Rsntog.
ton 24. 8«m ms
Di« ,/Oberh«ssische Zeitung" erscheint sechsmal wt-yenllich. Be zuaspreis monatlich 2.10 GM.aus. schiießl. Zustellungsgebühr, durch hiePost2.35 GM.Für etwa infolge Htreik«, Maschinendefekt« oder ^«mentarer Ereignisie ausfallend« Kummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag b. Dr. §. Hiheroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei v. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der 5t«>«Ittott von 10—11 und «),1-1 U>«.
ÄberheMhe
Anzeiger für (das frühere ürrheMche) Oberheffen
to.M5 «.«ma Rarburg o. Lohn
Der Anzeigenpreis betrüg! für de« lOgefpalt. ZeUenmillimetee 0.08 ®9R, kleine Baranzeigrn 0.06 GM„ amtlich« und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Vei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50 ’/» Aufschlag. — Sammeianzeiqen 100 ’l» Aufschlag. Reklamen der MiMm. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet,ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark = '/«.»Dollar.
NrrZmger dsr amtlichen Bskanntmachrrngen für Stadt mrd Kveis Marburg.
3R3W
MM M WßmMWM Aurtzrackr
Sr. Wsmaaa nfct 1(6 vsrsuMM Nute an brr MM teteüism
Infolge der plötzlichen Erkrankung des Reichsautzenministers Dr. Strefemann haben am Sonnabend die ursprünglichen Dispositionen für den Ablauf der großen politischen Aussprache, die an diesem Tage beginnen sollte, eine Abänderung erfahren müssen. Nach einem kurzen Referat des Reichsfinanzministers Dr. H i l f e r d i n g über den Kriegslastenetat ging der Reichstag, obwohl offiziell der Haushalt des Auswärtigen Amtes auf der Tagesordnung stand, zur
Beratung des Etats des Ministeriums für die besetzten
Gebiete
über. Eeschäftsordnungsschwierigkeiten ergaben sich dabei nicht, da der Aeltestenral schon vorher beschlossen hatte, diesmal die Etats des Auswärtigen, der besetzten Ee- ' biete und der Kriegslasten im Zusammenhang zu behandeln. Es war sogar eine glückliche Fügung, daß auf diese Weise der Reichstag Gelegenheit erhielt, schon vor Beginn der eigentlichen offiziellen außenpolitischen Aussprache seine Meinung l kundzutun in einer Frage, die in einem intrennbaren Zusammenhang mit der Re- mrationsfrage, auf die sich die außenpoli- «be Debatte der Woche konzentrieren mrd, steht. Wenn man auch davon abgesehen hat, die Forderungen des deutschen Reichstages hinsichtlich der Räumungs- stage noch einmal in Form einer feierlichen Entschließung wiederzugeben, so hat fich doch schon am Samstag, wie auch gar- mcht anders zu erwarten war, mit zwei- selsfreier Klarheit ergeben, daß
der neue Reparationsplan für den deutschen Reichstag nnr annehmbar
■ ist, wenn Garantien dafür geschaffen «erde«, daß Rhein «nd Saar schleunigst frei werden.
’3tt dieser Forderung sind fich alle Par- reien des Reichstages, von den Kommunisten bis zu den Nationalsozialisten, einig. Von allen Rednern wurde auch zum Ausdruck gebracht, daß zu der „Ee- samtliquidierung des Krieges", von der jetzt so viel die Rede ist, insbesondere auch die Rückkehr des Saargebiets zum Mutterlands gehört. Uebereinstimmend wurde weiter betont, daß die Räumung des Rheinlandes und die Freigabe der Saar vorbehalt- und bedingungslos zu erfolgen hat. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Räumung des Rheinlan- des unsererseits mit irgend einem über das Jahr 1935 dauernden Kontrollmechanismus erkauft wird.
. Ihr besonderes Gepräge erhielt die Aussprache durch die Erklärungen, die der .Minister für die besetzten Gebiete abgab.
Dr. Wirth
hat davon abgesehen, hochpolitische Ausführungen zu machen. Er hat insbesondere sich nicht zur Räumungsfrage geäußert, offenbar, weil er hier, da es sich m erster Linie um eine außenpolitische -Frage handelt, den zu erwartenden Erklärungen des Außenministers nicht vorstreifen wollte. Bedeutsam waren aber feine Mitteilungen über das Westprostramm, das er auf einen Beschluß des Kabinetts hin aufgestellt hat. Dieses Westprogramm gilt selbstverständlich auch für den Fall, daß das besetzte Gebiet in Absehbarer Zeit geräumt wird. Es ist wgar auf einen längeren Zeitraum — Mindestens 10 Jahre — abgestellt mit dem 3iel, die wirtschaftlichen und kulturellen Schäden, die durch die Besetzung und die ^wrenzzerschneidung im Westen entstanden stnd, durch eine systematische Wiederauf- •toarbeit allmählich zu beseitigen.
Besserung im Befinde« Dr. Strefemanns.
Das Befinden des Reichsminrsters des Aeußern Dr. Etresemann war gestern vormittag recht gut. Die arteriellen Schmerzen im Bein haben nachgelassen. Dr. Stresrmann wird sicherlich heute im Reichstag in die über de« Etat des Auswärtigen Amtes stattfindende Debatte eingreif««.
Trotzkis Smreisesrsuch nach England abgelehut.
Konstantinopel, 22. Statt. Trotzki hat am Sonnabend ein Telegramm seines
Londoner Vertreters erhalten, demzufolge die englische Regierung die Einreise Trotzkis nach England vorläufig ablehnt. Trotzki will nunmehr seinen Antrag beim Generalkom ulat in Konstantinopel zurückziehen und vorläufig in der Türkei bleiben. Zu seinen Reiseplänen hat ihm di« amerikanische Arbeiter- vereinigung mit geteilt, daß der Staatssekretär Stimson sich gegen seine Einreise ausgesprochen habe. Trotzki erklärte, di« ablehnende Haltung der Großmächte habe das Ziel, seine Gesundheit zu zerstören, um zu verhindern, daß er sich als Journalist in diesen Ländern betätige.
Sie Wahlen in ReülevSurg s« «tiimstse Lrsrbnts
Die gestn'gen Wahlen zum mecklenburgischen Landtag sind nach den bis 17.30 Uhr vorliegenden Meldungen in allen Teilen des Landes ruhig ve-r lau feit. In der Nacht zum Sonntag war es m Schwerin jedoch zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Reichsbannerleuten gekommen, bei der em Polizeibeamte^ von Kommunisten verletzt wurde. Ein Kommunist wurde verhaftet.
,Die Wahlbeteiligung war im Laufe des Dormittags recht rege. Bis gegen 13 Uhr hatten inSchwerin 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Man rechnet in Schwerin mit einer Wahlbeteiligung von über 80 Prozent.
Durch Vergrößerung der einzelnen Stimmbezirke ist die Zahl der Bezirke von 1500 auf 997 herabgesetzt worden. Gewählt wurde in den ländlichen Bezirken bis 4 Uhr, ht den Städten bis 6 Uhr. Bis 6 Uhr wurden gezählt in 100 Wahlbezirken für Liste 1 (Sozialdemokraten) 4773, Liste 2
(Einheitsblock) 5458, Liste 3 (Kommunisten) 332, Liste 4 (Volkswohlfahrt) 65, Liste 5 (Demokraten) 243, Liste 6 (Nationalsozia- 4 Wen) <147, Kists- 7 (Weckfimburgfichsr Bauernbund) 687.
Vorläufiges Endergebnis (es fehlen nur noch 34 Wahlbezirke): Sozialdemokr. 117 803, Einheitsliste 136 424, Kommunisten 16131, Volkswoblfahrt 7453, Demokraten 3778, Nationalsozialisten 12 554, Bauernpartei 7713.
Wie das Statistische Landesamt mitteilt, werden nach den vorläufigen Berechnungen die Parteien in folgender Stärke in den Landtag einzieben (die Ziffer in Klammern beziehen fich auf 1927):
Sozialdemokraten 20 (21)
Einheitsliste 23 (24)
Kommunisten 3 (3)
Volkswoblfahrt 1 (2)
Demokraten / 1 (2)
Nationalsozialisten 2 (0)
Bauernpartei 1 (0).
JMchllM Kampf gegen Ar KliegrschliMge
Anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Diktats beschäftigen sich die „Berliner 3R o = natschefte für internationale Aufklärung" m ihrer soeben erschienenen Ausgabe mit der Kriegsschuldfrage, wobei insbesondere der Kampf bis zur Unterzeichnung des Vertrages geschildert wird. Reben Aufsätzen der bekannten Kriegsschuldforscher ist besonders die Arbeit Alfred von Wegerers beachtenswert. An Hand des Notenmaterials, das damals zwischen BroSdorff-Raatzau und Clemenceau gewechselt wurde, zeigt der Verfasser, wie es zu dem berüchtigten Artikel 231 des Versailler Vertrages, in dem Deutschland und seinen Verbündeten die Schuld am Kriege zugeschoben wird, kam. Insbesondere geht aus dem Notenwechsel zwischen Clemenceau und Brockdorff-Rantzau die ganze Bedeutung der Kriegsschuldfrage für die von den Alliierten praktisch verfolgten und heute erreichten Ziele hervor. Deutschland hatte den Wafien- stillstand in dem Vertrauen abgeschlosien, daß der Friede auf den 14 Punkten Wilsons und der Lansing-Note vom 5. November 1918 beruhen würde.
Statt dessen wurde Deutschland mit der Begründung der angebliche« Schuld am Kriege ei« Schadenersatz assgezwange«, der über die dentsche Verpflichtung i« der La«fi«g-Rote hina«sging.
Der Verfasier stellt fest, daß heute, zehn Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages, fich das Bild bereits gewaltig zu Gunsten Deutschlands geändert habe, und hofft, daß einst auch am Quai d'Orsay oder im jorcign Office neue Männer einziehen werden, die in der Wiederherstellung der Gerechtigkeit nicht nur eine selbstverständliche Pflicht, sondern auch eine staatsmännische Klugheit sehen.
Besprechungen im Reichsermihruuas- »inisterium.
Im Reichsernährungsministerium fand am Sonntag 17 Uhr eine Konferenz der Führer der Regierunsspafieien und landwirtschaftlicher Sachverständiger statt, in der, wie der .Montag" meldet, über alle Zoll- fragen verbandelt werden sollte. Das Ergebnis der Besorechung soll, dem genannten Blatt zufolge, die Grundlage für eine Beratung des Kabinetts am Montag vormittag bilden. Die Besorechung dauerte bis 20 Uhr.
Wie die „M o n t a g s v o st" erfahren haben will, soll man den Plan des Getreide- Handelsmonopols endsültig fallen gelassen haben.
SmnMche NerMppimMiM
Der vom Reichskabinett in seinem Kommunique über die Freitagssitzung geforderte Gefamtliquidierung der noch schwebenden Fragen aus dem Weltkriege als logische Folgerung der durch den Pcmng- Plan geregelten Reparationsfrage dürften unzweifelhaft noch große Schwierigkeiten im Wege stehen. Wenn man die französische Presse in den letzten Tagen der-« folgt hat, so konnte man teils Mahnungen, teils wohlklingende Ratschläge bemerke«, die mehr oder minder eine grundsätzliche Abneigung, die weitere Durchführung des Genfer Pcotobllls zu erfüllen, erkennen
Eugkmb sucht wieder NerbiudMg mit Rußlaub
Joseph Montagne Kenworthy, der bekannt« englische Arbeiterführer, soll in inoffiziellem Auftrage nach Rußland fahreir, um di« Möglichkeiten einer Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zwischen England und Rußland $u studieren. Kenntworthh, der stets für eine Verständigung mit Rußland eingetreten ist, gilt als besonderer Vertrauter des Ministerpräsidenten.
(Rach einer ««Fischen Karikatur).
lassen. Das Wort Liquidierung der Aach- kriegsftagen scheint für die Politiker sowohl der Rechten als auch der gemäßigten Linken in Frankreich noch einen unangenehme« Beigeschmack zu haben. Es wird an den Genfer Besckstüssen herumgedeutelt und nach allerlei Argumente« gesucht, um den klaren Anspruch Deutschlands auf völlige Wiederherstellung seiner Souveränität mtt einem „Wenn" und einem „Aber" zu versehen. So meint z. B. der immer gut unterrichtete Perttnax im „Echo de Paris", Deutschland habe nicht bis Recht, für die Aebernahme der neuen ihm unterbreiteten Verpflichtungen noch ein Trinkgeld zu verlangen, wenn sein Recht, sich der Erfüllung des Dawesplanes zu. entziehen, anerkannt worden wäre. Frankreich wolle die Freiheit haben, be« Rhein nach feinem freien Ermessen zu räumen und zwar nur, wenn der Poung- p l a n in vollem Gange sei und wenn über dte Kommerzialis ierung des ungeschützten Telles der deutschen Tribute kein Zweifel mehr bestehe.
Der andere Vorbehatt, der von ftan- zösischer Seite gemacht wird, ist die Einsetzung des FeftstellungS-' und Ausgleichskomitees zur Aeberwachung der entmilitarisierten Rheinlandzone. Auch eine rasche Lösung der Saarfrage im Sinne der deutschen