England gibt nicht nach
Churchill leimt im llnterW den NMIImrWMl Swen Youngs enWieden ab
Abschluß der Mnifeicr
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Freitag, den 10. Mai ISA
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ZrsMni eine EnWung?
Ao Notioiluug tot Aibulo bloibi Sacht der Motten Negierungen
Bisher sind 21 Leichen der bei den Maiunruhen Getöteten gerichtlich obduziert worden. Nur in einem Teil der Leichen sind Geschosse gefunden worden» und zwar sämtlich Kupfermantelgeschosse. Der Tod des Journalisten Mac Kay ist eingetreten, weil der Schuß die Halsschlagader ausriß und infolgedessen eine Verblutung unvermeidlich war.
Die französische Presse ist mit dem Ergebnis der vorbereitenden Abrüstungskonferenz außerordentlich zufrieden. Auf jeden Fall — so schreibt das „Journal des Oebats" — hinterlasse diese Tagung den Eindruck, daß sie alles getan habe, was in ihren Kräften stehe, um die Vorbereitungsarbeiten soweit als möglich zu fördern, sodaß die nächste Sitzung höchstwahrscheinlich die letzte sein werde. Die Uneinigkeit über die Abrüstung zur See, die im Winter einen gefährlichen Grad erreicht habe, sei beseitigt worden. Man trete nunmehr in eine neue Phase ein, in der man positiv arbeiten werde. Hinsichtlich der Landrüstungen schaffe die von Gibson in der Frage der ausgebildeten Reserven angenommene Formel die Hauptschwierigkeiten aus der Welt.
Mittwoch kam es int Unterhaus zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen dem Mitglied der Arbeiterpartei Wed- g e ro o o b und einem Regierungsvertreter über die Pariser Reparationsverhandlungen. Wedgewood hatte die Frage gestellt, ob der Schatzkanzler dem Hause irgendwelche Mitteilung über die Verhandlungen des Reparationsausschusses zu geben habe, weshalb der Repartions- ausfchuß mit den in Spaa vereinbarten Prozentsätzen zur Verteilung der deutschen Reparationen befasse. Finanzsekretär Samuel ersuchte Wegdewood, seine Anfrage morgen zu widerholen, und fügte hinzu, Churchill werde inzwischen erwägen, ob er in der Lage sein werde, eine Erklärung über diese Frage abzugeben. Wegdewood fragte hierauf, ob diese Frage nicht sofort in Abwesenheit des Schatzkanzlers behandelt werden könne, ob nicht der Sachverständigenaus-
Die Beschlüsse der Sachverständigen binden in keiner Weise die Regierung, die vollständig frei bleibt und ihre eigenen Entschließungen über die Arbeiten und die Empfehlungen des Sachverständi- aenausschusses fassen wird. Um Mißverständnisse im Ausland und Beunruhigungen im Inlands zu vermeiden, ist es vielleicht wünschenswert, daß ich erkläre, daß jenr Art von Vorschlägen, die gestern in der Presse angedeutet wurden» nach unserer Meinung unannehmbar sind, und daß die Negierung sie sich unter keine« Umständen zu eigen machen wird. (SeifoIL)
S^ebgetDoob richtete bann weiter bre t^rage an Churchill: Werben wir nicht zu irgenb einem Geschenk verpflichtet werden, das von England den französischen Steuerzahlern oder der französischen Regierung gemacht wird-
Zum Attentat auf WolöemaraS
Das „M emeler Dampfboot" meldet: Im Laufe der Nacht zum Dienstag und gestern abend wurden 5 8 Personen verhaftet und weitere Haussuchungen vorgenommen' Der Innenminister hat für die Ergreifung der Attentäter eine Belohnung von 50 000 Lit ausgesetzt. Gestern nachmittag fand auf dem Platze der Unabhängigkeit an der Garnisonkirche eine Protestkundgebung gegen das Attentat statt, der einige Tausend Personen beiwohnten.
Der kleine Neffe des Ministerpräsidenten schwebt in Lebensgefahr. Auch der Gesundheitszustand des Hauptmanns Virbickas ist besorgniserregend. Sämtliche Vertreter des diplomatischen Korps haben Woldemaras ihr Beileid und gleichzeitig ihre Genugtuung über seine Rettung zum Ausdruck gebracht. In der Stadt und im ganzen Lande herrscht Ruhe.
K o w n o, 9. Mai. Unter den aus An- laß des Attentats auf Woldemaras Verhafteten befindet sich eine Person, deren Teilnahme an dem Attentat, nach einer Meldung der Litauischen Telegraphen- oeentur, crußmx Zweifel steht.
Churchills gestrige Unterhauserklärung wird von der gesamten Morgenpresse an hervorragender Stelle gebracht und nach« brücklich unterstützt. ।
„Time s“ sagen in einem Leitartikel, bie beutliche unb unzweibeutige Er« Hüning sollte bazu beitragen, ben Sach- verstänbigen-Ausschuß zu veranlassen, diese ziemlich unglückliche Einmischung in eine biplmatische Rebenfrage, für bie er tatsächlich nicht zustänbig ist, aufzugeben. Aber trotz bei noch bestehen- ben Schwierigkeiten liege roiebei Grund zu ber Hoffnung vor, baß zum mindesten in ber Hauptfrage bei beutschen Annuität eine Veieinbaiung eneicht weiben könne.
Chuichill eikläite hieiauf: Ich habe im Unterhaus bie Antwoit zu biesei Fiage Detlefen. Diese Antwoit ist seht sorgfältig unb gewissenhaft beraten worden. Es ist, wie ich meine, eine Antwort von einiger Bedeutung, und ich wünsche in keiner Weise, etwas.hinzuzufügen.
Nunmehr griff der Sprecher ein und erklärte: Ich glaube, es ist besser, diese Angelegenheit nicht weiter zu behandeln. Hierauf, erhob sich der Aibeiteipaiteiler Ben Smith, der ebenfalls eine Anfrage stellen wollte, jedoch vom Sprecher unterbrochen wurde, er sei davon verständigt worden, daß ber Schatzkanzler nicht vorbereitet sei, weitere Erklärungen abzugeben.
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhesfen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Die Besprechungen mit den Länder- finanzministern über die neuen Finanzgesetze der Reichsregierung wurden am Mittwoch fortgesetzt. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hört, sind von den Ländern verschiedene Aenderungsanträge zu erwarten, die am Freitag im Reichsrat 3ur Abstimmung kommen sollen. Im Vordergrund steht namentlich der Plan, einen Deckungsfvnds zu schaffen, der den dauernden Kassenkalamlläten Vorbeugen soll. Ein anderer Antrag verlangt ähnliche steuerliche Begünstigungen, wie sie für die neue Reichsanleihe vorgesehen sind, für die Anleihen der Länder, mindestens eine Befreiung von der Kapitalertragssteuer. Auch aus den Kreisen der Länderminister wird aber die Notwendigkeit betont, dem Reich sofort zu helfen und durch die notwendigen Maßregeln für eine Beendigung der Kassenmisere zu sorge».
einschließlich mehrerer Milderungen für Deutschland, die Dr. Schacht vorschlägt, einstimmig angenommen wird. Damit würde bie Konferenz ihre Aufgabe, bie beutsche Schulb enbgültig festzu» setzen, gelöst haben. Was bie Frage ber Verteilung betrifft, so würbe es zweifellos minbestens eine Mehrheit (Großbritannien, bie Vereinigten Staaten, Italien und Japan) geben, die eine Einigung an» nehmen würden, wonach die Verteilung einer späteren Erörterung unter den Allierten überlasten blei« ben sollte. Falls auch Frankreich und Belgien zustimmen, würde die Annahme 1 des Anhangs ebenso einstimmig fein, wie die der anderen Verträge.
Der Korrespondent der „Times" kommt zu dem Ergebnis, daß unter den gegenwärtigen Umständen die einzige Hoffnung in einer
Abtrennung der Frage der Bertei» lang von der Frage der Zahlung liege. In dieser Richtung arbeitet, so sagt das Blatt, die britische Delegation.
Der Pariser Korrespondent des „Dai« ly Chronicke" nennt die Lage hoffnungsvoll und meint, eine Mehrheit gegen die Prozentsätze Youngs fei wah r- fcheinlich.
ob das Berhandlungsgebiet des Re- parationsausschustes die Erörterung der Epaa-Prozentsätze einschließe, und ob bie britischen Vertreter in biefem Ausschuß ohne Information, ohne Anweisung in, bem gegenwärtig kritischen Zeitpunkt seien. Als ber Sprecher bes Sauses hierauf Wedgewoob ersuchte, lieber bie Erklärung ber Regierung abzuwarten, bemerkte Webgewoob:
„Wir können nicht warten. Wenn wir bis morgen warten wird England vielleicht zu einem neuen Geschenk an das französische Volk verpflichtet worben fein. Wir wisten, wie ber Schatzkanzler diese Frage behandelt. Weshalb befindet er sich nicht an seinem Platz."
Hierauf erwiderte Samuel, Wedge- woods Anfrage habe das Schatzamt erst einige Minuten nach 1 Uhr erreicht. Es fei eine physische Unmöglichkeit gewesen, in der zur Verfügung stehenden Zeit eine Information zu erhalten.
Am Donnerstag gab Churchill im Unterhaus folgende Erklärung ab: Der Sachverständigenausschuß, der gegenwärtig in Paris tagt, setzt sich aus unabhängigen Vertretern der erschienenen beteiligten Länder zusammen. Ich habe mich natürlich während der ausgedehnten Verhandlungen in Fühlung mit den britischen Delegationsmitgliedern gehalten. Wir haben jedoch niemals bestimmte Instruktionen an diese Herren geschickt, und wir wollen das auch bei dieser Gelegenheit nicht tun.
Die Beisetzung des erschossenen austraki- scheu Journalisten.
Dienstag vormittag hat die Beisetzung des bei den Berliner Maiunruhen getöteten australischen Journalisten Char- les M a c K a y stattgefunden. Die Trauerfeier wurde nach dem Ritus der anglikanischen Kirche von dem Geistlichen der Berliner amerikanischen Gemeinde Reverend Craig abgehalten. An der Seifet» zungsseier nahmen Mitglieder der englischen Kolonie teil. Der englische Bot- schafter war durch den Botschaftsrat Nicholson vertreten. Der Verein Berliner Presse hatte eine Deputation entsandt, die einen Kranz am Grabe niederlegte. Im Auftrage der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes nahm Legations- stzkretär v. Selzam an der Feier teil.
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Die heutigen Schwierigkeiten der Pariser Sachverständigen Verhandlungen sind nach wie vor in dem Kampf der Alliierten untereinander um den sogenannte» Dertellungsfchlüssel für die deutschen Zahlungen zu suchen. Der Kampf wird besonders von englischer Seite mit großer Erbitterung geführt, wobei auch die Person Owen Voungs nicht geschont wird. Doch machen sich schon jetzt Zeichen bemerkbar, diese Schwierigkeiten zur Einigung auf deutschem Rücken auszutragen. Es liegt auf der Hand, daß die neuen Schwierigkeiten, die über die Verte llungs- frage aufgetreten sind, ein baldiges Schlußergebnis in weitere Fernen rücken.
Die ablehnende Haltung der englischen Sachverständigen zu dem von Owen Poung überreichten Verteilungsplan gibt za lebhaften Kommentaren in der Pariser Presse Anlaß. Der „Temps" erklärt klar und deutlich, daß oie britische Anschauung, die Sachverständigen hätten nur die Feststellungen der deutschen Schulden und keineswegs eine Abänderung des Verteilungs- Planes zur Aufgabe, im Gegensatz zu der bisher von den alliierten Sachverstänoigen einmütig vertretenen Anschauung stunde. Der „I n t r a n f i g e a n t“ andererseits betont, daß die Entente cordiale eine der stärksten Säulen der französischen Außenpolitik bleibe und daß sich für Frankreich ole Gelegenheit biete, gleichzeitig in London und Berlin dieses Bündnis zu erproben. Der Plan Poung-Schacht müsse von allen Alliierten einmütig für unannehmbar erklärt werden. Das Blatt fordert auf, den Optimismus nicht aufzugeben, daß die Konferenz doch zu einem Ziele kommen werde. Der „Information" zufolge wird man die neuen Ziffern nicht ohne den neuen Verteilungsplan annehmen können. Das Blatt ist überzeugt, daß die Haltung der Engländer nicht einen völligen Mißerfolg der neuen Lösung zum Ziele habe. Wie dem auch immer sei, Frankreich gewinne nur von dem, was man Großbritannien ab genommen habe.
Die Agentur Havas berichtet, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht gestern nachmittag eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der Reparationskonferenz Owen Young hatte. Die Agentur nimmt an, daß es sich hierbei um dis B e- dingungen gehandelt habe, unter denen Deutschland die in dem Plane Youngs vorgesehenen Annuitäten zahlen kann.
Englische Stimmen z« de» Pariser Reparationsverhandlungcn.
Reuter meldet aus Paris: Neuerdings heißt es, daß mehrere Gegenvorschläge zu Owen Youngs Verteilungsplan aufgestellt werden, von denen vermutlich jeder anders lauten wird.
Es sei mit einem Fehlschlagen der Konferenz nicht mehr zu rechnen.
Sie weise vielmehr logisch auf eine Lösung hin, die der britischen Auffastung entspricht, wonach die Konferenz nicht zuständig zur Erörterung der Prozentsätze ist. Es bleibt durchaus möglich, daß der endgültige Bericht des Ausschusses einschließlich der deutschen Annuitäten entsprechend dem Young-Plan und