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Mittwoch, »en 2L Mai MS

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Anzeiger für (das frühere knrhesfische) Oberhefse«

Nr. M.3nhrg. Marburg a. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Gläubisrr fin- sich einig

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Sie bruiichrn Borbeballe find „umxearbeilel" worden - Sogar die alliierle Meile W die neuen BediaWNgen für unannehmbar - FrankreW unterstützt Belgiens volitilche Forderungen

Die Agentur H a v a s berichtet über die gestern vormittag gepflogenen Beratungen der Sachverständigen der Eläubigermächte, daß diese die letzte Fassung des Textes ge­prüft haben, den sie als neue Formel für die deutschen Vorbehalte Dr. Schachts Vor­schlägen werden.

Die Gläubigerdelegationen find, so heißt es in der Havasmeldung, zu einer grundsätzlichen Einigung über die Frage der Verteilung gelangt. Die Verständi­gung unter ihnen ist vollständig hinsicht­lich der Abfassung des zu prüfende« Textes, abgesehen von einer sehr kleinen Anzahl von Punkten, die sich auf Unter­schiede in der Abfassung beziehen.

Diese Punkte werden Gegenstand einer neuen Beratung der Eläubigerdelegationen bilden. Der Text, der fertiggestellt werden wird, wird ebenso wie die früheren Mit­teilungen die Form eines von den Sach­verständigen der Hauptgläubigermächte unterzeichneten Begleitschreibens an den Vorsitzenden des Ausschusies Owen ? Äsung annehmen. In diesem Begleit- chreiben werden die Bedingungen ange­geben, unter denen die Eläubigermächte geneigt sind, die von Dr. Schacht bereits angenommenen Ziffern auf der Grund­lage des von Sir Josiah Stamp verfaßten allgemeinen Berichtes ihrerseits anzu- uehmen.

*

Ein einwandfreies Bild über die letzten Absichten der Eläubigernationen zu ge­winnen, ist vorerst nicht ganz leicht. Daß eine Erhöhung der Summen gefordert wird, die nach dem Poung-Plan den Alli­ierten angeboten wurde, darüber scheint man sich einig zu sein. Nach der Dar­stellung der französischen Presie würde es sich hierbei im wesentlichen um die Ver­wendung der Gewinne der Zentralbank für internationale Zahlungen handeln, die aber Dr. Schacht seinerseits zur teil­weisen Begleichung der alliierten Forde­rungen nach dem 37. Jahre der deutschen Zahlungen bis zum 58. Jahre der alliier­ten Schuldenverpflichtungen vorgesehen hatte. Die englische Presie erwartet rußer der Zuteilung dieser Gewinne eine Er­höhung des transferungeschützten Teiles der deutschen Schuld, der nach ihrem Wunsch mit 750 Millionen beginnen und bald auf eine Milliarde ansteigen soll. So mindestens spricht sich die stets gut unter­richtete „Financial Times" aus. Die weiteren deutschen Vorbebalte scheinen zum großen Teil von den Eläubigermächte« mit geringen Abänderungen angenommen zu werden, mit Ausnahme allerdings der wichtigen deutschen Vorschläge für ein Aufbringungsmoratorium und für die Mitheranziehung der Nachfolgestaaten zur Deckung der alliierten Ansvrüche vom 37. bis 58. Jahre. So viel steht aber fest, daß auf deutscher Seite an eine Erhöhung der Jahreszahlungen als solche nicht ge­dacht werden kann. Ebensowenig könnte der Verwendung der Gewinne der inter­nationalen Zentralbank zugunsten der Erhöhung der Eläubigeranteile zugestimmt werden.

In Washingtoner Kreisen wird erzählt, Owen Poung habe eine Rückfahr­karte nach den Vereinigten Staaten end­gültig für den 2 9. Mai genommen. Es wird also vor diesem Datum eine Ver­einbarung über den Bericht des Repara- tionsausschusies erwartet. Ein gewißer Teil der Verantwortung für die Haltung, die die Vereinigten Staaten schließlich gegenüber dem Bericht des Ausschusies ein­nehmen werden, falle zweifellos auf Frankreich.

। Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet: Der Sachverständigen-Ausschutz hat endlich in der Frage der Verteilung eine Formel aufgestellt, danach würde Großbritannien ungefähr den Betrag zur Befriedigung der Ansprüche seiner Domi­nions erhalten. Man glaubt, daß für die­sen Zweck nicht die internationale Bank in Anspruch genommen, sondern das In­krafttreten des neuen Planes aufgeschoben werden wird. Dr. Schacht scheine gewünscht zu haben, daß er am 1. A p r i l in Kraft trete, um ihn in Einklang mit dem deutschen Finanzjahr zu bringen. Wenn er statt besten am 1. September, also erst mit Ablauf des Dawesjahres, in Kraft trete, würde ein

Ueberfchuß aus Daweszahlungen vor­handen sein. Der Korrespondent meldet weiter:

Die Aufnahme des Berichtes durch Dr. Schacht scheint von den Elänbiger- gruppe« mit großer Sorge be­trachtet zu werden und es fehlt nicht an Zeichen dafür, daß die Abänderung eine Annahme durch die Deutsche« schwierig machen werde.

Die Ablehnung der zwei deutschen Vorbe­halt« wegen der Zahlungen der Nach- folgestsaten und wegen des Moratoriums allein könnten genügen, um eine ablehnende Antwort herbei-

Lor- Rosebery t

ein Miner »er Entente

London, 21. Mai. Lord Rosebery, der 1894 bis 1895 Premierminister war, ist heute in der dritten Morgenstunde im Alter von 82 Jahren auf seinem Wohnsitz in Enssm ge­storben.

Archibald Philip P r i m r r> s e, Earl of Rosebery, wurde 1847 als Sproß einer alten schottischen Familie geboren. Aach Ab­solvierung seiner Studien in Oxford trat der junge Rosebery in die liberale Partei ein und führte an der Seite Gladstones den Kampf gegen Disraelis Türken- Politik. Als älnterstaatssekretär war er Mitglied mehrerer Regierungen, zuletzt als Minister des Aeuheren, als welcher er die englische Faschodapolitik festlegte. Dach Gladstones Sturz im Jahre 1894, wurde

,r d-ssen Nachfolger. Seine Tätig­keit als Premierminister in den Zähren 1894/95 ist sprichwörtlich geworden als eine Zeit inneren Haders und politischer Trost­losigkeit. Roseberys spätere Stellungnahme zu den Fragen der Homerulebewegung und der Reform des Oberhauses haben ifyn bis In das Lager der Konservativen geführt, . wenngleich er nominell keiner Partei ange­hörte. Er galt als einer der besten Redner Englands.

♦

Dem verstorbenen ehemaligen Minister­präsidenten und Außenminister zollen alle führenden Persönlichkeiten ihren Tribut. Baldwin, Ramsah Macbvnold und Lloyd George weisen auf die großen Leistungen Roseberys für das britische Weltreich hin. Lloyd George ruft gelegentlich deS Todes eine bemerkenswerte Äeußerung Lord Roseberys in die Erinnerung zurück. Rach der Ankündigung des Abschlusses der eng» lisch-sranzösischen Entente im Jahre 1905 war Lloyd George Gast Roseberys in dessen S>au*e, wobei sich folgendes Ge­spräch entwickelte: „3dj nehme an," so sagte Rosebery, „daß S'e sich ebenso, wie die ande­ren. über d'eses Ereig-is freuen". „Fch bin hoch erfreut", antwortete Lloyd George, „wir haben alle unsere Me'Tnrngsverschiedenheiten mit Frankreich geregelt."

Rosebery faßte seine vollkommen ab­weichende Ansicht über die Entente in die Schlußworte zusammen: „9hm, Sie find in Irrtum, das wird direkt r»m

Kriege führen!"

Die Festhaltung dieser Erllärung ist nicht nur vom Gesichtspunkt der Kriegsschuldfrage aus wesentlich, sondern sie zeigt deutlich, daß auf alliierter Seite wenigstens ent Teil derjenigen Persönlichkeiten, die alle Schuld am Kriege auf Deutschland abwälzten und das zum Teil heute noch tun. das wider bes­seres Wissen taten.

zu führ en. Wenn außerdem, wie an­zunehmen ist, Dr. Schacht ersucht werden sollte, eine besonders Bezahlung an Bel­gien über die vorgesehenen Annuitäten hinaus zu leisten, dann sei man deutscher­seits entschieden gegen die An- nähme. „Ich höre von zuständiger Seite, daß die Deutschen unter diesen Illn- ständen den Bericht ablehnen wür­den." Der Korrespondent führt dann aus, daß die britischen Delegierten sich nicht zur Unterstützung des belgischen Anspruches verpflichtet glauben, doch heißt es, die Franzosen hätten, wenn nicht auf der Konferenz, dann schon vorher, eine derartige Zusage gegeben. Wahr­scheinlich werde Poung in diesem Falle zu vermitteln haben. Zum Schluß meint der^

Korrespondent, es sei nahezu undenkbar, daß die Verhandlungen nach dreimonati­ger Arbeit wegen einer Frage, die tat- lächlich außerhalb ihrer Aufgabe liege, zusammenbrechen sollte.

Eine Mahnung an Frankreich

Wie der Washingtoner Korrespondent der „Time s" von maßgebender Seite erfährt, hat Schatzamtssekretär Mellon gestern den französischen Botschafter Claudel ersucht, P o i n c a r 6 mitzu­teilen, daß

die amerikanische Regierung so schnell wie möglich über die Aussichten der Rntifizierung der französischen

^Fortsetzung liehe Seite V

TageWMl

Der Demokratische Zeitungsdienst bringt Einzelheiten über das preußische Konkordat. So teilt er z. V. bezügl. der Neuregelung des finanziellen Verhält- nisies zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche mit, daß die finanziellen Leistungen Preu­ße n s an die katholische Kirche, die bisher rund 1,4 Millionen Mark jährlich betrugen, in Zukunft, schon infolge der Neuschaffung von Erzbistümern und Bis­tümern, auf einen Betrag von insgesamt 2,8 Millionen Mark im Jahr steigen würden. Darin seien aber die Zuschüße noch nicht mit einbegriffen, die der preußische Staat an die katholischen Geistlichen und Kirchen leistet. Diese Sum­men, die im Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ausgewiesen werden, betrügen für das laufende Rechnungsjahr rund 21,4 Mil­lionen. — Innerhalb der preußischen Staatsregierung sei man aber durchaus bereit, entsprechende finanzielle Verhand­lungen auch mit den Vertretern der evan­gelischen Kirche zu führen.

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Den russischen Rätekongreß nutzte der Vor­sitzende des Rates der Volkskommissare, R y k o w, dazu aus, eine längere Rede zu halten, die, offiziell wenigstens, die russische Außenbilanz darstellen soll, die aber In Wirklichkeit ein handfestes Stückchen politi­scher Propagandaarbeit darstellt. Rhkow wendet sich in erster Linie an Deutsch­land. Er weih vielleicht warum. Seine Worte an die deutsche Adresse stehen in einem seltsamen Mißverhältnis zu dem Ton der Moskauer Preffe. Die letztere weih sich nicht genug zu tun an Schmähungen und Beleidigungen der Reichsregierung, Rhkow dagegen gibt Erklärungen ab, als ob nie­mals ein Mihton das deutsch-russische Ver­hältnis in der letzten Zeit getrübt hätte. Der Vorsitzende des Dates der Volkskommissare spendet im Gegenteil der deutschen Regie­rung vollstes Lob, da sie es verstanden hätte, das Problem der Wirtschaffsbeziehungen zwi­schen der Sowjetunion und Deutschland — er fügt allerdings vorsichtig hinzu — „für eine gewisse Zeitspanne" richtig zu lösen. Wenn dann Lykow dazu übergeht, mit einer ge- . wissen Skepsis die Stellungnahme der deut­schen Behörden zu behandeln, „die in Berlin sowjetfeindliche Falschdokumente Herstellen", so wird man nicht ohne Humor an dem Sinn dieser Bedenken Rhkows Vorbeigehen können. Der Gegenstoh ist die beste Abwehr, denkt Rhkow. Er sucht daher der Reichsregierung^ etwas am Zeug zu flicken, in der Hoffnung, dah die allerdings mit ranz anderem Material gestützten deutschen Beschwerden an die Adreffe Moskaus etwas in den H-ntergrund gedrängt werden. Auch das Lob, das Rhkow den, russisch-amerikanischen Wirtschaffsbeziebungen angedeihen läßt, ist an die Adreffe BerkinS gerichtet. Eine kleine Dreffion. Die deutsche Wirtschaff soll nach Rhkows Meinung da-! von überzeugt werden, dah die Amerikaner! mit Vergnügen Bereit wären, tn eine «tz- stehende Lücke einzutreten. I

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„Associated Preß" faßt das Cnwbnte’ dsr gestrigen Konferenz im Weißen Haus undi der Steuerungen der Chefs des Staatsdepart«-' »ents und des Schatzamts dahin zusammen,, daß, wie Staatssekretär S t i m s o n Bereits! in der vergangenen Woche betont habe, eine Aenderung in der amerikanischen Re­parationspolitik nicht beabsichtigt setz daß man jedoch jetzt grundsätzlich geneigt jet, sich et­waigen Konzessionen der Alliierten anzufchließen und zwar erstens, indem man sich damit abfinde, daß durch di« Ermäßi­gung der gesamten Reparationszahlungen auch der Wert der 2i4prozentigen Anteils der 85et- einigten Staaten automatisch herabgesetzt sei und zweitens, daß nun, falls die Alliierten, auf zehn Prozent ihrer Desatzungskosten ver­zichten, auch die Vereinigten Staaten di« iä6r- lichen Teilzahlungen Deutschlands aus das amerikanische Besatzungskonto um zehn Pro­zent ermäßigen. Bezüglich des 2l4vrozentigen Anteils der Bereinigten Staaten an den Re­parationszahlungen wurde noch besonders be­tont, daß diese Summen zusammen mit den 29 Prozent, die von dem Wert des während de« Krieges beschlagnahmten deutschen Privatver­mögens voräusig zurückbehalten werden, zur

^Befriedigung der.Ansprüche der amerikanische«