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toi aguai 1929

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Anzeiger fnr (das frühere virhessifchej Oberheffen

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St. 131 M.gahrg. Marburg a. Wa

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

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Schlechte AuMtsn fnr Me Mlnberhettenfrage - Deutsche Sr!ng!Me«sbesch«erte

Was einsichtige Köpfe schon nach der Märztagung voraussahen, und was nach den verschiedenen, seltsam in diesen Wochen zu­sammentreffenden Umständen noch deutlicher oorauszusehen war, ist nun Wirklichkeit: Auch das Madrider Ratskomitee, das eigens zur Beratung des Minoritäten- probl.ems gebildet war, hat die Frage im wesentlichen nicht ge­fördert. Die Minderheitenfrage ist auch diesmal vertagt, sie wird bis zur Voll­versammlung im September aufgespart. Na­mentlich das Ausbleiben Chamberlains — eines wichtigen Mitgliedes also des Lon­doner Dreierkomitees —'und sein Ersatz durch den britischen Botschafter in Spanien, Gra­tz an, bedeutet einen Verzicht auf grundsätz­liche und endgültige Diskussion dieses Pro­blems. Auf die Lösung roarten die Min­derheiten und mit ihnen alle, denen es um eine offene, wahrhafte Bereinigung der frie­densstörenden Probleme in Europa geht, immer noch. Die Tatsache, dah mehr als fünfunddreitzig Millionen Men­schen in Europa leben, deren selbstän­dige kulturelle Entwicklung, deren geistige Freiheit in Gefahr ist, bleibt bestehen, und nicht minder die Tatsache, daß der Völker­bund, der oft und vernehmbar von den „ge- heiliaten Rechten" dieser Minderheiten ge­sprochen hat, dennoch eben diese geheiligten Rechte bisher noch immer nicht ausreichend garantiert hat.

Ist überhaupt der Rat in seiner augen- vlicklichen Zusammensetzung, die eigentlich nur drei den Minderheiten wirklich günstige Ver­treter (Deutschland, Canada, Finnland) auf­weist, der beste Ort für endgültige Lösungen? Vielleicht kommen wir im Herbst einer Lö­sung näher als nun in Madrid, wo man das Beflügelte Wort wahrzumachen scheint, daß niemand ungestraft unter Palmen wandele.

Die feierliche Eröffnung der eigentlichen Ratstagung.

Madrid, 10. Juni. Für Madrid be­gann die 55. Tagung des Dölkerbundsrates erst heute mit dem feierlichen Eröffnungsakt nn Senat, obwohl die Ratsmitglieder schon [eit Tagen mit der Minderheitenberatung be­schäftigt sind. Vor dem Senat staute sich schon lange vor der Eröffnungsstunde eine große Menschenmenge, um die Abfahrt der Delegierten und Diplomaten passieren zu lassen.

Gegen 11.30 Uhr traten die Ratsmii- glieder zu einer nichtöffentlichen Sitzung zu­sammen. Der diesjährige Präsident der Ratstagung, der japanische Delegierte A d a t s ch i, eröffnete die öffentliche Sitzung kurz vor 12 Uhr.

Ouinones d e Leon dankte in länge­ren Ausführungen dafür, daß der Völker­bundsrat der Einladung der spanischen Re­gierung gefolgt sei. und erinnerte daran, daß eine der ersten Ratstagungen in San Se­bastian stattgefunden habe.

Bei der Festsetzung der Tagesordnung teilte Adatschi mit, daß Dr. Stresemann die Erörterung der Liguidation des Besitztums der deutschen Minderheiten in Polen als Dringlichseitsantrag verlangt habe, die früher schon einmal Gegenstand einer Petition ge­wesen sei. Der Antrag wurde auf die Ta­gesordnung gesetzt.

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Deutscher Antrag in Madrid.

In der vertraulichen Eröffnungssitzung des Völksrbundsrates wurde ein Brief der Reichsregrerung verlesen, in dem verlangt wird, daß die Frage der polnischen Einziehung von Gütern der Ange­hörigen der deutschen Minderheit auf die gegenwärtige Tagesordnung gesetzt wird. Diese Frage bildet bereits seit dem 25. Fe- bruar d. I. den Gegenstand einer Dring- lichkeitsbeschwerde. Es handelt sich «m fcic Güter von Deutschen, denen die polnische Negierung im Widerspruch der seinerzeit unter den Auspizien des Völ­kerbundes abgeschlossenen Wiener Kon­vention die polnische Staatsangehörigkit vutzt -»erkennt.

fk., Paris, 11. Sinti. Die Zeitungen, die durch Sonderkorrespondenten in Madrid vertreten sind, bringen heute einheitliche Be­richte zum Abdruck, tin denen eine strenge Unterscheidung zwischen deutsch-französischen ^Verhandlungen" über die Folgen des Reparationsberichtes und über die Rhein- landräurnung und „Besprechungen" zwischen Dr, Stresemann und Driand gemacht wird. Die Blätter beschränken sich darauf „Verhandlungen" zu dementieren und „Besprechungen" gelten zu taffen. Sie'Abe- mühen sich jedoch ebenso einheitlich zu be­gründen, daß in diesen Besprechungen die Saarfrage nicht hinein gehören würde, da sie nichts mit Reparationen zu tun habe. Es scheint, daß der in Madrid befindliche Auhenpvlitiker des „Malin" die Möglichkeit für eine Verhandlung auch über die Saar- frvge offen lassen will, denn er zählt sozu­

sagen die Schwierigkeiten einer solchen Der- handlurch auf, um anzudeuten, dah Frank­reich, falls diese Schwierigkeiten befriedigend gelöst würden, einer Behandlung auch der Saarfrage nichts mehr entgegen stellen würde. Die Feststellungs- und Äusgleichsausschüsse für das Rheinland und das Tempo der Räumung seien dagegen Probleme, die die Vertreter der beiden am meisten intet- essierten Mächte sehr wohl durchsprechen könn­ten, bevor diese Frage den Gegenstand einer Debatte aller Mächte abgäben, die bei den kommenden politischen Konferenzen ihr Wort mitzureden hätten.

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Vriand über die Rheinland-Räumung.

st. Paris, 11. Sunt Der nach Madrid entsandte Sonderkorrespondent der „Chicago Tribüne" meldet, dah der ftanzösische Ruhen-

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BraAKs MMag zur GmißmkoMtm abMhnt

Die Lcmdtassfraktion der Deutschen Volksvartei trat Montag vormittag zu einer Sitzung zusammen, di« für de Beratung des kommunalen Umgemeindungsgesetzes an­beraumt war. Die Fraktion trat in eine Ve- sorechung ein und teilte dann ihre einmütige Stellungnahme dem vreußischen Ministervräfl- benten durch folgendes Schreiben mit:

,5>ie Fraktion kann die von Ihnen am 7. Juni 1929 erbetene Antwort über ihre Stellung zu dem Entwurf des Vertrages zur Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kurie erst erteilen, wenn ihr der Ent­wurf im Wortlaut vorliegt.

Schon jetzt weist die Fraktion darauf hin, dah die ihren Vertretern in der Besprechung am 7. Juni gemachten Mitteilungen über den Inhalt des Entwurfes schwerste Beden­ken in«der Fraktion hervorgerufen haben. Der Entwurf scheint mit dem Beschluh unseres Zentralvorftandes vom 25. November 1928 nicht vereinbar zu sein. An den auf einmütiger Anregung der Landtags­fraktion beschlossenen Grundsätzen des Zentralvorstandes hält die Fraktion nach wie vor fest.

Dementsprechend muh die FraStion auch gegenüber ihrer ablehnenden Erklärung dar­auf Hinweisen, dah vor dem Inkrafttreten neuer Vereinbarungen zwischen Staat und Kurie die Gewährung finuentsprechender Rechte an die evangelischen Landeskirchen Preußens fichergestellt ist."

Montag nachmittag fand auch eine Be­sprechung des preußischen Ministerpräsidenten Braun mit dem Führer der Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei wegen der not­wendigen Regierungsumbildung statt. Braun erinnerte cm den früheren Dor-

fchlag, das Preuhenkabinett in der Weife zu erweitern, dah die Deutsche Volksvartei das Handelsministerium besetzt und daß außerdem als Minister ohne Portefeuille der Reichsminister Curtius dem preußischen Ka­binett beitritt. Der Ministerpräsident legte dem Abg. Stendel die Frage vor, ob die Volksvartei bei ihrem ablehnenden Stand­punkt diesem Vorschlag gegenüber beharre. Der Führer der Volksvartei erwiderte, er werde seine Fraktion Mitteilung machen. Nachmittags wurde der Vorschlag in der Frak­tion der Volksvartei besprochen. Die Frak­tion hielt an ihrem friiBeten Standpunkt fest, sprach sich damit also für die Ablehnung des Vorschlases aus.

Die Deutschnationalen wollen in der Kon­kordatsfrage am Diestag eine Fraktions­sitzung abbalten, die Sozialdemokraten am Mittwoch nachmittag, die Demokraten am Donnerstag. Die Konkordatsvorlage dürfte am 15. Juni im Landtag Beraten werden.

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Keine Bedenken der Wirtschaftspartei.

Die Landtagsfraftion der Wirtschaftsvartei Bat am Montag dem Ministervräsidenten Braun in einem Schreiben ihre Stellung zu dem Konkordat mitgeteilt. In dem Schrei­ben wird ausgeführt, daß die Fraktion keine Bedenken gegen den Abschluß des Konkordats geltend mache, nachdem der Ministervräsident erklärt habe, sofort nach Verabschiedung des Gesetzes über den Staatsvertrag mit der katholischen Kirche in Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen einzutreten, um nach dem Grundsatz der Parität eine etwaige Vor­zugsstellung der katholischen Kirche auszu­gleichen. Angesichts des Umstandes, daß der Wortlauts des Konkordats noch nicht über­geben sei, könne diese Erklärung natürlich nicht als bedenkenlose Zustimmung der Wirt­schaftsvartei zu den einzelnen Bestimmungen des Staatsvertrages mit der katholischen Kirche aufgefaßt werden.

mirtister Driand Reichsau ßemniarster Dr. Stresemann habe wissen lassen, daß er mit ihm eine private Begegnung vorbereiten wolle unter zwei Be­dingungen, nämlich erstens, daß keinerlei Entscheidung über die Zurück­ziehung der alliierten Truppen aus dem Rheinland in Wwesenheit eines für derartige Verhandlungen besonders be­glaubigten Vertreters der neuen englischen Regierung geführt werden. Der englische Botschafter Sir George Graham sei nonnninell der Vertreter der englischen Regie­rung. Driand wolle, daß man in Zukunft den Vertreter der englischen und der belgischen Regierung abwartet, bevor man Entscheidun­gen treffe. Zweitens, er empfehle eine in­te r na t i ona l e Konferenz im Suli

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vorzuschlagen. Frankreich würde mit London einverstanden fein, wenn die englische Regie­rung diesen Vorschlag machen sollte. Außer Deutschland, Belgien, Frankreich, Stalien und Zapan werden folgende Länder Delegierte entsenden: Polen, Rumänien. Südffawien und wahrscheinlich Oesterreich und Ungarn, da Fragen betreffend die Rachsvlgestaaten zu regeln seien. Die amerikanische Re­gierung tourte ebenfalls eingeladen wer­ben. und mit Rücksicht auf sie scheint die Wahl Londons als Derhandlungsort be­sonders günstig. Sn der Zwischenzeit würden f ä n e für die Zurückziehung der alliierten Desatzungstruppen vorbereitet werden, sodaß das eutsche Gebiet am 1. September von fremden Truppen befreit sein könnte.

Sitong t« englischen Kabinetts

London, 10. Juni. Das neue engli­sche Kabinett hielt heute vormittag unter dem Borsitz von Maconald seine erste for­male Sitzung ab. Die meisten Minister haben heute vormittag ihre neuen Aemter angetreteu.

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Macdonald gab in einer Rundfunkrede einen kurzen Umriß der nächsten Auf­gaben, die die Regierung sich gestellt hat. Er hoffe, in der Lage zu sein, der nächsten Völkerbundstagung in Genf selbst einen kurzen Besuch abstatten zu können. Auch die amerikanischen Be­ziehungen werde er überwachen, da er fühle, daß sie von solcher Bedeutung seien, daß kein Mißverständnis zwischen den Ver­einigten Staaten und Großbritannien auf­kommen dürfe.

Der außerpolitische Teil der Rede Mac­donalds ließ deutlich erkennen, daß der Ministerpräsident auch mit Henderson als Außenminister einen starken Einfluß auf die britische Außenpolitik ausüben werde.

„Datli) News" spricht von der Mög­lichkeit einer persönlichen Konfe­renz zwischenHoover und Mac­donald zur Erörterung der Abrüstungs­frage, und meint, wenn es dazu komme, werde sie wahrscheinlich später während der Ferienzeit abgehalten werden.

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fk. London, 11. Juni. In einem längeren Aufsatz über die politischen Richt­linien Macdonalds schreibt der politische Korrespondent des „Daily Herald", Macdonald habe von seinen Vorgängern zwei glänzende Möglichkeiten für hervor­ragende persönliche Erfolge geerbt. Das Reparationsabkommen und Präsident Hoovers Vorschlag zur Verminde­rung der Seerü st ungen. Die Freunde Macdonalds erwarten, daß er zu der Praxis internationaler Konferenzen zurückkehre, die von Sir Austen Chamber­lain nach Locarno aufgegeben worden war. Macdonald wird keine Möglich­keit scheuen, um zu erreichen, daß die Seeabrüstungskonferenz wahr­scheinlich im Juli oder August in London abgehalten wird. Der Korrespon­dent glaubt sagen zu können,

daß nach Ansicht Macdonalds und seiner Kollegen die Rheinland» räumnng im September beginnen und bis zum 10. Januar nächsten Jahres beendet werden könnte

und fügt hinzu, die britischen Truppen dürften jedenfalls zurückgezogen werden, ohne Rücksicht darauf, ob Frankreich oder Belgien bereit sind ihre eigenen Konti­nente auch zurückzuziehen.

Aeutzerungen des neuen englischen Außenministers.

London, 10. Juni. Wir find stark darauf bedacht, sobald wie möglich die aus­ländischen Truppen aus dem Rheinland zu­rückgezogen zu sehen", so äußerte sich der neue englische Außenminister Henderson in einem Interview im „Daily Herald", in dem er seine Außenpolitik skizziert. Aber es würde notwendig sein, auf das sorgfältigste alle Mittel und Wege zu er­wägen, um dieses Ziel zu erreichen.

Henderson bestätigte dann weiter, daß er und der Premierminister Macdonald an der Septembertagung des Völkerbun­des teilnehmen werden. England müsse nicht nur im Völkerbund, sondern ein Teil des Völkerbundes sein.

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Die endgültigen Ergebnisse der englischen Wahlen.

Lo n d o n, 10. Juni. Die jetzt vorlie­genden endgültigen Ergebnisie des engli­schen Wahlen zeigen folgende Kräftever­teilung tm Unterhaus: 288 Mitglieder Ar­beiterpartei. 259 Konieroativ^ 58 Libs-