Sonnabend den 11. Mal IW
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Anzeiger für (das frühere knrhessifchsj Oberhessen
Nr. 109 Kl.stabrg. Marburg «.Lahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Dis fernrefle Eimsung m Paris
Dnilfchland nimmt den zablirngdplan Swen Dvnngd an — Kein EMermemorandum St. Schachts
Der Havas-Bericht über die formelle Einigung der Sachverständigen, dessen Richtigkeit kaum bezweifelt werden kann, hat folgenden Wortlaut:
Die Sachverständigen der Gläubigermächte sind heute nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz von Owen Young zusammengetreten, der seine Kollegen über den Verlauf der Verhandlungen, oie er seit Sonnabend mit der deutschen Dele- zation führt, unterrichtete. Owen Young )at besonders darauf hingewiesen, daß er ich mit dem Führer der deut- chen Delegation über ein Verehren geeinigt habe, das geeignet ei, es sämtlichen interessierten I>elegatio» neu zu gestatten, ohne größeren Zeitverlust die Vorbehalte und Bedingungen, die die deutschen Sachverständigen an die Annahme der letzten von ihm vorgeschlagenen Zahlen knüpften, in ihren Einzelbeiten kennen zu lernen. Zu diesem Zweck wird Dr. Schacht dem Vorsitzenden des Redaktionsausschusses, Sir Josiah Stomp, die Vorbehalte angeben, die er im Namen der deutschen Delegation in dem allgemeinen Bericht über die Arbeiten der Konferenz ausgenommen zu wissen wünscht.
Der Führer der deutschen Delegation wird andererseits dem Komitee bekannt geben, daß er auf der Grund« läge des in dieser Weise abgeanderten allgemeinen Berichts bereit sei, die Zahlen Owen Youngs anzunehmea.
Unter diesen Umständen wird der Sachverständigenausschuß, sobald er einmal im Besitz dieser Dokumente ist, sich in erster Linie über die deutschen Vorbehalte auszusprechen haben. Man nimmt an, daß er in der Lage sein wird, mit deren Prüfung am kommenden Dienstag oder Mittwoch zu beginnen.
Wie aus englischer Quelle verlautet, kommt entgegen den Erwartungen, die die französische Presie geäußert hat, kein Sondermemorandum Dr.
Schachts in Frage.
Sir Josiah Stomp habe vielmehr den allgemeinen Bericht über die Konferenzarbeiten zusammen mit Dr. Schacht neu bearbeitet und die Gedankengänge Dr. Schachts über die Sicherheiten, die Deutschland im Falle der Annahme der Youngschen Ziffern haben müsse, mit hin- eiygenoinmen. Dieser Bericht werde voraussichtlich am kommenden Sonntag ser- liggestellt sein und dann Dr. Schacht unterbreitet werden.
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Die französische Presse ist durch die neue Wendung in den Sachverständi- gen-Besprechungen am Freitag nachmittag zum Teil sehr enttäuscht. Perti- n a x macht sich im „Echo de Paris" zum Wortführer der Unzufriedenen. Der gestrige Tag sei für die französischen Sachverständigen wenig glänzend. Dr. Schacht habe der Forderung, einen Vorbehalt, von dem die Franzosen die Annahme des Young-Vorschlages abhängig machten, schriftlich niederzulegen, widerstanden. Seine Hartnäckigkeit sei belohnt worden. Sir Josiah S t a m p, der mit der Ausarbeitung des Schlußberichtes beauftragt fei, werde sich also nebenbei mit dem deutschen Reichsbankpräsidenten über die Sätze verständigen, die Dr. Schacht zur Umschreibung der deutschen Absichten einwenden wolle. Die französische Unterschrift dürfte unter keinen Satz gesetzt werden, der selbst diese geminderte Form der deutschen Vorschläge enthalte. Der „Petit P a r i s i e n" ist viel beruhigter und erklärt, die am Freitag beschlossene Methode werde den Sachverständigen die Möglich
keit geben, sich eine genaue Meinung über die gesamten deutschen Ansichten zu bilden. Das „I o u r n a l" sagt, in der Sachoerständigenkonferenz gebe es nur eine ernste Seite, das sei die Schwäche der Gläubiger, die nicht wagten, die Amerikaner aufzufordern, sich nicht in Konzessionen zu begeben, an denen sie selbst nicht beteiligt seien. Der „E x c e l s i o r" ist der Meinung, daß es wertlos gewesen sei, über Ziffern zu verhandeln, während man ihre Tragfähigkeit und ihre möglichen Vorbehalte noch nicht gekannt habe.
„Times" berichten aus Paris: Es verlautet, daß Schacht Sir Josiah Stamp ein Aide-Memoire übergeben hat, das die deutschen Anregungen darlegt.
Diese könne» nicht länger als Bedingungen bezeichnet werden, da, rote es heißt, die deutschen Delegierten nicht mehr die Annahme der neuen Zahlen unbedingt von der Annahme ihrer Vorbehalte abhängig machen.
Diese werden wahrscheinlich nur fest darauf bestehen, daß eine Art Mora- t o r i u m im Notfälle festgelegt wird. Möglicherweise werden die Deutschen außerdem die Annahme einiger Punkte verlangen, die mit den Reparationszahlungen an die kleineren Eläubiger- mäa)te zusammenhängen.
Die Verteil ung der zusätzlichen Repe rat ionstorderungen
Frankreich
Plan der
H 8,4 Gesamtarmme To ' 12.7
Plan Owen Y0UnS
nach dem Memorandum der Alliierten (schwarz ausge'üllt) nnd nach dem Vorschlag Owen Ssounzs (schraffiert). Die augerdem in beiden Plänen gl-ichermagen vorgesehene Deckung der Schulden der alliierten Staaten ist hier nicht berücksichtigt.
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RrWMFMtetW nach Amerika
fk. Friedrichshafen, 11. Mai.Am 15. Mai, morgens 7 Uhr, tritt das Luftschiff „®rof 3eppelin“ seine 2. Amerikareise an. Die Rückfahrt soll am 22. Mai nach einem dreitägigen Aufenthalt in Lakehurst erfolgen.
Tas Schiff führt 16 Passagiere und zahlreiche Frachtstücke mit sich. Außerordentlich zahlreich sind die Postsendungen. Es dürften jetzt schon mehr als 100 000 Briefe und Postkarten zur Beförderung mit dem Zeppelin in Friedrichshafen eingegangen sein. Ein Zeppelinbrief kostet 4 Mark, eine Postkarte 2 Mark. Die Sendungen müssen bis zum 13. Mai in Friedrichshafen eingetroffen sein.
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DK Srünte ter Auslösung von tolfront
Qtadj dem Amtlichen Preußischen Pressedienst haben folgenoe Gründe zur Auflösung des Roten Frontkämpferbunoes geführt:
1. Der Rotfrontkämpferbund habe bewußt und planmäßig das vom Polizeipräsidenten in Berlin erlassene Ku n d- gebungsderbot zu durchbrechen versucht;
2. Seit Jahren werde der R. F. D. von seinen Führern mit der Begründung zum Kampfe geschult, daß nur „die bewaffnete Macht der Arbeiterklasse" die Entscheidung bringen könne. Soweit sei der R. F. B. in straffer Disziplin für den Kampf zum Sturz der Regierung und Ausrichtung der Diktatur geschult worden. Er sei daher eine staatsfeindliche Verbindung zur Vernichtung der bestehenden StaatSform mit Gewalt;
3. Der R. F. B. habe sich in unbefugtem Besitz von Waffen befunden;
4. Da der R. F. B. seine Mitglieder nach einem von der Bundessührung her- ausgegebenen Kommandoreglement militärisch ausbilde, befasse er sich mit militärischen Dingen und habe sich üamll in Widerspruch zu den Bestimmungen des Friedensvertrages gestellt.
Schließlich wird noch festgestellt, baß durch die Häufigkeit und Planmäßigkeit von Aeberfüllen auf politisch Andersgesinnte und Pvlizeibeamte die Annahme gerechtfertigt werde, daß es sich hierbei um ein gewollles, von der Dundesführunz zum mindesten gebilligtes Verhalten handele. Es sei daher festzu- stellen, daß der Bund den Zweck verfolge, Körperverletzungen, Landfriede nsbruch und ähnliche Straftaten zu verüben, womit die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 des Reichs- vereinsgesetzes gegeben seien.
BolköteuM Äuliumttefl und Europa
(Zur zehnten Schutzbund-Tagung
vom 1'4. bis 16. Mai 1929.) _
Don Dr. Hans-Siegfried Weber, Fast vierzig Millionen Menschen leben heute in Europa unter fremder Staatshoheit, darunter etwa 15 Millionen Deutsche. Rur wenn es gelingt, für dies« Minderheiten eine kulturelle Autonomie zu schaffen, kann Europa gesunden. So geht die Volksdeutsche Kulturarbeit mit einer Reuordnung der europäischen Verhältnisse zusammen. Es gilt, eine gerechte Lösung des Problems von Staat und Volkstum zu finden. Ein mühevoller Weg der Geduld und Entsagung liegt vor uns. Auf dem Geiste einer neuen Gerechtigkeit muß die Neuschöpfung entstehen. Wenn auch nicht von heute auf morgen di« Aufbauvorschläge Wirklichkeit werden, so müssen wir dennoch unablässig mit den uns 31t Gebote stehenden Waffen des sittlichen Rechts dafür kämpfen.
Der deutsche Schutzbund, der die Deutschtumsvereine aller europäischen Staaten in sich vereinigt, hat sich diese Aufgabe gesetzt, deutsche Volkstumsarbeit uno europäische Reuordnung harmonisch miteinander zu verbinden. Auf der Achtung vor der fremden Volkspersönlichkeit und damit aus dem Willen zur Gerechtigkeit ist sein Schaffen aufgebaut. So will er keinem Volke seinen Kulturboden stteitig machen, sondern gerade das Zusammenleben von Völkern in demselben Staate möglich und erttäglich gestalten.
Die Volksdeutsche Kulturarbeit d«S Schutzbundes ist ferner getragen von der Zdee der Volkseinheit. Das heißt: die deutschen Minderheiten in den einzelnen europäischen Staaten sollen sich als Glieder des einen deutschen Volkes empfinden und dementsprechend von einheitlichen Gesichtspuntten aus ihre Deutschtumsarbeit leisten. Die deutschen Menschen im Auslande, insbesondere in Europa, haben an sich ein starkes völkisches Kulturbewußtsein. Sie erleben die Werte der deutschen Kultur inmitten fremder Völker auf eine besondere Art. Tagtäglich ringen diese deutschen Männer, Frauen und Kinder um die elementarsten Rechte. Es kommt aber nur darauf an, daß di« deutschen Minderheiten sich gegenseitig befrucksten. Das ist dos Arbeitsfeld des Schutzbundes. Er vermeidet dabei jedes Schema. Cs soll keine oberflächliche Einmütigkest erreicht werden, wohl aber ein Grund- gefühl die ganze Deutschtumsarbeit durchziehen.
Die Tagungen des Schutzbundes waren bisher schon solche gemeinsamen Erleb- Se gesamtdeutschen Denkens, Fühlens
Wollens. Immer stärker und nachhaltiger empfand man hier die Einigkeit des Deutschtums in- und außerhalb der Reichsgrenzen.
Die bevorstehende zehnte Tagung des deutschen Schutzbunoes in Salzburg soll in gewissem Sinne ein Abschluß für die Arbeiten bedeuten, die zehn Jahre hindurch unter der verdienstvollen Leitung von Dr. Carl CH. von Loesch geleistet wurden. Schon die Vorttäge lassen dies erkennen. Es wird der Elsässer Dr. Friedrich König- Gießen über das Thema „Von der Schutzarbeit zur volksdeu^chen Arbeit" sprechen. Er ist einer der begabtesten Volksdeutschen Führer. Frei von jedem nationalistischen Gedanken hat er schon bei der vorjährigen Schutzbund-Tagung in Essen an der Ruhr, von der Tatsache ausgehend, daß Elsah- Lothringen heute französischer Staats- bvden, zugleich aber auch deutscher Dolks- boden ist, die Ansprüche des Volkstums als Menschenrechte von ursprünglicher Geltungskraft gegenüber der staatlichen Oro- nung verteidigt. Die Staatlichkeit kann nur Mittel zum Zwecke der Entfaltung Der Volkheit fein. Hm der europäischen Gemeinschaft willen [teilte Dr. Friedrich König dieLorderung der Enerkenmmg des