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Anzeiger für (das frühere knrhesfische) Oberhefse«

Rr.m M.Mrg. Marburg «.Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Graseeihaftr Giftsaskataftrephe in Amerika

Lim Klinik in Brand geraten - Giftgase aus dem Mtralorium - Bisher 99 Ale und 40 löblich Berlehle

Cleveland (SDfjto), 15. Mai. Im tzestrahlungsraum einer hiesigen Klinik ereignet sich eine furchtbare Explosion. Die Klinik geriet in Brand. Viele Patienten und andere Personen trugen Brandwun­den und andere Verletzungen davon. Die Explosion hatte weiter zur Folge, daß aus den Laboratorien der Klinik Giftgas aus­strömte, das sich in der Umgebung der Klinik verbreitete. Eine Anzahl von Fuh- gängern, die das giftige Gas einatmete» brach bewußtlos zusammen. Alle verfüg­baren Aerzte und Rettungsmannschaften wurden alamiert und in der Nähe befind­liche Autos und Lastwagen zur Hilfe­leistung herangezogen.

28 Leichen wurden bereits geborgen. Die Zahl der Toten wird von der Po­lizei auf 91 geschätzt.

Fünfzig Patienten sollen sich noch in dem brennenden Gebäude befinden.

Nach einer weiteren Meldung ist die Zähl der Toten bei dem grauenhaften Krankenhausbrand in Cleveland

auf 93 gestiegen.

Man rechnet damit, daß noch mehr Lei­chen unter den Trümmern liegen. Vor dem Trümerhaufen, den das Gebäude bil­det, spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Zu Hunderten suchen die Angehörigen der Verwundeten Auskunft über das Schicksal der Krankenhausinsassen zu erhalten. Viele Kranke mutzten während des Bran­des vom Dach des Hauses heruntergebracht werden, wohin sie das Pflegepersonal zu­nächst geschafft hatte. Viele Verwwun- dete lagen stundenlang auf dem Straßen- pflaster, ehe man ihnen Hilfe angedeihen lassen konnte. Unter den Toten befinden sich viele Opfer der Giftgase.

Der Brand entstand infolge einer Ex­plosion und breitete sich mit großer Ge­schwindigkeit aus.

Zn dem Krankenhaus lagen insgesamt 300 Kranke.

Zahlreiche Insassen sind unter den Trüm­mern des zusammenstürzenden Gebäudes begraben worden.

Die erste Explosion

Mehrere Personen wurden durch die Gewalt der Explosion, die im Röntgen­laboratorium entstanden ist, weit fort­geschleudert. DieLLscharbeiten gestalten sich außerordentlich schwierig, da fortgesetzt neue Explosionen von Chemikalien erfolgten und giftige Gase ausströmten. Während die in den oberen Stockwerken liegenden Kranken von der Feuerwehr über Leitern hinweg gerettet werden konnten, sind alle Insassen der im Erdgeschoß liegenden Krankensäle getötet oder ver­wundet worden. Zahlreiche Feuerwehr­leute und Krankenhausinsasien haben Vergiftungen davongetragen.

Rettung fast unmöglich

Die erste Explosion ereignete sich kurz vor 12 Uhr mittags in der Krankenhausapotheke. Der große Bestand an Chemikalien bot dem Feuer reiche Nahrung. Die hohe Zahl der Toten erklärt sich dadurch, daß die brennenden Chemikalien giftige Rauch­schwaden entwickelten, wodurch die Ret­tungsarbeiten, an denen sich neben der Feuerwehr auch zahlreiche PHlizeimann- schaften beteiligten, fast unmöglich gemacht wurden.

Bei den Aufräumungsarbeiten stieß man überall auf Leichen, so auch im Treppenflur zwischen den Overations- räumev

Alle Verletzte, die bewußtlos waren, sind von den Trümmern verschüttet worden.

Die Polizei berichtet, daß nunmehr alle Personen aus dem brennenden Gebäude herausgeholt worden sind. 40 Patienten, Aerzte und Wärter, befinden sich noch auf dem in Flammen und Rauch ge­hüllten Hospitaldach, zu dem die Feuerwehr bisher nicht hat vordringen können, da es noch nicht möglich war, eine Leiter an das brennende Dach a n - z u l e g e n. Rach den letzten Meldungen erfolgten zwei Explosionen, die sich beide im Zweiten Stockwerk, wo der Raum für Röntgenbestrahlung liegt, ereigneten.

Aus den Fenstern des zweiten Stock­werks schossen sofort die Flammen her­aus und die in diesem Stockwerk

untergebrachten Patienten waren hilflos dem wütenden Element preisgegeben.

Die Feuerwehren aus der ganzen Stadt, die schnell herbeigeeilt waren, sowie eine Reihe anderer Helfer, drangen todesmutig mit Gasmasken vor und zogen die Patienten aus den Fenstern heraus. Andere Gefährdete wurden von den Aerz- ten und Pflegern auf das Dach des Hospitals getragen. Die meisten Geretteten hatten bei ihrer Rettung das Bewußtsein bereits verloren und waren verletzt. Ihre den Giftgasen ausgesetzten Ge­sichter und Hände waren gelb gefärbt.

Bei dem Rettungswerk tat sich be­sonders der gerade vorüberfahrende

„M ZMkim" gestartet

Er fcfinNf sich Wer Frankreich

fk. Friedrichshafen, den 1«. Mai. „Eraf Zeppelin« ist heute früh 5.58 Uhr mit 40 Mann Besatzung und 18 Passagiere» an Bord zu einer Fahrt nach den Bereinigten Staaten aufgestiegen. Nach einer Schleife über dem Heimathafen nahm das Luftschiff Kurs auf

Konstanz—Basel.

Sieben Monate nach seisier ersten Amerika­fahrt ist es nun soweit, daß der „Graf Zeppelin" seine zweite Fahrt nach dem Kontinent jenseits des Atlantik antritt: dies­mal mit zahlreichen zahlenden Passagieren und wertvoller Ladung an Bord.

In der Stadt und auf dem Werftgelände wird es schon kurz nach Tagesanbruch leben­dig, besonders in den Quartieren der Passa­giere und der Zeitungsleute geht es aufge­regt zu. Die Straßen und Wege sind auf­geweicht, da es die ganze Nacht hindurch geregnet hat. Auch jetzt ist der Himmel mit tiefliegenden regenschweren Wolken überzo­gen. .Vor dem von den Polizeibeamtcn streng gehüteten Eingangstor der Werft und um den Platz herum drängen sich zahl­reiche Neugierige und verfolgen ge­spannt die Abfertigung der eintreffenden Kraftwagen mit Fahrgästen und sonstigen Bevorzugten, die Zutritt haben. Gegen 5.30 Uhr kommt allmählich Leben in die große Halle. Passagiere finden sich mit dem klei­nen Handgepäck ein: während der dunkelfar­bige Gorilla mit einem Handwagen zum Schiff transportiert wird, donnern von Bord schon einzelne Motore im Probelauf. Als einer der ersten Passagiere geht Commander Clarke an Bord, dann folgen in ganz kur­zen Abständen die übrigen Passagiere. Das Schiff ist offensichtlich vollkommen klar zum Start, denn schon kurze Zeit, nachdem die Passagiere und die Besatzung größtenteils an Bord sind, werden die Sandsäcke abgenom­men und die Böcke unter dem Schiffsrumpf entfernt. Das schwer beladene Schiff kann von wenigen Mann am Boden gehalten werden. Um 5.45 Uhr öffnen sich langsam die schweren Tore der Halle. Ein kühler

Luftzug geht um die Flanken des Schiffes, die einzige Dame an Bord, die schlanke Amcrikancrm, deren Name nicht bekannt ist, stellt sich noch den hin- und hergehenden Pho­tographen zur Verfügung. Dann geht auch sie in das Schiff. Die Stimmung ist aus­gezeichnet. Die Passagiere unterhalten sich lebhaft mit den Umstehenden. Besonders Kapitän W i l k i n s, der alte Pilotz macht ein fröhliches Gesicht. — Dann erscheint Dr. Eckener, gibt die letzten Befehle an die Mannschaft und verschwindet in der Gondel. Um 5.49 Uhr ist alles an Bord und sofort wird das Schiff durch das Westtor in flot­tem Tempo in die taunassen Wiesen hinaus­gebracht. Die Spannung ist auf das Höchste gestiegen, als das Schiff ganz ins Freie gezogen wird, mit der Spitze zur Halle ge­dreht und über einen Graben hinweggebracht wird. Die Passagiere stehen mit vergnüg­ten Mienen an den Fenstern. Scherzworte fliegen hin und her. Die letzten Photos wer­den angefertigt. Dr. Eckener verfolgt auf- merksam den Transport des Schiffes und wenige Minuten später gibt er das Kom­mando zum Aufstieg. Die Motore werden angeworfen, die Haltemannschaften stoßen den schweren Schiffsrumpf in die Höhe und langsam löst sich der Zeppelin von der heimatlichen Erde. Ein letztes Grüßen und Winken setzt ein, das aber nicht von langer Dauer ist, denn sowie die fünf Motore in Gang kommen, fliegt das Schiff in mäßiger Höhe nach Südosten davon. Kurze Zeit später ist der „Graf Zeppelin", nach einer Schleife über der Stadt, in west­licher Richtung fliegend hinter Wolkenmassen verschwunden.

(Weitere Meldungen siebe Seite 2.)1

Lastautoführer Zack Sutherland hervor» der einem Feuerwehrmann die Gasmaske entriß» in das brennende Gebäude hineinstürzte und zahlreiche Personen rettete» ehe er selbst zu-

. sammenbrach. -

Die Feuerwehr hat jetzt festgestellt, daß die Explosionen im Erdgeschoß erfolgten, wo Filmstreifen aufbewahrt wurden, die zur Aufnahme von Röntgenphotos dienten.

Bromidgas

Die I n t e n f i t ü t der Flammen wurde durch die Explosion mehrerer Sauer st offbehälter verstärkt. Nach den Explosionen entwickelte sich dichte ! Wolken vonBromidgas, die bei |

den Opfern Blutungen der Augen, der Nase und des Mundes hervorriefen. Alle in der Stadt aufzutreibenden Sauerstoff­behälter wurden den Krankenhäusern, in die die an Gasvergiftung erkrankten Opfer der Katastrophe eingeliefert worden waren, zur Verfügung gestellt.

Bisher find

45 Todesopfer festgestellt

worden; es sind zumeist Patienten, aber auch einige Aerzte und Krankenwärter befinden sich unter den Toten. Die meisten von ihnen sind den erlittenen Brand­wunden erlegen, zahlreiche sind vermut­lich auch Opfer des Giftgases geworden. Die Feuerwehrleute trugen D u tz e n o e von Perfonen aus dem brennenden Gebäude heraus, ohne zu wissen, ob sie

tot oder lebendig find. Die Schreckensrufe und das Jammergeschrei der Opfer erfüllten die Luft. Alle Ge­borgenen wurden unverzüglich in die be­nachbarten Krankenhäuser geschafft. Wan befürchtet, daß viele von ihnen noch den erlittenen Verletzungen und den Ein­wirkungen des giftigen Gases zum Opfer fallen werden. Trotz fieberhafter Tätigkeit der Aerzte ist die Sauerstoff­zuführung bei den Vergifteten vielfach zu spät gekommen.

Berge von Leiche«

Eine Augenzeugin, die sich im Wartezimmer des Krankenhaufes befand, gab folgende Schilderung der Katastrophe: Zch befand mich im Wartezimmer, als ich aus einem Nebenzimmer Rauchwolken ein­dringen sah. Sofort flammten die roten Signallichter des Krankenhauses aus. Aerzte und Wärter fuhren die Patienten in Krankenstühlen aus ihren Zimmern. Diele, die dem Ausgange zu eilten, wurden infolge des Einatmens des Dromidgafes ohnmächtig und brachen zusammen.

Nach der letzte« Meldung sind infolge der Katastrophe bisher 89 Men­schen ums Leben gekommen.

Unter den Todesopfern befinden sich auch mehrere Feuerwehrleute und ein Polizist. Es wird jetzt damit gerechnet, dah sich zur Zeit der Explosionen etwa 200 Per­sonen in dem Krankcnhause befanden. Wie­viel von ihnen sich unverletzt in Sicherheit bringen konnten, ist noch nicht bekannt. Die Polizeimannfchaft, die als erste an oer Unglücksstätte eintraf, stieß beim Ein­dringen auf einen Haufen von 25 Leichen. Eine innere Tür war durch eine Leiche versperrt, sodaß andere Patien­ten, die bereits zu schwach waren, sich nicht mehr retten konnten. Der Schrecken wurde noch durch das Jammern und Stöhnen der in den Betten liegenden Patienten ver­mehr. Wie die Feuerwehrleute und die Polizeimannfchaften, so zeigten auch die Aerzte und das Pflegepersonal ein helden­mütiges Verhalten bei dem Rettungswerk.

fk. C l e v e l a n d (Ohio), 16. Mai. Nach den letzten bekannt gewordenen Angabe» ist

die Zahl der Todesopfer der Kranken» Hauskatastrophe nunmehr auf 99 ge­stiegen.

Bei 4 0 lebend Eeborgenen, die in andere Krankenhäuser gebracht worden sind, besteht wenig Aussicht, sie am Leben zu erhalten. Die Todesfälle sind zum größten Teil durch die sich entwickelten Giftgase verursacht worden. Bis jetzt ist nur bei vier oder fünf Leichen der Tod durch Verbrennen festgestellt worden.

Schweres Explosionsungliick.

Bafel, 15. Mai. Zm Zentrum von Straßburg ereignete sich am Mittwoch vormittag kurz vor 8 Ahr ein folgen­schweres Explosionsunglück. Mehrere Ar­beiter der Straßenbahn waren mit Aus­besserungsarbeiten an den Geleisen be­schäftigt. Bei den Schweiharbeiten flog plötzlich der Benzinbehälter, der bei der Erhitzung oer Schweißformen ver­wendet wurde, in die Lust. Ein Strahl brennenden Benzins ergoß sich im Ru auf fünf Arbeiter und fünf Vor- übergehende, von denen mehrere so­fort in Hellen Flammen standen. Sieben der Verletzten, die fünf Arbeiter und zwei Passanten, wurden ins Krankenhaus ge­bracht. Drei von ihnen find lebens­gefährlich verletzt