Sauerstoff allein nicht explosionsfiihig ist, mub es sich um ein Gemisch mit Wasserstoff oder Acetbulen bandeln , beim Umsüllen in die Lust. Eine über 100 Meter bobe Flamme schob hervor. Der ganze umfangreiche Sebäudekomvler war im Augenblick in ein Rauch- und Flammenmeer gehüllt. Einig« Sekunden später erfolgten weitere Explosionen, Feuerwehr und städtische Rettungswachen eilten mit allen verfügbaren Wagen au die Unglücksstätte. Aus dem Feuermeer schoßen unaufhörlich explodierende Sauerstofflaschen in die Höhe. Mehrere Metallteile wurden Hunderte von Metern wett geschleudert. Der Bewohner der umliegende» Wohngebäude und der Belegschatten der benachbatten Fabrikbetrieb« bemächtigte sich eine furchtbare Panik. Alles eilte entsetzt ins Freie. Die Feuerwehr mann sch asten konnten zunächst nicht an den Srvlostonshech gelangen.
Der erste Angen-eugenbericht.
Ein Arbeiter schildert den Vorgang der Ervlosion wie folgt:
Beim Verladen von Axetvlen ist eine Ace- tylengasilasche explodiert. Durch diese Entzündung sind bie anderen Flaschen mit zur Explosion gebracht worden. Sofort erklang der Schreckensruf: „Gasexplosion!" „Räumen, alles räumen!" In wilder Hast verlieben die Arbeiter und Angestellten, Männer und Frauen, sämtlche Räume des umfangreichen Werkes. Es sind bort ungefähr
100 Personen beschäftigt. Sie rannten alle weit weg, und kaum hatten sie das Gelände der Fabrik verlassen, als
eine gewaltige Feuersiiule zum Simmel emoorftteg und Explosion auf Explosion erfolgte. Man hörte aus dem Trümmermeer Hilfegschrei und Rufen. Es kam eine Frau mit schweren Brandwunden heraus. Da in der Rahe die Gasometer ber Gasanstalt sind, besteht zur Zeit grobe Gefahr, bab auch diese von den ümberfliegenden Stücken getroffen werden und zum Platzen kommen. 3n den groben Lagerbeständen von Gas und Explosivstoffen befinden sich auch 200 Trommeln mit 2 «Zentner Karbid, das rede Minute in die Luft zu stiegen droht. Um 2 Ubr wurde dem leitenden Offizier der Schutzpolizei gemeldet, dab die Anordnung der Räumung des gesamten Nachbarviertels durchge- fübrt fei. In sämtlichen Fabriken, die die Unglücksstätte umsäumen (es sind deren etwa sieben), wurde ber Betrieb sofort eingestellt und die Belegschaft für heute entlasten. Die vttvaten Anwohner haben ihre Säufer geräumt und stehen, zum Teil mit Kleidungsstücken nnd Wettgegenständen beladen, fluchtbereit vor den Türen ihrer Häuser. Die städtischen Gaswette, Werk Tegel, teilen mit, dah sie alle Vorsichtsmatznahmen getroffen haben, um ein Uebergreifen der Ervlosion auf bie Gasbehälter zu verhindern.
Di« ersten Verwundeten.
Die Unglücksstätte in Tegel ist nach rote vor infolge der zwar schwächer werdenden, aber noch andauernden Explosionen völlig unzugänglich. Die Fabrik liegt auf der Nordseite der vom Stettiner Vorortbabnhof nach Tegel führenden elektrisch betriebenen Reichsbabn- vorottstvecke. Auf der Südseite des niederen Bahnganges befinden sich bie bekannten Bor- fig-Werkc, das Tegeler Gaswerks unb ein Grob- pumpwett ber Berliner Wasserwerke. Die Feuerwehr gibt an, dab zehn Alarmrufe ge-
( Fortsetzung sieh« Seite 2J
Was folgt daraus?
Bon Josef Buchhorn, M.d.L.
Wir haben den Völkerbund, den Kellogs» patt; so etwas wie ein Weltgewisten, wenn diese Vokabel auch nicht ganz in einem Begriff aufgeht. Haben diplomatische Neuiahrs- botfchaften in Washington wie an der Seine, dab Eisen und Schwert wider bie Würbe ber Menschheit sei — und haben trotzdem Konflikte aller Ecken und Enden. Mal werden sie in einem Notenaustausch offenbar, der nur an die MöÄichkeit tippt, dab man, wenn nicht anders, eben Fraktur sprechen mühte. Mal: spricht man Fraktur und — bricht jeglichen Verkehr miteinander ab und stellt sich auf Hauen und Stechen. Wie eben jetzt zwischen Rubland und China. Und meist stecken ganz reale Wette hinter diesem Völkerbund- und Kelloggvaktwidrigen Gehabe und Getue. Man sagt die mandschurische Eisenbahn und meint die Werte an Erzen und Vieh, Holz, Wolle, Gold und was mehr, die sie umschlägt. Man meint anderwärts, wenn man aus lokalen Unstimmigkeiten heraus aufballett, die Kohle und wieder anderwärts das Del. Kurz und gut: solange die Rohstoffe dieser an Rohstoffen ja längst nicht ausgepowerten Erde noch nicht in festen Händen sind, wird man versuchen, sie dahin zu bttngen. So ober so. An einer dritte Stelle geht es um das Prestige, hinter dem glühender Nationalismus treibende Kraft ist, der keine Ruhe gibt. Wir Deutschen und namentlich die Deutschen im Osten wissen davon zu sagen.
Rempeleien wie zwischen Moskau und Nanking werden also immer sein. Vorerst sicher noch. Teils dieserhalb, teils außerdem. Und wenn sie, nachdem das erste, homerische Gebrüll hinüber und herüber abgeebbt ist, nicht gleich zu Blut und Opfern werden, so sicherlich nicht ber schönen Augen irgendeiner Völkerbund- ober Kelloggpaktmacht (und sei es selbst Amerika!) wegen, sondern, weil da noch nicht letzte Bereitschafttn schlagscharfe Eewibheiten verbürgen, und vorerst nur eine Geste auf» sprang. Wieder aus irgendeinem Grund, der eine augenblickbefreiende Wirkung nach auben ober nach innen suchte.
Die Welt ist eben immer noch wie zu den Zeiten eines Friedrich Logau ein gemeiner Tisch, „drauf alle Menschen essen". Ra, und an ber Futterkrippe stoben die Ellenbogen sich bekanntlich meist am unfreundlichsten widereinander. Und für den Magen sorgt am besten, wer der Stätte ist. Und darum bleibt es in der Zeit des Völkerbundes wie des Kelloss- paltes (Zeit alter wäre falsch, weil weder der eine noch der andere sich bislang irgendwie als zeitbestimmend erwiesen hat!) noch genau fo wie in den Tagen, da man sich ohne sie Sympathien entgegenheuchelte:
Wer nicht vertrieben sein will, mub TX6* treiben;
da herrscht der Streit, und nur die Stätte, siegt.
Oder wie derselbe Schiller, der hier aus dem Wallenstein spricht, in seinem Gedicht „das Ideal und bas Leben" meint:
Nur der Starke wird das Schicksal wüneen, wenn der Schwächling untersinkt.
Wir sind seit Versailles aus der Reihe ber Statten ausgemerzt. Haben keine Macht mehr als bas Recht, das aber nur solange zu unseren Gunsten wittl, als es von den Mächtigen um uns nicht bestritten wird. Hätten wir unseren nationalen Willen, bet Wunder vermag. Menn er einheitlich gespannt unb bann Stahl ist, ber aber — doch darüber brauch ich in diesen Zusammenhängen wohl kein Wort weiter zu verlieren! Wenn uns einer, selbst von den Kleineren, dumm kommen wollt — er könnte es. Unb wir hätten nichts dawider $u setzen. Im Gegenteil: die Weltmeinuna, die anderswo gleich empfindlich wird, würde hier zweifellos gebotene Zurückhaltung üben.
Darum ist es an der Zeit, unb gerade hn ZehnjahrMdenken an Versailles wieder und wieder auf die Rechte hinzuweisen, die uns ber Vertrag der Versklavung gelaßen hat. Er bat uns abgerüstet, unb Teil V „Bestimmungen über Landheer, Seemacht unb Luftfahrt" sagt ja bis zum Grauen wie. Aber er bat auch ben Vorbehalt, der uns Stätte im Kamps um unsere Wiedergeltung nicht nur sein kann, sondern soll:
„Um bie Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung ber Nationen ru ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland usw."
Jedermann weib um bie Farce, die auf dem Genfer Theater bisher gespielt worden ist, wenn es bie Verwirklichung dieser These galt. Weitz nunmehr, wenn er es vorher (bann allerdings in {diener Ahnungslosigkeit!) nicht