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$ie ^Oberhrssisch« Seiten g" et- f^eint sechsmal wöchentlich. Bc ^g-preis monatlich 2.10 GM. aus- schließ!. Zustellungsgebühr, durch diePost2.35 GM.Für etwa infolge Strelks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende gknamrern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Uuiv.-Buchdruckerei b. -soh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. «. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit bet Redaktion von 10—1-1 und

^1—1 Uhr.

Anzeiger für (das frühere krrrhessifchej LSerhefsen

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1 Goldmark — ‘/^.Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

.Endgültige" Muifiienmg

Wird es zahlreiche Wirtschaftler oder wird es überhaupt ernsthafte Wirtschaft­ler geben, die nach der Lektüre Des um­fangreichen Sachverständigengutachtens sich ihrerseits zu dem Schluß finden, daß m Paris eine gute ßeiftung getätigt worden sei oder in Paris ein Punkt gesetzt wurde, der wirklich und wahrhaftig den Krieg und seine furchtbaren Folgen für die Mensch- heit liquidiert hätte? Wir können nicht glauben, daß ernsthafte Wirtschaftler, gleichgültig aus welchen Ländern sie stam­men, es mit ihren Fachkenntnissen ver­einbaren können, das Arteil zu fällen, das heute von einer zufriedenen Pa­riser Presse allen verkündet wird. Wenn in dem Gutachten der Sachverständigen eine einzige Wahrheft enthalten ist, so suche man sie weniger in den praktischen Vorschlägen des Dokuments als mehr in einer kurzen, fast nebensächlichen Bemer­kung, die ehrlich und schlicht besagt, „daß politische Faktoren notwendigerweise den Entscheidungen eine Grenze ge'ejt haben".

Der Grundfehler in den Arbeiten des Sachverständigenausschusses liegt auch in der Tat in der starken politischen Bindung, die ein großer Teil dieser Sachverständigen von Hause aus mit an den Konferenztisch brachte. Bor Tische las man, daß in Paris die Wirtschaftler aller Länder zu­sammenkommen sollten, um unpolitisch, nur nach Erkenntnissen wirtschaftlicher Aatur Vorschläge auszuarbeiten, die wirklich wirtschaftlich tragbar wären. So hieß es vor dem Zusammentreten der Kommission. Aber es genügte nur eine Reihe von Sit­zungen, um die Wellöffentlichkeit davon zu überzeugen, daß mehr die Regierungen der Gläubigerländer am grünen Tische zu Wort kamen als die Stimmen von Leu­ten, die ein vernünftiges wirtschaftliches Geschäft abschließen wollten. Was bei einer solchen Umorientierung des ganzen Charakters der Kommission schließlich her- vuskommen muhte, ist auch eingetroffen: Wan hat ein Gutachten zusammengebraut, dessen Sinn nur politisch verständlich wird, hinter dessen Vorschlägen der trei­bende Faktor eines Diktats liegt.

Wan hat deutscherseits nachgewiesen, daß der Dawesplan bis jetzt nur „funktioniert" habe, weil Deutschland sich das Geld zu seinen Milliardenannuitäten im Auslanoe pumpte, daß Exportüberschüsse der oeut- schen Wirtschaft in den letzten Jahren raitim vorhanden gewesen sind, daß also der Datvesplan schon längst zusammen­gebrochen wäre, wenn nicht andere kapital- träftige Staaten des Auslandes, hier in erster Linie Amerika, der deutschen Wirt­schaft Gelder in Form von Anleihen zur Verfügung gestellt hätten. Diese deutsche Rechnung ist in Paris mit allen Unter» tagen und mit einer Aeberfülle von Tat­sachen und Beweisen belegt £<T>an. Die Politik des Exportausfchusses hat diese Belege verschluckt, was übrig blieb, ist ein »euer Zahlungsplan mit gewissen Erleich­terungen, die aber keineswegs sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeft Deutschlands stützen können. Es ist daher durchaus nicht „Politik", wenn ernsthafte deutsche Wirt­schaftler behaupten, daß auch derOwen- Doung-Plan den Hauptfehler des Dawes- palles trage, nämlich seine wirtschaft- lichn Andurchführbarkeit.

Immerhin ist jetzt mit dem Ergebnis der Pariser Konferenz eine neue Situ­ation geschaffen worden, an die sich Deutschland und Oie Gläubigerstaaten für eine gewisse Zeit zu richten haben. Sucht man in einem Vergleich zwischen Dawespakt und Poung-Plan die Vortelle, die Deutschland entstehen, so findet man gewiß Erleichterungen, die einen aller­dings „relativen" Erfolg der Pariser Ver­handlungen ergeben. So ist es für Deuffchland immerhin sehr wesentlich, jetzt effahren zu haben, bis zu welcher Grenze die dem Reiche auf Gruno des verlorenen Weltkrieges auferlegte Belastung sich za bewegen hat. Die Grenze ist ungeheuer

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Der devWr Seten Ml nm 1 September Wimtei fein"

Paris, 9. Zuni. Z« der Frage der Rheinlandräumung schreibt die „Chicago Tribüne": „Es wird erwartet, daß in Madrid eine Einigung dahin erzielt wird, daß die erste Abbe­rufung der Besatzungstruppen im Juli und eine weitergreifsnde Zurücknahme im August erfolgen wird mit der Möglichkeit daß der deutsche Boden am 1. Sep­tember besatzungsfrei sein wird. Die Ratifizierung des Sachverständigen­planes scheint sicher. Poincars wird den Poungpla» seinem Kabinett in der kom­menden Woche unterbreiten «nd erwar­tet, wie vertraulich erklärt wird, seine einstimmige Annahme. Der Plan geht dann dem Parlament zu, wo er trotz der ausgesprochenen Gegnerschaft der natio­nalistischen Gruppen nach der Erwartung der Regierung mit großer Mehrheit rati­fiziert werden wird."

Wie das Blatt weiter wisien will, beab­sichtige Dr. Stresemann vorzuschlagen, daß Frankreich sich auch aus dem Saarbeckeu zurück,liehe, «nd auf sein Recht, auf die im Versailler Vertrag vorgesehene Volksab­stimmung im Jahre 1933, verzichte, da selbst die optimistischsten Franzosen zu- gäben, daß eine derartige Abstimmung praktisch einstimmig für Deutschland a«s- fallen würde. Um Frankreich einen An­reiz zum vorzeitigen Verlasien des Saar- gebistes zu gehen, erwarte man von Deutschland, daß es entweder eine Geld­summe oder die frühere Kommerziali­sierung eines Teiles der Kriegsentschädi­gungen «nbieten werde.

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„Matin" über die Minderheitenfrage und Rheinlandräumung.

fk. P a r i s, 10. Sunt. Der Auhenpvlitiker des „2R a t i n“ der sich in Madrid befindet, beschäftigt sich in einem Artikel sowohl mit

dem Stand der Minderheitenfrage, wie auch mit der von französischer Sette gestern noch dementierten Möglichkeit einer Aussprache zwischen Außenminister Stresemann und Driand über die künfttge Rheinland­räumung.

Bezüglich der Behandlung der Minder­heiten erhärte dec Auhenpctftiker des „Watin" die neuen Staaten wollten bei sich zu Hause frei schalten können. Was man auch in Deutschland darüber denken möge, sie würden über die ht den Verträgen festgelegton Garantien für die Minderheiten nicht hm- ausgehen. Es stehe bereits fest, daß der Völkerbund ihre Auffassung im allgemeinen billigen werde. Man kann daher mit der un­gefähren Beibehaltung des staius quo rechnen.

Hinsichtlich der deutsch-französischen Unter­haltungen gelegentlich der Tagung des Völker- bundsrates erklärte der Austenpolitiker des „Matin" sie könnten natürlich nur den Charakter vorbereitender Besprechungen haben und keine greifbaren Entscheidungen herbei­führen, da ja die englische Regierung nicht vertreten sei und die finanziellen Regelungen noch nicht so weit gereift seien, um politische Schlußfolgerungen nach sich zu ziehen. Die Räumung selbst sei eine Angelegenheit die nicht nur von den Außenministern, sondern von den Regierungen ernstlich geprüft werden muffe. Die politische Konferenz bei der die Gesamtheit der Schuldenfrage zu regeln wäre, kann Mitte Su Ti statt linden. Die deutsche Regierung scheine den Wmrsch zu haben, zu dieser Konferenz eine Einladung nach Deutschland ergehen zu Jaffen. Die Stadt Da den-Baden fei bereits genannt worden. Zweifelsohne würden Driand und Stresemann am heutigen Montag bei ihrer ersten Unterhattung diese Frage erörtern.

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Befische Vorbereitungen zur Nheinland­räumung.

Brüssel, 8. Zuni. Belgien bereitet sich ernsthaft auf die Nhein­landräumung vor. Der Kriegs- Minister hat den entsprechende» Militär­behörden schriftliche Anweisungen gegeben. Sollte Belgien jedoch noch bis zum Jahre 1930 an der Besatzung teilnehmen, so ist vorgesehen, daß ein Reiterregiment ganz oder teilweise dazu verwendet werden soll.

weit gespannt, aber baß sie überhaupt vorhanden ist, ist schon ein Vorteil, den die deuffche Wirtschaft praktisch verwerten kann. Letzten Endes könnte man auch die Tatsache, daß das Gutachten zwei ganze deutsche Generationen in den Zahlungs­dienst ejnspannen will, als ein Plus für Deutschland buchen. Denn diese Bestim­mung ist wirffchaftlich so absurd und so bar jeder wirffchaftlichen Vernunft, daß sie sich selbst an ihrem eigenen Ansinn tot­laufen muß. Eine Erkenntnis, vor der ja auch nicht die Sachverständigen der Gläu­bigerstaaten ganz unberührt gewesen sein können, denn sie haben ja die Revisions­klausel gebilligt. Was jetzt Deuffchland zu tun übrig bleibt, ist die Beweisführung, daß Politik niemals wirtschaftliche Ver­nunft auf die Dauer toffchlagen kann. Diese Beweisführung ist bitter und schmerzvoll, denn sie wird sich aufbauen auf die Weiterdauer eines deutschen Wirt- fchafts- und Finanzelcnds. Aber der Weg muß beschritten werden.

Zu der generellen wirffchaftlichen An­möglichkeit des Poungpattes kommt die höchst fragwürdige Einrichtung der Bank für internationale Zahlungen ein Gebilde, das den Keim in sich trägt zu einer wirk­lichen weltbeherrfchenden Instanz, für die die Regierungen nur Atrappen sind, — die Ausdeutung eines Wortes von oen 300 Leuten, die in Wahrheit die Welt beherrschen, vor der letzten Endes Die Völker nur Sklaven find! Man wird ab-

warten müssen, wie diese Entwickelung vor sich geht.

Nicht ohne Bedeutung ist, daß das Ko­mitee der deutschen Wirtschaftspolitik für die Aufbringung Richtlinien mit auf den Weg gegeben hat, wohl weil man be­fürchtete, daß Die in den ersten Jahren no­minell erzielten „Ersparnisse" im inneren Etat mit untergehen würde. Man emp- fiehll die Abschaffung der 7V-Prozentigen Deförderungssteuer. Man läßt Die In­dustriebelastung international fallen, hofft aber, daß fie auch im Inneren als Steuer­erleichterung den Trägern zugute komme, um — die Spartätigkeit erneut an­zuregen. Die „Köln. Ztg." weist mit Recht darauf hin, daß Die Meinung der Kom­mission richtig ist, daß sogar Steuersen­kungen möglich seien insbesondere für die allzu hoch gettiebenen Besitzsteuern. Das Blatt fragt sich nur, wie sich Herr Hilfer- ding dazu stellen werde. „Freiwillig" habe man in dieser Beziehung in DeuffchlanD freilich nie etwas getan. Die kleine Er­leichterung von Paris miHse jetzt multi­pliziert werden ousch zweckmäßige inner» deuffche Wirtschaftspolitik.

1927 wurde zuerst von Parker Gilbert eine Revision des Dawesplanes gefordert nachdem bereits jahrelang die Anmögftch- keit der Erfüllung in Deuffchland betont war. 1928 beantragte Frankreich in Genf die Revision. Rach dem Steigerungs­index (Den man als „Wohlstandsindex" [!] bezeichnete) müßten unsere Tribute bald

König AuaL von ÄgWtsn

300 Millionen monatlich erreichen. An- mögliche Ziffern für unser naltes Leben sotmchl als auch für unsere Währung.

Ansere Anterhändler haben keinen Zweifel gelassen, daß der Poung- plan uns Ziffern zumutet. Die Die «deutsche Wirtschaft nicht tragen könne, man wollte wieder ein Diktat und nicht wirtschaftliche Vernunft. Vae victiS! Wehe den Besiegten! Die moderne Wirtschaft kann zwar ein Sklavenleben für einzelne Völker Anlassen, auf die Dauer aber keinen inneren Widerspruch gegen ihre eigenen Gesetze. Daran wird auch Der Poung- plan scheitern. Deutschland wird daran keinen Zweifel aufkommen lassen dürfen.

Der Poungplan ist des Pudels Kern, ein neues Kapitel unse­rer Tributknechtschaft, er wird nicht Das letzte fein.

Freilich ist Die Achillesferse bei uns Die Tatsache, daß jed eFrage auswärtiger Po- liffk, selbst wo es ums nafte Leben geht, ein innerlich zerrissenes Volk findet. Dce Möglichkeit, Dem politischen Gegner eins auszuwischen, ist wichtiger, als Das ge­meinsame Schicksal! Vielleicht hätten un­sere Anterhändler mehr erreicht, wenn man ihnen nicht mit vergifteten Waffen in Der eigenen Presse Der Heimat in den Rücken gefallen wäre, mit Elaboraten, an Denen allein Die Buchstaben deutsch waren. Aber auch Das ist scheinbar unabwendbar.

Die Pariser Beschlüsse liegen mm Den Regierungen unD Parlamenten vor. Der Kampf im Inneren beginnt.

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StresermM m Madrid

Madrid, 8. Juni. Reichsminister Stresemann und Gemahlin find mit dem pünktlich einfahrenden fahrplan­mäßigen Zug um 20.35 Uhr in Madrid eingetroffen. In ihrer Begleitung befan­den sich Staatssekretär Dr. P ü n d e r, Ministerialdirektor Dr. Zechlin und Botschafter Graf W e l c z e ck, die dem Minister nach Toledo entgegengefah­ren waren. Primo de Rivera empfing den deutschen Vertreter im Völkerbundsrat auf dem Bahnsteig, wo sich zwischen den beiden Staatsmännern sofort ein sehr freundschaftliches Gespräch entwickelte. Rach gegenseitigen Vorstellungen und Be­grüßungen begab sich Stresemann, der die Reise gut überstanden hat und frisch aussieht, sofort zum Hotel Palace, dem Sitz der deutschen Delegation.

Der Sonntag verlief ohne poliffsche Ereignisse. Reichsminister Dr. Strese­mann, der erst am späten Nachmittag das Hotel zu einer Spazierfahrt verließ, ver­brachte den Tag mit der Orientierung über den Stand der Aussprache des Rats­komitees für die Minderheiten­frage und der Geschäfte der bevor­stehenden Ratstagung, über die inner»