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Größer Tas in -er Pariser Kammer
Psimatt M glaste RMMmg »er BiM’m - Matten und Reparationen
Paris, 11. 3ufi. 3n der französischen Kammer erstattete der Abgeordnete Stern Bericht über die Frage der Ratifizierung des Schu l denabkornmens mit Amerika. Gr kritisierte die Haltung der Regierung, die es zweimal versäumt habe, bei günstiger Gelegenheit in Verhandlung mit Amerika und England zu treten, und wies die amerikanische Behauptung, das; es selbst erst nach 62 Jahren von allen sich aus den Frankreich gewährten Beschlüssen befreit sei. zurück mit dem Bemerken, das; auf Grund des Tilgurrgsmvdus diese Schuld bereits in 20 Jahren gedeckt sein würde. Der Berichterstatter forderte Aufnahme der Vorbehaltsklauseln in die Ratifikationsurkunden und führte aus:
Oh« formelle Vorbehalte stürzt alles zusammen.
Der Aufbau des Annuitätenshstems, der enge Zusammenhang der Bestiinmungeir über den Zahlungsaufschub, die logische Einteilung in geschützte und ungeschützte Annuitäten, die Zahlung der europäischen Schulden sind alle auf die Abkommen von Washington und London zugeschnitten. Wenn wir die Llnklug- heit begehen sollten, uns vorbehaltlos zu verpflichten, so würden wir uns der Gefahr aussetzen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten künftig bei heiklen Verhandlungen, zu denen wir durch die Haltung unseres Schuldners gezwungen sein könnten, über unsere wirts-chafkliche und finanziell« Lknrbhängigkeit, ja
sogar ifrtt unsere internationale Politik, eine unerträgliche Kontrolle ausüben
Dnnte, wenn es sich darum handeln würde, von neuem den Umfang unserer Verpflichtungen zu prüfen.
Sogleich nach Eröffnung der Debatte ergriff Pvincare das Wort. Der Ministerpräsident führte nach einem Rückblick auf die Bildung seiner Regierung im Juli 1926 und ferne Beziehungen zur radikalen Partei u. a. aus: Wenn die ehemaligen Frontkämpfer gegen die Ratifizierung der Schuldenabkommen protestiert haben, so zeigt dies, dah sie ungenügend unterrichtet find. Man muß die Dinge mit Kaltblütigkeit beurteilen.
Die Schoben sind tatsächlich seit längerer Zeit anerkannt und so gewissermaßen im voraus ratifiziert worden.
Was man jetzt annehmen muh, sind di« Verpflichtungen, die niemand ableugnet, sondern die Abkommen, die Frankreich gewisse Zahlurrgserleichterungen versprachen und die Zinsen ermäßigten.
Nun hat sich aber m der letzten Zeit etwas Neues ereignet.
Es ist eine tatsächliche, wenn auch keine rechtliche Verbindung zwischen den Reparationszahlungen und den interalliierten Schulden hergeftellt worden. Beide können jetzt nicht mehr voneinander getrennt werden.
Poincare führte im weiteren Verlauf seiner Rede weiter aus: Ich hoffe, daß der Poungplan unter Mitwirkung Ämerials zur Anwendung gelange. Die Weigerung der Ratifizierung würde eine grohe Ueberraschung auch in England Hervorrufen. Die Alliierten würden es nicht verstehen, wenn wir unsere Schulden nicht ratifizierten und die Deutschen wären be- r e ch t i g t, zu sagen, dah eine neue Soge geschaffen sei.
Wenn wir ntts weigern, langfristige Verpflichtungen einzugehen, werden sich die Deutsche« berechtigt glaube«, ebenso $* handeln.
Poincarö erklärte alsdann, er könne nicht zula ssen, dah Vorbehalte in die Ra- tifizierungsatte emgefügt würden. Wenn man die Regierungs stürzen wolle, müsse man einen anderen Aniah suchen. Selbst wenn rnan am 1. August die amerikanischen Kttegs- mger befahlen würde, würde die Regierung M eine Sackgasse geraten und in welcher Stellung würde sich die Regierung dm» auf
der Regierungskonferenz befinden? Pomcars trat deshalb für die glatte Ratifizierung ein und ging auf die Schuldenverhandlungen mit den Vereinigten Staaten ein.
Nach 5 Uhr wird die Sitzung unterbrochen, um es Poincarä zu ermöglichen, sich etwas zu erholen.
Sozialistischer Bertagungsantrag.
Der Dertagungsantrag, den die sozialisti- sche Kammerfraktion bei Eröffnung der Aussprache über die Schuldenratisizierung stellen wird, lautet:
„Die Kammer beschlieht, die De- batte zu verschieben, bis sie ihre Entschlossenheit bekundet hat, die Siguidie- rung der Kriegsprobleme als Beginn einer wirklichen Pazifizierung zu betrachten, wobei die Beseitigung der militärischen Besetzung sogleich nach Annahme des
Doungplanes die erste Aeuherung dieser Politik sowie der Ausgangspuntt eines nachdrücklichen und beschleunigten Strebens nach der Organisierung der Schiedsgerichtsbarkeit und der allgemeinen Abrüstung und die Eruudlage einer europäischen Verständigung, die die Vorbereitung der Revision der Abkommen mit Amerika ermöglicht, fein muh."
Vor einem Abbruch der französisch- italienischen Verhandlungen?
«Echo de Paris" und „Peuple* berichten übereinstimmend, daß die seit langem geführten französisch-italienischen Verhandlungen offenbar vor dem Abbruch stehen. Im Herbst vorigen Jahres, so bemertt „Echo de Paris", habe die französische Regierung Italien Vorschläge über die Festsetzung der S ü d -
Mmr GmM-ruWKer Konflikt AbbrnK »er »iMmM-m Beziehungen?
Wie dem „Newyork Herald" aus Schanghai gedrahtet wird, hat die chinesische Regierung die diplomatischen Beziehungen zu Ruhland wegen Beschlagnahme der chinesischen Ostbahn (Chinese Castern Raiglwayl abgebrochen.
Dah in der Mandschurei bezw. an der russisch-chinesischen Grenze in den letzten Tagen die Dinge nicht in Ordnung waren, geht u. a. aus der überstürzten Abreise Tschangh- süllangs von Peking nach Mulden hervor. Der Pekinger Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Die Konferenz der chinesischen Führer hat sich mit dramatischer Schnelligkeit aufgelöst, nachdem aus der Mandschurei Berichte eingegangen sind, dah die chinesische Telegraphenverwaltung von den Behörden in Charbin mit Beschlag belegt worden ist, was eine weitere Verschärfung der chinesisch-russischen Spannung bedeutet. Tschanghsüliang hat einen Sonderzug bestellt, um sich schleunigst nach Mulden zurück zu begeben. In Nordchina wird die Reise Tschanghsüliangs mit Unruhe verfolgt, da man an das Schicksal seines Vaters Tschaugt- solin denkt, der im Jahre 1928 in seinem Sonderzuge auf der Reise nach der Mandschurei durch eine Bombenerpkosion getötet wurde. Die Auslösung der Konferenz hat die Festsetzung einer gemeinsamen Ruhtand gegenüber zu befolgenden Politik verhindert.
Nach einer Meldung aus Eharbin ist die Beschlagnahm« des TÄephon- und Telegra-
phenbetriebes der Ostchinesischen Eisenbahn durch die chinesischen und mandschurischen Behörden mit der Begründung erfolgt, dah dieser Betrieb bolschewistischer Propaganda nutzbar gemacht worden sei. Die chinesische Polizei hat die allgemeine Gewerkschaft dieser Eisenbahn sowie die Sow- jetgewerkschaft und zwei Sowjethandelsbüros geschlossen. 60 Sowjetbeamte und Angestellte der Eisenbahn und der Gewerkschaft wurden verhaftet und nach Ruhland ausgewiesen.
Die Wiederaufnahme der englischen Beziehungen $» Rußland.
London, 11. Juli. Reuter. Die Regierung wird, wie verlautet, noch in dieser Woche die ersten Maßregeln zur Ingangsetzung des gesamten Apparates normaler Beziehungen ergreifen, der sich aus der Anerkennung Sowjet- rutzlands ergibt, indem sie der russischen Regierung eine entsprechende Benachrichtigung zukommen läßt. Man hofft, dah bereits gegen Ende des Monats sich schon ein Vertreter Rußlands in London befinden wird, um mit dem Staatssekretär des Auswärfigen die zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen in direktem Gedankenaustausch zu erörtern, und man hofft ferner, daß bei diesem Gedankenaustausch eine Einigung erzielt wird.
grenze von Libyen und das Statut der Italiener in Tunis gemacht. Frankreich habe eine ziemlich weitgehende Enerrzberic^ig-ung in Libyen angeboten, durch die Italien in den Besitz von zwei Oasen gekommen wäre, und für die Ita- liener in Tunis die Anwendung des englischen Systems in Malta mit einigen vorteilhaften Abänderungen dorgeschlagen. Die Antwort Roms sei noch nicht eingetroffen, aber nach einzelnen Auskünften werde sie Wohl nichtgünstig ausfallen. In Tunis möchte die faschistische Ottegie- rung zweifellos einen Staat im Staate aufrecht erhalten, «nd, was die Südgrenze tum Libyen anbetrifst, fo fordere sie eine förmliche Annektion von Gebietsteilen. Alle genannten Blätter treten dafür ein, dah der Freundschaftsschaftsvertrag, den Frankreich mit Italien äbschliehen tooCfe, die geforderten Opfer nicht verlohne.
ff. London, 12. Jutt- Die Admiralität bat di« Rettung des gesunkenen Unterseeboote» 8 47 «üsegeben.
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Paris, 11. Juli. Die Verhandlung gegen 6et früheren Minister und Senator die heute vor der Strafkammer begann, ist, da der Angeklagte in vollem Umfange geständig ist, bereits beendet. Das Gericht hat sich Vorbehalten, das Urteil morgen zu verkünden. Die Anklage lautete auf Anters chlagung und Betrug, der darin besteht, datz Klotz zur Begleichung von Käufen und zur Sicherung von Darlehen Schecks ausgestellt hat, für die keine Deckung vorhanden war. Klotz erklärte, er selbst habe die Aufhebung der parlamentarischen Im» wamität gegen sich beantragt. Gr habe sich st« ein-r außerordentlich mißlichen Lage befunden. Man habe ihm 'den Kredit beschnitten, doch habe er den festen Willen gehabt, alte etngegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, was ihm aber dadurch unmöglich gemacht worden sei, daß die Strafverfolgung eingeleitet wurde. ®r habe sich in diesem Abschnitt seines Lebens in geistiger Verwirrung befunden. Der einzige Zeuge der vernommen wurde, belastete Klotz nicht, sondern suchte im Gegenteil psychologisch nachzuweisen, warum Klotz so tief gesunken sei.
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Die französische Delegation für die Re- gierungskonferenz wird, dem „Seraps“ zufolge bestehen ans Ministerpräsident Poincar6. Aussenminister V r i a n d, Finanzminister Chäron und dem 8on- vernenr der Dank von Frankreich Mi» renn sowie dem Generalsekretär des Anhenministeriums Philippe Berthe» lot.
Wie der „Seraps* weiter berichtet, soll die Stadtbehörde von Montreux gestern bei den interessierten Negierungen angeregt haben, die Negierungskonserenz ia Montreux abzuhalten.
fk. London, 12. Juli. Die Regierung beschloß einen neuen Appell an Frankreich zu richten, seinen Widerstand gegen die Wahl Londons als Tagungsort der nächsten internationalen Konferenz aufzugeben, zumal keine andere Regierung dagegen sei.
Amerikas SoKMtzzMyoM
ft Washington, 12. Juli. Präsident Hoover hat gestern dem extemea republikanischen Anhängern eines hohen Zolltarifes, einen deutlichen Wink gegeben, ihre Forderungen zu mäßigen. Auf einer Konferenz mehrerer führender Vertreter der Schutzzollpolitik, an der auch die Senatoren Watson «nd Reed teilnah- mev» führte der Präsident aus, man müsse den Maststab angemessener Schutzzölle zur Anwendung bringen. Hoover soll ferner bemerkt haben, datz er ein gesundes und nicht vernünftiges Gesetz wünsche. In Washington wird angenommen, dah die Republikaner, die im Finanzansschnh des Senats die Mehrheit haben, die Beschlüsie des Repräsentantenhaus abzuäudern versuche« «»erden.
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Von verschiedenen Seiten ist beanstandet worden, dah Deutschland an der Protestaktton, die 38 Staaten gegen den amerikanischen Zollgesetzentwurf unternommen haben, sich nicht beteiligt habe. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle daraus hingewiesen, dah der deutsche Botschafter in Washington mündliche Vorstel - lungen gegen die amerikanische Zollaktton erhoben hat. Wie weiter mrtge- teilt wird, werden diese deutschen Vorbehalte in allerkürzester Zeit aus schcist- lichem Wege nochmals wiederholt werden.
In wirtschaftlichen und polittschen Kreisen ist man sich über das Bedenkliche ''er übertriebenen Schutzzollforderungen Amerikas wohl nicht im Unklaren. Es ist darauf hinzuweisen, dah auch nach dem Youngplan, der unter Mitwirkung führender amerikanischer Persönlichkeiten zustande gekommen ist, Deutschland seine Re- parattonsverpflichtungen in erster Linie aus seinen Exportüberschüssen zu bestreiten hat. Der Dawesplan ist nicht zuletzt deshalb gescheitert, weil unsere Reparationsgläubiger so gut wie garnichts getan haben, um Deutschland die Erfüllung seiner Reparattonsverpflichtungen in dem oben gekennzeichneten Sinne zu ermöglichen. Wenn jetzt aber auch Amerika dazu übergehen wollte, hohe Schutzzollmauern aufzurichten, die der deutschen Einfuhr sich hindernd in den Weg stellen würden, so würde das ein schlechter Anstatt für die Durchführung des neuen Reparationsplanes sein. Gerade von diesem Gesichtspunkt aus muh auch die amerikanische Regierung dafür Verständnis haben, wenn jetzt die deutsche Regierung auf die bedenkliche Seite der Zollaktion des amerikanischen Kongreß hinweist.