Oberhefsis-e Zeitung, Marburg a. L. Montag, de« 10. Juni 1929
Nr. 133
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Eefechtstage vor Jaffa
Aus der Geschichte des Reserve-Jäger-Vataillons 11
Ausführungsbefehle sind vorbe-
Kaum eine
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gegen seine Familie und gegen die ihm nahestehenden Personen, wuhte er sich wohl vor Vorgesetzten zu beherrschen. Während seine Frau schwere Arbeiten auf dem landwirtschaftlichen Gut verrichtete, fuhr er nach Wien und verschwendete das Geld in Gesellschaft l e i ch tl e b i g e r Damen. Die zweite Ehe verlief ganz ähnlich wie die erste. Bald erkannte die Frau, daß sie belogen und betrogen worden war. Es lenkte sich die Aufmerksamkeit des Angeklagten auf die d r i t t e Frau, sie war eine modern i denkende Dame, die sich jedoch nicht von der Anschauung frei gemacht hatte, daß die Frau unberührt in die Ehe treten ! Müsse. Daraus erklären sich die Besonderheiten in den Beziehungen zwischen ihr und dem Angeklagten. Gartner wollte die Heirat arrangieren. Als er sah, datz ; dieser Plan an dem Widerstand der Familie scheitern mutzte, griff er zum Revolver. Mit vollem Bewußtsein hatte er den Mord begangen. Wir haben ihn reuelos im Eerichtssaal gesehen. Datz von Emnesverwirrung nicht die Rede sein mnn, ergibt sich einwandfrei aus dem Gutachten der Psychiater. Weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus erwartet man den Spruch der Geschworenen.
Zeigen Sie, meine Herren Geschworenen, durch ein einstimmiges Todesurteil, datz das Leben bei uns immer noch als das höchste Gut gilt.
Wien, 8. Juni. Die Nachmittagsverhandlung begann mit der
Schlußrede des Verteidigers, der ausführte, datz die Tat des Angeklagten nur aus der allgewaltigen, alles umfassenden und auch alles zerstörenden Macht der Liebe zu erklären sei. Der Verteidiger schloß, indem er sich an die Geschworenen wandte: „Der Staatsanwalt hat Ihnen gesagt, Europa schaut auf Sie. Das ist aber gleichgültig und muß gleichgültig sein. Das ist kein Grund, einen Menschen zu vielen Jahren Kerker zu verurteilen. Ich bitte Sie um ein mitleidiges Gerichtsurteil!"
Die Geschworenen zogen sich darauf zu einer Beratung zurück, die eineinhalb Stunden dauerte. Darauf verkündete dann der Obmann, datz die erste auf Mord lautende Hauptfrage mit zwölf Stimmen bejaht worden sei, die Zusatzfrage, ob die Tat mit besonderer Tücke begangen worden sei, erhielt neu Ja- und drei Neinstimmen. Die Beantwortung der Eventualfrage auf Totschlag erübrigt sich somit. Die Zusatzfrage auf Sinnesverwirrung wurde ebenfalls mit allen zwölf Stimmen verneint. Auf Grund dieses Beschluffes erfolgte
die Verurteilung z« zwölf Jahren schweren Kerkers.
Der Angeklagte war während der Urteilsverkündigung vollkommen ruhig. Dann rief er den Zuhörern zu: „Ich habe geweint, als ich Djidji getötet habe. Jetzt weine ich nicht, ich leide gern für meine Djidji." Es entstand darauf großer Lärm im Zuhörreraum. Zahlreiche Frauen brachen in Beifallsrufe aus, dazwischen ertönten Pfui-Rufe. Der Vorsitzende ließ darauf den Saal räumen. Die Urteilsverkündung erfolgte nur vor den Pressevertretern. Die Verteidigung hat bereits die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Urteil angemeldet.
Zu verladen würde sein: die Komvagnien mit leichten Maschinengewehren und den notwendigen Pferden.
Die Maschinengewehr - Komvagnie, die schwere Maschinengewehre und die Gefechtsbagage marschieren 7 Uhr abends nach Tulkerim, während grobe Bagage im Lager bei Der-Scherat rurückbleibt. Den Mannschaften ist Abendkost und eiserne Portion mitzugeben.
Das Dorftehende ist vorläufige Denach-
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Wie«, 8. Juni. Der Mörder der ägyptischen Prinzessin Djidji Mouheb, Rittmeister a. D. Gartner ist vom Schwurgericht zu zwölf Jahre» schwere« Kerkers verurteilt worden.
Bei Beginn des letzten Verhandlungstages im Prozeß gegen den Rittmeister Gartner wegen des Mordes an der Prinzeffin Djidji ergriff
der Staatsanwalt
kündigte Ausfübrungsbcfehl ein. Die Folge war eine lebhafte Tätigkeit im Lager und von 3 30 Uhr nachmittags ab marschierte das Bataillon, in kleinen Abteilungen der Flieger- gefabr wegen, nach Sebastije rum Bahnhof, wo sogleich in den Wagen Platz genommen wurde, um sich der Sicht von oben ru entziehen. Um 5.40 Uhr fuhren wir ab und trafen in El-Tire um 8.10 Uhr abend ein.
Die Maschinengewehr-Kompagnie mit den schweren Maschinengewehren, die Feldkücheen und die übrige Bagage marschierten befehls- gcmäb um 7 Uhr abends aus dem Lager ab,
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das $ßort. Er führte u. a. aus: Draußen in Oberösterreich sei eine arme Frau, die über das Schicksal, das über sie hereingebrochen sei, trauere. Unter der Sonne Aegyptens trauert ein alter Vater, dem man das teuerste, was er besaß, die Tochter, ermordet hat. Der Staatsanwalt schilderte sodann das Vorleben des Ange- . Rücksichtslos und brutal
war. Zunächst dem Meere, mit dem rechten Flügel dicht neben dem steilen Abhang der Dünen, lag die vierte Komvagnie, links von dieser, aber der Dünengestaltung wegen etwa 1 Kilometer weiter vorwärts, die dritte Kompagnie und links von dieser die erste Komvagnie. Da die Tätigkeit der englischen Flieger in den Vormittagsstunden sehr lebhaft war, mutzte man aus Fliegerdeckung ganz besonders bedacht sein: nachmittags dagegen ließen sich feindliche Flieger nur selten sehen, so dab ein Bad im mittelländischen Meer genommen werden konnte,' leider ertrank hierbei einer unserer Jäger, ich glaube, er war von der ersten Kompagnie. Im übrigen ruble die Kompagnien am Tage, was ihnen nach der Bahnfahrt in den heiben Wagen und dem anstrengenden Marsche zwischen den Kaktus- hccken sehr gut tat. Auch eine Versorgung der Mannschaft mit warmem Esien und erfrischendem Getränk wäre jetzt sehr am Platze gewesen, es macht« sich im Laufe des Tages recht unangenehm bemerkbar, dab die Feldküchen nicht mit den Kompagnien zusammen verladen werden konnten. Das Bataillon befahl daher am Svätnachmittage. dah eine eiserne Portion verzehrt werden solle. Gegen 9 Ubr abends kamen endlich die Maschinengewehrkomvagnie und die Feldküchen an. die einen sehr schweren Marsch von über 50 Kilometer über Tulkerim
iw, El-Tire mittels Fuhmarsch zu erreichen Mrd sich dort mit der Truppe wieder Mi ver- nnigen. Der schlechten Wege wegen — dies möge hier vorweg genommen sein — trafen aber Feldküchen und Tragtiere erst am näch- m Tage gegen 9 Uhr abends bei den Komvagnien ein.
Der Kommandeur des Bataillons, Major v. Menges, war inzwischen mit dem Auto tot Vril. Armee und von dort weiter sum 5 • „türkischen A. K. vorausgefahren, um sich Mer über die Lage ru orientieren und weitere Befehle für das Bataillon einzuholen. Kurz nachdem das Bataillon ausgeladen wär, traf N in El-Tire ein und brachte von der' türk. =9, Division den Befehl zur Bereitstellung mit v. Fahrzeuge batte das XX. A. K. zur Ver- msung gestellt, bietauf wurden die leichten Maschinengewehte verladen und dann —gegen Mitternacht — von El Tire abmarschiert. Rach dreistündigem Marsche kamen wir bei «et 19. Division an. Da die Nacht sehr warm war und die schmalen, sandigen Wege von 4 bis ?. Meter hohen Kaktushecken eingefabt waren, «ce jeden Luftzug verhinderten war der Marsch dorthin recht anstrengend gewesen. Raum angekommen, erhielten wir den Befehl, vach dem rechten Flügel der Division zu rücken vnd uns daselbst in den Dünen bereit zu stel-
was gegen 5 Uhr vormittags ausgefuhrt
8.-12. Juni 1918
Zn den letzten Mai- und ersten Junitagen 1S18 war das Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 11 in Palestina eingetroffen und hatte bei Der- Scherat dicht nördlich Nabulus in einem Olwenwäldchen Biwak bezogen. Zur Seeres- gruvvenreserve bestimmt, sollte es von hier aus an solchen Stellen der Front verwendet gerben, wo ein Auftreten frischer deutscher Truppen notwendig erschien. Es war daher keine Ueberraschung für uns, vielmehr be- grübten wir es mit einer gewiffen Genugtuung, als bereits am 8. Juni vom Seeres- gruvoenkommando in Nazareth beim Bataillon folgende Benachrichtigung eintraf:
.Fernspruch an Reseroe-Jäger-Bataillon 11.
Ausgenommen am 8.6.18. 10.15 Uhr vorm.
Bei VIII. Armee im Küstenabschnitt sind seit beute nacht Kämpfe im Gange. Bis- berige feindliche Angriffe sind unter groben Verlusten für den Feind abgeschlagen. Da sebr wohl möglich, dab Angriffe sich in der Rächt wiederholen, ist in Aussicht genommen, Res.-Jäger-Batl. 11 hinter 19. Division zur Verfügung zu stellen. Das Bataillon stellt sich derart bereit, dab es heute von 5 Uhr nachmittags ab in Sebastije verladen werden kann. Bahntransport (etwa drei Stunden) von dort nach El Tire ist in Aussicht genommen.
gehabt batten. Nun konnte doch noch etwas warmes Essen an die Mannschaften ausgegeben werden, Stimmung und Kräfte wurden dadurch sebr gehoben, aber zur Ruh« sollten wir noch nicht kommen.
Um 11 Uhr abends eröffnete die englische Artillerie ein heftiges Feuer, welches unsere Geschütze in ähnlicher Weise erwiderten. Sofort wurden die Komvagnien aa l a r m i e r t und ungefähr 1 Kilometer vorgezogen, wo von uns die zweite türkische Stellung besetzt wurde. DffizieroatrouiÜen gingen zur Aufklärung nach vorn. Doch bereits nach einer halben Stunde ließ das Ar- tilleriefeuei bedeutend nach und bald verstummte es völlig, so dab die Kompagnien in ihre Ausgangsstellungen zurückgezogen werden konnten.
Gegen Mittag des folgenden Tages, des 10. Juni, kam der Befehl, dab das Bataillon im Laufe des nächsten Tages aus der Stellung hcrauszuziehen und in der Nacht vom 11. sum 12. Juni zum Lager im Olivenwäldchcn bei Des-Scherat zurllckzutransvortieren sei. Vorher jedoch sollte es noch in der bevorstehenden Nacht dem Gegner die Anwesenheit deutscher Truppen durch ein Stoßtruvvunter- nehmen bemerkbar machen, um ibn so von der Fortsetzung seiner Angriffe an dieser Kampffront abzubalten. Es sollte ferner fest- gestellt werden, ob der Gegner aus weißen oder farbigen Truvven bestehe und wie die feindliche Stellung ausgebaut sei. Jede Komvagnie hatte einen Stoßtruvv (Stärke je 1 Offizier und 24, bezw. 18, bezw. 11 Jäger) zu stellen. Die Offiziere, die sich schon am frühen Morgen von der vordersten türkischen Stellung aus einen allgemeinen Uebcrblick über die feindlichen Stellungen verschafft hatten, erhielten die Anweisung, sich sofort abermals nach vorn zu begeben und sich über einen geeigneten Punkt für ein Stoßtruvvunter- nehmen zu unterrichten. Da aber die drei Stoßtruvvsührer — Leutnant De ft er le von der 1., Leutnant Dffenberg von der 3. und Leutnant Wiegand von der 4. Komvagnie — erst bei beginnender Dämmerung in bei vordersten Linie anlangten, war es nicht mehr möglich, das Unternehmen in der richtigen Weise vorzubereiten. So gut wie möglich wurden die geeignetsten Stellen ausgesucht und der Beginn — ohne Artillerievorbereitung — auf 2 Uhr nachts festgesetzt. Rach Einbruch der Dunkelheit rückten die Komvagnien so weit vor daß sie sich nunmehr dicht hinter den türkischen Stellungen befanden.
Der Stoßtrupp der 3. Komvagnie verließ schon gegen 10 Uhr abends den vordersten türkischen Graben, da für ihn die Annäherung an die feindliche Stellung besonders schwierig war; die Stoßtrupps der beiden anderen Komvagnien folgten nach etwa V/?. Stunden. Zur festgesetzten Zeit setzte der eigentliche Angriff ein. Der zuerst erwähnte Stoßtrupp stieß am feindlichen Drahthindernis auf eine aus Indern bestehende Arbeiterkolonne, die mit der Verstärkung des Hinber- nisies beschäftigt war. Durch mehrere Hand- granatensalven wurden die Inder in den Graben zurückgeworfen, nach Zerstörung des Hindernisses auch dorthin verfolgt und daraus vertrieben, dann aber setzte von dem zweiten höher gelegenen Graben Infanterie- und Maschinengewehrfeuer, teilweise flankierend, ein, so daß der Stoßtrupp zurückgehen mußte, hierbei wurden Dberjäger Schlöffe! schwer, sowie der Führer, Leutnant Dfsenbers und zwei Jäger leicht verwundet.
Die Stoßtrupps der 1. und 4. Komvao- nie drangen in den feindlichen Graben ein, überwältigten die Doppelposten und bewarfen die herbeieilenden, feindlichen Reserven mit Handgranaten. Auch hier wurden die in den Graben eingedrungenen Jäger bald aus dem dahinterliegenden, zweiten Graben beschossen, besonders unangenehm war hier das Feuer aus einer seitlich ausgestellten Revolverkanone. Dberjäger König und Gefreiter Knauf wurden hier schwer und 4 Jäger leicht verwundet. Jetzt setzte auch das feindliche Sperrfeuer ein, da es einem der zurückfliehen- den Engländer gelungen war, das Sverrfeuer- zeichen auszulösen. Die Stoßtruvv waren zum Zurückgehen genötigt und mußten hierbei zwei Kameraden — wahrscheinlich tot — in Feindes Hand lasten. Nach einer Stunde drang dann nochmals eine Patrouille in den > feindlichen Graben ein, konnte aber von den beiden vermißten Jägern nichts bemerken.
Am folgenden Tage, der ruhig verlief, rückten die Komvagnien von 4 Uhr nachmittags an einzeln ab, sammelten sich am Quartier der türkischen 19. Division bei Chez Zerkije und marschierten von da unter meiner Führung nach El Tire, wo die Komvagnien sofort verladen wurden. Am 12. Juni, um 3 Uhr vormittags, fuhr der Transvort von hier ab und erreichte nach 3stündiger Fahrt Mestudije, von wo nach den alten Biwaks- vlätzen abgerückt wurde
Um 7 Uhr abends, am gleichen Tage traf der Dberbefehlshaber, Marschall Liman v. Sanders, im Lager ein. Er ließ die an dem Unternehmen beteiligten Mannschaften an sich vorbeimarschieren und svrach dann dem Bataillon seine Anerkennung für seine Leistungen aus, wobei er besonders bervorhob, daß der Zweck des Unternehmens, dem Feinde die Anwesenheit deutscher Truvven fühlbar zu machen und ihn für die nächste Zeit von neuen Angriffen abzuhalten, erreicht worden sei. Es sei ferner festgestellt worden, daß die feindliche Stellung gut ausgebaut sei und daß sie mit einem neuen, starken Drahthindernis versehen werde, sowie dab sie von farbigen Terv- ven besetzt sei. mit Ausnahme des Stückes
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zwischen Musiafa Teve und Sed Teve, wo sich weiße, englische Soldaten befänden.
Das türkische Infanterie-Regiment Nr. 77 halte, wie von Sr. Ercellenz gleichfalls her- vorgehoben wurde, die deutschen Truvven gut unterstützt und mit Maschinengewehr- und Infanterie die Flanken der Stoßtruvvs gesichert. Auch beim Zurückholen der Verwundeten betätigten die Türken sich eifrig, bie Verletzten fanden zuerst im Feldlazarett der türkischen 19. Division und später im Feldlazarett Nr. 212 in Anebta vorzügliche Aufnahme, sowohl was ärztliche Behandlung als auch Unterbringung und Verpflegung anbe- lanst.
Zum Schluß verlieh der Marschall an bie Teilnehmer des Unternehmens eine Anzahl Auszeichnungen und zwar 7 eiserne Kreuze 1. und 20 2. Klasse, sowie die ersten eisernen Halbmonde. Unter den Empfängern der zuletzt genannten Auszeichnung befand sich auch der brave Küchenoberjäger Schott von der 4. Komvagnie. Beim Vorführen der ihm anver- trauten Feldküche geriet er mit dieser in feindliches Jnfanteriefeuer. Hierbei erhielt der Kochkessel einen Treffer und die hungrigen Jäger vorn hätten wohl auf ihre Speckerbsen verzichten müssen, wenn Schott nicht für schleunigste Dichtmachung des Loches — angeblich hat er seinen Daumen so lange in das Loch hinein«steckt, bis ein geeigneter Pflock beschafft war — gesorgt hätte.
Anmerkung: Aus Quellen für vorstehenden kleinen Aufsatz habe ich bas im Reubarchiv (Abtlg. Potsdam) aufbewahtte Kriegstagebuch bes Bataillons, sowie meine kurzen Tagebuchaufzeichnungen unb meine ziemlich ausführlichen Briefe an meine Frau benutzt. Leiber fehlen mir viele Einzelheiten, ferne, die Namen der verwundeten und vermißten Kameraden und des ertrunkenen Jägers. Wenn einzelne Kameraden, die obigen Aufsatz lesen, meinem Gedächtnis mit zweckdienlichen Angaben zu Hilfe kommen wollten, wäre ich herzlich dankbar.
Major a. D. Arnold von Gaedecke, Eharlottenburg, Wilmersdorferstt. Nr. 149.
NogensHakubowski-Moztß
Am heutigen letzten Tage der Deweis- erhebung im Aogens-Jakubowski-Prozeß wurden zunächst noch eine Reihe von ®e* fängnisbeamten vernommen, die das Verhalten Jakubowskis und seine Hinrichtung in der gleichen Weise schilderten, wie der bereits am Freitag vernommene Stoafan- staltsbeanrte. Ein weiterer Zeuge hat gleichfalls von dem verdächtigen Briefwechsel zwischen August Rogens und seiner Mutter gehört, wonach Frau Kähler-Rogens ihrem Sohn geschrieben hat, er solle nicht nach Hause kommen, sie würde ihn sonst verprügeln, weil er Jakubowski nicht genug belastet habe.
In der weiteren Zeugenvernchnnmg erklärte der Zeuge Harnack,
seine Schwägerin Stan Kähler habe ihm gesagt, sie würde ihre Aussage bei dem Prozeß gegen Jakubowski 'so einrichten, dab er geköpft werde.
Auf Befragen erklärte Frau Kähler, sie habe nur gesagt, daß sie so aussagen werde, damit der Russe nicht wieder herauskomme.
Don Bedeutung ist die Aussage des kom- missarisch vernommenen Dr. Pagel, des Ministerialreserenten bes damaligen Wi- Hustädt, Schwabe. Dr. Pagel hat eidlich zu Protokoll gegeben, daß er seinerzeit als Vertreter der Regierung der Schwurgerichtsverhandlung gegen Jakubowski beigewohnt habe. Rach seiner Rückkehr habe er dem Minister bie näheren Gründe dafür angeführt, die ihn zu diesem Schluß bewogen hätten. Darauf wiederholt der Vertreter des Rebenklägers, Rechtsanwalt Dr. Brandt, den vom Gericht bereits einmal abgelehnten Antrag, Dr. Pagel an Gerichtsstelle vernehmen. Das Gericht behält sich die Schlußfassung über diesen neuen Antrag vor. Nachdem Kriminalrat Gennat seine früher gemachten Aussagen nach verschiedenen Richtungen ergänzt hatte, wurde die Vernehmung der Zeugen und Vernehmung derSachverständigen beendet. Die nächste Verhandlung findet morgen Dienstag statt.
Englands neuer Kolonialminister.
Der berühmte Soziologe Prof. Sidney Webb gehört dem neuen englischen Kabinett als Minister für Kolonien und Dominions an. Webb ist der bekannteste sozialistische Schriftsteller Englands. Seit 1922 ist er Abgeordneter und war im ersten Kabinett Mac- donald Handelsminister. Nunmehr steht unter seiner Verwaltung das ungeheure Kolonialreich Englands, das 29,3 Millionen Quadratkilometer umfaßt und dreimal so groß wie das ganze Europa ist.