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Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Rücktritt -es mMschm KaLÄsrttS

Mmdonald wird mit der MilliinMldimg beauftragt Sir Liberalen W zur Mitarbeit bereit

fk. L o n d o n, 4. Zum. Baldwin wird dem König heute Mitteilung von dem Rücktritt der Negierung machen.

An der gestrigen Beratung «ahmen alle Kabinettsmitgliedsr mit Ausnahme des erkrankten Lord Bal­four teil. Man nimmt an, daß der König heute nach Entgegennahme des Rücktritts Baldwins den Führer der Arbeiterpartei, Macdonald, emp­fangen und mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragen wird. Wie man glaubt, hat Macdonald feine Ministerfitze im wesentliche« schon verteilt.

Die Blätter, mit Ausnahme des Or­gans der Arbeiterpartei,Daily Herold", ergehen sich in Mutmaßungen über die Zusammensetzung des neuen Kabi­netts.Daily Telegraph" erwar­tet als Staatssekretär des Aeutzeren Henderson. Der politische Korrespon­dent derDaily Mail" erwähnt ein Gerücht, daß Lord Robert Cecil Staats« sekretär des Aeutzern werden soll, betont aber, erfahrene Sozialisten hätten Tho­mas als wahrscheinlichen Nachfolger Chamberlains bezeichnet. AuchM o r - ning Poft" nimmt an, daß Thomas die auswärtigen Angelegenheiten übernehme. Daily Herald" zufolge wird mor­gen eine gemeinsame Sitzung des natio­nalen Vollzugsausschusses der parlamen­tarischen Arbeiterpartei abgehalten wer­den, von der wichtige Entscheidungen zu erwarten seien.

Die Aufgaben der Arbeiterregierung.

In einem Leitartikel über die erwartete llebernahme der Regierung durch die Ar­beiterpartei sagtTime s": Das Land wünfckit keine neuen Wahlen. Es wunsaft vor allem Frieden im Innern und nach außen. Wenn Macdonald bei seiner Poli­tik diese Tatsache berücksichtige, braucht er sich keine Sorge zu machen, daß ihm eine unfaire Behandlung zuteil werden könnte.

Morning Post" erwartet, daß die Sozialisten einen Kuhhandel mit den Liberalen abschließen werden, und befürch­tet schwere Folgen für das englische Wirt­schaftsleben.

Daily Expreß" warnt Macdonald vor allen Rationalisierungs-Experimenten und sagt, wenn die neue Regierung sich auf die nächsten und dringlichsten Pro­bleme beschränkt, kann sie eine Aera wirk­lichen Fortschrittes und wirklicher Wohl­fahrt herbeiführen.

Der politifche Korrespondent ' der Daily Mail" meint, es sei jetzt eine Periode ruhiger Entwicklung zu erwarten, da die sozialistische Regierung nur solche Vorlagen einbringen werde, die die Unterstützung der Mehrheit der Libe­ralen Partei finden würden.

Die liberale ,D>aily News" sagt in einem Leitartikel: Die Liberale Partei ist im Unterhaus die Zunge an der Wage. Die Liberale Partei ist verpflichtet, einzu­treten für freien Handel, Wahl­rechtsreform, eine entschiedene Politik des Friedens und der Ad- rüftung und Ueberwindung der Ar­beitslosigkeit. Wenn die Arbeiter­partei unter Weglasiung der extremen Punkte ihres Wahlprogramms sich auf diese großen nationalen Frage« beschrän­

ken will, dann werden die Liberalen ihr eine faire Möglichkeit zur Beratung ihrer staatsmännischen Eigenschaften geben. Aber in zwei Punkten wird Macdonald die Methoden ändern muffen, die für seine vorige kurze Amtsperiode bezeichnend waren: in erster Linie muß er bedenken, daß er der Diener nicht des Vollzugs­ausschusses seiner Partei, sondern des Parlaments und der Nation ist; in zweiter Linie muß er seine Haltung gegenüber den liberalen Unterhausmit­

gliedern einer vollkommenen inneren Um­bildung unterziehen. Die Liberalen wer­den sich niemals wieder den gewöhnlichen und kleinlichen Kränkungen unterwerfen, die ihnen 1924 die Arbeiterpartei zuteil werden ließ. Wenn nicht die allgemeinen Regeln des Anstandes gewahrt werden, wird praktische Zusammenarbeit unmöglich sein.Daily News" schließt:Diese War­nung wird von uns in allem Ernst und bei voller Kenntnis der Tatsachen ge­geben."

BM Dr. Schachts an SAen Donna Rmiilmvldiccktvr Ritter zmn SouderbevetlmSKtisten ernannt

In der belgischen Markfrage hat der Vorsitzende der deutschen Etuppe, Reichs­bankpräsident Dr. Schacht, an den Vor­sitzenden des Sachverständigenausschusses Owen Young folgenden Brief ge­richtet:

,Zn Ergänzung der Unterhaltung, die ich am letzten Sonnabend mit Ihnen in der belgischen Markfrage gehabt habe, be­ehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß die deutsche Regierung bereit ist, folgende Maßnahmen zu ergreifen:

1. Unverzüglich ein pactum de con= trabende mit der belgischen Regierung (sei es durch Notenwechsel, sei es durch ein gemeinsames Protokoll) abzuschließen, wodurch die beiden Regierungen sich ver­pflichten, Verhandlungen auf einer neuen Basis aufzunehmen mit dem Ziel einer endgültigen Regelung der Markfrage;

2. diese Verhandlungen alsbald aufzu- nehmen und darüber Übereinkommen, daß diese Verhandlungen abgeschlossen werden sollten, bevor der neue Reparationsplan von den Regierungen in Kraft gesetzt wird;

3. die deutsche Regierung hat Herrn Ministerialdirektor Ritter zu ihrem Sonderbevollmächtigten für diese Frage ernannt; er ist bereit, die Verhandlungen alsbald zu eröffnen.

Der wesentliche Inhalt der vorstehenden Punkte ist dem belgischen Gesandten in Berlin mitgeteilt worden, dessen Antwort von der deutschen Regierung erwartet wird.

Die Deutsche Regierung hat diesen Vor­schlag im Geiste des Entgegenkommens und mit dem besten Willen gemacht, dieses Hindernis für die normale Entwicklung

der freundschaftlichen Entwicklung zwischen den beiden Ländern zu entfernen.

Ich hoffe, daß diese Feststellungen alle Mißverstände beseitigen werden, die hin­sichtlich der Stellung der deutschen Regie­rung in der belgischen Markfrage bestehen. Im Hinblick auf diese zur Zeit bestehen­den Mitzverständniffe war? ich Ihnen dankbar, wenn Sie den übrigen Mitglie­dern des Ausschusses von der Stellung­nahme der deutschen Regierung, wie ich sie hierin dargelegt habe, Mitteilung machen würden."

Der Brief ist vom Vorsitzenden an sämtliche Mitglieder des Ausschusses ver­teilt worden.

Durch den Bries, den Reichsbcmkpräsi- dent Dr. Schacht gestern dem Vorsitzen­den der Reparationskonferenz geschrie­ben hat, ist in der Angelegenheit der bel­gischen Marknoten eine neue Lage ge­schaffen. Nach derChicago Tri­büne" sieht die Mehrzahl der Gläubiger­delegationen dieses Schreiben als einen greifbaren Beweis für den guten Willen Deutschlands an, darum dränge man die Belgier dazu, sie möchten den Vorschlag annehmen. Obwohl Aeuße- rungen aus Brüssel hierzu noch nicht vor­liegen, habe man in Konferenzkreisen gestern abend allgemein den Eindruck ge­habt, daß die Unterzeichnung des Sachverständigen-Berichtes nunmehr i n einigen Tagen werde erfolgen kön­nen. Owen Young scheine ziemlich opti­mistisch zu sein und habe angekündigt, er beabsichtige, am Sonnabend die Rückreise nach Amerika anzutreten.

Der Präser Spien

Prag, 3.Juni. Ueber die Spionage-, affäre, die durch Auffindung einer Mappe mit wichtigen militärischen Dokumenten auf dem Prager Flugplatz entdeckt wurde, berichtet das Montagblatt, daß am Sonn­tag das Verhör des verhafteten tschecho­slowakischen Ofsiziers fortgesetzt worden ist. Die Gattin des Verhafteten, des­sen Name nicht genannt werden darf, wurde der Polizeidirektion vorgeführt und ebenfalls vernommen, um festzu- stellen, ob und inwieweit sie in die Pläne und in die Tätigkeit ihres Mannes ein« geweiht war. In der Wohnung des Ver­hafteten wurde neuerlich eine Haussuch­ung abgehalten. Es werde heute nachge- forfcht werden, welchen Weg das ver­ratene Material genommen hat. Der ver­haftete Stabskapitän, der zu den streng geheimen Akten, die in schweren Pan^c- schränken verwahrt werden, keinen tritt hat, verschaffte sich Schlüssel zu eim­

aen Registraturschränken, die zwar ge­heimes, aber weniger wichtiges Material enthielten. Die Akten hat er ban.t über Nacht offenbar photogra­phieren lasten und am nächsten Tage wie­der unversehrt in den Schrank gelegt. Der Kapitän hat seine Spionagetätigkeit ungefähr zwei Jahre verübt.

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ft Garmisch, 4. Juni. Beim Bohren von Sprenglöchern in einem Tunnel der im Bau befindlichen Zugsvitzenbabn stieh^man auf einen alten, noch nicht entladenen Schuh, welcher explodierte. Ein Arbeiter wurde getötet, drei schwer verletzt, einer kam mit leichteren Verletzungen davon.

Das Sprenaunglück in einem Tunnel der Zugsvitzenbabn hat ein weiteres O v s e r gefordert. Der Arbeiter Peterskofer ist im Krankenhaus von Garmisch seinen Ver­letzungen erlegen, ohne das Bewußt­sein wiedererlangt zu haben. Ein Arbeiter schwebt noch in Lebensgefahr.

ZagtWegel

Die außerordentliche Hartnäckigkett, ntit der Belgien seinen Standpunkt in der Frage einer Sonderentschädigung in Höhe von jährlich 25 Millionen Mark für die s. Z. von Deutschland in Belgien zurück- gelassenen Gelder versicht, fällt allmäh­lich überall auf die Nerven. Die Haltung der Alliierten in dieser Frage ist jedoch, wie betont werden muff, nicht einheitlich.

'S.

Belgiens Finanzsachverständiger Ernest Francäui hat, nachdem zwischen allen Sach­verständigen in Paris eine Einigung erziett worden war, das Ergebnis der Pariser Konferenz aufs Mene in Frage gestellt. Zu allen Lasten, die Deutschland za tragen sich bereit erklärt hat, verlangt Belgien noch eine Entschädigung für die von den deutschen Besatzungsbehörden während des Krieges ausgegebenen und später durch die Inflation entwerteten Marknoten. So­lange diese Frage nicht geregelt ist, will Belgien das Protokoll der Pariser Ver- Handlungen nicht unterstützen. *

da nur Frankreich den belgischen Stand­punkt in der Markfrage ganz unterstützt.

Die Art, wie zurzeit die belgische Mark- forderung von französischer Seite behan­delt wird, legt in der Tat Den Verdacht nahe, daff Frankreich unter allen Umstän­den ein Präjudiz herbeiführen will, um Forderungen Frankreichs über den Poung- plan hinaus anläfflich eines etwaigen Rück­kaufes der «Saargruben von Deutschland zu ermöglichen. Diesem Versuche muff auf das Schärfste widersprochen werden. In der endgültigen jetzt in Paris gefundenen Regelung der Kttegsschädenfrage ist die Bereinigung aller sich aus dem Versailler Verttag für Deutschland ergebenDen fi­nanziellen Verpflichtungen einbegriffen. Es ist daher kein Zweifel, daff sowohl die Markentschädigungsfrage wie die etwaigen Zahlungen für die Rückgabe der Saar­gruben in den Ziffern, Die der Poungplan vorsieht, rechtlich enthalten sind.

DieBerliner Wrsen-Zeitung" schreibt:

Die Deutsche Friedensgesell­schaft" eröffnet fetzt einen groß ange­legten Landesverrats - Feldzug gegen Deutschland, Der die bisher verübten Taten dieser Organisation an Planmäßigkeit bei weitem übertrifft. Das Präsidium derFriedensgesellschaft", £ aus dem ReichÄbannerführer v. Schoen- aich, dem Reichstagsabgeordneten Strö­bel und dem Chefredakteur desAnde­ren Deutschland", Fritz Küster, besteht, hat beschlossen, anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr der Annahme des Frieoens- verttages eine Aktion zu Gunsten der Kriegsschuldlüge und oeS VersaillerVertrages" zu unter­nehmen, d. h. der Reichsbannerführer von Schoenaich und Genossen wollen tatsächlich in öffentlichen Versammlungen und durch Flugblätter Deutschland erneut der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges bezichttgeu