NtttMK, dt» L. Süll UN
Die ^Obrrhessisch« Zeüung" erscheint sechsmal wöchentlich. Be zugspreis monatlich 2.10 TM.aers. schließ!. Zustellungsgebühr, durch dlePost2.35 GM.Für etwa infolge
- Streiks, Mafchinendefek», oder elementarer Ereigntsie ausfallende Nummer« wird kein Ersah geleistet. Verlag b. Sr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-B«chdr«kerel v. Ioh. Ang. Koch, Markt 21/33, Aernshrecher: Nr. 54. «. Nr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015, — Sprechzeit der Redaktion bpn 10—11 und
1,1-1 Uhr.
LWKMitMg
Anzeiger für (das frShere ürrhestische) Oberheffe«
MechMsche =3dtuno
St. 153 64.3ott8. Wwdmg a. ZaSa
Der Auzeigenprei« betrügt für de» lOgefpalt. Zrüenmillimeter 0.08 Ä, klein« Daranzeigen 0.03 GÄL, amtliche und auswärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Plah» dorschrift 5tf*U Ausschlag. — Gammelanzeigen 100 °f« Aufschlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt M als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung d« Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
1 Loldmark = '/».Dollar.
Anzeiger der amtliche« Bstanntmachunge« für Stadt und Kreis Marburg.
*
E3
Die LsKLsAsr Lheome-r
EMStiAM M RömmmgS- m» MöstmWfwM
London, 2. Juli. Die heute im Oberhaus bei der Eröfftung des Parlaments vom Lordkanzler verlesene Thronrede beginnt mit dem Ausdruck der Zuversicht des Königs auf völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit und mit dem Dank für das ihm während seiner langen ernsten Krankheiit bewiesene Mitgefühl.
Die Thronrede fährt fort: „Meine Beziehungen mit den auswärtigen Mächten sind weiterhin freundschaftlich. Die unabhängigen Finanzsachverständigen, die ernannt worden sind, um Borschläge für eine vollständige und endgültige Regelung des deutschen Reparativ n sp r o b l e m s zu entwerfen, haben einen einstimmigen Bericht überreicht, der augenblicklich von meiner Regierung zur Vorbereitung für eine Konferenz von Vertretern der in Betracht kommenden Regierungen erwogen wird. Eine Regelung dieses Problems wird die Besatzungsmächte in den Stand setzen, die Räumung des Rheinlandes vorzunehmen. Mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika haben über die Frage der Flottenabrüstung Besprechungen begonnen, demzufolge hat meine Regierung die ernste Hoffnung, im Zusammenwirken mit meinen Regierungen in den Dominions, der Regierung Indiens und den Regierungen der auswärtigen Mächte eine baldige Verminderung der Rüstungen in der ganzen Welt sicherstelle« zu können. Meine Regierung ist der Ansicht, daß die Zeit gekommen ist, um internattonale Meinungsverschiedenheiten, in denen die Parteien mit Bezug auf ihre Rechre im Streit sind, einer Regelung auf dem Rechtswege zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke berät sie jetzt mit meinen Regierungen in den Dominions und der Regierung Indiens über die Unterzeichnung der FakulrativklausLl, die in dem Statut des Ständigen Internationalen Serl^ishoses enthalten ist. Meine Negierung prüft die Bedingungen, unter denen diplomatische Beziehungen mit der Negierung der Union der Sowjetrepubliken wieder ausgenommen werden können und steht im Gedankenaustausch mit meinen Regierungen in den Dominions und der Regierung Indiens über die Frage."
Weiter betont die Thronrede, daß es ein dauerndes Bemühen der Regierung sein wird, das Hebel der Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Für die Verbesserung der Transportmittel, für die Besierung der darniederliegenden Ausfuhrindustrie und der überseeischen Auswanderung sind Pläne in Vorbereitung. Die Regierung erwägt die Reorganisierung der Kohlenindustrie einschließlich Arbeitsstunden und anderer Faktoren.
Die Thronrede teilt ferner mit, daß die Regierüng das gesamte Gebiet der Gesetzgebung mit Bezug auf den Verkauf und die Lieferung von alkoholischen Getränken untersuchen wird. Eine Maßnahme zur Beseitigung der Lage, die durch das Gesetz vom Jahre 1927 betreffend Jndu- strieftreittgkeiten und Gewerkschaften geschaffen wurde, wird eingebracht werden.
Macdonald vor dem Unterhaus.
Im Unterhaus führte der Abgeordnete der Arbeiterpartei Snell u. a. aus: Zu großer Genugtuung gereicht es uns, daß sich die Möglichkeit zeigt, die englischen Truppen im Rheinland zurückzurufen und
einem Volk, mit dem wir seit mehr als zehn Jahren in Frieden leben, die heißgeliebte Gegend zurückzugeben, die mit so vielen glanzvollen und romantischen Erinnerungen der deut
schen Geschichte verknüpft ist.
I Wenn dieses Ideal in Erfiillung gehen würde, so würde das hier wohl mit fast derselben Zufriedenheit begrüßt werden wie in Deutschland.
Rach Baldwin ergriff der Premierminister das Wort und führte aus, die Regierung habe vor allem $®et Sorgen:
L die Arbeitslosigkeit und deren Bekämpfung,
2.Herbeiführung von Frieden nnd Sicherheit kmrch eine herzliche Zusammenarbeit der Rattonen der Welt, was für ein besseres Einvernehmen mit Amerika wesentlich sei.
Die Besprechungen mit den Bereinigte» Staate«,
die inzwischen begonnen haben, stellen vorläufig nur eine einleitende Fühlungnahme dar. Die Beziehungen, die in der letzten Zeit zwischen den beiden Ländern herrschten, waren nicht allzu glücklich. Um allen Mißverständen vorzubeugen, haben beide Regierungen sich von Anfang an um die Mitwirkungen der anderen großen Seemächte bemüht. Wenn unsere Bemühungen um die Flottenabrüftung jedoch Erfolg haben sollen, wird es unerläßlich sein, zunächst ein Einvernehmen zwischen Amerika und Großbritannien herbeizu- führen. Macdonald ging dann zum Thema der ^Reparationen über und erklärte dazu u. a.: Genau wie im Jahre 1924 liegt auch jetzt der Regierung der
wichtige Bericht eines Ausschusses von Sachverständigen über die Reparationsfrage zur Stellungnahme vor, und heute, ebenso wie seinerzeit ist mit den Verhandlungen über die finanziellen Fragen die
Frage der Besatzüng des Rheinlandes verknüpft. Der Standpunkt Großbritanniens in der letzterwähnten Frage ist durch die Thronr^e hinreichend gekennzeichnet. Zu der Reparationsftage selbst ist zu sagen, daß der Sachverftän- digenbettcht ein sehr kompliziertes Dokument darsteltt, das umfassende Interpretation erfordert. Wir dürfen nicht ver- geffen, daß nach der Veröffentlichung des neuen Sachverständigenberichts der Dawesplan nicht mehr lange Zeit in Kraft bleiben kann und daß ein neues Abkommen geschaffen werden muß. Ich hoffe, daß jedermann es verstehen wird, wenn ich feststelle, daß bei den Verhandlungen zur Herbeiführung dieses Abkommens, wie immer sich diese VerhanÄungen auch entiräMn werden, die Großherzigkeit unseres Landes seinen früheren Verbündeten gegenüber niemals in Zweifel gezogen werden können wird, ebenso wemg die Pünktlichkeit, mit der es selbst seinen Verpflichtungen' peinfich nachkommt. Ich habe oft das Gefühl, daß gerade dies nicht in dem Maße anerkannt wird, wie das verlangt werden könnte. Wir tragen eine Bürde, die gemessen an der Leistungsfähigkeit anderer, uns nicht auferlegt werden durfte.
Kßs bessMMM ReglmmMnfmm
SruWIaM ctoiuWii — England drängt ans Rämmag
Paris, 2. Juli. Durch die halbstündige Besprechung des deutschen Botschafters v. Hösch mit dem französischen Außenminister am Montag abend ist die deutsche Regierung in einen amtlichen Gedankenaustausch über Ort, Zeit und Inhalt der bevorstehenden diplomatischen Konferenz eingetreten. Da es sich hierbei um eine Fühlungnahme nur zwischen zwei Partnern — dem französischen und dem deutschen — handelte, konnte eine Entscheidung natürlich nichtgefällt werden. Dagegen verstärkte sich der Eindruck, daß noch manche Aussprache notwendig sein wird, bevor eine Einigung aller beteiligten Mächte erzielt werden kann.
Die ReichSregieruug hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie die Wahl des KonferenzotteS den anderen Regierungen überlasse, doch hat sie die französische Regierung wissen lassen, daß wichtige Gesichtspunkte für London sprechen. Mit aufrichtiger Beuruhigung steht man deutscherseits den französischen Versuchen gegenüber, den Zeitpunkt der Konferenz immer weiter hinauszuschieben. Rach- dem in Paris der 15. Juli und der 5. August genannt worden waren, droht nunmehr eine Verschiebung der Konferenz auf den Herbst, die von deutscher Seite unter keinen Umständen geduldet werden dürfte. Botschafter vonHösch wird bei seiner Unterredung mit Außenminister Driand Gelegenheit gehabt haben, auch in dieser Frag« den Standpunkt der deutschen Regierung eindeutig zum Ausdruck zu bringen.
London, 2. Juli. Die Entschlossenheit der britischen Regierung in der Räumungsfrage geht, wie der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" meldet, so- wett, daß die britische Regierung nicht davor zurückschrecken werde, ihr«
Truppen «klein zurückzuziehen wenn sich die allgemeine Räumung nicht erzielen lassen sollte. Anweisungen an das britische Hauptquartier in Wiesbaden seien aus London zwar noch nicht abgegange«, Pläne für die schnelle Zurückziehung der engllschen Truppen seien aber in Vorbereitung. Die üblichen Anweisungen für die Sommerma- növer habe man nicht mehr erlassen.
Attch Italien für London.
London, 2. Juki. Die italienische Regierung hat offiziell ihre Zustimmung zur Abhaltung der Reparatious- und Rheinlandkonferenz m London gegeben. Die Zusagen Deutschlands, Italien und Belgiens haben Macdonald in der Hoffnung bestärkt, daß die führenden politischen Kreise « Parts ihre Absicht revidier«! und sich den allgemeinen Wünschen der anderen Mächte anschllehen werden.
ff. Paris, 3. Juli. Wie der „Pekkt Paristerl" mtttellt, geht die allgemeine Lage immer mehr dahin, die Regierungskonserenz in London und zwar zu Beginn des Monats August abzuhalten. Man müsse allerdings noch mehrere Tage abwarten bevor man unterrichtet fei, da der französische Wandpunkt, in einem neutralen Lande frei von jeder lokalen Beeinflussung z« tagen, sehr ernstlich erwogen werde.
♦
Der Eindruck der Thronrede in Paris.
Die französische Abendpresse bringt den Wortlaut der englischen Thronrede in großer Aufmachung. Doch hat fte noch keine Gelegenheit gohabt, zu dem Inhalt der Rede, der erst in später Mittagsstunde bekannt würbe, Stellung zu nehmen.
Wie der Vertreter der „T. A." erfährt, hat die Thronrede in Parisihren- Eindruck nicht verfehlt. Man
SMchlun-s bester Freund in England legt die Feder nieder
C. P. Scott,
Verleger des .Manchester Guardian", hat die Chefredaktion dieses politisch hochbedeutsamen Blattes, die er seit 1872 innehatte, auf seinen Sohn übertragen. Ser1 hat in seinem Blatt eine besonders deutschfreundliche Politik betrieben und kämpfte gegen den Versailler Diktatfrieden.
war darauf gefaßt, daß diese Rede, die zum ersten Male von einer Arberter- regierung ausgearbeitet wurde, ein weitgehendes soziales Programm entwickeln und in den Fragen der internationalen Politik eine sehr gemäßigte Auffassung vertreten werde, doch hatte man eine so entschiedene Stellungnahme et englischen Thronrede in der Rh einland frage nicht vor- hergesehen. Die Rede wird in linksgerichteten politischen Kreisen aufs Lebhafteste begrüßt, während die Rechts- Parteien in ihr eine vorzeitige Festlegung für die kommende internationale Tagung erblicken.
Die Pariser Kammer lehnt die vor^haltlssr Ratifizierlwg der Schukdenabkvmmev ab.
tu. Paris, 2. Snti. Der Auswärtige Kammerausschuß hat am Dienstag einstimmig beschlossen, die vorbehaltlose Ratifizierung der Schuldenabkommen abzulehnen. Mit 15 gegen 8 Stimmen bei 3 Stimmeirthcck- tungen wurde die Nichtratifizierung gieich- falls abgelehnt. Vnstimmig wurde bestossen, in dem Tert des Ratifikationsgsjehes eine VorbchMsklausel aufzrmchmeu.
ÄAÄprm
Budapest, L. Irrll. Wie ans der Grenzstation Mdasnemeti gemeldet wird, hat die tschechische Eisenbahvdirettion den Ge- santtverkehr sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr heute mittag «n B Uhr eingestellt. Die ungarische« Züge nach Si- dasnemeti verkehren mit Ausnahme des sogenannten Tatro^rputz hie zur Grenze regel-
Diese Maßnahme der tschechischen Eisen- > bahnbehörde steht offenbar damit im Zu- fammenbang, daß die ungarische Behörde genötigt war, am 28. Juni einen gewissen Vincenz Pecha, der in der genannten Grenzstation als Kassierer Dienst versah, zu verhaften, weil er bä Spionage ertappt worden ist. Die gesamte Presse protestiett empört gegen die von tschechischer Seite angeordnete Grenzsperre. Sämtliche Blatter betonen. daß die ischechostowakische Repressaüe keinesfalls begründet sei, da man keinem Staat das selbstverständliche Recht absprechen könne, sich gegen fremde Spionage zu wehren und die auf seinem Gebiet auf frischer Tat ertappten Spione zu verhafte».