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Freitag, »mir. Mai ISN

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*1,1—1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen

Rr.U4 64.mb. Marburg a. Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Bisher 125 To-esMr in Lle-elan-

Jas unheimliche Giftgas —

lieber die Vorgänge der Katastrophe berichtet ein Augenzeuge folgendes: Durch die Explosion wurde das Dach vollständig in die Höhe gehoben und hohe Flammen schossen aus dem Gebäude hervor. Zahl­reiche Aerzte, Pflegerinnen und Patienten sprangen in ihrer ersten Verzweiflung aus den Fernstern. Eine zweite und dritte Explosion der Sauerstoff-Flaschen ver­mehrte die Verwirrung. Gase durchdran­gen sofort das ganze Gebäude. Eine be­sondere Aufregung wurde den ans Bett gefesselten Patienten bereitet.

Diese sahen die Easschwa^en heran­ziehen, ohne sich retten zu können. Auf diese Weise sind allein 30 Kranke der Katastrophe zum Opfer gefallen.

14 Patienten und mehrere Aerzte flüchte­ten durch ein Oberlicht auf das Dach, wur­den jedoch durch den Einsturz des Daches ein Opfer der Flammen. Viele Personen, die zu Rettungszwecken in die Klinik ein­drangen, brachen ohnmächtig zusammen. Die Mannschaften der Feuerwehren und der Polizei drangen, mit Gasmasken versehen, trotz der fürchterlichen Hitze in das Gebäude ein. Das zweite Stockwerk bot ein Bild vollständiger Verwüstung. Tote, Verletzte und Ohnmächtige lagen unter den Trümmern. Die Schreie der Verwundeten gellten durch die Räume.

Zn dem Röntgenraum, aus dem Bromgase ausströmten, lagen allein

12 Leichen.

Alle verfügbaren Ambulanzen eilten zu der llnglücksstelle. Automobile und sonstige Wagen wurden von den Behörden für das Rettungswerk requiriert. Erst nach 21/?. Stunden gelang es den Bemühungen der Feuerwehr, das Feuer einigermaßen zu löschen. Man schätzt • die Gesamtzahl der Personen, die sich zur Zeit der Explosion in der Klinik befanden, auf etwa 360.

Die Untersuchung

Die Untersuchung des Brandunglücks km Krankenhaus zu Cleveland hat fol­gendes Ergebnis:

Die erste Explosion mit anschließendem Ausbruch eines großen Feuers erfolgte durch die Entzündung eines großen Sta­pels von Chemikalien, durch die etwa 25 Kranke, Pfleger und Aerzte in den unteren Räumen getötet wurden. Darauf erfolgte eine zweite Explosion, aber die Hauptverheerungen wurden durch die dritte angerichtet, da durch sie Gift­gase entwickelt wurden, die sich über das ganze Krankenhaus verbreiteten.

Der Anstaltsleiter nimmt an, daß es Phosgengas gewesen ist.

Das Gas hatte jedenfalls bräunliche Farbe. Die Verunglückten wiesen zunächst gelbe, dann grünliche Hautfarbe auf. Das Gas hatte entsetzliche Wirkungen. Wäh­rend in den unteren Räumen Feuer tobte, versuchten verzweifelte Kranke aus den oberen Stockwerken das Freie zu erreichen. Es entstanden regelrechte Kämpfe. Die Feuerwehr fand später das Treppenhaus mit Leichen übersät, die ineinanderge­krampft waren, als ob ein letzter verzwei­felter Kampf vor dem Ausgang stattge­funden hatte. Das Unglück wurde durch das wütende Eroßfeuer noch erhöht. Der Dachstuhl wurde in die Luft geschleudert. Die Feuerwehr konnte nur mit Gas­masken vordringen.

Das Gas drang auf die Straße hin­aus, um unter ungezählten Neugierigentodbringend zu wirke«.

Viele sollen dabei erblindet sein. Ein Schutzmann verlor nach vier Straßenblocks das Augenlicht. Sobald bekannt wurde,

tlnoaMte Maaten sterben an Gasvergiftung — Sie 3aM der Seiet wird sich noch erhöhen

daß Eiftgese ausgeströmt waren, entstand unter den Zuschauern eine unbeschreibliche Panik. Ganze Straßenviertel wurden ge­räumt. Das Feuer äscherte einen ganzen Flügel des Krankenhauses ein. Die Zahl der zur Zeit der Katastrophe in dem Krankenhaus befindlichen Personen wird zwischen 200 bis 350 angegeben, die fast alle tot, verletzt oder gasvergiftet sind. Ob und wie viele von ihnen sich unver­sehrt haben in Sicherheit bringen können, konnte immer noch nicht festgestellt werden.

Nach den letzten Meldungen ist die Zahl der Todesopfer der Katastrophe aus 125 gestiegen.

Das geheimnisvolle Sterben dauert immer noch an, so daß mit einer E r - Höhung der Zahl der Toten auf 150 bis 160 gerechnet werden muß. Die Sachverständigen sind sich noch nicht dar­über einig geworden, welches Gas für die furchtbare Auswirkung der Katastrophe verantwortlich zu machen ist. Auf­fälligerweise st erben viele der Betroffenen er st nachträglich, nachdem es zunächst so aussah, als ob bei ihnen keine Gasvergiftung zu befürchten war. Vor Eintritt des Rückschlages fühlen sie sich sehr wohl und ganz plötzlich kommt der Tod. Man befürchtet da­her weitere Todesfälle bei Menschen, die vorläufig bei bester Gesundheit sind.

Zahlreiche Personen, die dem Brand zusahen, starben ans dem Nachhausewege.

Unter den Toten befinden sich neben sechs Aerzten auch Matrosen, Feuerwehrleute und Pfleger. Das Gas scheint all­mählich die Blutkörperchen zu zersetzen. Die Sachverständigen er­innern an ähnliche Erscheinungen an der We st front. Die einen glau­ben an Stickstoffgas, die anderen an Vromgas, das aus den brennenden Rönt­genfilmen frei wurde. Alle Blutüber­tragungen, die man bisher vorgenommen hat, sind fehlgeschlagen. Als Ursache des Exxldsionsunglück gilt Kurzschluß.

Jer Kampf um die deutschen Vorbehalte

Ste otiteigt Wune tes..Malin"

I

Havas veröffentlicht über die gestern nachmittag abgehaltene Sitzung der ^-le­gierten der Gläubigermächte einen Be­richt, in dem. es heißt:

Die Delegierten haben gemeinsam die von Dr. Schacht in dem Bericht Stomps eingefügten Vorbehalte zu prüfen be­gonnen.

Der englische Delegierte setzte das

Ergebnis seiner Verhandlungen mit

Dr. Schacht auseinander.

und erläuterte die genaue Tragweite der deutschen Vorbehalte. Er machte An­gaben darüber, in welchem Maße seiner Ansicht nach diese Vorbehalte abände­rungsbedürftig erscheinen, damit die Re- parationstzonferenz Aussicht habe, zu einer Verständigung zu gelangen. Als­dann begann eine

Erörterung über die ersten deutschen Vorbehalte,

die sich auf. folgende Punkte beziehen:

1. Möglichkeit eines zweijährigen Moratoriums für den geschützten Teil der deutschen Schuld, und zwar sowohl hinsichtlich der Transferierung als auch der Aufbringung. — Dieser Punkt müsse gemeinsam mit Dr. Schacht geprüft werden.

2. Sicherheitsklausel, die es Deutschland erlauben soll, sich an den Verwaltungsrat der Bank für inter­nationale Zahlungen zu wenden, falls Deutschland sich wirtschaftlichen und finanziellen Schwierig­keiten gegenüber sieht, die beträcht­lich seine Zahlungsfähigkeit ändern.

3. Aufhebung der Finanz- und Wirt- fchaftskontrolle des Dawesplanes.

Es scheint sich zu bestätigen, daß die gestern früh vom „Mali n“ ange­gebene Ziffer von 630 Millionen GMK., die während der 37 ersten Iahreszah- lungen unbedingt transferiert und mobilisiert werden sollen, in dem Vor­schlag Owen Duengs enthalten ist.

Was die Begleichung der l e tz t e n 2 1 Iahreszahlungen anlangt, die für die Deckung der interallierten Schulden bestimmt fein sollen, so erfährt man, daß zur Begleichung nicht nur der Nutzen der internationalen Bank verwendet werden soll, sondern daß man auch an die Bar- entschädigung der Nachfolge­staaten gedacht hat.

„F n f o r m a t i o n" äußert in dieser Hinsicht Bedenken. Sie schreibt: Was die alliierten Gläubigeranspriiche an P o- I e n und die Tschechoslowakei an« langt, wird es sehr schwierig fein, die

wird d-WU - Wir Smftchlmds LMumsWgkeit beurteilt wir-

deutsche Delegation zu befriedigen. Denn diese Mächte fordern ihrerseits einen Teil der russischen Gläubigeransprüche an Deutschland als Gegenleistung für ihre Schulden.

Die französische Presse berich­tet in der gleichen Weise, wie die Agen­tur H a v a 5 es gestern abend getan hat, daß in der gestrigen Sitzung der Dele­gierten der Gläubigerstaaten die drei ersten Vorbehalte erörtert wor­den seien.

Zum ersten Vorbehalt will „M a t i n“ als Antwort der Gläubiger an­geben Können: Von sämtlichen durch den Krieg betroffenen Ländern ist Deutschland dasjenige, dessen Budget unbestreitbar am wenigsten durch Reparationen b e l a ft e t ist (ungefähr 25 Proz.).

Das Steuerproblem ist für Deutsch­land nicht gegeben. Schlußfolge­rung: Aussetzung des

Transfers vielleicht; aber Aussetzung der in Deutschland erfolgenden Zahlungen Kommt nicht in Frage.

Zu Vorbehalt2 lautet die Antwort der Alliierten nach dem „Malin": Deutschland befindet sich in der gleichen Lage wie wir. Es Kann Vorkehrungen treffen, hat aber nicht z u be stim- men. Auf jeden Fall darf die Initiative in dieser Frage nicht von ihm kommen, hier hat Amerika das Wort. Dies wird durch „Echo de Paris" dahin präzisiert:

So lange die Vereinigten Staaten nicht eine Revision ihrer Gläubiger- Ansprüche zulassen, können wir eine solche an unseren Ansprüchen nicht ins Auge fassen.

(Fortsetzung der Meldung siebe Seite 2.)

ReWtaMnen bis rum l. «uni • Kaimt um die JmmuuM

Berlin 16. Mai. Die letzte Reichs- tagssitzung vor den Pfingstferien hatte Lärrn- unb Sturinszenen?u verzeichnen. Ohne Aus­sprache waren die Luftfahrtabkom­men mit Holland und Norwegen angenommen worden, dann aber wurde es lebhaft, als der Bericht des Geschäfts­ordnungsausschusses über die Anträge aus Genehmigung zur

Strasversolgung von Abgeordneten zur Beratung kam. Während früher solche Anträge durchweg abgelehnt wurden, hat sich schon seit längerer Zeit im Eeschäftsordnungs- ausschutz der Brauch durchgesetzt, die Straf­verfolgung freizugeoen gegen A b g e o r b» nete, bie als verantwortliche R e- bakteure einer Zeitung zeichnen unb in Beleidigungsprozesse verwickelt sind. Der Eeschäftsorb- nungsausschutz führte aus, daß. bei der Ver­weigerung der Strafverfolgung auch in sol­chen Fällen, von Abgeordneten verantwort­lich gezeichnete Zeitungen überhaupt nicht we­gen Beleidigung oder Verleumdung gefaßt werden könnten. Im vorliegenden Falle hatte der Ausschuß bie Strafverfolgung frei- gegeben gegen ben nationalsozialistischen Abg. Strasser und den kommunistischen 9Ibg. Florian wegen Beleidigung durch die Presse. Ein weiterer Fall betraf den kom­munistischen Abg. Bertz, der bei den De­monstrationen auf der Publlkumstribüne des Reichstages Kriminalbeamte beleidigt haben soll. _ Von den Nationalsoz-alisten unb Kom­munisten wurde gegen die Anträge des Aus­schusses protestiert, t n ben Nationalsozia­

listen in Reben unb Zwischenrufen so heftig^ daß es'

nicht nur Ordnungsrufe hagelte, sondern die nationalsozialistischen Adgg. Dr. Frick, Dr. Goebbels und Stöbt vom Präsidenten aus dem Saale gewiesen wurden. Da sich die Hinausgewiesenen aber ohne weiteres entfernten, beschränkte sich der lärmende Streit auf die Mitglieder des Hauses, unb bie Polizei brauchte nicht in Aktion zu treten. Die Ausschußanträge wurden angenommen.

Die Vorlage ber Ostpreußenhilf« wurde bann in zweiter unb biitter Beratung gegen bie Stimmen der Kommunisten ange­nommen. Reichsernährungsminister Die­trich betonte, baß bas Reich im Rahmen seiner beschränkten Mittel in Verbindung mit Preußen der notleidenden Erenzprooinz wei­terhelfen und diese Hilfe bei einer Besserung der Finanzlage auch auf andere notleidende Gebiete im Osten ausdehnen wolle. Die Komunisten lehnten ab, weil ihre Aende- nmgsanträge abgelehnt worden waren.

Di« Schichausanierung angenommen.

Angenommen wurde auch in zweiter und dritter Lesung die Vorlage, mit der die S ch i ch a u w e r k e fanje r.t und in Form einer Aktiengesellschaft mit Reichsmitteln fort­gesetzt werden sollen. Gegen diese Vorlage stimmten die Wirtschaftspartei, die BVP^ die Kommunisten, die Deutsche Bauernpartei und ein Teil der Demokraten. Die Redner aus ben bürgerlichen Parteien begründeten ihre ablehnenbe Haltung damit, daß bie