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Anzeiger für (das frühere knrhessische) OSerheffe«

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Nr.M 64. Wo. Marburg a. Laho

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ff. London, 13. Juni. Zur Rhein­landräumung meldet der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" und stellt dabei fest, indem er besonders dre Feststellung von Deutschland und Frank­reich neu begrüßt, daß kein Versuch für den Abschluß eines konkreten Abkommens ge­macht würde. Die gegenwärtige eng­lische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß derartige Angelegenhei­ten nicht allein Deutschland und Frank­reich berührten, sondern Deutschland und die Alliierten als Ganzes. Diese Ansicht hat die Unterstützung Ita­liens und Japans, wie auch Belgiens. Alle Berichte über eine Entscheidung Briands und Siresemanns hinsichtlich des Datums, die personelle Zusammensetzung und die Aufgaben einer neuen Konferenz wären daher zurückzuweisen. Die englische Re­gierung habe in der Räumungsfrage bis­her noch nichts unternommen, aber man kann mit Bestimmtheit erwarten, daß sie in der nächsten Woche nach der Rückkehr Romsay Macdonalds und Henderson nach London die diplomatische Initia­tive ergreifen werde. Auf franzö­sischer Seite bestehe ganz offentsichtlich eine ßewisse Abneigung, eine solche Konferenz m naher Zukunft zu beschicken. Wenn man sie schließlich nicht vermeiden kann, sollte man die Bedeutung dieser Konferenz wenigstens durch persönlichen und sachlichen Einschränkungen herabmindern. Die Außen­minister allein würden nicht zuständig sein, sich mit dem Sachverständigen-Bericht zu befaßen. Die besondere Kenntnis der Fi­nanzminister und deren Mitarbeiter wer­den für diesen Zweck unentbehrlich sein.

Darüber hinaus sei die ganze Frage derartig bedeutungsvoll, daß die An­wesenheit der Ministerpräsidenten der betreffenden Länder erwünscht sei. Ramsay Macdonald beab­sichtigt jedenfalls im gegenwärtigen Augenblick an den Verhandlungen teilzunehmen und es bestehe Grund für die Annahme, daß Reichskanzler Müller ebenso wie Dr. Marx im Jahre 1924 eine Möglichkeit begrüßte, der Besprechung beizuwohnen. Selbst Poincarck werde zuguterletzt durch die Notwendigkeit eines direkten Mei­nungsaustausch mit dem englischen und dem deutschen Kollegen bewogen . werden könne».

Der englische Schatzkanzler Snowden und seine Mitarbeiter bewahren vorläufig ein auffälliges Stillschweigen über den doungbericht. Man wisse aber, daß in höchsten englischen Finanzkreisen der Be­richt in verschiedener Hinsicht sehr ernste Kritik fände, ganz abgesehen von der an­geregten neuen Verteilung der deutschen Jahreszahlungen unter die Alliierten. Die Hauptgründe seien folgende:

daß der Verlust für England durch Verzicht auf die Rückzahlung der früheren englischen Schuldenleistungen an die Vereinigten Staaten wenigstens 4 Milliarden Mark ausmachen würden.

2. daß die Zahlung von 25 Milli­onen Pfund von insgesamt 33 Milli­onen Pfund, die Deutschland unter dem Abkommen als ungeschützte Zahlung zu leisten habe, zu hoch sei,

* die Fortdauer der deutschen Sachliefe­rungen für eine weitere Zeit von Jahren werde auch in der gegenwärtig beobachteten Form beanstandet.

4. werde bezweifelt, ob die geplante internationale Bank in ihrer gegeywärtigen Form zu arbeiten ver­möge. Wenn ja, befürchte man, daß sie ihr Verfügung stehenden Finanzen

dazu benutzen wird, um den deut­schen Export zum Teil zum Schaden des englischen Exports, zu heben.

Dem Berichterstatter des gleichen Blat­tes zufolge, wird die Haltung der französi­schen Regierung in der Frage der Annahme des Poungberichtes sofort nach der Rückkehr Briands endgültig f e ft g e l eg t werden. Poincarck, der gegenwärtig den Bericht genau prüfe, habe zweifellos mehrere Bedingungen for­muliert, die erfüllt werden müßten, bevor die französischen Truppen aus dem Rhein­land zurückgezogen werden. Die französi­sche Regierung sei der Ansicht, daß das Problem des Saargebietes nicht zu einem Teil der Regelung der Reparations­konferenz und der Rheinlandfrage gemacht

Berlin, 12. Juni. Auf der am Mittwoch vormittag begonnenen Jahrestagung des Ver­eins deutscher Eisen- und Stahlindustriellcr wandte sich der neugewählte Vorsitzende Dr. ing.

Ernst Poenssen

mit allem Nachdruck gegen die Vorwürfe, die im Zusammenhang mit dem Rücktritt Vog­lers gegen diesen, sowie gegen Fritz Thyssen und gegen die deutsche Eisen­industrie gerichtet worden seien. Es sei ein zu betrübendes Bild deutscher Zerrissenheit und Uneinigkeit, daß auf diesen Rücktritt Vöglers die deutsche Preße den Gläubigerstaaten nun nicht etwa einBis hierher und nicht weiter!" entgegengeruien habe. Das Gegenteil sei lei­der der Fall gewesen. In unverantwortlicher Weise seien gegen Vogler unglaubliche und wahrheitswidrige Anwürfe geschleudert wor­den. Er selbst sei bei der Essener Besprechung anwesend gewesen und könne aus dieser Kenntnis feststellen, dass auch die neuerlichen Mitteilungen von Georg Bernhard, so­wie seine Zitate von Aeuherungen des Fritz Thyssen unrichtig und frei erfunden seien.

Er würde im übrigen an dieser Stelle nicht auf Form und Inhalt der Ausführungen Georg Bernhards eingehen, die richteten sich selbst, und diese Wirkung abzuschwächen sei schade. Eine Stellungnahme »u dem Ergebnis der Pariser Verhandlungen sei erst nach ein­gehendem Studium des Schlußberichtes mög­lich. Soviel stehe aber nach den eigenen Wor­ten Schachts heute schon fest, daß

Deutschland keinen Anlab habe, sich ütet die Ergebnisse der Konferenz zu freuen.

Der neue Zahlungsplan sei ein politischer, nicht, ein vstrtschaftlicher Versuch der Lösung der Revarationsfraae, er gebe nach allem,

erinnern, daß der Genfer Beschluß vom 15. September v. I., aufgrund dessen der Sach- verständigen-Ausschuß für eine end­gültige Regelung der Repara­tionen einberufen worden war, das Werk sämtlicher an der Regelung die­ses Problems direkt interessierter Mächte gewesen ist,' die französische Regierung ge­denke keineswegs, sich den Verpflichtungen zu entziehen, die sie durch die Annahme der obengenannten Entschließung über­nommen hat. Sie sei also durchaus ge­neigt zu vollster Zusammenarbeit mit sämtlichen Signataren. Die Abwesenhert dieser Signatare stehe nun dem entgegen, daß irgend eine Verhandlung während der Völkerbundstagung eingeleitet wird.

Deshalb konnte die Unterredung zwi­schen den beiden Außenministern auch nur einen informatorischen Charak­ter tragen. Ueber den begrenzten Gegen­stand ihrer Besprechung im Einvernehmen

werden dürfe. Sie wird vorschlagen, das Problem besonders zu besprechen.

Unterredung Stresemann-Briavd.

Paris, 11. Juni. Ueber die Unter­redung, die Reichsaußenminister Dr. Stresemann heute abend mit dem Minister für Auswärtige Angelegenheiten Briand hatte, berichtet der Havas-Vertre- ter in Madrid: Obwohl über die Unter­redung der beiden Minister nichts durchge­sickert ist, neigt man zu der Annahme, daß Stresemann diese Begegnung benutzt hat, um sich Wer gewisse Pro­bleme, die Deutschland und Frankreich be- soWers interessieren, auszulassen. Briand wird Dr. Stresemann aufmerksam zuge­hört, aber nicht verfehlt haben, daran zu

was man von ihm wrsie, ganz ohne Zweifel c/heblich über die deutsche Leistungsfähigkeit Linaus. Der Druck auf die deutsche Wirt- schait und auk die Reichsiinunsen bleibe auch nach dem Inkrafttreten des Boungfchen Planes so schwer, daß ernste finanr- und wirt­schaftspolitische Anstrengungen notwendig seien, um auch nur einigermaßen das Gleich­gewicht zu sichern. Die Lasten könnten über­haupt nur einigermaßen tragbar gemacht wer­den, wenn man die inneren Folgerungen ziehe, indem unsere Finanz-, Kredit-, Wirt­schafts- und Sozialpolitck neue Wese der Sparpolitik einschlage.

Auch der als Vertreter der Rcichsregierung erschienene

Reichswirtfchastsminister Enrttvs wandte sich gegen die in der Linkspresse er­folgten Angriff« auf Dr. Vogler. Dr. Curtius stellte ausdrücklich fest, daß Dr. Vögler nur von sich aus gebandelt bade und daß man nicht Klüngel wittern dürfe, wo letzte Ge- wisscnsentscheidungcn fallen. Um eine Nation sei es schlecht bestellt, deren Geschick nicht mehr durch freie Entscheidung von Männern be­stimmt wäre, die ihre Persönlichkeit in den Dienst des Vaterlandes stellen. Der Reichs- wtrtschaftsminister brachte Dr. Vögler feine Hochachtung und seinen Dank für die Tätig­keit in Paris zum Ausdruck. Er teilte mit, daß der Reichskanzler heute morgen den Dank der Reichsregierung in einem besonderen Schreiben an Dr. Vög­ler ausgesprochen bab«. Im übrigen beschäftigte sich der Minister mit den für die Schwerindustrie bedeutungsvollen Fragen. Drei große Probleme seien zur Zeit für die Eisen- und Stahlindustrie von aktuellem Wert: 1. die Erzversorgung, 2. die Sicherung des Schrotbezuses und 3. die internationalen Kartelle.

haben beide Staatsmänner beschloßen, in Zusammenarbeit mit den interessierten Mächten zu gegebener Zeit die praktischen Folgerungen aus diesen Ergebnissen zu ziehen.

Rach einer Meldung desTag" hat Dr. Stresemann in der Sitzung des Völker­bundsrates, der als Minderheitenkomitee tagte, in ein Kompromiß über die Londoner Denkschrift einge­willigt, die er in Lugano und auch schon vorher in der Frage des Minder­heitenschutzes erhoben hat. In der Rats­sitzung, die noch nach dem Rededuell der Außenminister stattfand, hat man sich auf folgendes geeinigt:

Das Minderheitenkomitee (der Rat) wird dem Völkerbundrat (also sich selbst) am kommenden Donerstag einen Bericht von Adatschi vorlegen, der zunächst als Beschlüße des Komitees die nebensächlichen (Fortsetzung siehe Seite 2.)

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Von Walter Hambach, Köln.

Während im Gegensatz zur Vorkriegs­zeit das reichsdeutsche Volk seit dem Welt­kriege im allgemeinen an den Geschicken seiner Volksgenossen, die als Minderheiten in fremdnationalen Staaten wohnen, inm- gen Anteil nimmt, ist das Deutschtum m der Anion der sozialistischen Sowjetrepu­bliken ein Stiefkind der deutschen öffent­lichen Meinung. Wohl mag vielleicht be­kannt sein, daß an der Wrstga auch Deutsche wohnen, aber das Schicksal dieser Volksgenossen interessiert nur insofern, als man Gelegenheit nehmen kann, das Sowjet- system abfällig zu kritisieren.

In der Sowjetunion wohnen zur Zekt rund IV» Millionen Deutsche. Geographisch verteilt sich das Sowjetdeutschtum wie folgt: Die stärksten und zahlreichsten deut­schen Siebungen finden wir in Südvlch- land, in der Landschaft um Odessa, im Chersones, im Bezirk von ZekaterinoÄaw, im Dongebiet und auf der Krim. Hier gibt es Hunderte von deutschen Dörfern. Solche finden wir weiter in Georgien und Aserbeidschan. Auch in der Amgebung von Leningrad gibt es einzelne deutsche Kolonistendörfer. Zn der Wvlgarepublik ist die Staatsverwaltung völlig deutsch, ja die Truppenteile führen deutsche Kom> mandosprache. Weiter im Osten finden wir Deutsche an der Transsibirischen Dahn im Omsker und Pawlodarer Gebiet. Zn (Nowosibirsk erscheint eine deutsche Zeitung, und der dortige Funksender bringt auch Vorträge in deutscher Sprache. Obwohl wir uns nunmehr dem Lande der ausgehen­den Sonne nähern, hören die deutschen Siedlungen nicht auf. Am Baikalsee lie­gen deutsche Dörfer, und in Zrkutsk gibt es eine große deutsche evangelische Kirche. Zm Amurgebiet entstehen gerade z. Z. deutsche Siedlungen, and auch der Stille Ozean ist bereits von deutschen Kolo- nfftendörfern erreicht.

Gewiß ist biefem Deutschtum die Füh­lung mit dem Reiche seit mehr als 150 Zähren verloren gegangen. Aber es hat seine Eigenart bis auf den heutigen Tag bewahrt. Zn Kasakstan kann man reinstes Bayrisch hören, am Asowschen Meer spricht man Platt aus der Danziger Riederung, in den 242 deutschen Dörfern der Krim kann man schwäbische und deutschböhmische Laute vernehmen- Zn der Akraine gibt es Hunderte von deutschen Elementarschulen, in Helenendorf und Transkaukasien eine deutsche Oberrealschule. Lehrerseminare, Mittel- und Dauernschulen an vielen Orten. Zn der deutschen WolgarepWlik ist eine deutsche Aniversität geplant.. Zm kommenden Sommer wird in der Haupt­stadt der WolgarepWlik Pokrowsk ein deut­scher Rundfunksenoer errichtet. Fast vier­hundert deutsche Kredit- unv Konsumge­nossenschaften bestehen in der Wolgarepu­blik. Zn Transkaukasien finden wir einen deutschen Weinbaugenossenschastsverband. der geradezu vorbildlich wirkt. Er hat die deutschen Dörfer durch Fernsprecher miteinander verbunden und elektrisches Licht eingcführt. Dieser Verband, dessen Mitglieder nur über 6 Prozent der Wein­gärten des Landes verfügen, liefert 55 Prozent der Weinerzeugung des gesamten Gebietes. Diese Tatsachen sprechen für die Pionierarbeit des Deutschtums in der Sowjetunion.

Was ist nun das Hauptproblem dieser außerordentlich lebensfähigen deutschen Volkssplitter? Vor allem fehlt jede llll- turelle Verbindung mit der allen Kultur- Heimat. Wohl hat man den deutschen Kolonisten deutsche Verwaltungssprache, Schulen und Presse gegeben, aber alle diese Znstitute vermitteln heute in erster Linie Russisches in deutscher Sprache. Ob­wohl politische und kulturelle Freiheit grundsätzlich besteht, ist eine Verbindung der Deutschen im Reiche mit den Sowjetdeutschen außerordentlich schwer, da die Russen in Deutschland geschriebene Bücher nicht über die Grenze lassen. Di«

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