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Anzeiger für (das frühere kur-hessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen BekanntMachnngen sirr Stadt und Kreis Marbnrgch

PomZarL «n- Brian- Wer -en BsnnWlan

SrmkreW Sortetie aus dem Avuiigplm - 65 Stimmen MhrW - Seine «SM Antwort BriaodS

Paris, 16. Juli. Nach einer durch den Nationalfeiertag bedingten Pause, setzte Mi- urfteruräsident Poincare am Drensta« vor­mittag seinen Bericht über die Schuldenabkom- msa mit Washington' und London fort. Er ging dabei ausführlich auf die Pariser Kon­ferenz der Finanz-Sachverständigen, d« den amerikanischen Vertreter Owen Voung als Vorsitzenden des Ausschusses hatte, ein. .Ob­wohl die amerikanische Mitarbeit im Sachver- stLndigenausschuh nicht amtlich war," so er­klärte Poincare,so sei ibr doch eine mora­lische Bedeutung Leizumessen, die niemand ver­kennen kann. Die Sachverständigen haben den Regierungen ihre Arbeiten als unabänderliche Ganzes emvfohlen. Dieser Charakter ist be^ deutungsvoll und muh unterstrichen werden. Die französischen Vertreter muhten vier Mo­nate lang viel Geduld und viel Hartnäckig­keit an den Tag legen. Von der ersten Sitzung an haben sie die französische These dargelegt: Verbindung der Kriegsentschädigung mit den interalliierten Schulden und die Zusicherung, dah Frankreich auher der notwendigen Summe für den Wiederaufbau noch die notwendigen Beträge für die Zahlung seiner Schulden an England und die Vereinigten Staaten erhal­ten werbe. Die erlittenen Vermögensschädi­gungen betragen an sich allein mehr als 40 Milliarden Goldmark. Wir haben nur 23 Milliarden Eoldmark für unsere Reparationen und 14 Milliarden Eoldmark für unsere Schul­den, im Tanzen also 37 Milliarden Goldmark verlangt." Auf den Dawesvlan zurückgreisend, führte Poincare aus, dieser habe Frankreich volle Genugtuung gegeben, sich aber über die Dauer der deutschen Zahlungen ausgeschwie- gen.Die Jahreszahlungen, die er uns sicherte, stellten nicht einmal Zwei Prozent Zinsen unseres Guthabens dar. Wir gaben unsere Zustimmung dazu, dah der Dawesvlan ein Ende nehme, waren aber bei Beginn der Sachverständigenkonferenz der Auffassung, dah

die «egeuwärtig« Ziffer der Dawesjahres- «chlung von 2^ Milliarden Mark nur eine

Mindestsumme

darstellen konnte und um eine entsvrechende Summe für die Amortisierung seiner Schuld erhöbt werden müsse.

Rach Bemerkungen über die Bank für inter­nationale Zahlungen zog Poincare einen'

vergleich zwischen Bouugplan und Dawesvlan. Er erinnerte an die Umstände, die zur Aus­arbeitung des Dawesplanes führten. Der deutsche Banknotenumlauf hätte vor der Ruhr­besetzung 1280 Milliarden erreicht, was bereits der völlige Zusammenbruch war. Im Jahre 1922 habe man selbst so wenig an ein'e Gewalt- volitik gedacht, dah er sich bereit erklärte, die Markstabilifierung durch ein Moratorium zu erleichtern, aber nicht ohne Gegenleistung. Eng­land und Amerika hätten diesen Gedanken nicht annehmen wollen, sich aber nach Einstellung des passiven Widerstandes an der Ruhr der Initiative angeschlosien, aus der der Dawes­vlan hervorgehen sollte. Im großen und gan­zen habe der Dawesvlan nach den Voraus­setzungen seiner Urheber gearbeitet. Da einer­seits die Alliierten fast alle mit Amerika Ab­kommen zur Regelung ihrer Schulden abge­schlossen hatten und natürlich die Zahlungen Teutschlands mit den ihrigen zusammcnfallen lassen wollten, und da andererseits Deutschland aus der llngewihheit berauskommen wollte, sei die Umarbeitung des Dawcsvlanes ins Auge sefaht worden. Frankreich habe an einer sol­chen kein,Interesse gehabt, aber dem Gedanken doch zugestimmt, weil es hierin doch viel für die

Wiederherstellung der Verbindung zwischen Wiedergutmachung und Schulde»

tzoesehen habe. Zu dem Boungolan über­sehend, unterstrich Poincare besonders die Arch den Plan anerkannte Priorität für den Wiederaufbau und die enge Verbindung zwi­lchen den deutschen Zahlungen an Frankreich Mit den französischen Zahlungen an Amerika, mr hob ferner di« Votteile der Verteilung der Ungeschützten Jahreszahlungen an Frankreich Uni» die Tatsache hervor, di« Sachleistungen auf *6n Jahre eingestellt, die Kontrollorganisa- ^onen des Dawesvlans ausgehoben und die falschen Zahlungen in eine kommerzielle «chuld verwandelt zu haben Hieraus er- S«be sich,

sjx* jede Emfteklmeg bet Zahlungen Sjifr*s Deutschlands sofort seinen

Kredit etschff"etn mfrrte.

Der Boungvlan gebe Frankreich nicht alles, was es vom Dawesvlan hätte erwatten kön­nen, sichere ihm aber für 37 Jahre ungeschützte Jahreszahlungen von 500 Millionen Eoldmark für seinen Wiederaufbau und werde vielleicht eine demnächstig« Mobilisierung der deutschen Schuld gestatten.

Herist

machte hier den Zwischenruf, daß man den Zusammenhang zwischen Schulden und Wie- dergutmachung reicht leugnen könne, doch frage er sich, was Frankreich anfange, wenn Deutschland seine Zahlungen einstellte? P v i n c a re antwortete hierauf ausweichend, daß tatsächlich für Deutschland ein Mv- ratoriumsrecht für drei Jahre besieht. Her- riot sagte darauf:Dian dürfe ein Mo- vatvrrmn nicht mit einer Herabsetzung der

Schuldenzahlung verwechseln. Wenn Deulfch- land feine Zahlungen ein stelle oder herab« setze, so folgere daraus für Frankreich noch nicht das gleiche Recht. Wenn aber die Ver­einigten Staaten eine Herabsetzung ihrer Forderungen zusagten, so würde Deutschland davon Vs profitieren. So könne die Ver­bindung zwischen Wiedergutmachung und Schulden niemals zum Vorteil Frankreichs ausgenützt werden, jedoch sehr wohl zu seinem Nachteil.

Poincare fragte:Schließen Sie dar­aus, daß man den Poungplan ab­lehnen müsse. Ich fordere Ne auf, mit Ja oder Nein zu antworten!" Herriot: Ich habe das Recht auf die Verbindung zwi­schen dem Schulden- und Wiedergutmachungs-

AmrikS'Mtt der Bremen

Kn mrvvmWs Ereignis SegeiSterung in Brernechwen

Bremerhaven, 16. J»li. Bei herr­lichem Sonnenschein und tiefblauem Himmel hatte« sich Tausende von Menschen aus Bremen, den Unterrneserdörfern und aus dem Binnenkanbe sn den Kais versammelt, um der Abfahrt des Schnelldampfers

Bremen" beizuwohmn. Um 17.30 Uhr

wurden die Anker gelichtet und bald darauf setzte sich das stolze Schiff unter den Hoch­rufen der Menge in Bewegung. Etwa zehn

vollbesetzte Dampfer hatten sich während­dessen auf der Wesermündung eingefunden, um dem Schiff eine Strecke das Geleit zu geben. Es war ein erhebender Anblick, als dieBremen" unter den Klängen des Deutschlandliedes den Rote-Sand-Leucht- tnrm passierte und mm dem offenen Meere zusteuerte.

Stürmische Begeisterung.

Im Laufe des Nachmittags begann ein lebhafter Zustrom von Schaulustigen, eine wahre Völkerwanderung nach der Umgebung der Kais, die zunächst noch für die Zuschauer gesperrt blieben. Drei Flugzeuge um­kreisten dieBremen", die noch immer von Kähnen beladen wurde. Wenige Minuten nach 17 Uhr wurde der Kai freigegeben. Das Publikum stürzte herbei, um sich einen möglichst guten Platz in allernächster Nähe des Schiffes zu sichern. Im Nu war der Kai schwarz von Menschen. Unter unge­heurem Jubel drängten immer neue Massen heran. Die Polizei hatte alle Mühe, die begeisterten Menschen zurückzuhakten, von de­nen alle herumstehenden leeren Eisenbahn­wagen gestürmt und die Dächer als Aus­guckplätze in Besitz genommen wurden. Um 17.30 Uhr wurde der letzte Laufsteg einge­zogen und die schweren Türen wurden ge­schlossen. . Die Sirenen der23 rem en" er­tönten ,die Matrosen und das Schiffsperso- nal winkten und riefen aus den Bullaugen der Masse der Schautilstigen zu, die auch alle Dächer der umliegenden Häuser besetzt hatte.

Das Winken und Rufen von Schiff zu Land, von Land zu Schiff schwoll orkanartig an, Mütter und Väter nahmen ihre Kinder auf die Schultern, damit sie das einzigartige Schauspiel beobachten konnten. Bald lag dieBremen" in der Mitte der Weser und das Schiff lief mit eigener Kraft. Un­ter dem Tuten der Dampfpfeifen und den immer mehr anschwellenden Hurrahrufen der Menge fuhr dieBremen" langsam strom­abwärts.

Vor der Abfahrt fand eine Besichtigung des Schiffes durch etwa 400 Pressever­treter statt, die den stärksten Eindruck hinterließ.

Nach der zweistündigen Besichtigung der Bremen" fand im Wartesaal des Colum- busbahnhofs ein vom Norddeutschen Lloyd für die Pressevertreter gegebenes Essen statt, bei dem

Eeneraldirettor Geheimrat Stimmmg folgende Begrützungsworte sprach:Was wir wollen, möchte ich als Motto den Worten vorausschicken, die ich, nachdem wir gestern Sie in ihre Aufgabe einführen wollten, Ih­nen heute zurufe. Was wir wollen: Auf­bau: der Welt zum Bewußtsein bringen, daß trotz allem, was auf uns liegt, das, was wir erhoffen, nicht schläft, sondern lebt. Dem großen Volk da drüben, das unter günstigeren Lebensbedingungen sich auswir­ken kann, wollen wir zeigen, daß auch hier nod)_ etwas vorhanden ist, worauf man zur Ergänzung Wert legen darf. Was wir wol-

-r. $ auch, unseren europäischen Bruder­völkern zum Bewußtsein zu bringen: Eine europäische Tat getan zu haben. In diesem Smne wirken wir und dann dürfen wir auf eine bessere Zukunft hoffen.

Neivyork in Erwartung.

Newyork, 16. Juli. Sämtliche Zei­tungen veröffentlichen auf der ersten Seite spaltenlange Artikel mit Beschreibungen des Rieiendampfers ,P8remen". Ganz Newyork erwartet mit Spannung die erste Ankunft des Dampfers auf seiner Jungfernfahrt.

Plan Dvungs hinzuweisen, der wohl Frank­reich, aber nicht Frankreichs SchÄdner bindet."

Poincare:Zch wundere mich, daß der Präsident einer frühere« franzö­sischen Regierung öffentlich erklärt, da« Deutschland nicht gebunden sein werde".

Herriot protestiert: Ich habe kein un­kluges Wort gesprochen. Es ist mir da­her sehr schmerzlich eine derartige Bemerkung seitens eines Ministerpräsidenten hören zu müssen.

Poincare wiederholte, daß jetzt zmn ersten Wale der Poungptan eine rechtliche Verbindung zwischen Schulden und Wieder- guimachung herstelle.

Zum ersten Male habe Deutschland sich verpflichtet, Jahr für Zahr die

gleiche Summe zu zahlen, die Frank­reich an die Alliierten schulde und in- folgebesse« hätten bie Schulbner Amerikas bas gleiche Interesse an den deutschen Zahlungen.

^cs bedeute einen entschiedenen Dor- t ei l, der bisher niemals hätte erreicht wer­den können. Wohl sei es richttg, daß Deuisch- land im Augenblick Vorteile aus dem neuen Plan ziehe. Trotzdem werde Frank­reich kein sehr schlechtes Geschäft machen, wenn der Poungplan ge­ändert würde. Darüber bestände kein Zweifel, doch würde von der Möglichkeit einer Aenderung nicht gesprochen werden können. Tn dieser Richtung könnten keinerlei Mei­nungsverschiedenheiten bestehen.

lFortsetzung sieh« Seite L)

Der nisslschchimsliche

werden. So ist schließlich der Ostbah: konflikt der Anlaß gewesen, um die C>ege:

in»

Japanisihe Truppen nach Mukden.

Tokio, 16, Juli. Das japanische Kriegs- ministcrium hat angeordnet, baß ein japani­sches Regiment sofort aus Dairen noch Mukden befördert wird. Am Montag sind die ersten javanischen Truvventeile in Mukden einge­troffen zum Schutz des japanischen Eisenbahn­netzes in der Nordmandschurei.

tonslM der vutlatj gewesen, um die Gegen­sätzlichkeit der Interessen und die Verschie­denheit der Gesinnung formell zum Aus­druck zu bringen. Man days besonders gespannt sein, welche Stellung zu dem rus­sisch-chinesischen Konflikt England einneh­men wird, dessen Beziehungen zu Rußland bekanntlich neu organisiert werden sollen.

Konflikt

An den Beziehungen Mischen jenen bei­den Riesenstaaten, die in der Weltpolitik durch die Eigenart der Konstellation m ihrer Lage und inneren Politik eine be­sondere Stellung einnehmen, macht sich eine immer stärkere Spannung bemerkbar, deren Intensität lind Umfang noch nicht be­urteilt werden können. Bekanntlich hat Ruß­land an China wegen des Ostbahnkonflikts em mit drei Tagen befristetes Ultimatum gerichtet. Die Sowjetregierung weist dar­auf hin, daß die Besetzung der ostchine- srschen Eisenbahn und des Telegraphen durch chinesische Behörden ebenso wie die Schließung der Sowjetvertretung in Char- bin und die Massenverhaftungen von Sow­jetbeamten und Sowjetbürgern in krassem Widerspruch zu den Verträgen Über die ostchinesische Eisenbahn stehe. Diese Ueber- griffe seien offenbar dadurch herdorge- rufen, daß die chinesischen Generale in der bisherigen Langmut der Sowjetunion ge­genüber allen Provokationen undin dem russischen Streben nach Erhaltung des Friedens" fälschlicherweise pichen von Schwäche sehen. Praktisch schlägt die Rote vor, unverzüglich eine russisch-chinesische Konferenz einzuberufen, um alle Streit­fragen bezüglich der ostchinesischen Eisen­bahn zu regeln. Vorbedingung dieser Kon­ferenz müsse aber die Freilassung aller verhafteten Sowjetbürger und die Aus­hebung aller vertragswidrigen Maßnah­men der chinesischen Behörden gegen die Sowjetvertretung und betreffs der Eisen­bahnverwaltung sein.

Das aufsehenerregende Ultimatum, das in einem unverkennbar herausfordernden und sehr selbstbewußten Ton gehalten ist, hat zu den verschiedenartigsten Vermu­tungen und Folgerungen Anlaß gegeben. Wenn man auch mit Recht annehmen darf, dah sich an einem etwaigen Krieg zwischen Rußland und China auch andere an diesen Staaten interessierte Mächte beteiligen würden, so ist es doch unwahrscheinlich, daß der Konflikt genügen wird, um einen Krieg heraufzubeschwören. Immerhin ift das russische Ultimatum für die Art der Ent­wicklung bezeichnend, wie sie sich in den Beziehungen zwischen den beiden Staaken herausgebildet hat. Es ist wohl kein Irr­tum anzunehmen, daß eine chinesische Re­volution ohne den russischen Einfluß und die Initiative der russischen Kommunisten schwer denkbar gewesen wäre. So wie kaum einem europäischen Staat die öst­liche, d. h. kommunistischeWelle" erspart geblieben ist, so mußte sich auch China, das schon durch seine geographische Lage das Eindringen kommunistischer Gedanken be­günstigte, eine zeitlang dem russischen Ein­fluß beugen. In dieser Zeit der bolsche­wistischen Umsturzversuche bestand zwischen China und Rußland zweifellos eine Inter­essengemeinschaft, die freilich nur vorüber­gehend war. Der kommunistische Gedanke, der die ohnehin chaotischen Zustände oer innerpolitischen Verhältnisse Chinas noch mehr verwirrt, besaß nicht die Kraft, die Entwicklung der nationalen Idee in China zurückzudrängen. Je mehr diese Idee an Boden gewann, desto lockerer mußten die Beziehungen zwischen den beiden Staaten