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Anzeiger für (das frühere knrhrssifche) Lberheffen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Auch Ds. Gchscht seht nicht Kester
Bor einem RMeits- und einem RlndrrWMM - Eine Einigung scheint unmöglich
Die deutschen Sachverständigen haben am Freitag abend den Eläubigerabordnnngen mitgeteilt, datz es für die Deutschen unmöglich sei, über den Youngschen Plan hin- auszugehen, und dah sie eine weitere Erörterung der Höhe der Zahreszahlungen für zwecklos halten. Sie richteten mit dieser Absage gleichzeitig die Ausforderung an die Alliierten, zu den drei Vorbehalten, auf die Deutschland entscheidenden Wert legen müsse, mit ja oder nein Stellung zu nehmen. Es handelt sich bei diesen drei Vorbehalten um die Höhe des nicht transfergeschützten Teiles der Zahreszahlungen» das Schicksal der Reichsbahn und das Aufbringungsmoratorium. Auch der Vorsitzende der Konferenz, Owen Young, hat den Alliierten zu verstehen gegeben, dah er ihre Auslegung des von ihm entworfenen Zahlungsplanes nicht teilen könnte. Er hat damit den Standpunkt der deutschen Abordnung gestärkt.
Der W. T. B.-Bericht über die gestrigen Verhandlungen lautet:
Die deutschen Delegierten haben heute die Besprechung, die der Klärung der Zahlenfrage dienen soll, fortgesetzt. Aufgrund der von den Verfassern der Antwort der Eläubigermächte auf die deutschen Vorbehalte gegebenen Erläuterungen handelt es sich um eine
zusätzliche Erhöhung der Youngschen Zahlen von jährlich 52,8 Millionen
Mark.
Angesichts dieser entscheidenden Meinungsverschiedenheit in der Zahlenfrage ist mit der Möglichkeit zu rechnen, datz entweder darüber getrennte Berichte erstattet werden oder überhaupt eine Verständigung nicht zu erzielen ist. Im übrigen sind in der gestrigen Nachmittagsbesprechung ' die Vertreter der Gläubigerdelegationen auf- oesordert worden, sich zu den bekannten deutschen Vorbehalten zu äußern. Eine Antwort hierüber steht noch aus.
»Bis hierher und nicht weiter"
Die deutschen Sachverständigen haben am Freitag vor einer schweren Entscheidung gestanden. Die Verhandlungen mit den Alliierten, insbesondere eine Aussprache mit dem Franzosen Quesney ergab, daß die Alliierten von ihrer Auslegung des Youngschen Zahlungsplanes über die deutschen Zahlungen nicht abgehen wollen. Auf deutscher Seite mußte man sich daher darüber klar werden, ob man erneut Nachgiebigkeit zeigen und erneut von dem Grundsatz der deutschen Leistungsfähigkeit zugunsten der darüber hinausgehenden Forderungen der Tributgläubiger abweichen wollte, -oder ob jetzt nicht der Augenblick gekommen sei, offen zu sagen:
„Bis hierher und nicht weiter!"
Die deutschen Sachverständigen haben ihr Bestes getan.
Die Entwicklung, wie man sie auf deutscher Seite sieht, stellt sich im Augenblick folgendermaßen dar: Falls man zu einer Einigung über den Stamp- Schlußbericht kommen sollte, der die deutschen Vorbehalte nach deutschem 'Wunsche enthält, so würde man diesen Bericht unterschreiben, jedoch die Regelung der Höhe der Zahreszahlungen offen lassen, d. h. den Negierungen
zur politischen Klärung überlasten. Sollte dagegen auch über die deutschen Vorbehalte keine Einigung zu erzielen sein, so würde die Konferenz mit getrennten Berichten der Alliierten und der Deut
schen auseinandergehen. Diese Entscheidung der deutschen Sachverständigen dürfte von allen Seiten einmütig begrüßt werden, vor allem, wenn man erfährt, datz die Neugruppierung der deutschen Jahreszahlungen, die die Alliierten in dem Youngschen Plane vorgenommen haben, eine Mehrzahlung von 52,8 Mil- lionenEoldmarkim Jahre bedeuten würde.
Optimismus als Manöver
Die Pariser Morgenpresse beurteilt die Lage weniger p e s s i m i st i s ch als sie gestern in der deutschen Delegation beurteilt wurde. Sie bespricht die einzelnen Punkte, die noch Gegenstand der Aussprache bilden, und stellt für gewisse Fragen die Möglichkeit einer Verständigung in Aussicht. Man habe im Hotel Georg V,
so erklärt „Petit Parisien", den Erfolg gestern mit 6:4 bemessen, während am Mittwoch die Erfolgausstchten nur 2:8 gestanden hätten. Was die Uebergangs- Modalitäten vom Dawes-Plan zum Young-Plan anlangt, könne zweifellos eine Verständigung gefunden werden, weil
letzten Endes die Regierungen «nd nicht die Sachverständigen den Zeitpunkt für das Inkrafttreten sowie den geeigneten Augenblick für die Aufhebung der Finanzkontrolle erkennen und die Räumung des Nheinlandes festsetzen würden.
Die Frage der Aufbringung der letzten 21 Annuitäten werde von Dr. Schacht aufs neue gestellt. Aber hier mutzten die Alli-
Aman Allah auf öer MA fttemfMe Ankunft in Wien - Er will mch Enwvn
Kairo, 24.Mai. Wie aus Bombay gemeldet wird, hat König Aman Ullah mit der Königin gestern abend Tschaman verlassen und sich nach Bombay begeben. König Aman Ullah soll beabsichtigen, nach Europa abzureisen. Sein Bruder Jnaqat Ullah fährt vorläufig nach Neu-Delhi. Die Engländer haben somit offenbar Aman Ullah die Rückkehr von ihrem Gebiete aus nach Afghanistan nicht gestattet und haben die Gelegenheit benutzt, um sich seiner auf diese Weise zu entledigen.
Die Ankunst Aman Ullahs in Indien.
„Daily M a i I" berichtet aus L a - höre über die Abreise des Königs Aman Ullah aus Afghanistan nach Indien und Europa: Die Ankunft Aman Ullahs und einer Gattin in Tschaman und sein Er- üchen an die britischen Behörden um icheres Geleit durch Indien nach Bombay kamen völlig überraschend. Eie trafen in Tschaman ein, ohne ihre Ankunft angekündigt zu haben, mit einem Gefolge von 60 Personen in Kraftwagen. Sie hatten nur wenig Gepäck, da Habid Ullah 48 der - Last - Kraftwagen erbeutet hatte. Die britischen Behörden haben einen Sonder- zug von Lahore nach Tschaman entsandt, der den König und die Königin mit ihrem ■--
Gefolge nach Bombay bringen soll. Der Korrespondent der „Daily Mail" berichtet weiter, es werde angenommen, daß Kandahar eingeäschert werden wird. Die Einwohner räumten die Stadt. Habid Ullahs Bruder habe Ghazni auf dem Wege nach Kandahar mit 4000 Mann Truppen eingenommen. Die gesamte Heeresmacht Habid Ullahs betrage 40 000 Mann.
Rorichnll Ang Maier een Reed-Wim
Ultimatum an Yensischang.
Peking, 24. Mai. Marschall Feng hat sich am Donnerstag zum Diktator von Nord-China ausrufen lasten. Er hat die Führung aller chinesischen Streitkräfte in Nord-China übernommen und an den General Yensischang ein Ultimatum gestellt, sofort die Armee für die Regierung des Generals Feng zu vereidigen. Marschall Feng verlangt, seinen Truppen solle die Möglichkeit gegeben »erden, sofort die Bahn nach Peking frei zu machen. General Yensi- schang erklärte dem General Feng auf telegraphischem Wege, datz er der Nankingregierung treu bleiben und es nicht zulassen werde, dah die Truppen Fengs kampflos Peking besetzen.
ierten bei ihrer ursprünglichen Ablehnung bleiben, da dieses Problem einzig und allein die interessierten Staaten angehe und vor allem politischer Natur sei. Das schwierigste Problem sei das der belgischen Forderungen auf Bezahlung der Markbeträge. „Petit Parisien" will eine Zustimmung zu dieser belgischen Forderung seitens der übrigen Alliierten feststellen können, während der „A v e n i r" von einem Abrücken der Engländer von dieser Forderung spricht. Falls, so fährt „Petit Parisien" fort, hierüber sowie über gewiße deutsche Vorbehalte eine Verständigung zwischen Schuldnern und Gläubigern sich als unmöglich Herausstellen würde, würde den Sachverständigen immer noch die Möglichkeit bleiben, den Regierungen zwei Berichte,
einen Mrhrheits- und einen Minder- hestsbericht znzustcllcn. Zm übrigen »rwarten die Blätter für h e n t e eine
Entscheid« ng.
Einige Blätter heben nämlich hervor, daß bte Entscheidung von der Antwort abhängen werde, die Dr. Schacht im Laufe des heutigen Tages geben wolle.
Man hat es also wiederum mit einem Manöver zu tun, um, falls die deutsche Delegation, was sehr wahrscheinlich ist, auf ihren Forderungen hinsichtlich der Vorbehalte und der Zahlen des Owen Youngs-Plans besteht, ihr die Verantwortung zuzuschieben für bie .Hnmöglidjfcit, zur Abfassung eines einheitlichen Berichtes zu gelangen.
Pessimismus in London
Die Möglichkeit eines endgültigen Zusammenbruches der Pariser Verhandlungen wird in den heutigen Londoner Morgenblättern ernsthaft betont. Die „Time s" hält einen Erfolg für zweifelhaft, hofft aber noch auf einen Wechsel in der deut- (Fortsetzung siehe Seile 2.)
Ernste tage
Die Reichsrezierung ist damit beschäftigt, das Memorandum der Gläubigerstaaten zu prüfen, dessen Forderungen bisher nur durch Pressemeldungen bekannt geworden sind. Aach allem, was man daraus weiß, handelt es sich nicht nur um eine finanziell höchst gefährliche, sondern auch sehr komplizierte Lösung, die von dem Owen-Poung-Plan so stark abweicht, daß sie kaum noch seinen Namen verdient. Nachdem die Sicherungsvorschläge der deutschen Delegierten fast völlig unberücksichtigt geblieben sind, besteht in der deutschen Oeffentlichkeit über den Ernst der Lage nur eine Meinung.
Der Rücktritt des GeneralüirestorS Dr. Vogler, der schon gegen den Plan von Owen Poung stärkste Bedenken trug, hat die Sachlage vor aller Welt blitzartig beleuchtet. Wer Dr. Bögler kennt, ihn in seiner Tätigkeit in der Nationalversammlung und im ersten Reichstage beobachten konnte, wer seine stark ethische Einstellung als Arbeitgeber und WirtschaftSführer verfolgt hat, der weih, daß einem solchen Manne niemals der Mut zur Verantwortung abgesprochen werden kann. Wenn Dr. Vögler sich zu einem Entschlüsse durchgerungen hat, so war er ernst erwogen und alles andere, als der Ausdruck irgendwelcher Nebenabsichten oder ein Rückzug vor unbequemen Einflüssen. Er ist als Wirtschaftler wie als starke Persönlichkeit über solche Unterstellungen erhaben.
Selbstverständlich ist, daß die Wege doy Polillk und Wirtschaft nicht immer parallel laufen können, aber ebenso unbestrit^ ten, daß in dem Pariser Sachverständigen- Ausschuß die wirtschaftlichen Gesichtspunkte die beherrschenden sein müssen. Die Politik wird zu ihrer Zeit dazu dasjenige sagen, was ihres Amtes ist. Bisher ist gerade von deutscher Seite diese Unterscheidung und der wirtschaftliche Charakter der Pariser Verhandlungen mit starkem Nachdruck betont worden. Dr, Vögler weiß das besser, als alle feit«; Kritiker. Wenn er sein Amt niedergelegt hat, so ist das der Ausdruck seiner eigenen Aeberzeugung. Dah die Herren Schacht und Kastl die Verhandlungen fortsühren, solange sie selber noch an eine — wenn auch bescheidene — Möglichkeit der Klärung in Paris glauben, ist ebenso selbstverständlich. i
Wan sollte meinen, dah über diese Sachlage, soweit sie die Personen betrifft, jede Diskussion überflüssig sei. Anders in Deutschland. Kaum war die Stellungnahme Dr. Döglers bekannt, so hat ein einzelnes Blatt, die Vossische Zeitung, eine Kampagne gegen ihn und die ihm nahestehenden Wirtschastskreise eröffnet, die alles andere, als vornehm genannt werden kann. Die Tatsache, dah Dr. Vögler (übrigens gemeinsam mit Dr. Schacht) am 12. Mai im Ruhrgebiet eine Besprechung mit Vertretern der Wirtschaft gehabt hat, genügte dem demokratischen Blatte, die Behauptung aufzustellen, Dr. Vögler sei vor einem Diktat der Schwerindustrie gewichen. ES besah den Geschmack, hinzuzufügen, dah Dr. Vögler im anderen Falle feine eigene Stellung in der westdeutschen Montanindustrie erschüttert hätte. Die Vossische Zeitung setzte aber dann dem Ganzen die Krone daourch auf, daß sie die Groß-Industrie beschuldigte, den Weltkrieg mit heraufbeschworen zu haben und dah sie sich nun ein neues unberechtigtes Eingreifen in die Politik der Regierung leisten wolle. Daß derartige Stimmen der sog. großen Presse von den feindlichen Kreisen des Auslandes mit Jubel ausgenommen werden, versteht sich von selber. Wenn die „Vossische Zeitung" auch nur einen Funken von Voraussicht besitzen würde, so konnte sie diese Wirkung ohne weiteres annehmen, als sie jene Sätze der Schnellpresse übergab.
Wirtschaft und Politik sollten bei der großen Bereinigung, die in Paris angebahnt wurde, zunächst voneinander ge- ttennt bleiben. Es war vorauszuiehen.