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ÄberheMhe

Anzeiger für (das frühere ürrheMche) Oberheffen

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Infolge der plötzlichen Erkrankung des Reichsautzenministers Dr. Strefemann ha­ben am Sonnabend die ursprünglichen Dispositionen für den Ablauf der großen politischen Aussprache, die an diesem Tage beginnen sollte, eine Abänderung erfahren müssen. Nach einem kurzen Referat des Reichsfinanzministers Dr. H i l f e r d i n g über den Kriegslastenetat ging der Reichs­tag, obwohl offiziell der Haushalt des Auswärtigen Amtes auf der Tagesord­nung stand, zur

Beratung des Etats des Mini­steriums für die besetzten

Gebiete

über. Eeschäftsordnungsschwierigkeiten er­gaben sich dabei nicht, da der Aeltestenral schon vorher beschlossen hatte, diesmal die Etats des Auswärtigen, der besetzten Ee- ' biete und der Kriegslasten im Zusammen­hang zu behandeln. Es war sogar eine glückliche Fügung, daß auf diese Weise der Reichstag Gelegenheit erhielt, schon vor Beginn der eigentlichen offiziellen außen­politischen Aussprache seine Meinung l kundzutun in einer Frage, die in einem intrennbaren Zusammenhang mit der Re- mrationsfrage, auf die sich die außenpoli- «be Debatte der Woche konzentrieren mrd, steht. Wenn man auch davon abge­sehen hat, die Forderungen des deutschen Reichstages hinsichtlich der Räumungs- stage noch einmal in Form einer feier­lichen Entschließung wiederzugeben, so hat fich doch schon am Samstag, wie auch gar- mcht anders zu erwarten war, mit zwei- selsfreier Klarheit ergeben, daß

der neue Reparationsplan für den deutschen Reichstag nnr annehmbar

■ ist, wenn Garantien dafür geschaffen «erde«, daß Rhein «nd Saar schleu­nigst frei werden.

’3tt dieser Forderung sind fich alle Par- reien des Reichstages, von den Kommu­nisten bis zu den Nationalsozialisten, einig. Von allen Rednern wurde auch zum Ausdruck gebracht, daß zu der „Ee- samtliquidierung des Krieges", von der jetzt so viel die Rede ist, insbesondere auch die Rückkehr des Saargebiets zum Mutterlands gehört. Uebereinstimmend wurde weiter betont, daß die Räumung des Rheinlandes und die Freigabe der Saar vorbehalt- und bedingungslos zu er­folgen hat. Es kann gar keine Rede da­von sein, daß die Räumung des Rheinlan- des unsererseits mit irgend einem über das Jahr 1935 dauernden Kontrollmecha­nismus erkauft wird.

. Ihr besonderes Gepräge erhielt die Aussprache durch die Erklärungen, die der .Minister für die besetzten Gebiete abgab.

Dr. Wirth

hat davon abgesehen, hochpolitische Ausführungen zu machen. Er hat insbe­sondere sich nicht zur Räumungsfrage ge­äußert, offenbar, weil er hier, da es sich m erster Linie um eine außenpolitische -Frage handelt, den zu erwartenden Er­klärungen des Außenministers nicht vor­streifen wollte. Bedeutsam waren aber feine Mitteilungen über das Westpro­stramm, das er auf einen Beschluß des Kabinetts hin aufgestellt hat. Dieses Westprogramm gilt selbstverständlich auch für den Fall, daß das besetzte Gebiet in Absehbarer Zeit geräumt wird. Es ist wgar auf einen längeren Zeitraum — Mindestens 10 Jahre — abgestellt mit dem 3iel, die wirtschaftlichen und kulturellen Schäden, die durch die Besetzung und die ^wrenzzerschneidung im Westen entstanden stnd, durch eine systematische Wiederauf- •toarbeit allmählich zu beseitigen.

Besserung im Befinde« Dr. Strefemanns.

Das Befinden des Reichsminrsters des Aeußern Dr. Etresemann war gestern vormittag recht gut. Die arteriellen Schmerzen im Bein haben nachgelassen. Dr. Stresrmann wird sicherlich heute im Reichstag in die über de« Etat des Aus­wärtigen Amtes stattfindende Debatte eingreif««.

Trotzkis Smreisesrsuch nach England abgelehut.

Konstantinopel, 22. Statt. Trotzki hat am Sonnabend ein Telegramm seines

Londoner Vertreters erhalten, demzufolge die englische Regierung die Einreise Trotzkis nach England vorläufig ablehnt. Trotzki will nunmehr seinen Antrag beim Generalkom ulat in Konstantinopel zurückziehen und vorläufig in der Türkei bleiben. Zu seinen Reise­plänen hat ihm di« amerikanische Arbeiter- vereinigung mit geteilt, daß der Staatssekretär Stimson sich gegen seine Einreise ausge­sprochen habe. Trotzki erklärte, di« ablehnende Haltung der Großmächte habe das Ziel, seine Gesundheit zu zerstören, um zu verhindern, daß er sich als Journalist in diesen Ländern betätige.

Sie Wahlen in ReülevSurg s« «tiimstse Lrsrbnts

Die gestn'gen Wahlen zum mecklenburgi­schen Landtag sind nach den bis 17.30 Uhr vorliegenden Meldungen in allen Teilen des Landes ruhig ve-r lau feit. In der Nacht zum Sonntag war es m Schwerin jedoch zu einer Schlägerei zwischen Kommu­nisten und Reichsbannerleuten gekommen, bei der em Polizeibeamte^ von Kommunisten verletzt wurde. Ein Kommunist wurde ver­haftet.

,Die Wahlbeteiligung war im Laufe des Dormittags recht rege. Bis gegen 13 Uhr hatten inSchwerin 40 Prozent der Wahl­berechtigten ihre Stimme abgegeben. Man rechnet in Schwerin mit einer Wahlbe­teiligung von über 80 Prozent.

Durch Vergrößerung der einzelnen Stimm­bezirke ist die Zahl der Bezirke von 1500 auf 997 herabgesetzt worden. Gewählt wurde in den ländlichen Bezirken bis 4 Uhr, ht den Städten bis 6 Uhr. Bis 6 Uhr wurden gezählt in 100 Wahlbezirken für Liste 1 (Sozialdemokraten) 4773, Liste 2

(Einheitsblock) 5458, Liste 3 (Kommunisten) 332, Liste 4 (Volkswohlfahrt) 65, Liste 5 (Demokraten) 243, Liste 6 (Nationalsozia- 4 Wen) <147, Kists- 7 (Weckfimburgfichsr Bauernbund) 687.

Vorläufiges Endergebnis (es fehlen nur noch 34 Wahlbezirke): Sozialdemokr. 117 803, Einheitsliste 136 424, Kommunisten 16131, Volkswoblfahrt 7453, Demokraten 3778, Na­tionalsozialisten 12 554, Bauernpartei 7713.

Wie das Statistische Landesamt mitteilt, werden nach den vorläufigen Berechnungen die Parteien in folgender Stärke in den Land­tag einzieben (die Ziffer in Klammern be­ziehen fich auf 1927):

Sozialdemokraten 20 (21)

Einheitsliste 23 (24)

Kommunisten 3 (3)

Volkswoblfahrt 1 (2)

Demokraten / 1 (2)

Nationalsozialisten 2 (0)

Bauernpartei 1 (0).

JMchllM Kampf gegen Ar KliegrschliMge

Anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Diktats beschäftigen sich die „Berliner 3R o = natschefte für internationale Aufklärung" m ihrer soeben er­schienenen Ausgabe mit der Kriegsschuld­frage, wobei insbesondere der Kampf bis zur Unterzeichnung des Vertrages geschil­dert wird. Reben Aufsätzen der bekannten Kriegsschuldforscher ist besonders die Ar­beit Alfred von Wegerers beach­tenswert. An Hand des Notenmaterials, das damals zwischen BroSdorff-Raatzau und Clemenceau gewechselt wurde, zeigt der Verfasser, wie es zu dem berüchtigten Artikel 231 des Versailler Vertrages, in dem Deutschland und seinen Verbündeten die Schuld am Kriege zugeschoben wird, kam. Insbesondere geht aus dem Noten­wechsel zwischen Clemenceau und Brockdorff-Rantzau die ganze Be­deutung der Kriegsschuld­frage für die von den Alliierten prak­tisch verfolgten und heute erreichten Ziele hervor. Deutschland hatte den Wafien- stillstand in dem Vertrauen abgeschlosien, daß der Friede auf den 14 Punkten Wil­sons und der Lansing-Note vom 5. No­vember 1918 beruhen würde.

Statt dessen wurde Deutschland mit der Begründung der angebliche« Schuld am Kriege ei« Schadenersatz assgezwange«, der über die dentsche Verpflichtung i« der La«fi«g-Rote hina«sging.

Der Verfasier stellt fest, daß heute, zehn Jahre nach der Unterzeichnung des Ver­trages, fich das Bild bereits gewaltig zu Gunsten Deutschlands geändert habe, und hofft, daß einst auch am Quai d'Orsay oder im jorcign Office neue Männer ein­ziehen werden, die in der Wiederher­stellung der Gerechtigkeit nicht nur eine selbstverständliche Pflicht, sondern auch eine staatsmännische Klugheit sehen.

Besprechungen im Reichsermihruuas- »inisterium.

Im Reichsernährungsministerium fand am Sonntag 17 Uhr eine Konferenz der Führer der Regierunsspafieien und landwirtschaft­licher Sachverständiger statt, in der, wie der .Montag" meldet, über alle Zoll- fragen verbandelt werden sollte. Das Er­gebnis der Besorechung soll, dem genannten Blatt zufolge, die Grundlage für eine Bera­tung des Kabinetts am Montag vormittag bilden. Die Besorechung dauerte bis 20 Uhr.

Wie die „M o n t a g s v o st" erfahren haben will, soll man den Plan des Getreide- Handelsmonopols endsültig fallen gelassen haben.

SmnMche NerMppimMiM

Der vom Reichskabinett in seinem Kom­munique über die Freitagssitzung gefor­derte Gefamtliquidierung der noch schwe­benden Fragen aus dem Weltkriege als logische Folgerung der durch den Pcmng- Plan geregelten Reparationsfrage dürften unzweifelhaft noch große Schwierigkeiten im Wege stehen. Wenn man die franzö­sische Presse in den letzten Tagen der-« folgt hat, so konnte man teils Mahnungen, teils wohlklingende Ratschläge bemerke«, die mehr oder minder eine grundsätzliche Abneigung, die weitere Durchführung des Genfer Pcotobllls zu erfüllen, erkennen

Eugkmb sucht wieder NerbiudMg mit Rußlaub

Joseph Montagne Kenworthy, der bekannt« englische Arbeiterführer, soll in inoffiziellem Auftrage nach Rußland fahreir, um di« Möglichkeiten einer Wiederherstellung der Handelsbeziehungen zwischen England und Rußland $u studieren. Kenntworthh, der stets für eine Verständigung mit Rußland einge­treten ist, gilt als besonderer Vertrauter des Ministerpräsidenten.

(Rach einer ««Fischen Karikatur).

lassen. Das Wort Liquidierung der Aach- kriegsftagen scheint für die Politiker so­wohl der Rechten als auch der gemäßigten Linken in Frankreich noch einen unange­nehme« Beigeschmack zu haben. Es wird an den Genfer Besckstüssen herumgedeutelt und nach allerlei Argumente« gesucht, um den klaren Anspruch Deutschlands auf völ­lige Wiederherstellung seiner Souveräni­tät mtt einem „Wenn" und einem „Aber" zu versehen. So meint z. B. der immer gut unterrichtete Perttnax im „Echo de Paris", Deutschland habe nicht bis Recht, für die Aebernahme der neuen ihm unterbreiteten Verpflichtungen noch ein Trinkgeld zu verlangen, wenn sein Recht, sich der Erfüllung des Dawesplanes zu. entziehen, anerkannt worden wäre. Frankreich wolle die Freiheit haben, be« Rhein nach feinem freien Ermessen zu räumen und zwar nur, wenn der Poung- p l a n in vollem Gange sei und wenn über dte Kommerzialis ierung des un­geschützten Telles der deutschen Tribute kein Zweifel mehr bestehe.

Der andere Vorbehatt, der von ftan- zösischer Seite gemacht wird, ist die Ein­setzung des FeftstellungS-' und Ausgleichs­komitees zur Aeberwachung der entmilitarisierten Rheinland­zone. Auch eine rasche Lösung der Saarfrage im Sinne der deutschen