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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint sechsrna! wöchentlich. Te zugspreiS monatlich 2.10 EM.auS- schließl. Zustellungsgebühr, durch dlePost2-35 EM.Für etwa infolge Streiks, Maschincndefrkte oder elementarer Ereignisie ausfallende Kummern wird kein Ersah geleistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Iuh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt u. W. Nr. 5015. — Sprechzeit btt Redaktion von 10—11 und 0,1—1 Uhr.
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Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Rücktritt -es mMschm KaLÄsrttS
Mmdonald wird mit der MilliinMldimg beauftragt — Sir Liberalen W zur Mitarbeit bereit
fk. L o n d o n, 4. Zum. Baldwin wird dem König heute Mitteilung von dem Rücktritt der Negierung machen.
An der gestrigen Beratung «ahmen alle Kabinettsmitgliedsr mit Ausnahme des erkrankten Lord Balfour teil. Man nimmt an, daß der König heute nach Entgegennahme des Rücktritts Baldwins den Führer der Arbeiterpartei, Macdonald, empfangen und mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragen wird. Wie man glaubt, hat Macdonald feine Ministerfitze im wesentliche« schon verteilt.
Die Blätter, mit Ausnahme des Organs der Arbeiterpartei, „Daily Herold", ergehen sich in Mutmaßungen über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. „Daily Telegraph" erwartet als Staatssekretär des Aeutzeren Henderson. Der politische Korrespondent der „Daily Mail" erwähnt ein Gerücht, daß Lord Robert Cecil Staats« sekretär des Aeutzern werden soll, betont aber, erfahrene Sozialisten hätten Thomas als wahrscheinlichen Nachfolger Chamberlains bezeichnet. Auch „M o r - ning Poft" nimmt an, daß Thomas die auswärtigen Angelegenheiten übernehme. „Daily Herald" zufolge wird morgen eine gemeinsame Sitzung des nationalen Vollzugsausschusses der parlamentarischen Arbeiterpartei abgehalten werden, von der wichtige Entscheidungen zu erwarten seien.
Die Aufgaben der Arbeiterregierung.
In einem Leitartikel über die erwartete llebernahme der Regierung durch die Arbeiterpartei sagt „Time s": Das Land wünfckit keine neuen Wahlen. Es wunsaft vor allem Frieden im Innern und nach außen. Wenn Macdonald bei seiner Politik diese Tatsache berücksichtige, braucht er sich keine Sorge zu machen, daß ihm eine unfaire Behandlung zuteil werden könnte.
„Morning Post" erwartet, daß die Sozialisten einen Kuhhandel mit den Liberalen abschließen werden, und befürchtet schwere Folgen für das englische Wirtschaftsleben.
„Daily Expreß" warnt Macdonald vor allen Rationalisierungs-Experimenten und sagt, wenn die neue Regierung sich auf die nächsten und dringlichsten Probleme beschränkt, kann sie eine Aera wirklichen Fortschrittes und wirklicher Wohlfahrt herbeiführen.
Der politifche Korrespondent ' der „Daily Mail" meint, es sei jetzt eine Periode ruhiger Entwicklung zu erwarten, da die sozialistische Regierung nur solche Vorlagen einbringen werde, die die Unterstützung der Mehrheit der Liberalen Partei finden würden.
Die liberale ,D>aily News" sagt in einem Leitartikel: Die Liberale Partei ist im Unterhaus die Zunge an der Wage. Die Liberale Partei ist verpflichtet, einzutreten für freien Handel, Wahlrechtsreform, eine entschiedene Politik des Friedens und der Ad- rüftung und Ueberwindung der Arbeitslosigkeit. Wenn die Arbeiterpartei unter Weglasiung der extremen Punkte ihres Wahlprogramms sich auf diese großen nationalen Frage« beschrän
ken will, dann werden die Liberalen ihr eine faire Möglichkeit zur Beratung ihrer staatsmännischen Eigenschaften geben. Aber in zwei Punkten wird Macdonald die Methoden ändern muffen, die für seine vorige kurze Amtsperiode bezeichnend waren: in erster Linie muß er bedenken, daß er der Diener nicht des Vollzugsausschusses seiner Partei, sondern des Parlaments und der Nation ist; in zweiter Linie muß er seine Haltung gegenüber den liberalen Unterhausmit
gliedern einer vollkommenen inneren Umbildung unterziehen. Die Liberalen werden sich niemals wieder den gewöhnlichen und kleinlichen Kränkungen unterwerfen, die ihnen 1924 die Arbeiterpartei zuteil werden ließ. Wenn nicht die allgemeinen Regeln des Anstandes gewahrt werden, wird praktische Zusammenarbeit unmöglich sein. „Daily News" schließt: „Diese Warnung wird von uns in allem Ernst und bei voller Kenntnis der Tatsachen gegeben."
BM Dr. Schachts an SAen Donna Rmiilmvldiccktvr Ritter zmn SouderbevetlmSKtisten ernannt
In der belgischen Markfrage hat der Vorsitzende der deutschen Etuppe, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, an den Vorsitzenden des Sachverständigenausschusses Owen Young folgenden Brief gerichtet:
,Zn Ergänzung der Unterhaltung, die ich am letzten Sonnabend mit Ihnen in der belgischen Markfrage gehabt habe, beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß die deutsche Regierung bereit ist, folgende Maßnahmen zu ergreifen:
1. Unverzüglich ein pactum de con= trabende mit der belgischen Regierung (sei es durch Notenwechsel, sei es durch ein gemeinsames Protokoll) abzuschließen, wodurch die beiden Regierungen sich verpflichten, Verhandlungen auf einer neuen Basis aufzunehmen mit dem Ziel einer endgültigen Regelung der Markfrage;
2. diese Verhandlungen alsbald aufzu- nehmen und darüber Übereinkommen, daß diese Verhandlungen abgeschlossen werden sollten, bevor der neue Reparationsplan von den Regierungen in Kraft gesetzt wird;
3. die deutsche Regierung hat Herrn Ministerialdirektor Ritter zu ihrem Sonderbevollmächtigten für diese Frage ernannt; er ist bereit, die Verhandlungen alsbald zu eröffnen.
Der wesentliche Inhalt der vorstehenden Punkte ist dem belgischen Gesandten in Berlin mitgeteilt worden, dessen Antwort von der deutschen Regierung erwartet wird.
Die Deutsche Regierung hat diesen Vorschlag im Geiste des Entgegenkommens und mit dem besten Willen gemacht, dieses Hindernis für die normale Entwicklung
der freundschaftlichen Entwicklung zwischen den beiden Ländern zu entfernen.
Ich hoffe, daß diese Feststellungen alle Mißverstände beseitigen werden, die hinsichtlich der Stellung der deutschen Regierung in der belgischen Markfrage bestehen. Im Hinblick auf diese zur Zeit bestehenden Mitzverständniffe war? ich Ihnen dankbar, wenn Sie den übrigen Mitgliedern des Ausschusses von der Stellungnahme der deutschen Regierung, wie ich sie hierin dargelegt habe, Mitteilung machen würden."
Der Brief ist vom Vorsitzenden an sämtliche Mitglieder des Ausschusses verteilt worden.
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Durch den Bries, den Reichsbcmkpräsi- dent Dr. Schacht gestern dem Vorsitzenden der Reparationskonferenz geschrieben hat, ist in der Angelegenheit der belgischen Marknoten eine neue Lage geschaffen. — Nach der „Chicago Tribüne" sieht die Mehrzahl der Gläubigerdelegationen dieses Schreiben als einen greifbaren Beweis für den guten Willen Deutschlands an, darum dränge man die Belgier dazu, sie möchten den Vorschlag annehmen. Obwohl Aeuße- rungen aus Brüssel hierzu noch nicht vorliegen, habe man in Konferenzkreisen gestern abend allgemein den Eindruck gehabt, daß die Unterzeichnung des Sachverständigen-Berichtes nunmehr i n einigen Tagen werde erfolgen können. Owen Young scheine ziemlich optimistisch zu sein und habe angekündigt, er beabsichtige, am Sonnabend die Rückreise nach Amerika anzutreten.
Der Präser Spien
Prag, 3.Juni. Ueber die Spionage-, affäre, die durch Auffindung einer Mappe mit wichtigen militärischen Dokumenten auf dem Prager Flugplatz entdeckt wurde, berichtet das Montagblatt, daß am Sonntag das Verhör des verhafteten tschechoslowakischen Ofsiziers fortgesetzt worden ist. Die Gattin des Verhafteten, dessen Name nicht genannt werden darf, wurde der Polizeidirektion vorgeführt und ebenfalls vernommen, um festzu- stellen, ob und inwieweit sie in die Pläne und in die Tätigkeit ihres Mannes ein« geweiht war. In der Wohnung des Verhafteten wurde neuerlich eine Haussuchung abgehalten. Es werde heute nachge- forfcht werden, welchen Weg das verratene Material genommen hat. Der verhaftete Stabskapitän, der zu den streng geheimen Akten, die in schweren Pan^c- schränken verwahrt werden, keinen tritt hat, verschaffte sich Schlüssel zu eim
aen Registraturschränken, die zwar geheimes, aber weniger wichtiges Material enthielten. Die Akten hat er ban.t über Nacht offenbar photographieren lasten und am nächsten Tage wieder unversehrt in den Schrank gelegt. Der Kapitän hat seine Spionagetätigkeit ungefähr zwei Jahre verübt.
ilnglglk ieim susivlkenbMbcm
ft Garmisch, 4. Juni. Beim Bohren von Sprenglöchern in einem Tunnel der im Bau befindlichen Zugsvitzenbabn stieh^man auf einen alten, noch nicht entladenen Schuh, welcher explodierte. Ein Arbeiter wurde getötet, drei schwer verletzt, einer kam mit leichteren Verletzungen davon.
Das Sprenaunglück in einem Tunnel der Zugsvitzenbabn hat ein weiteres O v s e r gefordert. Der Arbeiter Peterskofer ist im Krankenhaus von Garmisch seinen Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Ein Arbeiter schwebt noch in Lebensgefahr.
ZagtWegel
Die außerordentliche Hartnäckigkett, ntit der Belgien seinen Standpunkt in der Frage einer Sonderentschädigung in Höhe von jährlich 25 Millionen Mark für die s. Z. von Deutschland in Belgien zurück- gelassenen Gelder versicht, fällt allmählich überall auf die Nerven. Die Haltung der Alliierten in dieser Frage ist jedoch, wie betont werden muff, nicht einheitlich.
'S.
Belgiens Finanzsachverständiger Ernest Francäui hat, nachdem zwischen allen Sachverständigen in Paris eine Einigung erziett worden war, das Ergebnis der Pariser Konferenz aufs Mene in Frage gestellt. Zu allen Lasten, die Deutschland za tragen sich bereit erklärt hat, verlangt Belgien noch eine Entschädigung für die von den deutschen Besatzungsbehörden während des Krieges ausgegebenen und später durch die Inflation entwerteten Marknoten. Solange diese Frage nicht geregelt ist, will Belgien das Protokoll der Pariser Ver- Handlungen nicht unterstützen. *
da nur Frankreich den belgischen Standpunkt in der Markfrage ganz unterstützt.
Die Art, wie zurzeit die belgische Mark- forderung von französischer Seite behandelt wird, legt in der Tat Den Verdacht nahe, daff Frankreich unter allen Umständen ein Präjudiz herbeiführen will, um Forderungen Frankreichs über den Poung- plan hinaus anläfflich eines etwaigen Rückkaufes der «Saargruben von Deutschland zu ermöglichen. Diesem Versuche muff auf das Schärfste widersprochen werden. In der endgültigen jetzt in Paris gefundenen Regelung der Kttegsschädenfrage ist die Bereinigung aller sich aus dem Versailler Verttag für Deutschland ergebenDen finanziellen Verpflichtungen einbegriffen. Es ist daher kein Zweifel, daff sowohl die Markentschädigungsfrage wie die etwaigen Zahlungen für die Rückgabe der Saargruben in den Ziffern, Die der Poungplan vorsieht, rechtlich enthalten sind.
Die „Berliner Wrsen-Zeitung" schreibt:
„Die Deutsche Friedensgesellschaft" eröffnet fetzt einen groß angelegten Landesverrats - Feldzug gegen Deutschland, Der die bisher verübten Taten dieser Organisation an Planmäßigkeit bei weitem übertrifft. Das Präsidium der „Friedensgesellschaft", £aä aus dem ReichÄbannerführer v. Schoen- aich, dem Reichstagsabgeordneten Ströbel und dem Chefredakteur des „Anderen Deutschland", Fritz Küster, besteht, hat beschlossen, anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr der Annahme des Frieoens- verttages eine Aktion zu Gunsten der Kriegsschuldlüge und oeS Versailler „Vertrages" zu unternehmen, d. h. der Reichsbannerführer von Schoenaich und Genossen wollen tatsächlich in öffentlichen Versammlungen und durch Flugblätter Deutschland erneut der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges bezichttgeu