Einzelbild herunterladen
 

Montag, den 1. Sui! ISN

Die -ObetfreffW Zewmg" « schrtnl sechsmal wSchrrrtUch. V» z«g<pr«is monatlich 2.1V GM.»»--, schließt. ZustellungSgcbühr, d»ich dl«Post2.3S GM.Für etwa tafatche Streiks, Maschinendefekt« »6* elementarer Ereignisse anSsallende Nummer» wird fetit Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hiheroch, Druck der Unib.-Bnchdrnckerei b. Ivh. Ang. Koch, Markt 21/83» Fernsprecher: Nr. 54. n. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion do» 1081 und

*M 1 Utz«.

Jettunl

Anzeiger Mr (das frühere knrhefsifche) OLerhesfsn

UNIVERSA. 3- 8IBU0THEK MÄRBUR8/LAHN

fit.iTl 64.30618. Marburg a. Mn

Der Anzeigenpreis beträgt für dm Ivgespalt. Zeilenmilltmeter VivS GM^ klein» Baranzclgm 0.03 ®2Rn amtlich, und aus­wärtig« Anzeigen 0.10 TM. Bei schwieriger» Sah sowie bei Platz» dorschrist 50°/. Aufschlag. Gammeianzeigen 100 eU Auf­schlag. Rtcklamen der Mlllim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gUt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« TsschäftSstell« und Zusendung der Angebot». St- füllangSsrt Marburg.

1 Gvkdmark = '/»»Dollar.

Anzeiger der awMchen BLLanrrtrnachrrrrgen für Stadt und Kreis Marburg.

Dir kafts Dsrfchr fSt FrsnkrM

Amerika lebst eine Aunönng der MateriaWnibm ab - «ein Sinn tue SentimeniÄM

Heber die Antwort der amerikanischen Regierung auf das Gesuch der französischen Negierung um Hinausschiebung des Verfalltages vom 1. August be­sagt die amtliche französische Verlaut­barung folgendes:

Der Botschafter Frankreichs in den Ver­einigten Staaten hat sich gestern zum amerikanischen Staatssekretär begeben in Erledigung des Auftrages, mit dem ihn die französische Regierung betraut hatte. Nachdem Paul C l a u d e l die in dem Ver­trag der französischen Regierung dargeleg­ten Gründen unterstrichen und entwickelt hatte ersuchte er darum, daß das Datum des Verfalltages der Warenschuld vom 1. August auf einen späteren Zeitpunkt ver­tagt werde. Der amerikanische Staats­sekretär erinnerte mit merklicher Bewegung an die alte Freundschaft für Frankreich. Er selbst habe französisches Blut in den Adern und habe drei Jahre lang gearbei­tet, um sein Land zur Teilnahme an dem Kriege zu bewegen. Er selbst habe sich mit 50 Jahren zum Heer gemeldet und den ganzen Feldzug mitgemacht. Er fügte hinzu:

Die von der ftanzösischen Regierung aufgeworfene Frage sei vom amerikani­schen Kabinett im Anschluß an die Presse- berichte über die Sitzung der französischen Kammer erörtert worden. Zu dem Kern der Frage erklärte er,

die Verfassung gäbe dem Präsidenten nicht die Macht, den Verfalltag einer

Schuld hinauszuschieben, zudem habe die Entschließung vom letzten 19. Juni ihn dieser Macht beraubt. Was die Einberufung des Parla­ments anbelange, so hob Stimson hervor, daß alle Senatoren 'und Mitglie­der des Repräsentantenhauses gegenwärtig zerstreut und viele sogar, besonders der Präsident des Repräsentantenhauses, außerhalb Amerikas weilten.

Die anfgetretenen Schwierigkeiten ge­statteten nicht, auf einen Beschlug zu hoffen, der dem Wunsche Frankreichs entspräche.

Stimson bemerkte traurig, daß er sich be­wußt sei, daß die französische öffentliche Meinung verwirrt sein dürfte, was bei der amerikanischen öffentlichen Meinung nicht weniger der Fall sei.

Gedrückte Stimmung

Ministerpräsident Poincare und Außen­minister Briand begaben sich am Sonn­abend nachmittag in die Kammer, wo sie nacheinander von dem Finanzausschuß und dem Auswärtigen Ausschuß angehört wur­den. Poincarö brachte den Kammeraus­schüssen die Depesche des französischen Bot­schafters in Washington, Claudel, mit der Antwort der amerikanischen Regierung auf das französische Ersuchen um Verschie­bung des Verfallstermins vom 1. August zur Kenntnis. Die beiden Ausschüsse wer­den am Dienstag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreten, um die amerikani­sche Antwortnote zu prüfen. 3n den Wan­delgängen der Kammer macht sich eine stark gedrückte Stimmung bemerk­bar. Dies ist weniger auf die nunmehr vor­liegende Antwort Washingtons zurückzufüh­ren, über deren Ausfall man sich kaum ir­gendwelchen Hoffnungen hingab, als viel­mehr auf den Umstand, daß sich die über­wältigende Mehrheit durch die sentimentalen Ausführungen von Franklin Bouillon in Bann schlagen ließ und insbesondere die Regierung nicht den leisesten Versuch machte, Vernunft zu predigen. Selbst in den Rechts­parteien spricht man nun vonverlegenen Siegern und gibt zu erkennen, wenn je Po- mcarö die Vertrauensfrage hätte stellen kön­nen, dann wäre sie am Freitag am Platze ge­wesen. Anscheinend ist auch der Minister­präsident zu dieser Auffassung gekommen. In der Tat rechnet man in Kammerkreisen mit

einem neuen Antrag von Franllin Bouillon, der die bestimmte Formulierung einer Sicherheitsklausel für die Rati­fizierung der Schuldenabkommen ver­langte und einen neuen Angriff gegen das Ministerium unternehmen möchte. Poincare besprach sich mit anderen Kabinettsmitglie­dern und ließ wissen, daß er jeder Ent­schließung zur Schuldenfrage mit der Ver­trauensfrage begegnen werde, solange die Parlamentskommissionen ihre Berichte nod) nicht nieder gelegt haben.

Der Auswärtige Kammerausschuß hat am Sonnabend beschlossen, zu Beginn der kom­

menden Woche den Berichterstatter für die Ratifizierungsgesetze zu benennen. Allgemein ausgefallen ist, daß Außenminister Briand es ablehnte, die Mitteilung an die amerika­nische Regierung selbst abzufassen, sondern die Abfassung des Begleitschreibens zu dem Par­lamentsbeschluß vom Freitag Poincarä über­ließ und sich mit dessen Weiterleitung an den Washingtoner Botschafter begnügte. Wie die Dinge nun stehen, glaubt man, Pomcars werde die Schuldenabkommen von Washing­ton und London auf dem Derard- nungswege ratifizieren.

Nie ÄwdsT geborgen

Ar jpMWn szemMger leW misorsimdm

Die spanischen Ozeanflieger Major Franco und seine Begleiter find lebend aufge- fnnden worden. Bei der britischen Ad­miralität ist am Sonnabend vormittag von dem FlugzeugmutterschiffE a g! e, das sich seit mehreren Tagen an der Suche nach den Set'uiifiicdSätoilieie, folgender Furch,ccuch eingegangen:

Dav Dornier-Wal-Flugzeug der spanischen Flieger ist in einer Lage 36,28 Cvad nörd­licher Breits und 28,14 Erad westlicher Länge von derEagle" gesichtet worden. Das Flug­zeug ist nur sehr wenig beschädigt. Die Bemannung befindet sich wohl."

Major Franco war mit seinen Begleiiern am vorigen Freitag nachmittag von Carta­gena aus zum Fluge nach Newoork über die Azoren aufgestiegen.

Major Franco über den Unfall der Numancia".

Bei der britischen Admiralität ist ein Funkspruch des Flugzeugmuiteffchlffes Eagle" eingetroffen, demzufolge Major Franco über den verunglückten Flug der Otumancia folgende Mitteilungen ge­macht hcrt: Ich verlieh Los Alcacares am 21. Juni um 17 Uhr und passierte Eap Vincent um 21 Uhr. Infolge sehr starker Luftwirbel waren wir gezwungen, von da ab höher zu fliegen. Von Cap St. Vincent bis zu den Azoren spannte sich eine un­unterbrochene Wolkendecke, die wir über­fliegen muhten. Später bildete sich eine zweite Wolkendecke über uns. Wir glaub­ten, am 22. Juni mn 9 Uhr Greenwicher Zeit die Azoren zu erreichen, aber ein star­ker Nordostwind brachte es mit sich, daß wir die Azoren während der Nacht überflogen. Nach Tagesan­bruch stellten wir nach dem Stande der

Sonne fest, dah wir uns südwestlich der Azoren befanden. Deshalb gingen wir durch die Wolkendecke nieder, um Brenn­stoff zu sparen und unsere genaue Position festzustellen. Nachdem dies geschehen, nahmen wir Kurs in Richtung Fahal, aher infolge des starken Gegenwindes war uiis er Benzinvorrat ungefähr 60 Kilometer vor Fahal zu Ende, und wir muhten ans das Wasser niedergehen. Starke nordöst­liche Winde trieben uns nun nach Süden, und am folgenden Tage, dem 23. Juni, waren wir ungefähr 460 Kilometer von Fahal entfernt. Der Wind drehte sich sodann nach Südweften, erreichte Sturm­stärke und trieb uns aus die Insel St. Ma­ria zu. Vom 24. bis 27. Juni warf uns Der Wind, dessen Stärke und Richttmg ständig wechselten, umher. Am Morgen des 27. Juni war die Lage infolge des starken Windes und des hohen Seeganges äuherst ernst geworden. Am 29. morgens fand uns das FlugzeugmutterschiffEagle" und nahm uns an Bord. Die Haltung der Besatzung und die Leistung der Motoren waren grohartig.

Englands Anerkennung.

Die englische Presse veröffentlicht sthr ausführliche Schilderungen über das Schick­sal der geretteten spanischen Flieger, zollt aber auch der Leistungsfähigkeit des deut­schen Flugzeuges starken Tribut. Der »Star" weist darauf hin, dah bisher noch niemals ein Flugzeug in der Lage war, sich mehr als eine Woche auf dem Meere zu hallen. Da die Maschine nur geringe Beschädigungen aufweise, seien die Flie­ger anscheinend zu einer Notlandung we­gen Motorschadens gezwungen gewesen. Die Flieger sowohl als -auch die erstaun­liche Seetüchtigkeit des benutzten Flug­zeuges verdienten volle Anerkennung.

Sieben Sete&irta'te di Esw-tlrMlmb

Moskau, 29. Juni. Das Kriegsgericht in Mogilen> (Weißrußland verurteilte wegen Niederbrennung des Fleckens Schurawiffchi und landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetriebe, wegen eines Anschlages auf Vertreter der Ortsbehörde und einer Reihe anderer gegen­revolutionärer Delikte sieben Angeklagte, darunter einen früheren Geheimpolizisten und Spekulanten zum Tode, 19 weitere Angeklagte zu Gesängnis- strafen von verschiedener Dauer.

Die Kabinettskrise ht Japan.

London, 29. Juni. Reuter meldet aus Tokio: Wie hier verlautet, liegt der wirk­liche Grund für die Kabinettskrise darin, daß maßgebende Kreise mit dem Kellogg- pakt nicht einverstanden find. Aach

soll Unzufriedenheit wegen der Behandlung des Goldembargos und aus sonstigen inner­politischen Gründen bestehen. Dem Vertreter des Reuterbüros zufolge ist der geheime Staatsrat durchaus nicht überzeugt davon, daß der Wortlaut des Kelloggpaktes mit dem Geiste der japanischen Verfassung vereinbar ist. Wenn der Staatsrat schließlich doch be­schlossen hat, den Pakt zu ratifizieren, so ge­schah es, um den schlechten Eindruck zu ver­meiden, der im Fake der Nichtratifizierung entstanden wäre.

Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungs­kosten hu Juni 1929.

Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungs­kosten ist nach den Feststellungen des Statisti­schen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juni mit 153,4 gegenüber 153,5 im Vormonat nahezu uwjeeänöert geblieben.

MM! 6C6MI Stifte

Breslau. 29.Juni. Rektor und Senat der Breslauer Universität hoben gegen das Verfammkmgsoerdot am 28. Juni an den Mi­nister für Wissenschaft, Kunst und Volksbil­dung folgendes Protestschreiben gesandt:

Sektor und Senat der schlesiischen Fried. rrch-Wilhelm-Untoersttät haben von dem an die Behörden gerichteten Verbot des Reiches und der preußischen Stoatsregievimg Kennt­nis genommen. Sie haben daraufhin die wohlvorbereitete Versammlung des Lehr­körpers und der Studenten :md die den 28, Juni geschichtlich deutende Rede heute abge­sagt. Denn der Sinn dieses Tages vertrug keinerlei Gegensatz zwischen Staat und Bold. Sie sind aber der Meinung, daß ihnen das Recht zu ehret Versammlung zu- stand und zusteht, aber auch die Pflicht. Es Hegt im Interesse des Staates, daß Ne Uni- oerfitäten nicht auf Weisung ihre Stimme erheben oder schweigen, weil dadurch das Gewicht ihres Urteils und die Kraft iHv« Erziehungsarbeit aufgehoben werden.

gez. Professor Ehrenberg."

Wettere Schritte sollen durch den von da Universität einberufenen Verband der deut­schen Hochschulen erfolgen.

*

Zu dem Verbot der Hochschullmrd- gedungen durch den preußischen Kullw»- minister Becker schreibt die National- liberale Korrespondenz u. a.:

Die Reichsregierung hat in einer Kund­gebung den 28. Juni zu einem nationalen Trauertag erklärt, und sie hat eindrucks­voll betont, daß das ganze deutsche Volk mit der Regierung einig inderAbleh- n u n g der KriegHchuldlüge sei. Der preu>- ßische Kullusminister Decker aber hat unter fälschlicher Berufung auf einen früheren Erlaß des Reichskabinetts ganz unerklärlicherweise die Berliner Ä>ch- schulen veranlaßt, eine für den Tag des Versailler Friedensdiktats angesetzte Kund­gebung abzusagen. Da der Schritt Deckers erst unmittelbar vor dem Tag der Ver­anstaltung erfolgte, war es nicht möglich, vorher noch etwas dagegen zu unterneh­men. Die Feier hat nicht stattgefunden, aber ganz ohne Stellungnahme wird man diese neue Heldentat der kulturellen Spitze Preußens nicht hinnehmen dürfen.

Die Kundgebung der Berliner Hoch­schulen war keine Veranstaltung der beim Kullusminister wenig beliebten Studenten­schaft, sondern sie ging von den Rektoren und Senatoren aus. Die Berliner Hoch­schulprofessoren stehen im allgemeinen wicht in dem Rufe, sich als Akteure und Sta­tisten radikalpolitischer Skandalvvrfüh- nmgen herzugeben. Sie hätten es wohl ebenso gut wie Herr Minister Decker ver­standen, der Feier einen ernsten und wür­digen Rahmen zu schaffen. Zudem war als Festredner Prof. D e l b r ü ck bestimmt, ein Mann, der gewiß zu den völlischen Propagandisten gerechnet werden kann. Wenn das Verbot also von der Befürch­tung ausging, die Kundgebung könne zu einer Demonstration gegen Staat und Re­gierung ausarten, so fehlten dafür alte Voraussetzungen .

Zur Sache selbst ist kaum etwas zu fragen. Wenn heute in der Wett die KriegSschuD- lüge allmählich von der Wahrheit ver­drängt wird, so ist das mit 0er unermüd­lichen Aufklärungsarbeit der deutschen Ver­bände aller Richtungen zu verdanken. Die Widerlegung der Kriegsschuld bleibt nicht nur Aufgabe der wissenschaftlichen For­schung, sondern auch Herzenssache des deutschen Volkes und der oeutsck^n Oef- fenüichkeit, die sich gegen die moralische Aechtung des deutschen Namens mll Lei­denschaft wehrt," da jeder Deutsche unter dem Schimpfwort des Friedensbrechers zu leiden hat. Es hei^ in der Tat die Seele