Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend den 11. Mal IW

Die ^Oberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Ve zugspreis monatlich 2.10 GM.auS- schließl. Zustellungsgebühr, turch di«Post2.35 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekle ober elementarer Ereignisie ausfallende Nummern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzerolh. Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Job. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion bon 1011 und 's, 11 Uhr.

öberlMsche

****** JS A« Ti 1H A Echt

SMttowIg« / || 17 H R M B I BI £antc6itilung

Anzeiger für (das frühere knrhessifchsj Oberhessen

Nr. 109 Kl.stabrg. Marburg «.Lahn

Ser Anzeigenpreis beträgt für den lOgespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., klein« Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­borschrift 50°/, Aufschlag. Sammelanzeigen 1001« Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Darrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet,ebenso Auskunft durch di« Geschäfts stell« und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark = V«,,Dollar,

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

s

Dis fernrefle Eimsung m Paris

Dnilfchland nimmt den zablirngdplan Swen Dvnngd an Kein EMermemorandum St. Schachts

Der Havas-Bericht über die formelle Einigung der Sachverständigen, dessen Richtigkeit kaum bezweifelt werden kann, hat folgenden Wortlaut:

Die Sachverständigen der Gläu­bigermächte sind heute nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz von Owen Young zusammengetreten, der seine Kollegen über den Verlauf der Verhandlungen, oie er seit Sonnabend mit der deutschen Dele- zation führt, unterrichtete. Owen Young )at besonders darauf hingewiesen, daß er ich mit dem Führer der deut- chen Delegation über ein Ver­ehren geeinigt habe, das geeignet ei, es sämtlichen interessierten I>elegatio» neu zu gestatten, ohne größeren Zeitver­lust die Vorbehalte und Bedin­gungen, die die deutschen Sachverstän­digen an die Annahme der letzten von ihm vorgeschlagenen Zahlen knüpften, in ihren Einzelbeiten kennen zu lernen. Zu diesem Zweck wird Dr. Schacht dem Vorsitzenden des Redaktionsausschusses, Sir Josiah Stomp, die Vorbehalte angeben, die er im Namen der deutschen Delegation in dem allgemeinen Bericht über die Arbeiten der Konferenz ausge­nommen zu wissen wünscht.

Der Führer der deutschen Delegation wird andererseits dem Komitee be­kannt geben, daß er auf der Grund« läge des in dieser Weise abgeanderten allgemeinen Berichts bereit sei, die Zahlen Owen Youngs anzunehmea.

Unter diesen Umständen wird der Sach­verständigenausschuß, sobald er einmal im Besitz dieser Dokumente ist, sich in erster Linie über die deutschen Vor­behalte auszusprechen haben. Man nimmt an, daß er in der Lage sein wird, mit deren Prüfung am kommen­den Dienstag oder Mittwoch zu beginnen.

Wie aus englischer Quelle verlautet, kommt entgegen den Erwartungen, die die französische Presie geäußert hat, kein Sondermemorandum Dr.

Schachts in Frage.

Sir Josiah Stomp habe vielmehr den all­gemeinen Bericht über die Konferenzar­beiten zusammen mit Dr. Schacht neu be­arbeitet und die Gedankengänge Dr. Schachts über die Sicherheiten, die Deutschland im Falle der Annahme der Youngschen Ziffern haben müsse, mit hin- eiygenoinmen. Dieser Bericht werde vor­aussichtlich am kommenden Sonntag ser- liggestellt sein und dann Dr. Schacht unterbreitet werden.

*

Die französische Presse ist durch die neue Wendung in den Sachverständi- gen-Besprechungen am Freitag nachmittag zum Teil sehr enttäuscht. Perti- n a x macht sich imEcho de Paris" zum Wortführer der Unzufriedenen. Der gestrige Tag sei für die französischen Sach­verständigen wenig glänzend. Dr. Schacht habe der Forderung, einen Vorbehalt, von dem die Franzosen die Annahme des Young-Vorschlages abhängig machten, schriftlich niederzulegen, widerstanden. Seine Hartnäckigkeit sei belohnt worden. Sir Josiah S t a m p, der mit der Aus­arbeitung des Schlußberichtes beauftragt fei, werde sich also nebenbei mit dem deut­schen Reichsbankpräsidenten über die Sätze verständigen, die Dr. Schacht zur Um­schreibung der deutschen Absichten einwen­den wolle. Die französische Unterschrift dürfte unter keinen Satz gesetzt werden, der selbst diese geminderte Form der deut­schen Vorschläge enthalte. DerPetit P a r i s i e n" ist viel beruhigter und er­klärt, die am Freitag beschlossene Methode werde den Sachverständigen die Möglich­

keit geben, sich eine genaue Meinung über die gesamten deutschen Ansichten zu bil­den. DasI o u r n a l" sagt, in der Sachoerständigenkonferenz gebe es nur eine ernste Seite, das sei die Schwäche der Gläubiger, die nicht wagten, die Ameri­kaner aufzufordern, sich nicht in Kon­zessionen zu begeben, an denen sie selbst nicht beteiligt seien. DerE x c e l s i o r" ist der Meinung, daß es wertlos gewesen sei, über Ziffern zu verhandeln, während man ihre Tragfähigkeit und ihre mög­lichen Vorbehalte noch nicht gekannt habe.

Times" berichten aus Paris: Es verlautet, daß Schacht Sir Josiah Stamp ein Aide-Memoire übergeben hat, das die deutschen Anregungen darlegt.

Diese könne» nicht länger als Be­dingungen bezeichnet werden, da, rote es heißt, die deutschen Delegier­ten nicht mehr die Annahme der neuen Zahlen unbedingt von der An­nahme ihrer Vorbehalte abhängig machen.

Diese werden wahrscheinlich nur fest dar­auf bestehen, daß eine Art Mora- t o r i u m im Notfälle festgelegt wird. Möglicherweise werden die Deutschen außerdem die Annahme einiger Punkte verlangen, die mit den Reparations­zahlungen an die kleineren Eläubiger- mäa)te zusammenhängen.

Die Verteil ung der zusätzlichen Repe rat ionstorderungen

Frankreich

Plan der

H 8,4 Gesamtarmme To ' 12.7

Plan Owen Y0UnS

nach dem Memorandum der Alliierten (schwarz ausge'üllt) nnd nach dem Vorschlag Owen Ssounzs (schraf­fiert). Die augerdem in beiden Plänen gl-ichermagen vorgesehene Deckung der Schulden der alliierten Staaten ist hier nicht berücksichtigt.

----------- iiiliiiiM^MWMWMiiiffliiMiillWi um.......... .............

RrWMFMtetW nach Amerika

fk. Friedrichshafen, 11. Mai.Am 15. Mai, morgens 7 Uhr, tritt das Luft­schiff®rof 3eppelin seine 2. Ame­rikareise an. Die Rückfahrt soll am 22. Mai nach einem dreitägigen Aufenthalt in Lakehurst erfolgen.

Tas Schiff führt 16 Passagiere und zahlreiche Frachtstücke mit sich. Außerordentlich zahlreich sind die Post­sendungen. Es dürften jetzt schon mehr als 100 000 Briefe und Postkarten zur Beförderung mit dem Zeppelin in Friedrichshafen eingegangen sein. Ein Zeppelinbrief kostet 4 Mark, eine Post­karte 2 Mark. Die Sendungen müssen bis zum 13. Mai in Friedrichshafen ein­getroffen sein.

--*----

DK Srünte ter Auslösung von tolfront

Qtadj dem Amtlichen Preußischen Presse­dienst haben folgenoe Gründe zur Auf­lösung des Roten Frontkämpferbunoes ge­führt:

1. Der Rotfrontkämpferbund habe be­wußt und planmäßig das vom Polizei­präsidenten in Berlin erlassene Ku n d- gebungsderbot zu durchbrechen versucht;

2. Seit Jahren werde der R. F. D. von seinen Führern mit der Begründung zum Kampfe geschult, daß nurdie bewaffnete Macht der Arbeiterklasse" die Entscheidung bringen könne. Soweit sei der R. F. B. in straffer Disziplin für den Kampf zum Sturz der Regierung und Aus­richtung der Diktatur geschult worden. Er sei daher eine staatsfeindliche Verbindung zur Vernichtung der bestehen­den StaatSform mit Gewalt;

3. Der R. F. B. habe sich in unbe­fugtem Besitz von Waffen be­funden;

4. Da der R. F. B. seine Mitglieder nach einem von der Bundessührung her- ausgegebenen Kommandoreglement mili­tärisch ausbilde, befasse er sich mit mili­tärischen Dingen und habe sich üamll in Widerspruch zu den Bestimmun­gen des Friedensvertrages ge­stellt.

Schließlich wird noch festgestellt, baß durch die Häufigkeit und Plan­mäßigkeit von Aeberfüllen auf politisch Andersgesinnte und Pvlizeibeamte die Annahme gerechtfertigt werde, daß es sich hierbei um ein gewollles, von der Dundesführunz zum mindesten gebilligtes Verhalten handele. Es sei daher festzu- stellen, daß der Bund den Zweck verfolge, Körperverletzungen, Landfrie­de nsbruch und ähnliche Straf­taten zu verüben, womit die Voraus­setzungen des § 2 Abs. 1 des Reichs- vereinsgesetzes gegeben seien.

BolköteuM Äuliumttefl und Europa

(Zur zehnten Schutzbund-Tagung

vom 1'4. bis 16. Mai 1929.) _

Don Dr. Hans-Siegfried Weber, Fast vierzig Millionen Menschen leben heute in Europa unter fremder Staats­hoheit, darunter etwa 15 Millionen Deutsche. Rur wenn es gelingt, für dies« Minderheiten eine kulturelle Autonomie zu schaffen, kann Europa gesunden. So geht die Volksdeutsche Kulturarbeit mit einer Reuordnung der europäischen Ver­hältnisse zusammen. Es gilt, eine gerechte Lösung des Problems von Staat und Volkstum zu finden. Ein mühevoller Weg der Geduld und Entsagung liegt vor uns. Auf dem Geiste einer neuen Gerechtigkeit muß die Neuschöpfung entstehen. Wenn auch nicht von heute auf morgen di« Auf­bauvorschläge Wirklichkeit werden, so müs­sen wir dennoch unablässig mit den uns 31t Gebote stehenden Waffen des sittlichen Rechts dafür kämpfen.

Der deutsche Schutzbund, der die Deutsch­tumsvereine aller europäischen Staaten in sich vereinigt, hat sich diese Aufgabe ge­setzt, deutsche Volkstumsarbeit uno euro­päische Reuordnung harmonisch miteinander zu verbinden. Auf der Achtung vor der fremden Volkspersönlichkeit und damit aus dem Willen zur Gerechtigkeit ist sein Schaf­fen aufgebaut. So will er keinem Volke seinen Kulturboden stteitig machen, son­dern gerade das Zusammenleben von Völkern in demselben Staate möglich und erttäglich gestalten.

Die Volksdeutsche Kulturarbeit d«S Schutzbundes ist ferner getragen von der Zdee der Volkseinheit. Das heißt: die deutschen Minderheiten in den ein­zelnen europäischen Staaten sollen sich als Glieder des einen deutschen Volkes emp­finden und dementsprechend von einheit­lichen Gesichtspuntten aus ihre Deutsch­tumsarbeit leisten. Die deutschen Menschen im Auslande, insbesondere in Europa, haben an sich ein starkes völkisches Kul­turbewußtsein. Sie erleben die Werte der deutschen Kultur inmitten fremder Völker auf eine besondere Art. Tagtäglich ringen diese deutschen Männer, Frauen und Kin­der um die elementarsten Rechte. Es kommt aber nur darauf an, daß di« deutschen Minderheiten sich gegenseitig befrucksten. Das ist dos Arbeitsfeld des Schutz­bundes. Er vermeidet dabei jedes Schema. Cs soll keine oberflächliche Einmütigkest erreicht werden, wohl aber ein Grund- gefühl die ganze Deutschtumsarbeit durch­ziehen.

Die Tagungen des Schutzbundes waren bisher schon solche gemeinsamen Erleb- Se gesamtdeutschen Denkens, Fühlens

Wollens. Immer stärker und nach­haltiger empfand man hier die Einigkeit des Deutschtums in- und außerhalb der Reichsgrenzen.

Die bevorstehende zehnte Tagung des deutschen Schutzbunoes in Salzburg soll in gewissem Sinne ein Abschluß für die Ar­beiten bedeuten, die zehn Jahre hindurch unter der verdienstvollen Leitung von Dr. Carl CH. von Loesch geleistet wurden. Schon die Vorttäge lassen dies erkennen. Es wird der Elsässer Dr. Friedrich König- Gießen über das ThemaVon der Schutz­arbeit zur volksdeu^chen Arbeit" sprechen. Er ist einer der begabtesten Volksdeutschen Führer. Frei von jedem nationalistischen Gedanken hat er schon bei der vorjährigen Schutzbund-Tagung in Essen an der Ruhr, von der Tatsache ausgehend, daß Elsah- Lothringen heute französischer Staats- bvden, zugleich aber auch deutscher Dolks- boden ist, die Ansprüche des Volkstums als Menschenrechte von ursprünglicher Gel­tungskraft gegenüber der staatlichen Oro- nung verteidigt. Die Staatlichkeit kann nur Mittel zum Zwecke der Entfaltung Der Volkheit fein. Hm der europäischen Ge­meinschaft willen [teilte Dr. Friedrich König dieLorderung der Enerkenmmg des