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Anzeiger fiir (das frühere karheffifche) Oberheffen

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Fehn Fahre BerfaMes!

Mas »fr tEa

Sm Leerst a. D. Dr. h. c. Bernhard Schwertfeger.

'Am 28. Juni jährt sich zum 10. Male her Log, an dem deutsche Männer, In­grimm und Verzweiflung im Herzen, sich genötigt sahen, ihren Namen unter das Diktat von Versailles zu setzen, das nie­mand mit der ehrenden Bezeichnung eines Friedensvertrages benennen dürfte. Diktat, Zwang war alles: Diktat schon die Art, wie man auf der gegnerischen Seite die Beantwortung der unserer Friedensdele­gation übergebenen Bestimmungen zum 29. Mai 1919 durchsetzte, Zwang der Verge­waltigung Deutschlands zur Unterzeich- ming des Vertrages ohne Vorbehalt. So muhte dann schließlich die deutsche Reichs­regierung am 23. Juni, „der übermächtigen Gewalt weichend, und ohne damit ihre Auffassung über die unerhörte Unger ech- tigkeit der FriedensLeoingungen aufzu­geben", sich bereit erklären, „die von oen Alliierten und Assoziierten Regierungen auferlegten Friedensbedingungen an­zunehmen und zu unterzeichnen."

Mitleidloser ist noch niemals mit Dcr- Irctern eines großen und bis dahin in. aller TSelt hochgeachteten Volles umgegangen worden, als es in den düsteren Schicksals­tagen des Juni 1919 geschah. Mit der herrischen Geste des Siegers hatten unsere Weltkriegsgegner schon für den Beginn der Pariser Vorfriedenskonferenz den für Deutschland hoch in Ehren stehenden Jah­restag der Gründung des Kaiserreiches, den 18. Januar gewählt. Aufstieg Deutsch­lands und tiefftes Eleno, sie sollten sinn- sällig schon in der Wahl der Daten zum Ausdruck kommen. So muhte denn die Unterzeichnung des Vertrages am 28. Juni 1919, dem Lage des Mordes von Sera- jewv, und zwar in demselben Spiegelsaale Des Versailler Schlosses stattfinden, der am 18. Januar 1871 die Geburtsstunde des Deutschen Reiches erblickt hatte.

Zehn Jahre sind vergangen, und noch heute kennen die meisten Deutschen weder die Entwicklung der Dinge zum Verttage von Versailles noch seinen wesentlichsten Inhalt. Sie wissen es nicht, daß der Ver- ttag nach der ganzen Art seines Zustande­kommens alle Merkmale der Erpressung aufweist, daß er somit für die Anerkennt - nis einer Schuld am Kriege keinerlei wis­senschaftliche, juristische oder moralische Bindung enthält. Rur ganz obenhin ist man im allgemeinen darüber unterrichtet, daß Deutschland sich im Arttkel 231 des Versailler Vertrages dazu hat bekennen müssen, als Urheber für alle Verluste und Schäden des Weltkrieges zu haften.

Hand aufs Herz, meine deutschen Mit- bürger! Wer von Ihnen weiß es, daß m der berüchtigten Mantelnote Elemen- ceaus vom 16. Juni 1919 die Schuld Deutschlands wie folgt umschrieben ist: „Das Verhallen Deutschlands ist in der Geschichte der Menschheit fast beispiellos. Die schreckliche Verantwortlichkeit, die auf ihm lastet, läßt sich in der Tatsache zu­sammenfassend zum Ausdruck bringen, daß wenigstens sieben Millionen Toter in Eu­ropa begraben liegen, während mehr als zwanzig Millionen Lebender durch ihre Wunden und ihre Leiden von der Tatsache Zeugnis ab legen, daß Deutschland durch den Krieg seine Leidenschaft für die Ty­rannei hat befriedigen wollen." Wer kennt diesen Wortlaut? Wer weiß ferner, daß die Bür^chaften des uns auferlegten Ver­trages damit begründet worden sind, daß m ihm Vertragschließende teilnähmen, „auf deren Versprechungen, wie man ge­sehen hat, kein Verlaß ist."

Gegen eine derartige Verfemung des Deutschen Reiches, des deutschen Menschen,- ja des Deutschtums schlechthin wehren wir

uns mtt nur zu guten Gründen. Kein Ein­zelner, aber auch keine Nation kann leben ohne Ehre. Mit blutdürstigen Rohlingen, mit unzuverlässigen Vertragsbreche.-n will niemand verhandeln, niemand Geschäfte abschließen. Es war daher eine Pflicht Deutschlands, vor aller Well den Nach­weis zu erbringen, daß es sich der ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht schuldig gemacht hat. Das konme nicht besser ge­schehen als dadurch, daß unser auswärtiges Amt seine Akten aus der Kaiserzett von 1871 bis zum Kriegsausbrüche 1914 be­kannt gab. Damit war auch für das Aus­land die Möglichkeit gegeben nachzuprüfen, ob das Kriegsschuldurteil des Versailler Vrrttages, wie es im Artikel 231 sozusagen Gesetzeskraft erlangt hat, berechtigt war oder nickst.

Heute sind wir soweit, vor aller Welt erklären zu können, daß der Artikel 231 den histor ischen Tatsachen widerspricht. Nicht nur in Deutsch­land, sondern auch in den Statten unserer Wellkriegsgegner gibt es zahlreiche ehr-

llche Beurteller, die von der Nnhallbar- keit dieses Artikels auf Grund eigener wisseHchaftlicher Forschung überzeugt sind und diese Ueberzeugung rückhaltlos aus­gesprochen haben. Um nur ein einziges 'Beispiel zu nennen, so hat der englische Geschichtsprofessor G. P. G o o ch, der als Mitherausgeber der englischen Aktenpubli- kativn besser als mancher andere über die Zusammenhänge unterrichtet ist, erklärt: „Es ist kein Beweis dafür zum Vorschein gekommen, daß die deutsche Regierung oder das deutsche Volk einen Weltkrieg gewünscht und angezetteü hätten." Diesem Urteile liehen sich unzählige andere hin- zufügen . . .

Was also wollen wir zum 28. Juni? Wir fordern die Beseitigung des im Ver­sailler Diktat einseittg gefällten Kriegs- schuldurteils. Ein internationaler Aus­schuß von Sachverständigen möge darüber entscheiden, wer für den Weltkrieg als verantwortlich zu betrachten ist. In die­sem Wurstche sollten alle Deutschen einig sein!

An das LeuMe Kolk

Der Reichspräsident und die Reichs-

refiierunfi versfsrntlrchten folgende Kund­gebung:

An das deutsche Volk!

Der heutige Tag ist ein Tag der Trauer. Zehn Jahre sind verflossen, seit in Ver­sailles deutsche Friedcusunterhändler ge­zwungen waren, ihre Unterschrift unter eine Urkunde zu setzen, die für alle Freunde des Rechts und des wahren Frie­dens eine bittere Enttäuschung bedeutete. Zehn Jahre lastet der Vertrag auf allen Schichten des deutschen Volkes, aus Geistes­leben und Wirtschaft, auf dem Werk des Arbeiters und des Bauern. Es hat zäher und angestrengter Arbeit und einmütigen Beisammenstehens aller Teile des deut­schen Volkes bedurft, um wenigstens die schwersten Auswirkungen des Versailler Vertrages abzuwenden, die unser Vater­land in seinem Dasein bedrohten und das wirtschaftliche Gedeihen ganz Europas in Frag« stellen.

Deutschland hat den Vertrag unter­zeichnet, ohne damit auzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des

Krieges fei.

Dieser Vorwurf läßt unser Volk nicht znr Ruhe kommen und stört das Vertrauen unter den Rationen. Wir wissen uns eins mit allen Deutschen in der Zurückweisung der Behauptung der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege und in der festen Zuversicht, daß dem Gedanken eines wahren Friedens, der nicht auf Diktaten, sondern auf der übereinstimmenden und ehrlichen Ueberzeuguug freier und gleichbe­rechtigter Völker beruhen kau», die Zu­kunft gehört.

Berlin, den 28. Juni 1929.

Der Reichspräsident: gez. o. Hindenburg.

Die Reichsregierung:

gez. Müller, gez. Stresemann, gez. Croener, gez. Curtius, gez. Wirth, gez. Dr. Schätze!, gez Wisiell, gez. Dr. Hilferding, gez. Seve- ring, gez. Dietrich, gez. v. Euärard, gez. Dr. h. c. Stegerwald.

Was uns geraubt würbe

Di« Verluste Deutschlands infolge des Ver­sailler Diktats ergeben folgendes Bild:

1. An Land und Bott in Europa:

72 466 Quadratkilometer mit 7 128 867 Be­wohnern. Es fielen im einzelnen: Eljatz- Lothrinsen an Frankreich; Euven-Malmedy und Moresnet an Belgien; der gröhere Teil der früheren Provinzen Posen und Westvreu- tzcn sowie Teile von Ostvreuhen, Schlesien und Pommern an Polen; das Huldschiner Ländchen an die Tschechoslowakei; Nordschles- wtg an Dänemark; das Memelgebiet erhielt eine internationale Verwaltung; Danzig wurde unter dem Nennen einer .Ffteien Stadt" dem Völkerbund unterstellt; das Saargebiet erhielt eine vom Völkerbund er­nannte Regierung, seine Kohlengruben wur­den französisches Eigentum. 15 Jahre nach Abschluh des Versailler Diktates soll die Saarbevölkerung durch Abstimmung entschei­den, unter roeßat Souveränität sie »u leben wünscht.

2. An überseeischen Besitzungen:

2,95 Millionen Quadratkilometer, die aus Grund der Kolonialschuldlüge vom Völker­bund an fremde Mandatare vergeben wurden. Dabei erhielten: Enaland Deutsch-Qststfrika; die Südafrikanische Union Deutsch Südwest- ajrcka, Togo und Kamerun wurden aetelU.

Javan erhielt Kiautschau; die Besitzungen in der Südsee wurden unter Neuseeland, Austra­lien und Japan aufgeteilt.

3. An Hoheitrrechten:

Das finle Rheinufer einschliesil. der rechts­rheinischen Brückenköpfe Köln, Koblenz und Mainz wurden auf die Dauer von 15 Jahren franzöfisch-englisch-belgischer Besatzung unter­stellt. Der Brückenkovf KAn ist inzwischen ge­räumt worden, der von Koblenz soll nach 10, der von Mainz nach 15 Jahren geräumt wer­den. „Nichterfüllung der Revarationsvervflich- tungen" gibt den genannten Mächten das „Recht" unbegrenzter Verlängerung der Be­setzungsfristen. Das linke Rheinufer und ein Gebietsstreisen von 50 Kilometern rechts des Rheines bleiben militärisch ständig neutrali­siert. Deutschland mutzte auf die allgemeine Webroflicht verzichten und wurde fast völlig entwaffnet. Es wurde ihm lediglich zugebil­ligt, zu Lande eine Armee von sieden Infan­terie- und drei Kavallerie-Divisionen, im gan­zen 100 000 Mann mit 4000 Offizieren. Zur See: sechs veraltete Linienschiffe, sechs kleine Kreuzer, zwölf Zerstörer, zwölf Torpedoboote. Lufistrcitkräfte zu Wasser und zu Land ebenso wie Lenkluflschiffe zu militärischen Zwecken'

• wurden verboten.

4. Sn Sandelsfchflfen:

SämEche Schifte über 2500 Brutto-Register- tonnen. Der Gesamtverlust an Schiffen, Neu­bauten, pafenmaterial usw. betrug 5^25 Mil­lionen Brutto-Registertonnen.

5. Au Eisenbahnmateriai-

9000 Lokomotive« rob 275 000 «isinbatzw wagen.

6. An Privateigentum hn Ausland:

Das gesamte deutsche Eigentum im Aus­land wurde als „Pfand" beschlagnahmt. Dazu treten Ablieferungen grober Teile des irlän­dischen Viehbestandes, an Farbstoffen, an Solz, landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Maschinen. Kohlen, Forstpflanzen und Säme- veien. Ebenso verlor Deutschland feine sämt­lichen lleberseekabel.

Kunögkbungtn

Der Vorstand des deutschen RÄchs- kriegerbundes „Khsshä «ser" hat an die Reichsregierung ein Schrechen gerichtet, in dem er mitteilt, daß der Reichskriegerbund „Khffhüuser" es sich zur Aufgabe gemacht habe, im Jahre 1929, das den 10jährigen Jahrestag der er­zwungenen Unterschrift unter das Diktat von Versailles bringe,

das dentsche Volk $n einem plan­mäßigen und kraftvollen Kampf gegen die Kriegsschuldküge ausznrusen.

Der Bund fühle sich dazu berufen, Weik er sich frei fühle von allen parteipolitischen Absichten und weil seine Mitglieder sich ganz besonders in ihrer Soldatenehre ver­letzt fühlten durch die Mantelnote, die ihnen verbrecherische Kriegsführung dor- wirft. ES sei zu hoffen, daß die von dem Bund seit längerer Zett eingeleitete De- wegnng gegen die Kriegsschuldlüge durch die Kundgebungen am 28. Juni neue Stoßkraft gewinnen und über alle Partei­unterschiede hinweg jene Einigkett erzielen werde, die erneut die Möglichkeit zu der Geschlossenheit des Handelns nach außen gibt, ©inigleit im Wollen sei vorhanden, nar der Weg sei umstritten.

Schon jetzt sei der Beweis erbracht, daß jeder Erfolg versprechende Schritt der Negierung zur Beseitigung der Lüge den größten und freudigsten Widerhall in allen Kreisen der

Bevölkerung finden würde

und daß es an der Zeit sei, in großzügiger Weise die Zweifel der Well zu zerstreuen. Im Namen seiner 3 Millionen Mitglieder bittet der Kyffhäuserbund die Reichsregie­rung dringend, jedes mögliche Mittel an­zuwenden, um als notwendige Vorbeding­ung jeder Völkerversöhnung die Versailler Kriegsschuldthese zu Fall zu bringen.

Die Aerzte gegen die Bazillenlüge.

Auf dem gestern in Essen eröffneten 48. Deutschen Aerztetag gab der 1. Vorsitzende des Deutschen Aerztevereinsbundes, Ge­heimer Sanitätsrat Dr. h.c. Stander in seiner Eröffnungsrede folgende Er- llärung über dis angeblich von deutscher Seite erfolgte Verwendung von Pestbazil­len im Weltkriege ab:

In aller Kürze sei noch zu einem Punkt Stellung genommen, der m. E. im Inter­esse der Ehre und des öffentlichen An­sehens der Deutschen Aerzteschaft nicht un­erörtert bleiben darf. Ich halte es für nötig, Behauptungen des Vorsitzenden der englischen Chirurgischen Gesellschaft, Lord Moynihan, daß im Februar 1918 in deutschen Bomben Pestbazillen auf die englischen Linien abgeworfen worden seien, als unwahrzurückzuweisen.Zwar ist bereits seitens des deutschen Bvtschaf- schafters in London erklärt worden, daß zu keiner Zeit in deutschen Fliegerbomben Pest- oder andere Bazillen eingeführt wurden, noch jemals der Versuch dazu ge­macht wurde. Auch in englischen Aerzte- kreijen, in der englischen Presse und durch