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§agesanzejger Ä W H S B B B B g Lan-eszettung

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. 19« «4.Mrg. Marburg a.2ahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Voranzeige» 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50°/e Aufschlag. Sammelanzeigen 100 % Auf­schlag. Reklamen der Mlllim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet,ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Er­füllungsort Marburg. z

1 Goldmark = Vt,,Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Die deutschen Vorbedingungen für die Annahme des Poung-Vorschlages sind in der Nacht zum Montag fertiggestellt wor- den und Montag früh durch Dr. Schacht Dinen Voung überreicht worden. Die Be­dingungen find ausschließlich wirlschastlicher Art. Die deutsche Sachverständigen sehen sich gezwungen, wenn sie von der Zahl ab­weichen, die sie wirtschaftlich allein ver­treten zu können glaubten, Schutzmaß­nahmen zu verlangen, die nicht nur für den Schuldner, sondern auch für die Gläubiger in gleichem Mähe von Wert sein müssen. Sowohl für die Mitglieder des Sachver­ständigenausschusses, als auch für den Schuldner muh die Möglichkeit bestehen, die jetzt in Ausarbeitung befindliche Rege­lung einer neuen Betrachtung zu unter­ziehen, wenn sich mit den Zähren ergeben Elfte, dah die Ausführung des neuen Zah- ngsplanes nicht möglich ist. Es handelt sich hierbei um eine Art R e Visions­klausel, die auf Antrag des Reiches eine neue Schätzung der deutschen Leistungsfähigkeit auslösen muß. Es dürfte dabei wohl ein auf zwei Zähre berechnetes Lransfermoratorium vorgesehen sein, das notwendigenfalls auch . dadurch erreicht wird, daß die innere Aufbringung der Kriegsentschädigungen für eine gewisse Zeit eingestellt werden könnte. Anter keinen Amständen kommt dabei, wie dies km DaweSplan der Fall war, eine Schätzung der Leistungsfähigkeit auf Grund eines Wohlstandsmittels in Frage. Diese Re- visionsklausel dürfte für die Anwendung des zukünftigen Poung-Planes von be­sonderer Bedeutung sein.

Mit Spannung sieht die gesamte fran­zösische Presse der Aeberrrichung oer deutschen Vorbehalte an die alliierten Sachverständigen entgegen. Man ist in der Beurteilung der allgemeinen Lage recht zurückhaltend und man möcKe sich nicht festlegen, bis man den wirklichen Text des neuen Angebotes in der Hand hat. Zuzwischen ist im Laufe des gestrigen Rachmittags der Führer der französischen Gruppe, Moreau, wieder in Paris ein­getroffen und über den Verlauf der Dinge unterrichtet worden. Auch über die Stel­lungnahme Moreaus verlautet noch nichts. Die französischen Blätter ergehen sich in ißennutungen über die etwaigen deutschen Vorbehalte und äußern sich teilweise recht pessimistisch. DasJournal" rechnet damit, daß angesichts der Notwendigkeit der Prüfung und Aeberlegung nicht vor ein bis zwei Tagen eine Entscheidung mög­lich sein werde. DerPetit Parisien" glaubt erklären zu können, dah der deutsche Vorbehalt die Schaffung eines Revisionsorgans sei, das zur Auf­gabe habe, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob Deutschland wirklich in der Lage sei, die Bedingungen des DaweSPlanes zu erfüllen. Das Blatt erwähnt weiter, daß von engli­scher Seite Gefahr entstehen könnte, falls es fich nicht bewahrheiten sollte, daß der Poung-Plan eine bedeutende Abänderung der Prozentsätze von Spaa zum Nachteil Englands erhalte. Die 'Beratungen im 'Hotel Georg V. erscheinen daher noch toe it vom Ende entfernt zu sein.

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Der Plan, einen Teil der im Besitz des Reiches befindlichen Reichsbahnvorzugs­aktien bei Sparkassen und sozialen Ver- sicherungsttägern unterzubringen, wird auf­rechterhalten, kommt aber, wie wir er­fahren, für den Augenblick nicht in Frage. Die Begebung einer Anleihe bis zu 500 Millionen, die mit wesentlichen Steuervor­teilen ausgestattet ist, ist in einem Ge­setzentwurf festgelegt, der zur Zeit bereits dem Reichsrat vorliegt, welcher über­morgen dazu Stellung nehmen dürfte. Als­dann kann das Gesetz an den Reichstag gehen. Maßgebend war der Wunsch, aus den dauernden Altimo-Schwierigkeiten her- auszukommen auf einem Wege, der zwar seine Bedenken hat, die aber zurückgestellt werden mußten. Die Gefahr des Zurück-

Ile Wen des Wims-Manes

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Bei dem Aoung'schen Vorschlag han­delt es sich, wie verlautet, um eine An­nuitätsstaffel, die mit 1 675 Millionen Mark beginnt und jedes Jahr um 25 Mil­lionen Mark steigt. Auf die Periode von 37 Jahren berechnet, gelangt man also zu einer Durchschnittsannuität von 1980 Millionen Mark. Wenn man den Zinsen- und Tilgungsdienst für die Dawesanleihe einbeziehen will, wird sich

die auf 37 Jahre berechnete Durch- schnittsannuität auf 2 050 Millionen

Mark

stellen. Bei den Zahlen des Ioung'fchen Schemas sind alle Leistungen, die von Deutschland gefordert werden können, einbegriffen. Diese Aoung'schen Zahlen sind, wie bereits mitgeteilt, von der deut­schen Delegation als Erörterungsgrund­lage angenommen worden unter der Be­dingung, daß bestimmte von Deutschland zu fordernde Voraussetzungen wirtschaftlicher Natur berücksicht werden. Es ist klar, daß bei einem Abkommen, das nicht mehr rein wirtschaftlicher Argumentation ent­springt, bestimmte Schutzmaßnahmen lTransferschutz usw.), die nicht nur den Interessen des Schuldners, sondern auch denen der Gläubiger dienen, getroffen werden müssen. Die wirtschaftlichen Be­dingungen der deutschen Delegation sind gestern vormittag dem Vorsitzenden der Re­parationskonferenz Owen Aoung mitge­teilt worden, der sie seinerseits den inter­

essierten Gläubigernationen überreichen wird.

Was die Stellung der einzelnen Dele­gationen anlangt, so verlautet zuverlässig nichts, jedoch kann ausdrücklich hervorge­hoben werden, daß die französische Dele­gation noch nicht Stellung genommen hat, da sie die Rückkehr des ersten Delegierten Moreau abwarten will.

Die Beurteilung des Aoungplanes in den Kreisen der Alliierten.

DieChieago Tribüne" schreibt, es bestehe der Eindruck, daß die briti­schen Sachverständigen den Aoungplan, wenigstens in seinen großen Zügen, gün­stig beurteilen. Sicherlich sähen auch die Italiener und Japaner in dem Plan eine Lösung. Allgemein werde ober in den Sachverständigenkreisen angenom­men, daß die Haltung der f r a n z ö s i - s ch en und belgischen Sachverständi­gen durch die öffentliche Meinung in den beiden Ländern Schwierigkeiten ausgesetzt sei.

Morgan wieder in Paris.

fk. Paris, 7. Mai. Der amerikanische Sachverständige Morgan ist von sei­nem Wochenendaufenthalt in London nach Paris zurückgekehrt. Er wird, wie Chicago Tribüne" mitteilt, den Sachver- ständigen-Beratungen bis zum Schluß bei­wohnen.

Die ausiiStslofe MMuliMmö-le

Re Mufflon der EeeadrWng «erlagt

Senf, 6. Mai. Die 6. Tagung des vor­bereitenden Abrüstungsausschußes ist am Mon­tag vormittag abgeschlossen und auf un­bestimmte Zeit vertagt worden. Die Eiuberufung des Ausschusses $u seiner nächsten Tagung, die jedoch nicht vor der llversamm- lnng des Völkerbundes im September ftattkin- den wird, ist dem Präsidenten des Ausschußes, Politis, überlaßen worden. Der Ausschuß wird erst dann wieder zusammentreten, wenn die fünf großen Seemächte dem Präsidenten Mit­teilung von einer erfolgten Einigung in den FlotteuverhanAungeu gemacht haben werden.

Die heutige Schlußsitzung brachte program­matisch? Erklärungen der Vertreter der fünf großen Seemächte, in denen übereinstimmend eine

Vertagung der Seeabrüstungsfrage gefordert wurde mit der Begründung, die amerikanischen Flottenvorschläge bedürfen einer eingehenden

und sachlichen Prüfung durch die Regierungen, um ein direktes Abkommen »wischen den gro­ßen Seemächten in der Jlottenabrüstungsfrage zu ermöglichen. Der amerikanische Botschafter E i b s o n hob hervor, das Wesentlich« des amerikanischen Vorschlages gehe dahin, daß man eine gleichwertige Tonnage für die ein­zelnen Flotten schaffe, die als Webrmaßstab gelten könne.

Litwinow gab eine lange Protest­erklärung ab, nach der die sowjetrussische Abordnung die weitere Verantwortung für die Arbeit des Abrüstungsausschußes ablebne. Ein Bericht über die gegenwärtige Tagung soll dem Dolkerbundsrat erst dann erstattet werden, wenn die zweite Lesung des Konventionsent­wurfes in der nächsten Tagung des Ausschußes zum Abschluß gebracht worden ist.

Graf Bernstorff erklärte, die deutsche Regierung verlange sobald wie mög­lich die Einberufung der Abrüstungs­konferenz und er fordere deshalb den bald­möglichen neuen Zusammentritt des vorberei­tenden Abrüstungsausschußes.

fließens einer Anzahl anderer Anleihen ist nicht zu leugnen, z. D. bei der Reitchold- Anleihe. Ob eine Steueramnestie vorge­sehen werden soll, kann noch nicht beant­wortet werden, ebenso wird die Frage, wann die Anleihe getilgt werden soll, noch erwogen. Cs sollte jetzt vor allen Dingen die Möglichkeit zur Beschaffung einer solchen Anleihe geschaffen werden.

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Zu dem Verbot des Rotfrvntkämpfer- bundes erfahren wir, daß das vor einigen Tagen gegebene Dementi gegeben werden mußte, weil sonst die staat-politische Aktion wirkungslos gemacht worden wäre. Eine

Auflösung des Bundes für das Reich unterliegt noch der Erwägung. DaS Ver­bot ist mit Zustimmung der Reichsregierung erfolgt. Die« war in diesem Falle not­wendig, weil sich das Verbot des Bundes auf die Verordnung zur Ausführung des

Reichsgesetzes vom März 1921 stützt. Die Anordnungen für die polizeilichen Organe sind geschlüsselt herausgegeben worden.

Ob die BedenkenSeverings, das Verbot der kommunistischen Aktionszeile auf das ganze Reich auSzudehnen, in dem Umfang gerechtfertigt sind, wie es der Reichsminister anscheinend befürchtet, möchten wir bezweifeln. Als der Reichs­innenminister v. Keudell im April 1928 an die Landesregierungen die Bitte richtete, den Roten Frontkämpferbund zu verbieten, weigerten fich diese und appellierten an den Staatsgerichtshof. Wenn man heute zur Einsicht gekommen ist, so liegt darin ein Beweis dafür, daß nicht sachliche, sondern parteipolitische Erwägungen maß­gebend waren, al« man Keudells Ersuchen ablehnte.

Attentat auf Woltemams

fk. Kowno, 7. Mai. Als sich gestern abend Ministerpräsident Woldemaras in Begleitung seiner Gattin, seines kleine« Neffen, seines Adjutanten, Leutnant Gu­dinos, und der Ordenanz des Kriegs« Ministeriums Hauptmann V e r b i ck a s, zu einem Elasunoff-Konzert begaben, feuerte eine noch unbekannte Person in einem Wege des Gartens am National« theater im Rücken der Gruppe mehrere Revolverschüsse auf diese ab. Der Ministerpräsident und Frau Woldemaras blieben unverletzt, dagegen wurde Leut« nant Eudinas durch einen Kopsschutz getötet. Dem Hauptmann Verbickas wurde durch eine Kugel die rechte Lunge durchbohrt und der kleine Reffe erhielt einen B a « ch s ch « tz.

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zum ftß SbrrUön Bauer

Oberst a. D. Dr. h. c. Max Bauer war wäh­rend des Weltkrieges die rechte Hand Luden- dorffs und der obersten Heeresleitung. , 1890 wurde er im zweiten Fußartillerie-Regiment (Danzig) Offizier. 1899 wurde er zur Artil- lerie-Prüfungs-Kommission kommandiert. 1905 kam er in den großen Generalstab. Von 1908 bis 1912 bearbeitete er di« schwere Artillerie- waffe in der Aufmarsch- und Mobilmachungs» abteilung, die im Kriege zur Overationsabtei- lung wurde und die damals Ludendorff unter­stand. Die philosophische Fakultät der Univer­sität Berlin verlieh Bauer während des Welt­krieges die Ebrendoktorwürde. 1920 beteiligte er sich-an dem mißglückten Umsturzversuch des General-Landschaftsdirektors Kapp. Er mußte fliehen und hielt sich meist in Budapest auf.

5m September 1925 wurde er amnestiert. 3m Avril 1928 tauchten in den Zeitungen Nach­richten auf, wonach sich Bauer, einem chinesi­schen General zur Verfügung gestellt habe. In Schanghai eingetroffen, gewährte er einem Vertreter derNorth Shina Daily News", die seinerzeit seine Ernennung zum militärischen Ratgeber der Nanking-Regierung gemeldet hatte, eine Unterredung. Er erklärte darin, daß er nicht militärischer Ratgeber der Nan­king-Regierung, sondern ökonomischer und in­dustrieller Ratgeber des Staatspräsidenten Ge­neral Tschiankaischek sei.

Nach einer amtlichen Meldung aus Nanking war Oberst Bauer bis zum letzten Augenblick bei voller Besinnung und äußerte kurz vor seinem Ableben, das um Mitternacht erfolgte, den Wunsch seine Leiche nach Deutschland zu überführen. Der amtliche Bericht übet die Erkrankung Bauers besagt, daß die Arzte alles getan hätten, um Bauer am Leben su erhalten. Er habe sich jedoch zu sp ä t in ärztliche Be­handlung begeben, weil er die Gefährlichkeit seiner Erkrankung nicht erkannt habe. Das chinesische Kriegsminisiertum hat beschloßen, dem Verstorbenen alle militärischen Ehren zu erweisen. Marschall Tschiankaischek bezeichnete Oberst Bauer einem Pressevertreter gegenüber als großen Freund der chinesischen National-