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Sie ^VberhrMchr Settimg" er scheint sechsmal wScheollich. De zugsprrts monatlich 2.10 <SM.«S- schlteßl. 3»stcll«ag«gebLhr, btrafc d>cPost2.3S DM.Für etwa irifvltze Streik«, Maschinen defekt« oder elementarer Sreignisie aoSsaOcnb» Sdmmrer» wird kein Drsa» gr leistet. Verlag b. Dr. §. Httzervch. Druck der Unid.-B«chtxmckr«t 6. 2»h. Aag. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. x. Kr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5028. Sprechzeit her Redaktion bw 10M wb v-i m«.

Gbechchlsche

Anzeiger für (das frirhsre kurheffrschs) OSerhrffen

Sr.163 «.artig. Marburg o. Mo

Der AuMgenpret« beträgt fte hm 10 gespalt. Zellemnilkimeier 0.08 ®9K, kleine Baranzetgen 0.06 GM., amtlich« «ab tockrtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz feti* bei Platz- dorschrist 50°k Aafschliy. ~ Sammelanzeige« 100 *1» 8ef- schlag. Reklamen der MW«. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt oU Barrabatt. Ziel 5 Tag«. Beleg« werden berechnet, ebenso AuSkrnstt d«rch di« Geschäftsstelle und Lasendung der Angebot,. 6t* füllmrgSort Marburg.

t Soldmark = */«*®eOw.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachung«« Dr Stadt und Kreis Marburg.

KsssMANAvD in SoWjet RnßlanS

Rnm Eingriff GümS in Ne tftrtMrte Bahn - Seftlltete Sete bet Sowjetunion an Mim

Moskau, H. Saß. Dr» chinesische« Ge­schäftsträger ist ein« vs« Karachan unterzeich­nete Rote der Sowjetregiervag überreicht worden, ta der es hecht: Ihrer Sriedeusvolitik tre« bleibend, gibt die Sowjet- regier««« trotz der provokatorische« Se»altmah«abme« der chinest» sche« Behörde» «schmal« ihre Bereit­schaft kund, mit China in Verbandlange« über de« gesamte« die chinesische Ostbahn betreffen­de« Frogenkomvler eiuz»treten. Solche Ber- handlunge« wäre« jedoch nur möglich, wen« die verhaftete« StaatsaagehSri- een der Sowjet«»io« «averzüglich freigelasse« and sämtliche gesetz­widrige« Haadlaage« der chiae- sische« Behörde« rückgäagig ge­macht würde«. Drmeatsvrechead schlägt die Sowjetregierang vor:

1, unverzügliche Einberufung einer Koafe- reaz rar Regel««« aller die chinesische Ostbahn betreffenden Fragen;

L. die chinesische« Behörde« machen ««««- züglich sämtliche die chinesische Ostbahn betreffende« Willkür maß nahmen rück­

gängig;

3. alle verhüteten Bürger werde« unver­züglich freigelasien. Die chinesischen Be­hörden stellen ave Verfolgungen und Schikanen gegenüber Staatsangehörigen und Einrichtungen der Sowjetunion ein.

Die Sowjetregierung rät der Regierung i>on Mukden und der Nationalregierung von China die ernsten Folgen zu beden­ken, die aus einer Ablehnung dieser Vor­schläge der Sowjetunion sich ergeben würden. Die Sowjetregierung erwartet innerhalb drei Tagen eine Antwort der chine­sischen Regierung auf ihren Vorschlag. Falls sie keine befriedigende Antwort erhält, wird sie genötigt sein, zu anderen Mitteln zur Wahrung der gesetzmäßige« Rechte der Sowjetunio« zu greifen.

Die Beziehungen zwischen China und der Sowjetunion haben sich durch ein neues Eingreifen der chinesischen Re­gierung in die Verwaltung der chinesischen Ost bahn aufs neue verschärft. Der Vorsitzende des Rates der chinesischen Ostbabn Lin-Tschun-Hua hat Jem- schanow, der als sowjetrussischer Ingenieur die chinesische Ostbabn leitet, veranlaßt, die rus­sische Verwaltung der chinesischen Ostbabn nie­derzulegen. Lin-Tschun-Hua verlangte, sah Iemschanow die Amtsgeschäfte der chinesischen Ostbabn sofort dem chinesischen Ingenieur Li K u i übergebe, da er von der chinesischen Re­gierung zum Hauvtoerwalter der chinesischen Ostbabn ernannt worden sei. Iemschanow bat dieses Ansinnen abgelehnt. Die Nanking-Re­gierung bat beschlossen, Temschanow und andre russische 5ingen'-'i^- oi'g (Tfiina auszuweisen.

Chinajeiudliche Kuudgeb^ugr« i« Tschita, Moskau und Leningrad.

Ai o s k a u , 14. Juli. Wie aus Aioskau ge­meldet wird, kam es am Sonnabend in Tschits zu Kundgebungen wegen des Vorgehens Chinas gegen die chinesische Ostbahn. Die rus­sische und die chinesische Bevölkerung in Tschita versammelte sich vor dem chinesischen Generalkonsulat, wobei scharfe Reden gegen China und die chinesische Regierung ge­halten wurden. Das Generalkonsulat wurde mit Flaschen und Steinen beworfen. Der chinesische Generalkonsul wandte sich um Schutz an den Polizeivräsi- denten. der jedoch die Bitte des Generalkon­suls ablehnte. Die Kundgcber zerstreuten sich schließlich. Auch in Moskau und Lenin­grad ist es zu Kundgebungen gegen die chine­sischen Generalkonsulate gekommen. Die Woh­nungen der beiden Generalkonsuln wurden scharf von der Miliz imd von der O.G. P. U. bewacht.

Die Rote Armee hält ihre Reservistr« zurück.

K o w n o, 14. Juli. Wie aus Moskau ge­meldet wird, hat das Vorgeben der chinesischen Behörden gegen die sowjetrussischen Bürger tu Chardin in der gesamte« Sowjetunion grobe Emvörung hervor gerufen. In allen größeren Städten wurden Ricsenversammlungen abge­halten, in denen die Sowjetregierung aufge- fordert wurde, gegen China die energischsten Maßnahmen zu ergreifen. Sn den angenom­menen Entschließungen wird zum Ausdruck ge­bracht, daß die Arbeiter bereit seien, im Kriegsfälle bis auf den letzten Mann sich dem Vaterland zur Verfügung zu stellen.

Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Kriegs- und Revolutionsrat der Sowjetunion eine aufsehenerregende Mittei­lung veröffentlicht. Die militärischen Jahr­gänge von Heer und Flotte 1927, 1926 und 1925 werden nicht in die Reserve entlasten, wie bisher üblich, sondern nur in langfristigen Urlaub übergeführt.

I Javanische Schutzmaßnahme» ie der Mandschurei.

Tokio, M. Juki. Der japanische Außen­minister Schidehara hat den javanische« Ge­neralkonsul in Charbin telegraphisch aufgefor­dert, dem javanischen Außenministerium eilten Bericht über die politischen Vorgänge i« der Nord-Mandschurei zu erstatten.

Das japanischen Außenministerium erklärt, daß sich sir den letzten 48 Stunde« die politische Lage in der Nord-Mandschurei so stark zuge- svitzt habe, daß die japanische Regierung $a Vordere i tun gsmaßnahmen zum Schutz des javanischen Eigentums in der Rord-Mandschrei greifen müsse. Die Verwaltung der javanischen süd­mandschurischen Bahn bat amtlich mitgeteitt, daß zwei Bataillone javanischer Infanterie aus Baiven in Mulden eingetroffen feien, deren Aufgabe es sein soll, das javanische Eisenbahnnetz der Südmandschurei zu schützen.

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Rewyork, 14. Juli. Das polnische OzeanflugzeugM arschall Pilsuds- ki, das am Sonnabend früh in Paris gestartet war, ist bei einem Landungsver­such auf der Azoreninfel Eraciosa am Sonnabend abend zerstört worden. Der Flieger Jdzikowski wurde da­bei getötet, fein Begleiter, K u - b a l s, verwundet.

fk. Paris, 15. Juli.Matin" berichtet aus Hort« über das Unglück bei der Lan­dung des polnischen Flugzeuges folgende Einzelheiten: Trotz andauerndern Motor­schadens habe das Flugzeug die kleine In­sel Eraciosa erreichen können und durch Funkspr»ch um Angabe eines geeigneten Landungsplatzes gebeten. Von Fayal aus sei ihm das Fluggelände von Barcelona angegeben worden. Die Flieger hätten noch Zeit gehabt, die Stelle ausfindig zu machen. Obwohl sie sehr felsig war, hät­ten sie beschlossen 'niederzugehen. Hier- bei sei das Flugzeug umgeschla­gen, als es de« Boden berührte und habe Feuer gefangen. Den Flieger Jd­zikowski habe man nur noch als Schwerverletzter unter den Trümmern hervorholen können, während Kubala nur leichte Verletzungen davon getragen hatte. Beide feien eiligst in das nächste Krankenhaus gebracht worden, wo Jdzi­kowski verschied.

Umkehr und Landung der französischen Ozeanflieger.

Paris, 14. Juli. Die französischen Flieger Softes und Bellonte haben sich in den Abendstunden des Sonnabends zur Aufgabe ihres Amerikafluges entschlossen und sind um 9.22 Uhr Sonntag vormittag in Villacoublay, dem Militär­flughafen von Paris gelandet. Die Um­kehr ist um 18.15 Uhr in der Gegend der Azoren erfolgt. In Frankreich wird das Mißlingen des mit größten Hoffnungen angetretonen Fluges außerordentlich be­dauert.

Ueber die Gründe, die das franzö­sische FlugzeugFragezeichen" zur Rück­kehr nach Frankreich veranlaßt haben, har Losies nach seiner Landung erklärt, daß man 300 Meilen von der Küste entfernt auf st a r k e n Wind gestoßen sei, der tue bisherige Geschwindigkeit der Maschine von 200 Stundenkilometern auf 7080 Kilometer herabgedrückt habe. Unter die­se« Umständen »ütbe der Leuzinvorrat

nicht ausgereicht haben. Er habe, mn eine Panne über dem Ozean zu vermeiden, die Rückkehr beschlosien. Der Motor habe gut garbeitet. Die in 28 Stunden zurückge­legte Eesamtstrecke beträgt 5 400 Kilo­meter. Er habe wohl gewußt, daß der Ozeanflug in westlicher Richtung außer­ordentlich schwierig sei, aber niemals habe er mit derartigen Schwierigkeiten gerech­net, wie sie tatsächlich angetroffen haben. Es sei zehn mal leichter, von Rewyork nach Paris ats umgekehrt zu fliegen.

Das FlugzeugUntin-Bowlee" verloren.

fk. London, 15. Juli. Die Radio­abteilung des kanadischen Marineministe­riums hat nach Meldungen aus Ottavia, am späten Abend des Sonnabends folgen­den Funkspruch erhalten: Das Flugzeug Untin-Bowler" ist in der vergangenen Rächt in einem Südwest sturm ver­loren gegangen. Das Flugzeug hatte sich während dieses Sturmes von der Verankerung am Eis losgerisien und war auf die See getrieben worden. Es ist zuletzt vcm Eismasien umringt gesehen worden. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. DieUntin-Bowler", die von Chicago nach Berlin unterwegs war, war durch schlechtes Wetter in 'Port Vuowler (llngavag) der Provinz Quebec aufgehalten worden.

Der erste Postflag von Bord der Bremen.

Berlin, 13. Juli. Am Dienstag, dem 16. Juli, nachmittags tritt der neue RiesendampferSternen das Nord­deutschen Lloyd seine Jungfernfahrt nach Rewyork von Bremerhaven aus an. Seine Katapultstarteinrichtung für das an Bord befindliche Postflugzeug wird daun schon in den frühen Morgenstunden des 17. Juli zu« ersten Male praktisch in Tätigkeit treten. Es ist geplant, etwa auf der Höhe der holländischen Küste das Flugzeug mit etwa 200 Kilogramm Post für Eng­land starten zu lasten, sodaß es eine ganze Anzahl vo« Stunden vor dem für elf Uhr vormittags des gleichen Tages ermattete« Eintreffen derBremen in Southamp­ton in diesem Hafen seine Post «bladen kann, um dann später wieder au Bord des Dampfers gezogen zu werden. Set zweite Katapultstart soll etwa 400 See­meilen vor der amerikanischen Küste er­folgen.

Ae eisige Sten

Don August Winni». Gesellschaft für Deutsches Schrifttum.

(Es wird tarntet eine der seltsamsten Er­scheinungen bleiben, daß die Welt den Ver­lauf der Pariser Verhandlungen wie eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Seit zehn Jahren stehen wir ht der Fron. Weitere sech­ste Jahre zwei Menschenalter soll Deutschland ben Siegermächten frone«. Die ta Zeitungsäußerrlngen und Reden $u Wort kommende Weltmeinung beschäftigt sich nur mit den Einzelheiten, nimmt aber die Haupt­sache, die Verurteilung eines Vol­kes zu siebzigjährigem Frondienst, ohne Bedenke« hin und behandelt sie als eine SeltHtverftändlichkeit, über die man erst gar- nicht debattiert. Ungeheuerlich aber ist, daß dieser Vorgang auch auf die Masse des deut­sche« Volkes kaum einen merkbare« Eindruck macht. Auch das deutsche Volk bat sich daran gewöhnt, so scheint es, damit abgefunden. Wir debattieren das Maß unserer Fron, die Höhe der Jabrestriblkte, schon kaum mehr ihre zeit­liche Dauer, die Fron a« sich wird tat Grunde von deutscher Seite nicht mehr an­gegriffen.

Es hat sich bei uns ein Anstand gebildet, bei dem es als unzweckmäßig, ja schlechthin als ein Zeichen politischer Kindlichkeit gilt, unsere Fron an sich zur Debatte zu stellen. Wer dies vor Berufspolitikern unternimmt, ist als Romantiker abgetan.

Es find jetzt zehn Jahre seit den Kämpfen um das Versailler Ultimatum verflossen. Er­innert man sich der Auffassungen und Aeuße- rungen in jenen entscheidenden Tagen, so steht man als Deutscher tief beschämt vor dem heu­tigen Zustande. In der Sitzung des Reichs­kabinetts, die sich »um ersten Male mit dem vollständigen Wortlaut des Ultimatums be­schäftigte, wurde auf Antrag Davids be­schlossen, das Ultimatum alsunmöglich und unausführbar abzulehnen. In der Aula- tagung der Nationalversammlung am 12. Mai 1919 erklärte der Ministerpräsident Schei» de mann im Namen der Reichsrogierung: Dieser schauerliche und mörderische Hexen- bammer, mit dem einem großen Volk das Be­kenntnis der eigenen Unwürdigkeit, das Ein­verständnis mit Versklavung und Helotentum abgepretzt werden soll, dies Buch darf nicht zum Gesetzbuch der Zukunft werde«. Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns solche Fesseln airserlegt k Er appellierte an die Abgeordneten und an das Volk:Ein einig Volk vermag viel! . . Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie!

Der preutzifche Ministerpräsident Hirsch erklärtenamens aller deutschen Freistaaten: Lieber tot als Sklav! und der württember- gische Demokrat Hausman« nannte den Vertrageine neue Form langsamer Folterung eines ganzen Volkes. Der ehrwürdige Prä­sident Fehrenbach aber sagte atm Ab­schluß der Sitzung:

Und jetzt richde ich mich an unsere Feinde in einer Sprache, die auch sie verstehen: Memores estote: ex ossibus ultor! und versicherte,daß unsere Kinder mit dem Willen erzogen werden würden, nicht nur die Hand zur Faust zu ballen, sondern die Sklavenkette« »u brechen und die Schmach abzuwaschen, die unserem deutschen Antlitz zugetügt werden soll!

Sechs Wochen später vollzog freilich die Nationalversammlung ihre Unterwerfung. Das war nicht nur Torheit, sondern auch schon Kleinmut. Aber mit welchen Hoffnun­gen war dieser Kleinmut noch verbunden! Wenn man damals einem bei für die Unter­werfung werbende« und stimmenden Abgeord­neten gesagt hätte, zehn Jabre später werde man in Paris darüber verhandeln, wieviel Milliarden jährlich wir für die Dauer von weiteren sechzig Jahren zahlen sollen, so würde sich jeder Abgeordnete gegen solch krank­haften Pessimismus verwahrt haben. Mit einer solchen Entwicklung hat keiner gerechnet und es konnte auch keiner damit rechnen. Der Umfall in Weimar wäre ohne die offiziell genährte und gepredigte Zuversicht, daß der vorliegende Dertragstert nicht end- giltig sei, sondern bald wesentliche Milderun­gen erfahren werde, überhaupt nicht möglich gewesen. Rur durch diese, wahrscheinlich gut­gläubige, Ausstreuung gelang es, eine Mehr­heit für die Annahme des Ultimatums zu schaffen.

Wie lange die offizieSen Kreise an dieser Hoffnung festhielten, bleibe dahingestellt. Der Ansehensverlust, den wir uns selber durch die