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Wie das Nachrichtenbüro deS VDZ. zu den für heute in Aussicht ge­nommenen Konkordatsbefprechungen im Preußischen StuatSministerium von unter- -richteter Seite noch erfährt, hat die rö­mische Kurie dem Entwurf zu- gestimmt. Auch soll die Frage der Mehrheitsbildung im preußischen Parlament so gut wie gelöst sein. Cs haben nämlich deswegen in der Zwischen­zeit Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei, auf deren Verhalten bei der Abstimmung es im wesentlichen an­kommt. stattgefunden. Die Verhandlungen sind dadurch erleichtert worden, daß bei den jetzigen Regierungsparteien nach wie vor Geneigtheit für eine Beteiligung der Deutschen Volkspartei auch an der preu­ßischen Staatsregierung besteht. Für die Volkspartei kam als Argument, wie uns aus parlamentarischen Kreisen erklärt wird, hinzu, daß die evangelische Kirche inzwischen in einer Eingabe an die preußische Staatsregieruing eine Neu­regelung auch ihres Verhältnisses zum Staat gefordert hat. Mit den Vechand- lungen hierüber dürfte man sehr bald nach Erledigung des Konkordates beginnen. Weiter war in den zwischenzeitlichen Ver­handlungen die Meinung der juristtschen Sachverständigen der Regierung sowohl wie maßgebender Fraktionen darüber von Bedeutung, daß für die Verabschiedung des Konkordats im Preußischen Landtag dieeinfacheMehrheitausreichen würde. Es wäre danach der Volkspartei möglich, durch Stimmenthalt ung bei der entscheidenden Abstimmung die Mehr­heit der Regierungsparteien wirksam wer­den zu lassen.

Sachverständigen bei den Pariser lungen schulden wir Dank. Auch neu die Entgleisungen nicht die sich Abg. Bernhard hat kommen lassen. Ich glaube, daß

ins Ruhrgebiet gefahren sind, um den Flügel der Schwer-Jndustrie, der mit der Annahme der Pariser Vorschläge nicht einverstanden war, umzustimmen. Auf dem bekannten Frühstück in der Villa Hügel ließ sich Thys­sen von Schacht erklären, welches die Fol­gen einer Ablehnung sein würden. Ms Schacht dann die schwere Krise schilderte, die dann eintreten müßte, sagte Thyssen:Diese Krise brauche ich jetzt, bann sind die Lohn­frage und die Reparationsfrage auf einmal beseitigt!" (Hort! Hört! links, Unruhe rechts. Abg. Stöhr (Nat.-Soz.):Der Mann phantasiert-ja!") Meine Informatio­nen in diesem Punkte sind ganz unbedingt gut.

Der Anzeigenpreis beträgt ffc btn 10 gespult. Zeilenmillimeter 0.08 SM., kleine Baranzeigen 0.06 GM amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierige« Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50°|e Aufschlag. Sammelanzeigen 109 °lo Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0.40 SM. Jeder Rabatt gilt al» Darrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark Dollar.

Kreitag, »en 7. Mi 1929

Abg. Lejeune-Iung.) Auf die Reparations­verhandlungen könne erst später eingegangen werden. Ueber die Kapitalbildung in Deutschland, so fuhr der Minister fort, habe ich niemals in der Oeffentlichkeit bestimmte Zahlen genannt, auch nicht auf dem Kölner Bankiettag. Ich habe dort ausdrücklich be­tont, wie groß der Kapitalbedarf der deut­schen Wirtschaft geworden sei. Die Deutsch- nationalen haben mir eine Verierfrage wegen der Zollpolitik gestellt. (Abg. Graf Westarp (Dntl.) ruft erregt:Ich weise diese Unter­stellung zurück!") Ich kann nur wiederholen, daß ich

in der Beurteilung der Zollfrage mit dem Reichseknährungsmnnfter überem- stimme.

Ich habe bei den verschiedensten ^Handels­verträgen dafür gesorgt, daß die Forderun­gen der Landwirtschaft erfüllt wurden. Ich

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Mit dem Nordexpreß ist gestern, mittag Reichsminister Dr. Stresemann in Begleitung von Frau Stresemann, Staatssekretär Dr. P ü n d e r, Ministe­rialdirektor Dr. Z e ch l i n und Geheimrat Dr. Redlhammer in Paris einge­troffen. Sie wurden am Bahnhof von Botschafter v. H p s ch, Botschaftsrat Dr. Rieth und den Mitgliedern der Botschaft empfangen. Obgleich Dr. Stresemann ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen hatte, daß von einem offiziellen Empfang seitens der französischen Regierung Ab­stand genommen werde, begrüßte ihn bei seiner Ankunft ein Herr des Protokolls im Namen des Außenministers Vriand. Es hatten sich viele Photographen sowie deutsche, französische und ausländische Journalisten eingefunden.

Es steht nunmehr fest, daß die Unter­zeichnung des Gutachtens der Pariser Sachverständigen heute nachmittag um 17 Uhr im Hotel Georg V. erfolgen wird. Die Sitzung wird öffentlich sein. Es handelt sich vorläufig um eine Para­phierung, bei der die Sachverständigen ihre Initialen unter das Schriftstück setzen werden. Präsident Dr. Schacht wird am Sonnabend Paris verlaßen und sich noch ein oder zwei Tage in Frankreich aufhal­test, um das Grab seines im Weltkrieg gefallenen Bruders zu besuchen, und Ge­heimrat Kastl wird am Montag abreisen. Die amerikanischen Sachverständigen Ire-' ten ihre Reise am Sonnabend nachmittag mit derAquitania" nach Newyork an. Auch die anderen Delegierten dürften Pa­ris sehr bald verlassen. Ueber die Ver-

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Dlt ^Oberhessische Zeitung" « fAeint sechsmal wöchentlich. Be mgSprciS monatlich 2.10 GM.auS. schließt. Zustellungsgebühr, durch bt«Post2.S5 GM.Für etwa infolge Htteiks, Mafchinendefekte oder elementarer Ereigniste ausfallende Ammern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. gntd der Unib.-Buchdruckerei v. goh. Aug- Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. e. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit btt Redaktion bon 1011 und (,11 Uhr.

Abg. v. Raumer (Dt. Vvt.): Unseren Verhand-

öfstmtlichung des. Gutachtens fand gestern eine Unterredung zwischen dem Vorsitzen­den Poung und Schacht statt. Es wurde vorläufig beschloßen, daß die Texte in den Hauptstädten der an der Konferenz betei­ligten Mächte am Sonnabend in den Vor­mittagsstunden der Presse zugestellt werden sollen, damit sie am Sonnabend nachmit­tag veröffentlicht werden können.

Temps" glaubt zu wißen, daß der Bericht der Sachverftändigenkonferenz, also der Young-Plan,

ans folgenden Kapiteln bestehen wird:

Schaffung des Reparattonssachverständi- genausschußes und die ihm anverttaute Aufgabe;

die Voraussetzungen, unter denen das Sachverständigengutachten ausgearbeitet wurde;

Abhandlung über die Lage Deutschland; Statut und Funktionen der Bank für internationale Zahlungen;

Vergleich zwischen Dawes-Plan und Poung-Plan;

Reparationsannuitäten (Höhe, Anzahl, ungeschützter Teil, Sachlieferungen usw.;

eventuelles Transfer- und Aufbttngungs- moratorium;

Kommerzialisierung und Mobilisierung des ungeschützten Teiles der Annuität. Außerdem sollen dem Bericht zwei An­hänge angefügt werden, einer betreffend die Bank für internationale Zahlungen und ein zweiter, der die Verteilung der deutschen Annuitäten unter die Gläubiger­mächte regelt.

bin auch immer für eine Heraufsetzung des Butterzolles eingetreten, Sie aber (nach rechts) machen uns die Arbeit sehr schwer und verderben sich selbst die öffentliche Mei­nung, wenn Sie gleich die Erhöhung von 27,50 Mark auf 80 Mark verlangen. Zu einer Mittelstandsinterpellation habe ich noch zu erklären, daß die Regierung ständig über die von ihr erteilten öffentlichen Auftrage berichtet. Eine gebührende Berücksichtigung des Handwerks wird angestrebt. Die Kon­sumvereine werden steuerlich nicht anders be­handelt als andere Genossenschaften. Ich habe in meiner Amtstätigkeit einen erheb­lichen Teil meiner Arbeit für den Mittel-

Das KottsM

Die für heute angefetzte Sitzung hn preußischen Staatsministerium, in der die Fraktionen des Preußischen Landtages über den Inhalt des Konkoroates un­terrichtet werden sollen, wird wie wir erfahren 11 Ahr beginnen. Es wttd zunächst eine Besprechung mit den Koa­litionsparteien (Zentrum, Sozialdemokra­ten und Demokraten) stattsinden. Am Nachmittag werden die übrigen Patteien unterrichtet. Die Vorlage dürfte am 17. Juni an den »Staatsrat gelangen. Der Staatsrat, der für den 18. Juni auf etwa vier Tage einberufen ist, um neben kleinen Vorlagen insbesondere das Stäote- baugesetz zu beraten, wird sich voraussicht­lich in diesem Sitzungsabschnitt auch mit der Konkordatsvorlage befassen. Es ist zu ertoarten, daß die Vorlage fooann noch vor den Sommerferien auch vor das Ple­num des Landtages, das bekanntlich am 25. Juni auf etwa drei Wochen zusammen­tritt, beschäftigen wird. Zn einer Be­sprechung, die einige Tage vor dem 16. Juni stattfinden soll, wird oie Regierung über den Inhalt des Konkordates der Presse Mitteilungen machen.

kaum je ein Artikel in solchen Kreisen eine solche Bennrnhignng erregt hat, wie der des Abg. Bernhard.

Es ist nicht zutreffend, daß Abg. Bernhard erst nach dem Rücktritt von Dr. Vögler die Sachverständigen kritisiert habe. Er hm es schon vorher getan. Wir erkennen durchaus die große Bedeutung, die die Lage der Land­wirtschaft für die allgemeine Wirtschaftslage hat. Durch Agrarzölle wttd auch der Preis für den Verbraucher kaum beeinflußt. Das haben wir 1924 gesehen. Wir werden im Zusammenhang mit der Vorlage über die Weltwittschaftskonferenz im Ausschuß un ere Zollgesetzgebung genau nachprüfen müssen, auch daraufhin, ob die autonomen Sätze hoch genug sind, um einen vertragslosen Zustand den übrigen Ländern unangenehm zu machen.

Die wirksamste Mittelstandspolitik wäre eine Senkung der Realsteuern.

stand eingesetzt.

Aba. Bernhard (Dem.): Ich habe mich bemüht, dem Sachverständigen V ö g 1 er gerecht zu werden. (Lachen rechts.) Es ist eine Tatsache, die Sie nicht leugnen können, daß die Sachverständigen Vögler und Schacht

Dem gemeinsamen Schritt der eixmgefi» 'scheu Landeskirchen zum Konkordat folgt nunmehr eine zustimmende Erklärung des Kirchensenates, der sich auf seiner soeben beendeten Berliner Tagung ein­gehend mit der Konkordatsfrage befaßt hat. Der Kirchenfenat erwartet, daß oer bedeutsame Schritt der acht Kirchen die preußische Regierung veranlassen wird, die von ihr abgebrochenen Verhand­lungen mit der evangelischen Seite wieder aufzunehmen. Diese Ver­handlungen könnten nach dem ©tanhe der kirchlichen Vorarbeiten in kürzester Frist beendigt werden.

Für den Fall jedoch, daß den gesetz­gebenden Körperschaften einseitig ein Ver- ttag mit der katholischen Kirche vorge­legt werden sollte, wurde der Vorsitzende ersucht, die Generalsynode sofott mit Fttst von wenigen Tagen einzuberufen, damit diese namens des evangelischen Volks- teiles zu der so geschaffenen Lage Stel­lung nehmen kann.

Anzeiger für (bas frühere kurhesfifchej Oberhefsen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis MarSnrK

Die zweite Beratung des Wirtschafts- Etats wird fortgesetzt.

Abg. Brandes (Söz.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Ministers zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Die Ausführungen des Ministers konnten , den Eindruck erwecken, als fei die Materie schon wbschließend vom Kabinett geregelt. Daß das nicht der Fall ist, steht fest. Der Mi­nister kann also nur für seine Person und für die hinter ihm stehende Pattei gesprochen haben.

Die sozialdemottatifche Fraktion hat be­reits erflärt, daß sie bereit ist, einer be­fristeten Beitragserhöhung zuzu- stimmen und ihre Zustimmung zur Be­seitigung nachweislich bestehender Mißstände zu geben.

Sie verlangt aber, daß an de« Leistun- gttt der Arbeitslosenversicherung nichts . gekürzt wird.

Wer die Reichszuschüsse an die Arbeitslosen­versicherung vermindern, eine Beitragser­höhung aher ablehnen will, der kann nur an einen materiellen Abbau der Versicherungs­leistungen denken. Solchen Bestrebungen wird aber die sozialdemokratische Fraktion den stärksten Widerstand entgegensetzen.

Abg. Dr. Klönne (Dntl.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Mi­nisters. der ein Werturteil über die ganze deutfchnationale Pattei abgegeben habe, ohne den Beweis für seine Behauptungen zu er­bringen. Der Minister habe außerdem die Grenzen des auch in vermeintlicher Abwehr Zulässigen überschritten. (Zustimmung rechts.) Der Redner beschäftigte sich dann mit der Pariser Konferenz. Die hochoffiziel­len Auslassungen des Reichswirtschafts- minifters über die Kapitalneubildung in Deutschland im vorigen Jahre hätten eine der Grundlagen gebildet, die Parker Gil­bert zu der Abfassung seines unverattt- wortlich günstigen Berichtes veranlaßten.

Damit fei die Verantwortung des Mi­nisters aber noch nicht erschöpft. Mußte er, so fragte der Redner, wirklich seine Zustim- Mung geben zu der in deutschem Sinne viel zu frühen Anberaumung der Pariser Kon­ferenz?

Auch die Bedingungen, unter denen die Konferenz zustande kam, waren höchst unvorteilhaft.

Der Redner fragt, ob der Minister den Ver­handlungen zugestimmt habe, ehe die Frage der Rheinlandräumung geklärt war, ob er kein Veto dagegen eingelegt habe, daß wir Verpflichtungen weit über das Ver­sailler Diktat hinaus übernehmen, wie er wei­ter das Ungeheuerliche mitansehen konnte, daß gegenüber den brutalen Forderungen der Alliierten

die deutschen Vorleistungen in Höhe von über 40 Goldmilliarden nicht aufge­rechnet

wurden. Der Redner richtete dann Angriffe gegen den Abgeordneten Bernhard. Kein englischer und französischer Journalist von Rang würde sich in gleicher Lage gefunden haben, der den eigenen Sachverständigen in den Rücken gefallen wäre. Er über­lasse es dem gesunden Menschenverstand, dem Vaterlandsgefühl und der Auffassung von Anstand in der ganzen Welt, das Urteil über Herrn Bernhard zu fällen. (Lebhafte Zu­stimmung rechts, große Unruhe und Lärm links.) Der Redner fragt zum Schluß den Minister, ob er dem Hause vorschlagen wolle, den Pariser Abmachungen, die auf dieser Basis zustande gekommen sind, zuzustimmen. Deutschland habe keinerlei Verpflichtung, reicheren Völkern auf sechs Jahrzehnte die finanziellen Sorgen abzunehmen. Es müsse endlich Schluß gemacht werden mit den Fol­gerungen, die aus der unsinnigen Krieg sschuldlüge gezogen werden. (Beifall rechts, lebhafte ©egenlunbgebungen links und in der Mitte.)

Reichswirtfchaftsminister Dr. Curtius

erwidert dem deutschnationalen Redner, feine gestrige Bemerkung gegen die Deutschnationa­len habe sich gegen deren Ablehnung der Vorlage über die Weltwirtschaftskonferenz gerichtet. Abg. Dr. Lejeune-Iung habe tat­sächlich die handelsvertraglichen Verhältnisse absolut schief dargestellt. (Widerspruch des

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