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Anzeiger für (das frShere ürrhestische) Oberheffe«

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London, 2. Juli. Die heute im Oberhaus bei der Eröfftung des Parla­ments vom Lordkanzler verlesene Thron­rede beginnt mit dem Ausdruck der Zu­versicht des Königs auf völlige Wieder­herstellung seiner Gesundheit und mit dem Dank für das ihm während seiner langen ernsten Krankheiit bewiesene Mitgefühl.

Die Thronrede fährt fort: „Meine Be­ziehungen mit den auswärtigen Mächten sind weiterhin freundschaftlich. Die unab­hängigen Finanzsachverständigen, die er­nannt worden sind, um Borschläge für eine vollständige und endgültige Regelung des deutschen Repa­rativ n sp r o b l e m s zu entwer­fen, haben einen einstimmigen Bericht überreicht, der augenblicklich von meiner Regierung zur Vorbereitung für eine Kon­ferenz von Vertretern der in Betracht kommenden Regierungen erwogen wird. Eine Regelung dieses Problems wird die Besatzungsmächte in den Stand setzen, die Räumung des Rheinlandes vorzunehmen. Mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika haben über die Frage der Flottenab­rüstung Besprechungen begonnen, demzu­folge hat meine Regierung die ernste Hoff­nung, im Zusammenwirken mit meinen Regierungen in den Dominions, der Re­gierung Indiens und den Regierungen der auswärtigen Mächte eine baldige Verminderung der Rüstungen in der ganzen Welt sicherstelle« zu können. Meine Regierung ist der Ansicht, daß die Zeit gekommen ist, um internatto­nale Meinungsverschiedenheiten, in denen die Parteien mit Bezug auf ihre Rechre im Streit sind, einer Regelung auf dem Rechtswege zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke berät sie jetzt mit meinen Regierungen in den Dominions und der Regierung Indiens über die Unter­zeichnung der FakulrativklausLl, die in dem Statut des Ständigen Internationalen Serl^ishoses enthalten ist. Meine Negie­rung prüft die Bedingungen, unter denen diplomatische Beziehungen mit der Ne­gierung der Union der Sowjet­republiken wieder ausgenommen werden können und steht im Gedanken­austausch mit meinen Regierungen in den Dominions und der Regierung Indiens über die Frage."

Weiter betont die Thronrede, daß es ein dauerndes Bemühen der Regierung sein wird, das Hebel der Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Für die Ver­besserung der Transportmittel, für die Besierung der darniederliegenden Aus­fuhrindustrie und der überseeischen Aus­wanderung sind Pläne in Vorbereitung. Die Regierung erwägt die Reorganisie­rung der Kohlenindustrie einschließlich Arbeitsstunden und anderer Faktoren.

Die Thronrede teilt ferner mit, daß die Regierüng das gesamte Gebiet der Gesetz­gebung mit Bezug auf den Verkauf und die Lieferung von alkoholischen Geträn­ken untersuchen wird. Eine Maßnahme zur Beseitigung der Lage, die durch das Gesetz vom Jahre 1927 betreffend Jndu- strieftreittgkeiten und Gewerkschaften ge­schaffen wurde, wird eingebracht werden.

Macdonald vor dem Unterhaus.

Im Unterhaus führte der Abgeordnete der Arbeiterpartei Snell u. a. aus: Zu großer Genugtuung gereicht es uns, daß sich die Möglichkeit zeigt, die englischen Truppen im Rheinland zurückzurufen und

einem Volk, mit dem wir seit mehr als zehn Jahren in Frieden leben, die heißgeliebte Gegend zurückzugeben, die mit so vielen glanzvollen und romantischen Erinnerungen der deut­

schen Geschichte verknüpft ist.

I Wenn dieses Ideal in Erfiillung gehen würde, so würde das hier wohl mit fast derselben Zufriedenheit begrüßt werden wie in Deutschland.

Rach Baldwin ergriff der Premier­minister das Wort und führte aus, die Regierung habe vor allem $®et Sorgen:

L die Arbeitslosigkeit und deren Be­kämpfung,

2.Herbeiführung von Frieden nnd Sicherheit kmrch eine herzliche Zusammenarbeit der Rattonen der Welt, was für ein besseres Einver­nehmen mit Amerika wesentlich sei.

Die Besprechungen mit den Bereinigte» Staate«,

die inzwischen begonnen haben, stellen vor­läufig nur eine einleitende Fühlung­nahme dar. Die Beziehungen, die in der letzten Zeit zwischen den beiden Ländern herrschten, waren nicht allzu glücklich. Um allen Mißverständen vorzubeugen, haben beide Regierungen sich von Anfang an um die Mitwirkungen der anderen großen Seemächte bemüht. Wenn unsere Be­mühungen um die Flottenabrüftung jedoch Erfolg haben sollen, wird es unerläßlich sein, zunächst ein Einvernehmen zwischen Amerika und Großbritannien herbeizu- führen. Macdonald ging dann zum Thema der ^Reparationen über und er­klärte dazu u. a.: Genau wie im Jahre 1924 liegt auch jetzt der Regierung der

wichtige Bericht eines Ausschusses von Sachverständigen über die Reparations­frage zur Stellungnahme vor, und heute, ebenso wie seinerzeit ist mit den Verhand­lungen über die finanziellen Fragen die

Frage der Besatzüng des Rheinlandes verknüpft. Der Standpunkt Groß­britanniens in der letzterwähnten Frage ist durch die Thronr^e hinreichend ge­kennzeichnet. Zu der Reparationsftage selbst ist zu sagen, daß der Sachverftän- digenbettcht ein sehr kompliziertes Doku­ment darsteltt, das umfassende Interpreta­tion erfordert. Wir dürfen nicht ver- geffen, daß nach der Veröffentlichung des neuen Sachverständigenberichts der Da­wesplan nicht mehr lange Zeit in Kraft bleiben kann und daß ein neues Ab­kommen geschaffen werden muß. Ich hoffe, daß jedermann es verstehen wird, wenn ich feststelle, daß bei den Verhand­lungen zur Herbeiführung dieses Abkom­mens, wie immer sich diese VerhanÄungen auch entiräMn werden, die Großherzigkeit unseres Landes seinen früheren Ver­bündeten gegenüber niemals in Zweifel gezogen werden können wird, ebenso wemg die Pünktlichkeit, mit der es selbst seinen Verpflichtungen' peinfich nach­kommt. Ich habe oft das Gefühl, daß gerade dies nicht in dem Maße anerkannt wird, wie das verlangt werden könnte. Wir tragen eine Bürde, die gemessen an der Leistungsfähigkeit anderer, uns nicht auferlegt werden durfte.

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SruWIaM ctoiuWii — England drängt ans Rämmag

Paris, 2. Juli. Durch die halbstün­dige Besprechung des deutschen Botschaf­ters v. Hösch mit dem französischen Außenminister am Montag abend ist die deutsche Regierung in einen amtlichen Ge­dankenaustausch über Ort, Zeit und In­halt der bevorstehenden diplo­matischen Konferenz eingetreten. Da es sich hierbei um eine Fühlungnahme nur zwischen zwei Partnern — dem fran­zösischen und dem deutschen — handelte, konnte eine Entscheidung natür­lich nichtgefällt werden. Dagegen verstärkte sich der Eindruck, daß noch manche Aussprache notwendig sein wird, bevor eine Einigung aller beteiligten Mächte erzielt werden kann.

Die ReichSregieruug hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie die Wahl des KonferenzotteS den anderen Regierungen überlasse, doch hat sie die französische Regierung wissen lassen, daß wichtige Gesichtspunkte für London sprechen. Mit aufrichtiger Beuruhigung steht man deutscherseits den französischen Ver­suchen gegenüber, den Zeitpunkt der Konfe­renz immer weiter hinauszuschieben. Rach- dem in Paris der 15. Juli und der 5. August genannt worden waren, droht nun­mehr eine Verschiebung der Konferenz auf den Herbst, die von deutscher Seite un­ter keinen Umständen geduldet werden dürfte. Botschafter vonHösch wird bei seiner Unterredung mit Außen­minister Driand Gelegenheit gehabt haben, auch in dieser Frag« den Standpunkt der deutschen Regierung eindeutig zum Ausdruck zu bringen.

London, 2. Juli. Die Entschlossen­heit der britischen Regierung in der Räu­mungsfrage geht, wie der diplomatische Mit­arbeiter des „Daily Telegraph" meldet, so- wett, daß die britische Regierung nicht da­vor zurückschrecken werde, ihr«

Truppen «klein zurückzuziehen wenn sich die allgemeine Räumung nicht er­zielen lassen sollte. Anweisungen an das bri­tische Hauptquartier in Wiesbaden seien aus London zwar noch nicht abgegange«, Pläne für die schnelle Zurückziehung der engllschen Truppen seien aber in Vorbereitung. Die üblichen Anweisungen für die Sommerma- növer habe man nicht mehr erlassen.

Attch Italien für London.

London, 2. Juki. Die italienische Re­gierung hat offiziell ihre Zustimmung zur Abhaltung der Reparatious- und Rheinlandkonferenz m London gegeben. Die Zusagen Deutschlands, Italien und Belgiens haben Macdonald in der Hoff­nung bestärkt, daß die führenden politischen Kreise « Parts ihre Absicht revidier«! und sich den allgemeinen Wünschen der anderen Mächte anschllehen werden.

ff. Paris, 3. Juli. Wie der „Pekkt Paristerl" mtttellt, geht die allgemeine Lage immer mehr dahin, die Regierungs­konserenz in London und zwar zu Be­ginn des Monats August abzuhalten. Man müsse allerdings noch mehrere Tage ab­warten bevor man unterrichtet fei, da der französische Wandpunkt, in einem neu­tralen Lande frei von jeder lokalen Beein­flussung z« tagen, sehr ernstlich erwogen werde.

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Der Eindruck der Thronrede in Paris.

Die französische Abendpresse bringt den Wortlaut der englischen Thron­rede in großer Aufmachung. Doch hat fte noch keine Gelegenheit gohabt, zu dem In­halt der Rede, der erst in später Mittags­stunde bekannt würbe, Stellung zu nehmen.

Wie der Vertreter der „T. A." erfährt, hat die Thronrede in Parisihren- Eindruck nicht verfehlt. Man

SMchlun-s bester Freund in England legt die Feder nieder

C. P. Scott,

Verleger des .Manchester Guardian", hat die Chefredaktion dieses politisch hochbe­deutsamen Blattes, die er seit 1872 inne­hatte, auf seinen Sohn übertragen. Ser1 hat in seinem Blatt eine besonders deutsch­freundliche Politik betrieben und kämpfte gegen den Versailler Diktatfrieden.

war darauf gefaßt, daß diese Rede, die zum ersten Male von einer Arberter- regierung ausgearbeitet wurde, ein weit­gehendes soziales Programm entwickeln und in den Fragen der internatio­nalen Politik eine sehr ge­mäßigte Auffassung vertreten werde, doch hatte man eine so entschiedene Stellungnahme et englischen Thronrede in der Rh einland frage nicht vor- hergesehen. Die Rede wird in links­gerichteten politischen Kreisen aufs Leb­hafteste begrüßt, während die Rechts- Parteien in ihr eine vorzeitige Festlegung für die kommende internationale Tagung erblicken.

Die Pariser Kammer lehnt die vor^haltlssr Ratifizierlwg der Schukdenabkvmmev ab.

tu. Paris, 2. Snti. Der Auswärtige Kammerausschuß hat am Dienstag einstim­mig beschlossen, die vorbehaltlose Ratifizie­rung der Schuldenabkommen abzulehnen. Mit 15 gegen 8 Stimmen bei 3 Stimmeirthcck- tungen wurde die Nichtratifizierung gieich- falls abgelehnt. Vnstimmig wurde bestos­sen, in dem Tert des Ratifikationsgsjehes eine VorbchMsklausel aufzrmchmeu.

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Budapest, L. Irrll. Wie ans der Grenzstation Mdasnemeti gemeldet wird, hat die tschechische Eisenbahvdirettion den Ge- santtverkehr sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr heute mittag «n B Uhr eingestellt. Die ungarische« Züge nach Si- dasnemeti verkehren mit Ausnahme des soge­nannten Tatro^rputz hie zur Grenze regel-

Diese Maßnahme der tschechischen Eisen- > bahnbehörde steht offenbar damit im Zu- fammenbang, daß die ungarische Behörde ge­nötigt war, am 28. Juni einen gewissen Vincenz Pecha, der in der genannten Grenz­station als Kassierer Dienst versah, zu ver­haften, weil er bä Spionage ertappt wor­den ist. Die gesamte Presse protestiett em­pört gegen die von tschechischer Seite ange­ordnete Grenzsperre. Sämtliche Blatter be­tonen. daß die ischechostowakische Repressaüe keinesfalls begründet sei, da man keinem Staat das selbstverständliche Recht absprechen könne, sich gegen fremde Spionage zu weh­ren und die auf seinem Gebiet auf frischer Tat ertappten Spione zu verhafte».