sJtoiitag, teaaguiii92»
Vie „Obrrhessisch« Zeitung" er- scheint sechsmal wöchentlich. Be zngSpreiS monatlich 2.10 GM.ems. schließ!. Zustellungsgebühr, durch dl«Pvst2.35 EM.Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte oder elementarer Lreignlffe ausfallende Rmmner» wird kein Ersatz geleistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei b. Acch. Ang. Koch, Markt 21Z28, Fernsprecher: Nr. 54. «. Nr. 55. Postscheckkonw: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion den 10—tt «ad
*M—1
SberhMsche
leftuno
Anzeiger für (das frühere knrhefsische) Oberheffen
Rk.M Mtofen. Rmdorg o. Mn
Der Auzetgenpret« beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimete» 0.08 GM„ kleine Sarmqeige» iUrS VSL, amtliche «d auswärtig« Anzeige» 0.10 DM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50°k Aufschlag. — Sammelanzeige» 100 Aaf» schiag. Reklame» der Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt <M Barrabatt. Ziel 5 Lage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
1 Soldmark = '/»»Dollar.
Anzeigen der «rmMchen VeLanrrLrrrachrrrrgerr für Stadt und Kreis Marburg.
Der chs'MWch-ewWchr KsnM
«rlrgsznftlm» — «Ser die Mtftw in Rankins M RMa« besiimk
Peking, 21. Znlr. Der amerikanisch« Gesandte Ma« Mnrraq hat Freitag dem chincsischen Autzenminister Dr. Wang telegraphiert, dich er von seiner Regierung beauftragt sei, mit der Nankinger Regiernng wer eine amerikanische Vermittlung in dem Streit zwischen China und der Sowjetunion r» verhandeln. Der amerikanische Gesandte hat die Nankinger Regierung, ihm mitMtei- len, ob sie bereit sei, die amerikanische Vermittlung anzunehmen. Wie aus Moskau berichtet wird, hat der französische Botschafter m Moskau, Jean Herbett«, am Spät- abend des Frettag von Autzenminister Brian d ein Telegramm erhalten, in dem er beauftragt wird, Schritt« in der Frage der amerikanischen Vermittlung in dem russisch-chinesischen Streit. Chinas Voraussetzungen für die amerikanische Vermittlung.
Peking, 21. Juli. Die Beratungen der Nanking-Regierung über die amerikanische Vermittlung sind noch nicht beendet. In chinesischen gut unterrichteten Kreisen wird erklärt, datz oie Nanking-Regierung den amerikanischen Vermittlungsvörschlag unter folgenden Voraussetzungen annehmen werde:
1. Die Sowjetregierung mutz sich mit der Beschlagnahme der chinesischen Ostbahn durch die Nanking-Regierung einverstanden erklären. Die Nanking-Regierung erklärt sich ihrerseits bereit, eine gewisse Entschädigung an die Sowjetregierung auszuzahlen:
2. die Sowjetregierung mutz sich verpflichten, die kommunistische Werbung in China einzustellen:
3. die chinesische und die Sowjetregierung müssen nach einer Einigung sämtliche Kriegs- matznahmen an der russisch-chinesischen Grenze rückgängig machen.
ft. London, 22. Inti. Der Washingtoner Korrespondent der „Times" meldet: Der chinesische Gesandte habe dem Staatssekretär S t i m s o n gegenüber den Stand- puntt vertteten, datz die Ausweisung der russischen Beamten der Ostbahn vollkommen gesetzlich gewesen sei. Die Bedeutung dieser Auffassung und der Prä- Zidenzfall, den sie zu schaffen suchen, werde m Washington als ernst und weittragend bettachtet.
Abbruch der Beziehungen Chinas zur Sowjetunion.
Nanking, 20. Juli. Der Staatsrat hat beschlosfen, die Beziehungen zur Sowjetunion abzubrechen »nd alle chine- kschen und diplomattschen Beamten ans Rußland zurückzuberufen. Gleichzeitig werde» alle russische Beamten ersucht werden, China zu verlassen.
„Wir werden bald sehen."
ff. London, 22. Zuni. Der Nankinger Autzenminister Dr. Wang traf aus Tientsin wieder in Nanking ein. Be: seiner Ankunft lehnte er es ab, sich übe: den russisch-chinesischen Streit im einzelnen äugern. Er versicherte lediglich, datz China in der Auffassung der Verwaltung der Ostbahn durch Rußland niemals auf dem Wege der Gleichberechtigung behandelt worden sei und datz Rußland sich zahlreiche Verletzungen des Abkommens vom Jahre 1924 zu Schulden kommen ills. Hebet den Einfluß der Kelloggpaktes auf den Streit befragt, erklärt Dr. Wang Nachdrücklich: „Wir werden bald sehen". Er weigerte sich aber dies« «Sorte näher zu erläutern.
,,$etit P-rrisien" zur Lage in China.
fk. Paris, 22. 8uH. Der Korrespondent in Schanghai berichtet, die Nachricht ®on einem Kampf an der fibirisihen grenze entspreche nicht den Tatsachen. In der Gegend von Sm-Fen-Ho sei es zu einer Schießerei gekommen, die jedoch tn= bedeutest gewesen sei, da die Truppen
wett voneinander in Stellung lagen. Auch in der Mandschureigegend trat die Ruhe wieder ein. Die Sowjets sandten zur Aufklärung Flugzeuge aus, zeigen sich jedoch nicht angriffslustig. Auch unternahmen Sowjet-Flugzeuge Erkundungsflüge und seien dabei bisher ergebnislos von den chinesischen Truppen unter Feuer genommen worden. Der ©eie« ralkonsnl der Sowjet-Botschaft in Charb'N und seine Mitarbeiter, die seit 10 Tagen verhaftet seien, seien gestern wieder frei gelassen worden und haben die Erlaubnis erhalten, nach Dairen zu reisen, von wo sie sich nach Pladiwostock begeben werden 800 Russen, die auf der Ostchinesischen Bahn und ihren Zwergunternehmen angestellt waren, haben ihren Dienst gekündigt und bereiten ebenfalls ihre Abreise nach Dairen vor. Ebenso haben 400 Lehrer, die in den verschiedenen russischen Schulen längs der Ostchinesischen Eisenbahn Unterricht erteilten, ihre Abreffe nach Dairen vorbereitet.
Die Lage in Mulden.
ft. London, 22. IM. ,/limes" melden aus Mulden, Tschanghsühl-iang ist Sonntag vormittag hierher zurückgekehtt. Von den Erregungen von den Kriegsgerüchten in Schanghai, Peking und in der Welt sin allgemeinen, ist hier nichts zu bemerken. Es herrscht grotze Ruhe. Nicht ein einziger Soldat ist mobilisiett worden. Ueber die Lage an der Grenze sind übertriebene Schilderungen veröffentlicht worden.
Kommunistischer Aufstand in SLdchina.
Tokio, 21. Juli. Die japanische Telegraphenagentur melbet, datz in Süd» china und zwar in der Nähe von Jun- nanfu ein Aufstand gegen die chinesische Regierung ausgebrochen sei. Der Msenbahnverkehr zwischen Junnanfu und Französtsch-Jndochina ist unterbrochen. Der Aufstand trägt rein ko mm un i sti- schen Charakter. Marschall Tschiai- kaischek hat Truppen entsandt, um de» Aufstand niederzuschlagen.
Die Studrutra smn den Avsugslan efotetenhw in Sannvver
Aus Hannover wird uns berichtet: Der 12. Deutsche ©tubententag ist am Sonnabend in der Oberrealschu-ke vor dem Clever Tor zusammengetreten. Der Zweck dieser Tagung ist in einem Grußwvrt der hannoverschen Studentenschaft an den Studententag etwa wie folgt mnrissen:
,Hannover soll und mutz Klarheit in manchen brennenden Fragen bringen. Die Lösung wird sehr einfach fein, wenn sich alle Teilnehmer von dem Bewußtsein akademischer Zusammengehörigkeit letten lassen, und wenn sie die ^Notwendigkeit studentischen Zusammenschlusses und studentischer Zusammenarbeit, in allen Mldungs» und Kulturfragen nie aus dem Auge verlieren. Politische Unterschiede müssen hier zurücktreten, und der Gegensatz zwischen Kvrporierten und Mchtkvrporierten sollte endllch ganz begraben sein."
Der erste Dorfihende der deutschen Studentenschaft, cand. jur, Walter S ch ma d e I, eröffnete den Studententag mit einer Ansprache, in der er betonte, datz man rückschauen wolle aus das verflossene Jahr, und datz man heute zehn Jahre nach Kriegsende feststellen wolle, ob in der Stndeittenschaft der Geist von einst erhalten geblieben sei. Heute sei es notwendig, die Zusammenhänge zu erkennen, zu wissen, was die früheren Generationen erstrebten und was der gegenwärtigen Generation zu tun übrig bleibe: Auf Grund ihrer intellektuellen Vorbildung, die Front der Jugend zum Wiederaufbau des Vaterlandes zu bilden.
Der Bericht über das Jahr 1928/29 fje&t im Vorwort hervor, datz
die Ansenumbersetzungen über bas Stubentenrecht,
die im Herbst 1927 ihren Höhepunkt fanden, in ihren Auswirkungen auch über die Entwicklung des letzten Jahres von ausschlaggebender^ Bedeutung gewesen seien. Der Ernst, mit dem sich alle studentischen Strömungen mit küesen Fragen befahlen, fei ein Zeichen dafür, datz auch in der heutigen studentischen Generation der Wille zur Mitarbeit an den vaterländischen Aufgaben der Hochschule lebe.
Im Laufe der BerhanStzungen wurde daun eine
EutschliehMUi gegen ken Aonng-Pkm. gefaßt, in der es u. a. heitzt:
„®8 ist erwiesen, daß Deutschland nicht die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges trägt. Damtt entfällt jedoch das Recht der Feindmächte, von irns wettere Reparationen zu fordern. Die Lasten, die uns in dem neuen Sach- verständrgenplan auserlegt sind, übersteigen aber die in den rechtswDrrgen und nicht mehr
bindenden Bestimmungen des Versailler Diktates festgelegten 'Verpflichtungen bei wettern. Der Vouug-Plan verpflichtet uns auch zur Tilgung der Kriegsschulden der alliierten Mächte bei ihren Gläubigern. Er will das deutsche Volk bis zum Jahre 1988 in das Joch der Fronarbeit zwingen. Die deutsche Jugend ist nicht gewillt, ihrerseits dieser Verknechtung von Generationen zuzustimmen. Die deutsche Äugend richtet an die verantwortlichen Stellen im Deich, den Reichspräsidenten, die Regierung und den Reichstag die Mahnung, bei den Entscheidungen der kommenden Zeit die Stimme derer zu hören, denen die Durchführung der im Bvung-Plan vorgesehenen Verpflichtungen in erster Linie obliegt, die am schwersten an der Last der Reparationen zu tragen haben würden. Wir di« deutsche Jugend, bekennen offen und frei vor aller Welt: Riemals wird unsere Generation als uns bindendes und verpflichtendes Recht anerkennen, was die jetzt Handelnden und Verantwortlichen den Forderungen unserer Feinde zugestehen werben, Forderungen, die ihre sogenannte Rechtsgrundlage allein in dem ungeheuerlichsten Betrug der Weltgeschichte dem erpreßten Schuldbekenntnis des Versailler Diktates haben. Mag die Unterschrift deutscher Männer unserem Volke neue Ketten auf erlegen, die Wett soll es hören: Die deutsche Jugend bleibt frei.
Am Sonnabend wurde im Kuppensaal der Hannoverschen Stadthalle
di« Festsitzung
anläßlich des 12. Deutschen Studententages abgehalten, die mit dem feierlichen Einzug der Chargierten und einer Ansprache des Vorsitzenden eingeleitet wurde. — Das nächste Hauptziel führte der Redner aus, sei die Ausmerzung der Zerrissenheit in den eigenen Reihen, die Aufrichtung von Gemeinschaft und Kameradschaft, um damit zugleich dem höheren Ziel der Einbeziehung der Hochschulen des ganzen deutschen Sprachgebiets in eine groß deutsche Gemeins chaft näh« zu kommen.
Den Festvortvag hielt Dr. Kolbe-Berkin vom Deutschen Schutzbund über das Thema: Probleme deutscher Volkspolitik. In ausgezeichneter wissenschaftlicher und fachlicher Weife schilderte der Vortragende den schweren Kampf, den die deutsch«! Dollsteile außerhalb der Reichsgrenze um die Erhaltung ihres Deutschtums führen und hob im Anschluß daran hervor, wie sehr es auf die unermüdliche Arbeit im Sinne des groß- deutschen Gedankens ankomme, um den einheitlichen Willen des ganzen Volkes nach einem großen deutschen Reiche zu wecken und zur Wirllickckett werden zu kaffen.
Aus dem Wege der Aklalm
Das Spielen mit dem Gedanken der Diktatur war zeitweilig aus rechtsradikale Kreise beschränkt. In diesen Kreisen war die Ueberzeugung allgemein, daß die demokratisch -sozialistischen Experimente der Nachkriegszeit ein Aufgeben der Nation in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht darstellten. Die „Diktatur" konnte nur eine nationale sein. Die Diktatur des Proletariats kam nicht in Frage. Der russische Hintergrund auf dem sie sich abgespielt hätte, wäre denk doch für Deutschland ein unmögliches Beispiel gewesen. Die eigentlich demokratischen Parteien, die also den politischen Mehrheitsbegrifs und damit einen irgendwie gearteten Parlamentarismus anerkennen,, sei es programmmäßig oder nur der Not der Zeit gehorchend, kamen bisher über den Gedanken der Diktatur nicht in Frage, denn Demokratte und Diktatur sind ihrem innersten Wesen nach Gegensätze. Der Tyrannenmörber und Freiheitsheld mit dem Knebel in der Hand wäre seit Harmodius und Aristogei- ton eine so neue Lesart im Spiele des politischen Dilettantismus, daß man sich wohl zunächst gescheut hat, auf dieser Seite des Hauses davon anders als vernichtend zu sprechen.
Aber der Mensch gewöhnt sich an alles. Es ist bekannt, daß gerade in den Kreisen unserer Demokratie fetzt der Gedanke der Diktatur mit besonderer Freude und ausgedehnt behandelt wird, fo sehr, daß sogar Herr Severing etwas Wasser in den Wein einer lauten Begeisterung gießen mußte. Unsere Linkskreise sehen aus der einen Seite, daß für Leute wie Herrn Braun in Preußen und Herrn Severing im Reich, immer noch Schranken vor. Händen sind, wenn auch manche Parteien hier, um höchst eigene Ziele zu erreichen, dem Sozialismus freundwilligst Hilfs- stellung leisten. Andererseits glaubt man in gewissen Organisationen eine schlagfertige Hilfstruppe schon herangebildet zu haben. Diese Situation hat aus die Stimmung der „Sozialisten" und ihre bisher „demokratisch-parlamentarische" Einstellung gewirkt.
Herr Severing ist ein kluger Mann, der nicht gern in der Oeffentlichkeit spricht, er handelt lieber. Umso dankbarer darf man denjenigen sein, die lieber sprechen. Zu ihnen gehört der Kasseler Regierungspräsident Dr. Friedensburg. Dr. Friedensburg ist bekanntlich früher vor dem Kriege stramm national gewesen. Man kann ihm nicht verübeln, daß ihm für die Einstellung unserer heutigen Rechtskreise jedes Verständnis fehlt. Seine vielfachen, nicht gerade glücklichen Vorstöße dieser Beziehung haben diesen Mangel an Augenmaß immer ganz deutlich erkennen lasten. Diesmal spricht er /sich, wie wir der B. B. Z. entnehmen, in der Vossischen Zeitung über Diktatur und Demokratie aus und macht dabei Bemerkungen, die die allerhöchste Aufmerksamkeit» insbesondere aller Rechtskreise verdient. Daß Dr. Friedensburg für dte Diktatur ist, trotz aller historisch programmatischen Auseinandersetzungen, braucht nicht Wunder zu nehmen; das Ideal des Sozialismus ist nun einmal die Klassenherrschaft. Die Demokratie ist nur ein Stück Weg zu diesem Ziel. Was fehlt, sind nach Friedensburg, diktaturfähige Staatsmänner, denen durch die Diktatur geholfen werden mutz, weil die jetzige Staatsform sie nicht' zur Geltung bringt. Dann erst ist nach ihm der Zeitpunkt für die Staatsumwälzung gegeben, wenn dieser Staatsmann gefunden ist.
Die Macht aber steht schon bereit. Dr. Friedensburg sagt:
„Die reale Macht, die in der preußischen Polizei, den Gewerkschaften und dem Reichsbanner, bedeutungsvoll ergänzt durch die mächtige republikanische Presse, der Idee nach vereint ist, und jederzeit