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ten B. M1929

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Anzeiger für (das frühere kur-hessische) Oberhefse«

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Marburg n. Hohn

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen fnr Stadt «nd Kreis Marburg.

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Zufolge seiner Erkrankung wird Reichs­kanzler Müller a« der geplanten gro­ben Konferenz zur Inkraftsetzung des Poungplanes nicht teilnehmen können. Die dentsche Abordnung wird somit ledig­lich aus den Reichsministern Dr. Etrese- mann, Hilferding, Curtius nnd Dr. Wirth bestehen. Da Dr. Stresemann der älteste unter diesen Ministern ist, dürfte er, wie die Germania schreibt, au Stelle des Reichskanzlers die Leitung der deutschen Abordnung übernehmen. Eine besondere Kabinettssitzung in dieser Angelegenheit scheint nicht erforderlich zu sein, da das Reichskabinett bekanntlich über die Frage der deutschen Abordnung bereits seine Beschlüsse gefaßt hat.

Brüssel rüstet bereits.

Paris,, 22. Juli. Wie aus Brüssel gemeldet wird, sind die amtlichen belgischen Stellen davon überzeugt, daß die Inter­national« Konferenz in der belgischen Haupt­stadt abgehalten werden wird. Die Hotels : treffen bereits alle Vorbereitungen und der Senatssaal, in dem die Konferenz tagen würde, wird gesäubert. Die Brüs­seler Presse weist darauf hin, daß Brüssel als Sitz der Konferenz den Ruf einer neu­tralen Stadt wiedergewinnen würde, den es ; seit dem Kriege verloren habe. In Ostende i scheint man die Hoffnung auf die Konferenz f noch nicht völlig aufgegeben zu haben. Man führt die auherordentliche Hitze ins Feld, um - die Staatsmänner an die belgische Küste zu loden.

Berlin, 22. Juli. Der britische Außenminister Henderson wurde heute im Unterhaus erneut nach dem Tagungsort der kommenden Regierungskonferenz ge­fragt, konnte darauf jedoch nur mitteilen, daß die Entscheidung noch nicht gefallen sei, wohl aber unmittelbar be­vorstehe. Ein Teil der Pariser Presse meint, daß Brüssel Wohl der kommende Tagungsort der Konferenz sein dürste. Diese Auffassung geht darauf zurück, daß die belgische Regierung sich nach wie vor energisch sträubt, nach Holland zu gehen. DerInttansigeant" glaubt sogar melden zu können, daß Driand bereits in den näch­sten Tagen nach Brüssel zur Vorbe­reitung der Konferenz reisen werde. In einem anderen Teil der französischen Presse fährt man fort, für oie Vertagung der Regierungskonferenz einzutreten, während andererseits auf das energischste bestritten wird, daß Briand bereits in einem Tele- phongespräch mit dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Verschiebung der Sep­tembertagung des Völkerbundes be­sprochen Hobe. Aach der Auffassung in Berlin kommt eine Verschiebung der Völkerbundta gungmit Rücksicht auf die Regierungskonferenz nichtinFrage, vielmehr glaubt man nach wie vor, be­rechtigten Grund zu der Annahme zu haben, daß die Konferenz am 6. August stattfinden wird. Im Zusammenhang mit diesen Fragen wurde im übrigen im eng­lischen Antekhaus heute die Frage der Ver- söhirungSkommission noch einmal ange­schnitten und der britische Außenminister 8«b hier auf eine Anstage die Erklärung, die berechttgteS Aufsehen zu erregen ge­eignet ist. Gr sagte nämlich, daß sowohl die englische, wie auch die französische, putsche und belgische Regierung durch die Enffcheidungen verpfl ichtet seien, die Ne im September d. I. in Genf über die Prinzipien der Vvrgeschlagenen F e st st e I- lungs- und VersöhnundSkom- Miss-vn gefaßt hätten. Die von der stanzösischen Regierung hn Zusammenhang <«ü der Räumung verlangte Zusammen- setzung, Dauer und Aufgaben dieser Kom- vrisfion seien aber Fragen, über die man M der Konferenz zu verhandeln habe. Die englische Regierung habe keinerlei

Verpflichtungen übernommen und werde auch vor dem Zusammentreten der Kon­ferenz keine übernehmen. Aus dieser Aeu- ßerung hatte man Mn Eindruck, daß grund­sätzlich der britische Außenminister die Auf­fassung vertrete, daß die englische Regie­rung im Gegensatz zu der öffentlichen Mei­nung Englands gegen eine Einsetzung der Feststellungskommission nichts ernwenden könne, während allerdings die Frage nach der Dauer völlig offen sei. Diese Auf­fassung hatte man wohl auch im Unter­haus, aber Henderson betonte auf eine Reihe von Anfragen immer wieder nur das eine, dah die britische Regierung völlige Frei heit besitze, die britischen Truppen aus bim Rheinland zurückzuziehen, wenn sie es für geeignet halte.

Das Befinden des ReWSkanzfetS

ft Heidelberg, 23. Juli. Der Reichskanzler verbrachte eine den Um­ständen entsprechende normale Rächt

ließet die Operation des Kanz­lers melden die Blätter aus Heidelberg, daß keine Gallensteine vorgefun­den wurden, dah lediglich eine Infektion der Gallenblase vorliegt. Infolgedessen sei eine Beseittgung der Gallenblase nicht erforderlich. Die Aerzte beschränken sich lediglich auf Lösung der Abzesies, um den Krankheitsstoffen einen Abfluh zu verschaf­fen. Ob eine neuerliche Operation not­wendig sein wird, hängt von dem Ver­laufe des Krankheitsprozeffes ab.

Di« allgemeine Anteilnahme der Außenwelt am Ergehen des Reichskanzlers kommt in großen Zahlen von Telegrammen zum Aus­druck, die bisher eingingen, so von dem Reichs­präsidenten v. Hindenburg, von dem apo­stolischen Nuntius Pazelli. dem Staatssekretär der Reichskanzlei, den Gesandten Rauscher, v Freytag «nd Dr. Müller Bern, dem ita­lienischen, dem japanischen Botschafter, dem württembergischen Staatspräsidenten Boltz, von der «Zentrurnsfraktion des Reichstags ttftc.

M-Brmskr Miklich in Rmtzstt Dtt SchaMamM gerotot das Sinnt Band Sn 4 Sagen, is Stent n 11 Minuten fiter den M-M

*23.

Positionen der .'Bremen* während ihrer erften Detse Mischen der «rrvpäffchen Küste und dem Hafen von Dav pvrb

ft Rewyork, 23. Jnli. Schnelldamp­ferBremen" ist gestern abend 8.92 Uhr Berliner Zett in Rewyork eingetrof­fen. Die Fahrzeit von Cherbourg nach Remark beträgt 4 Tage 18 Stunden 14 Minute«, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,83 Knoten, wobei der Rekord des Dampfers Mauretania" am 8 Stunden 17 Minuten unterboten wird. Das von Bord abge­flogene Flugzeug war «m 7.33 Ufa t* Rewyork.

st. Lond-on, 23. Juli. Alle Blätter berichten über die Rekordfahrt derBre­men- und veröffentlichen Photographin desneuen Königs des Atlanti­schen Ozeans", wie verschiedene Blat­ter den deuffchen Dampfer nennen. Daily Chronicle" glaubt der Ev- narddampferMauretania" werde ver­suchen, den Lzeanrekord wieder an sich zu bringen. Einer Meldung aus Rewyork zufolge hat die Cunardlinie dem Rord- deuffchen Lloyd zu der Leistung derBre­men", die den Rekord ihres eigenen Damp­fersMauretansa" gebrochen hack, eine Glückwunschchotschaft gesandt.

Der Kampf »« dasBlanc Band*.

Durch die erste Fahrt des Schnell­dampfersBremen" ist der Kampf um das Blaue Band" des Ozeans erneut in den Vordergrund des Interesses gerückt wor­den. Äe Strecke, die am schnellsten durch­fahren werden muß, um dasBlaue

Band" zu erringen, umfaßt die Linie Cher» bourgh bis zum Ambras-Leuchtturm kurz vor Rewyork.

Die bisherige« Rekordschiffe desBlauen Bandes" waren folgende: von 18841891 hielt dasBlaue Band" die erste Schnelldampferklasse des Rvrd- 'deutschen LloydAller",Trave" und Saale" mit einer Geschwindigkeit von 17 Seemeilen Geschwindigkeit inne hatte. Hier- der DampferFürst Bismarck" von der Hapog, der ihn von 18911893 mit 19 Seemellen Geschwindigkeit innehatte. Hier­aus folgte der DampferLuchbia" von der Cunord-Linie mtt 22 Seemellen für die Jahre 18931897. Sodann ging das Blaue Band" wieder in den Besitz des Norddeutschen Lloyds mit seiner Schnell- dampfer-KIaffeKaiser Wilhelm der Große" über und zwar mit 23 See mellen von 18971900. 19001902 hielt

den Rekord mit 23,5 Seemellen die Deuffchlcmd" der Hapag. Hierauf folgte wieder ein Dampfer des Rorddeuffchen Llrchds, nänllichKaiser Wilhelm d. Große" mtt 23,6 Seemeilen von 19021909, wo­rauf dann dieMauretania" der Cunard- Linie mit 26,7 Seemeilen den Rekord bis jetzt halten konnte.

33 Häuser zerstört.

Trient, 22. Juli. Ein beftiyer Braiü» bat in der Ortschaft Vigo Rendena 33 Häuser mit allem Hausgerät zerstört. Ungefähr 400 Personen sind obdachlos seworden.

I Skt MM MMN Mtz I Wieder einmal sind die Blicke ganz I Deutschlands auf'oen Schicksals­kampf Ostoberschlesiens gerichtet, das vor acht Jahren Deutschland verloren ging. Am heutigen Dienstag beginnt vor dem Kattowitzer Amtsgericht der Prozeß gegen den Abgeordneten und Geschäfts­führer des Deutschen Volksbundes, Ulitz, der weit über Oberschlesiens Grenzen hinaus das allergrößte politische Jnteresie beanspruchen dürfte. Mit größter Span­nung sieht man aber besonders in den Kreisen der deutschen Minderhett Polens dem Prozeß entgegen, handelt es sich doch bei lllitz um einen Führer des Deutschtums, der sich um die deutsche Sache in Polen die größten Verdienste er­worben hat. Außerdem weiß man inner­halb der deutschen Minderheit nur zu gut, daß der Schlag gegen lllitz einen Schlag gegen das gesamte Deutschtum in Polen bedeutet, der es vernichtend treffen soll.

Der Fall lllitz hat eine längere Vorge­schichte. In den Jahren 1926 und 1927 wurde von der Kattowitzer Staatsanwalt­schaft, zweifellos auf Warscheuer Weisung hin, an den schlesischen Sejm der Antrag gerichtet, die Genehmigung zur Verhaf­tung und Strafverfolgung des Abgeord­neten zu erteilen. Der Antrag stützte sich auf eine photographiert vorliegende Be­scheinigung, die angeblich aus den Ver­waltungsakten des Regierungspräsidenten von Oppeln stammte und von dem Abg. Ulitz ausgestellt sein sollte. Ihr Inhalt besagt, daß dem polnischen Staatsangehö­rigen Bialucha deutsche Gesinnung beschei­nigt wird, die ihn dazu nötige, sich der Militärdienstpflicht in Polen durch eine Flucht nach Deutschland zu entziehen. Die Bescheinigung trägt die Unterschrift des Abg. lllig, der sich damit der Beihilfe zur Entziehung vom Militärdienst schuldig ge­macht hätte. Der schlesische Sejm lehnte beide staatsanwaltfchaftliche Anträge ab imb ging dabei von der Aeberzeugung aus, daß das der Anklage zugrunde lie­gende Schriftstück zweifellos eine Fäl­schung darfteüe. Die Angelegenheit ruhte dann einige Zett, bis sich, veranlaßt durch eine Hetzkampagne der polnischen Presse, der polnische Außenminister Zaleski im Dezember 1928 bewogen fühlte, aus der Ratstagung des Völkerbundes in Lugano die Führer des Deutschtums in Polen und den Abg. Ulitz vor aller Welt des Hoch­verrats zu beschuldigen. Rach der Verhaf­tung des Abgeordneten im Februar d. I., die erst gttang, nachdem die polnische Re­gierung den Sejm aufgelöst hatte, wurde die Angelegenheit dann auf der Märzta­gung des Völkerbundsrats, dem eine Be­schwerde des Deutschen Volksbundes vor­lag, verhandelt. Der Rat fordette von Polen lediglich die Bestlstemngung und öffentliche Durchführung des Prozesses. Ulitz blieb in Haft, deren Aufhebung erst später gegen Stellung einer sehr hohen Kaution erreicht wurde.

Von der Verteidigung ist ein nm, fangreiches Beweismaterial herbei­geschafft worden, aus dem zweifelsfrei hervorgeht, daß jenes Schriftstück eine plumpe Fälschung darsteltt. Das Schriftstück weist einen zu dieser Zett beim Deutschen Volksbund nicht gebräuch­lichen Briefkopf auf und enthätt verschie­dene grobe orthographische Fehler. Ganz abgesehen davon ist von den Führern des Deutschtums von jeher die Auffassung ver­treten worden, daß alle jungen Deutschen ihrer Militärflicht in Polen zu genügen haben, da ja Quantität« und qualitativ das Deutschtum seiner Heimat nur erhal­ten werden kann, wenn es auf Abwande­rung verzichtet und alle Pflichten gegen­über dem Staate loyal erfüllt. Das Be­weisstück ist vielmehr durch den unterir- difch arbeitenden polnischen Nachrichten- dienst hergeftellt worden und weist auch dementsprechende unttügliche Kennzeichen auf.

Obwohl also die Unschuld des Abgeord­neten feststeht und ein Freispruch ee»