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Anzeiger fSr (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen WeSarrnLmachnngsn fnr Stadt und Kreis Marburg.
Das KsnkssLat verabschubet
Aimchnie m 3. Leiung mit 243 gegen in Stimmen - Die MWaMaüei gibt den AMKIag
Der preußifch« Landtag beschäftigte sich gestern zunächst mst der
dritte« Lesung des Vertrages mit dem Heiligen Stuhl.
Hierzu lag n. a. ein mit dem Konkordatsab- fchluß begründeter kommunistischer Miß- trauensantrag gegen das Staatsministerium vor, ferner ein volksparteilicher Aenderungs- antrag, der die Regierung zum unverzüglichen Abfchluß von Verträgen mit den evangelischen Kirchen veranlassen will, während der öauptausschuhantrag nur unverzüglich Verhandlungen fordert. Schließlich liegt noch der deutschnationale Antrag vor, der Regierungserklärungen über chi« Freilassung der Schulen durch den Staatsvertrag und die Unmöglichkeit der Anrufung eines ausländischen Schiedsgerichts dem Eesetzeszweck bei- gefügt haben will.
Ferner haben die Dentjchnationalen abermals beantragt, im Rahmengesetz zum Staatsoertrag festzulegen, dah das Gesetz nur zugleich mit den evangelischen Verträgen in Kraft trete« soll.
lZunächst begrüßt der Abg. Heb (Ztr.) den Vertrag als einen Beweis des guten Willens von selten des Staates. Er schließt: Wir stellen uns daß endlich einmal mit den Zellten gebrochen ist, in denen in Preußen die Katholiken als Menschen minderen Rechtes angesehen wurden. Namens der «Zentrums- staktion beglückwünsche ich den Ministerpräsidenten und die preußische Staatsregierung zu der ebenso vornehmen wie glücklichen Art, in der der Vertrag zustande gebracht wurde.
Abg. Stendel (D. Vvt.): Unsere schwerwiegenden Bedenken gegen den vorliegenden Vertrag mit der Kurie sind durch die bisherigen Erörterungen nicht beseitigt. Unabhängig hiervon müssen wir nach wie vor
darauf bestehen, daß gleichzeitig gleichwertige Verträge mit den evangelischen Kirche« verabschiedet werden;
erst dann ist die von uns geforderte Parität gewahrt. Wir müssen deshalb den Gesetzentwurf ablehnen.
Abg. K o ch-Oeynhausen (Dntl.) verweist gegenüber den Zentrumsabgeordneten, die dem jetzigen Staat ihren Dank ausgesprochen und auch auf die Rolle der katholischen Kirche unter der früheren Staatsform hingewiesen hätten, darauf, daß man auf der 59. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands von 1912 in Aachen
dem damaligen Kaiser de« lebhaften Dank der Katholiken ausgesprochen
habe. Auch der Kardinalbischof in Köln habe in lebhaften Worten di« Treue der Katholiken Deutschlands gegenüber dem Kaiser zum Ausdruck gebracht.
Abg. von Detten (Wirtschaftsvartei) erklärt, der preußische Ministerpräsident habe durch seine letzk Erklärung die noch vorban- dandenen Bedenken aufgeräumt. An der Forderung der Gleichzeitigkeit dürfe die Frage nicht scheitern. Der Staatsvertrag mit den evangelischen Kirchen müsse möglichst schon beim Wiederrusammenftitt des Landtags vor- Selegt werden. Eine beschleunigte Verabschiedung sei im Interesse des konfessionellen Friedens notwendig.
Abg. Gieseler (Völkischer Block) verliest eine Erklärung gegen das Konkordat, das dem völkischen Geist« widerspreche.
Abg. Vollmers (Christlich-nationale »auernvartei) betont den Gedanken der Parität und weist darauf hin, daß aus diesem Gedanken heraus die Abstimmung in der deurschen Fraktion freigegeben sei.
Abg. Prelle (Deutsch-Hamwv.) stimmt dem Konkordat ju.
Abg. Goldau (der bisher der deutschnationalen Frakfton angehörte) gibt die Er- ftärung ab, daß er im Gegensatz zu den Deutschnationalen für das Konkordat stimmen sderde. (Evldau stammt aus Ermland, dem kotholischen Teil Ostpreußens.)
Hierauf gibt für di« deutschnationale Frak- «on Abg. Dr. Steinhoff di« folgende Erkürung ab:
Der Abgeordnete Eoldau ist heute aus der deutschnationale« Fraktion des preußische«
Landtag« ausgeschlossen worden.
Im Verlaufe eines Briefwechsels zwischen ihm und dem Jraktionsoorsitzenden über die Abstimmung beim Konkordat hat der Abgeordnete Goldau eine schwer beleidigende Redewendung („entehrende Haltung") gegen di« katholischen Fraktionsmitglied«! gebraucht, di« sich selbst dadurch schwer beleidig« fühlten und mit ihnen di« evangelischen Mftglieder der Fraktion. Trotz eindringlicher Vorstellungen hat der Abgeordnete Goldau sich nicht bereit finden können, diese Beleidigung zurllckzuneh- men. Er bat außerdem an eine dritte Persönlichkeit ein Schreiben gerichtet, in dem er angekündigt bat, daß er bei der dritten Lesung des Konkordats
I ohne Wissen der Fraktion zur Rechtfertigung seiner Haltung eine Erklärung vor dem Landtage abgebe» werde.
Und er bat drittens abgelehnt, sich der einmütigen Stellungnahme aller katbolischen und evangelischen Mitglieder der Fraktion anru- schließen, trotzdem von ihm nicht die Stimmabgabe gegen das Konkordat sondern mir die gebotene Rücksichtnahme auf die einhellige Haltung verlangt wurde.
Das Haus nimmt darauf die
Abstimmungen
vor, di« auf Antrag der Kommunisten nana ment l ich erfolgen.
Artikel 1, der die Zustimmung zu dem Vertrage und dem Schlußprotokoll ausdrückt, wurde in namentlicher Abstimmung in dritter
Schwere A-BsMgtastrMe
IM ensütoe »5eot „H 4F m8 22 tonn Matzm «Wen
London, 9. Juli. Die Admiralität teilt mit: Das U-Boot 47“ ist bei seinem Zusammenstoss mit dem U-Boot „C. 12" untergsgo.ngcn. Zwei Mann von „H. 47“ sind gerettet. Ein Mann von „L. 12“ wird vermisst. Der Ort des Unglücks be-
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NORI SEE
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findet sich auf 52 Grad 4 Minuten nördlicher Breite und 5 Grad 32 Minuten westlicher Länge. Die Schleppdampfer „Trapper“ «nd ,I!esoloe“ wurden mit Rettungsgeräten an die UngUickssteLe entsandt.
Rach einer Meldung des britischen amtliche« Funkdienstes war an Bord des ge- funkensn englischen Unterseeboots ,L. 47“ eine Besatzung von 24 Mann. Da nach der Veröffentlichung der englischen Admiralität zwei Mann, darunter der Kommandant, gerettet sind, st» sind
mit dem Unterseeboot 22 Man« untergegangcn.
Die Unglücksstelle befindet sich im St. Ee- orgs-Ksnal zwischen Großbritannien «nd Irland, querab von der Saint Davids- Spitze. Beide Boote, sowohl das gesunkene Boot wie das Fahrzeug, mit dem es zusammengesto'gen ist, werden als ältere Fahrzeuge bezeichnet.
Keine Hoffnung mehr.
Dis Admiralität gibt bekannt, dass an der Stelle, an der das Wrack des gesunkenen Unterseebootes ,L. 47“ auf dem Meeresgründe liegt, die Wassertiefe 100 Meter beträgt «nd «hc man befürchten mass,
fo g«t wie keine Hoffnung besteht, dstz «och einer der 22 Angehörigen der Besatzung am Leben ist.
Die Admiralität hat ein Schlachtschiff, drei Zerstörer» vier Minensucher «nd noch eine Anzahl anderer Kriogsfahrzeuge an die llnfallstelle beordert. Zwei Flugboote find von Plymouth abgeflogen.
Losung mit 324 gegen 92 Stimmen der Deutschen Voltsvartei, der Kommunisten, Nationalsozialisten und werterer Abgeordnete« aus den einzelnen Parteien angenommen.
Zu Artikel 2 des Gesetzes, der besagt, daß das Gesetz nwt dem Tose der Verkündigung in Kraft tritt.
wurde ei« deutsch««tionaler Antrag, der fordert, dah gleichzeitig mit dem vorliegenden Gesetz ei« Vertrag mit den evangelischen Landeskirche« ht Kraft treten soll, ht namentlicher Abstimmung mit 265 gegen 127 Stimmen der Rechtsparteien abgelehnt
Gleichfalls fand Ablehnung ein Antrag der Wirtschaftsvartei, wonach das vorliegende Gesetz zugleich mit dem Gesetz zu dem Vertrag« mft den evangelischen Landeskirchen und zwar spätestens am 1. Januar in Kraft
treten soll, ht namentlicher Abstimmung mit 275 gegen 111 Stimmen der Rechtsparteien.
Der Artikel 2 selbst wurde sodann ebenfalls in namentlicher Abstimmung mit 243 gegen 173 Stimmen der Opposition angenommen.
In der Schlußabstimmung wftd der Vertrag mit dem Heiligen Stuhl nrrt 248 gegen 172 Stimmen angenommen.
Dagegen stimmten Deutschnationale «nd Deutsche Polksvartei, Nationalsozialisten und Kommunisten sowi« Teile der Deutsche« Fraftion.
.(Lebhafte Pfuirufe bei den Kommunisten, f 35 Abgeordnete haben sich an den Abstimmungen nicht beteiligt, da der Landtag 450 Abgeordnete zählt.
(Fortsetzung siche Seite L)
Ws bleibt der Bemis?
Der Chefredakteur des „‘Berliner Sage* blatts", Sheodor Wolff, hat die Klage des Reichsaußenministers Dr. Stresernann über den (Rückgang ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen zum Anlaß genommen, wieder einmal gegen die deutschen Hock^chulen zu Felde zu ziehen. Anstatt sich der Mühe zu unterziehen, an Hand des statistischen Materials genauer nachzuprüfen, welche Universitäten am meisten von diesem Rückgang betroffen worden sind, wobei sich Herrn Theodor Wolff recht interessante Aufschlüsse über die wahren Ursachen dieser Erscheinung ergeben hätten, begnügt er sich damit, anher der Verteuerung der Lebenshaltung, der Bücher und Examina den „engherzigen (Rationalismus“ an den Hochschulen als den aussHlaggebenden Grund anzuführen.
Herrn Theodor Wolff waren, als er diesen Leitartikel verfaßte, die Wahlergebnisse der 'Berliner Studentenkammer offenbar noch nicht bekannt, er hätte sonst seinen Lesern die Tatsache nicht vorenthalten können, dah der Erfolg des Berliner Waffenringes, der Nationalsozialisten (die chre Stimmen verdoppelten) und der Deutschen Finkenschaft keineswegs „engherzigem Nationalismus" entsprungen ist, sondern daß dieses Ergebnis, nach dem von 11000 Berliner Studenten sich fast 70 Prozent gegen die Hochschulpolitik des Kultusministers Dr. Decker entschieden haben, eine unmißverständliche Antwort der freien, jedem Zwang abholden Akademiker an die Adresse des engherzigen, unfreien und freiheitsfeindlichen Geistes ist, der mit ganz undemokra- tischen Mitteln in alte, stets bewährte und anerkannte Rechte einzugreifen versucht.
Aber — wie gesagt — Herr Theodor Wolff wußte entweder von diesem Ergebnis noch nichts, oder er umging absichtlich eine Tatsache, die zu eindeutig spricht, als dah man sie zu parteipolitischen Zwecken halbwegs glaubwürdig umdeuten konnte. And so sprang er denn auf der Suche nach „Beweifen“ von dem „engherzigen Nationalismus“ mit kühnem Sprung hinüber zu einer dieser „Pflanzstätten“ dieses Geistes» und seine Wahl fiel — warum? warum? — auf Marburg. And da schreibt Herr Theodor Wolfs Folgendes: „Die Mihach- tung, mit der in dieser AniversttätSstadt die Korporationen und die reattionäre „allgemeine“ Studentenschaft auf Republikaner und alle nicht geradezu „völkischen“ Studenten hinabsehen, äußert sich ost tatkräftig und laut. Am Versailles-Tage rief der Vorsitzende der angeblich „allgemeinen Studentenschaft in einer schwungvollen Rede zum „Kampf gegen bie Aeber- slutung der deutschen Lande durch «ndeutsche Elemente“ auf. Der Rektor der Aniversstät, ein Professor Genzmer, beteiligte sich an der Kundgebung, dankte in einer Ansprache für die „Einladung zu der erhebenden Feier“ und kritisierte in überaus deutlichen Worten das Verhalten Wilsons und Amerikas.“
Wohl gemerkt: es war die Absicht des Chefredakteurs Theodor Wolff, zu beweisen, daß die fremden Studenten deswegen nicht mehr nach Marburg pilgern, weil auch hier — „überall ist es so“ — eine Pflanzstätte des „engherzigen Nationalismus" ist. Er zitiert aber zu diesem Zweck einen entstellten Bericht über die Marburger Kundgebung am 28. Juni, bei der ausgerechnet ein Angehöriger der von ihm geschmähten Korporationen und der „reaktionären" allgemeinen Studentenschaft von seinen Kommilitonen f ordert, daß sie den so ganz anderen Zdeengang des Frei- studenten verstehen lernen, sich in seine fo ganz andere Sphäre Hineinfuhlen. BÄ wem liegt hier die Engherzigkeit?
Was die Rede Sr. Magnifizenz des Rektors anbelangt, so wird Herr Theodor Wolff vergeblich sich bemühen, aus den berechtigten Anklagen gegen den Vertragsbruch von B/rsailleS einen Angriff auf die amerikanischen Studenten herausynhören.