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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Nr. 19« «4.Mrg. Marburg a.2ahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Die deutschen Vorbedingungen für die Annahme des Poung-Vorschlages sind in der Nacht zum Montag fertiggestellt wor- den und Montag früh durch Dr. Schacht Dinen Voung überreicht worden. Die Bedingungen find ausschließlich wirlschastlicher Art. Die deutsche Sachverständigen sehen sich gezwungen, wenn sie von der Zahl abweichen, die sie wirtschaftlich allein vertreten zu können glaubten, Schutzmaßnahmen zu verlangen, die nicht nur für den Schuldner, sondern auch für die Gläubiger in gleichem Mähe von Wert sein müssen. Sowohl für die Mitglieder des Sachverständigenausschusses, als auch für den Schuldner muh die Möglichkeit bestehen, die jetzt in Ausarbeitung befindliche Regelung einer neuen Betrachtung zu unterziehen, wenn sich mit den Zähren ergeben Elfte, dah die Ausführung des neuen Zah- ngsplanes nicht möglich ist. Es handelt sich hierbei um eine Art R e Visionsklausel, die auf Antrag des Reiches eine neue Schätzung der deutschen Leistungsfähigkeit auslösen muß. Es dürfte dabei wohl ein auf zwei Zähre berechnetes Lransfermoratorium vorgesehen sein, das notwendigenfalls auch . dadurch erreicht wird, daß die innere Aufbringung der Kriegsentschädigungen für eine gewisse Zeit eingestellt werden könnte. Anter keinen Amständen kommt dabei, wie dies km DaweSplan der Fall war, eine Schätzung der Leistungsfähigkeit auf Grund eines Wohlstandsmittels in Frage. Diese Re- visionsklausel dürfte für die Anwendung des zukünftigen Poung-Planes von besonderer Bedeutung sein.
Mit Spannung sieht die gesamte französische Presse der Aeberrrichung oer deutschen Vorbehalte an die alliierten Sachverständigen entgegen. Man ist in der Beurteilung der allgemeinen Lage recht zurückhaltend und man möcKe sich nicht festlegen, bis man den wirklichen Text des neuen Angebotes in der Hand hat. Zuzwischen ist im Laufe des gestrigen Rachmittags der Führer der französischen Gruppe, Moreau, wieder in Paris eingetroffen und über den Verlauf der Dinge unterrichtet worden. Auch über die Stellungnahme Moreaus verlautet noch nichts. Die französischen Blätter ergehen sich in ißennutungen über die etwaigen deutschen Vorbehalte und äußern sich teilweise recht pessimistisch. Das „Journal" rechnet damit, daß angesichts der Notwendigkeit der Prüfung und Aeberlegung nicht vor ein bis zwei Tagen eine Entscheidung möglich sein werde. Der „Petit Parisien" glaubt erklären zu können, dah der deutsche Vorbehalt die Schaffung eines Revisionsorgans sei, das zur Aufgabe habe, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob Deutschland wirklich in der Lage sei, die Bedingungen des DaweSPlanes zu erfüllen. Das Blatt erwähnt weiter, daß von englischer Seite Gefahr entstehen könnte, falls es fich nicht bewahrheiten sollte, daß der Poung-Plan eine bedeutende Abänderung der Prozentsätze von Spaa zum Nachteil Englands erhalte. Die 'Beratungen im 'Hotel Georg V. erscheinen daher noch toe it vom Ende entfernt zu sein.
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Der Plan, einen Teil der im Besitz des Reiches befindlichen Reichsbahnvorzugsaktien bei Sparkassen und sozialen Ver- sicherungsttägern unterzubringen, wird aufrechterhalten, kommt aber, wie wir erfahren, für den Augenblick nicht in Frage. Die Begebung einer Anleihe bis zu 500 Millionen, die mit wesentlichen Steuervorteilen ausgestattet ist, ist in einem Gesetzentwurf festgelegt, der zur Zeit bereits dem Reichsrat vorliegt, welcher übermorgen dazu Stellung nehmen dürfte. Alsdann kann das Gesetz an den Reichstag gehen. Maßgebend war der Wunsch, aus den dauernden Altimo-Schwierigkeiten her- auszukommen auf einem Wege, der zwar seine Bedenken hat, die aber zurückgestellt werden mußten. Die Gefahr des Zurück-
Ile Wen des Wims-Manes
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Bei dem Aoung'schen Vorschlag handelt es sich, wie verlautet, um eine Annuitätsstaffel, die mit 1 675 Millionen Mark beginnt und jedes Jahr um 25 Millionen Mark steigt. Auf die Periode von 37 Jahren berechnet, gelangt man also zu einer Durchschnittsannuität von 1980 Millionen Mark. Wenn man den Zinsen- und Tilgungsdienst für die Dawesanleihe einbeziehen will, wird sich
die auf 37 Jahre berechnete Durch- schnittsannuität auf 2 050 Millionen
Mark
stellen. Bei den Zahlen des Ioung'fchen Schemas sind alle Leistungen, die von Deutschland gefordert werden können, einbegriffen. Diese Aoung'schen Zahlen sind, wie bereits mitgeteilt, von der deutschen Delegation als Erörterungsgrundlage angenommen worden unter der Bedingung, daß bestimmte von Deutschland zu fordernde Voraussetzungen wirtschaftlicher Natur berücksicht werden. Es ist klar, daß bei einem Abkommen, das nicht mehr rein wirtschaftlicher Argumentation entspringt, bestimmte Schutzmaßnahmen lTransferschutz usw.), die nicht nur den Interessen des Schuldners, sondern auch denen der Gläubiger dienen, getroffen werden müssen. Die wirtschaftlichen Bedingungen der deutschen Delegation sind gestern vormittag dem Vorsitzenden der Reparationskonferenz Owen Aoung mitgeteilt worden, der sie seinerseits den inter
essierten Gläubigernationen überreichen wird.
Was die Stellung der einzelnen Delegationen anlangt, so verlautet zuverlässig nichts, jedoch kann ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die französische Delegation noch nicht Stellung genommen hat, da sie die Rückkehr des ersten Delegierten Moreau abwarten will.
Die Beurteilung des Aoungplanes in den Kreisen der Alliierten.
Die „Chieago Tribüne" schreibt, es bestehe der Eindruck, daß die britischen Sachverständigen den Aoungplan, wenigstens in seinen großen Zügen, günstig beurteilen. Sicherlich sähen auch die Italiener und Japaner in dem Plan eine Lösung. Allgemein werde ober in den Sachverständigenkreisen angenommen, daß die Haltung der f r a n z ö s i - s ch en und belgischen Sachverständigen durch die öffentliche Meinung in den beiden Ländern Schwierigkeiten ausgesetzt sei.
Morgan wieder in Paris.
fk. Paris, 7. Mai. Der amerikanische Sachverständige Morgan ist von seinem Wochenendaufenthalt in London nach Paris zurückgekehrt. Er wird, wie „Chicago Tribüne" mitteilt, den Sachver- ständigen-Beratungen bis zum Schluß beiwohnen.
Die ausiiStslofe MMuliMmö-le
Re Mufflon der EeeadrWng «erlagt
Senf, 6. Mai. Die 6. Tagung des vorbereitenden Abrüstungsausschußes ist am Montag vormittag abgeschlossen und auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Eiuberufung des Ausschusses $u seiner nächsten Tagung, die jedoch nicht vor der llversamm- lnng des Völkerbundes im September ftattkin- den wird, ist dem Präsidenten des Ausschußes, Politis, überlaßen worden. Der Ausschuß wird erst dann wieder zusammentreten, wenn die fünf großen Seemächte dem Präsidenten Mitteilung von einer erfolgten Einigung in den FlotteuverhanAungeu gemacht haben werden.
Die heutige Schlußsitzung brachte programmatisch? Erklärungen der Vertreter der fünf großen Seemächte, in denen übereinstimmend eine
Vertagung der Seeabrüstungsfrage gefordert wurde mit der Begründung, die amerikanischen Flottenvorschläge bedürfen einer eingehenden
und sachlichen Prüfung durch die Regierungen, um ein direktes Abkommen »wischen den großen Seemächten in der Jlottenabrüstungsfrage zu ermöglichen. Der amerikanische Botschafter E i b s o n hob hervor, das Wesentlich« des amerikanischen Vorschlages gehe dahin, daß man eine gleichwertige Tonnage für die einzelnen Flotten schaffe, die als Webrmaßstab gelten könne.
Litwinow gab eine lange Protesterklärung ab, nach der die sowjetrussische Abordnung die weitere Verantwortung für die Arbeit des Abrüstungsausschußes ablebne. Ein Bericht über die gegenwärtige Tagung soll dem Dolkerbundsrat erst dann erstattet werden, wenn die zweite Lesung des Konventionsentwurfes in der nächsten Tagung des Ausschußes zum Abschluß gebracht worden ist.
Graf Bernstorff erklärte, die deutsche Regierung verlange sobald wie möglich die Einberufung der Abrüstungskonferenz und er fordere deshalb den baldmöglichen neuen Zusammentritt des vorbereitenden Abrüstungsausschußes.
fließens einer Anzahl anderer Anleihen ist nicht zu leugnen, z. D. bei der Reitchold- Anleihe. Ob eine Steueramnestie vorgesehen werden soll, kann noch nicht beantwortet werden, ebenso wird die Frage, wann die Anleihe getilgt werden soll, noch erwogen. Cs sollte jetzt vor allen Dingen die Möglichkeit zur Beschaffung einer solchen Anleihe geschaffen werden.
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Zu dem Verbot des Rotfrvntkämpfer- bundes erfahren wir, daß das vor einigen Tagen gegebene Dementi gegeben werden mußte, weil sonst die staat-politische Aktion wirkungslos gemacht worden wäre. Eine
Auflösung des Bundes für das Reich unterliegt noch der Erwägung. DaS Verbot ist mit Zustimmung der Reichsregierung erfolgt. Die« war in diesem Falle notwendig, weil sich das Verbot des Bundes auf die Verordnung zur Ausführung des
Reichsgesetzes vom März 1921 stützt. Die Anordnungen für die polizeilichen Organe sind geschlüsselt herausgegeben worden.
Ob die BedenkenSeverings, das Verbot der kommunistischen Aktionszeile auf das ganze Reich auSzudehnen, in dem Umfang gerechtfertigt sind, wie es der Reichsminister anscheinend befürchtet, möchten wir bezweifeln. Als der Reichsinnenminister v. Keudell im April 1928 an die Landesregierungen die Bitte richtete, den Roten Frontkämpferbund zu verbieten, weigerten fich diese und appellierten an den Staatsgerichtshof. Wenn man heute zur Einsicht gekommen ist, so liegt darin ein Beweis dafür, daß nicht sachliche, sondern parteipolitische Erwägungen maßgebend waren, al« man Keudells Ersuchen ablehnte.
Attentat auf Woltemams
fk. Kowno, 7. Mai. Als sich gestern abend Ministerpräsident Woldemaras in Begleitung seiner Gattin, seines kleine« Neffen, seines Adjutanten, Leutnant Gudinos, und der Ordenanz des Kriegs« Ministeriums Hauptmann V e r b i ck a s, zu einem Elasunoff-Konzert begaben, feuerte eine noch unbekannte Person in einem Wege des Gartens am National« theater im Rücken der Gruppe mehrere Revolverschüsse auf diese ab. Der Ministerpräsident und Frau Woldemaras blieben unverletzt, dagegen wurde Leut« nant Eudinas durch einen Kopsschutz getötet. Dem Hauptmann Verbickas wurde durch eine Kugel die rechte Lunge durchbohrt und der kleine Reffe erhielt einen B a « ch s ch « tz.
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zum ftß SbrrUön Bauer
Oberst a. D. Dr. h. c. Max Bauer war während des Weltkrieges die rechte Hand Luden- dorffs und der obersten Heeresleitung. , 1890 wurde er im zweiten Fußartillerie-Regiment (Danzig) Offizier. 1899 wurde er zur Artil- lerie-Prüfungs-Kommission kommandiert. 1905 kam er in den großen Generalstab. Von 1908 bis 1912 bearbeitete er di« schwere Artillerie- waffe in der Aufmarsch- und Mobilmachungs» abteilung, die im Kriege zur Overationsabtei- lung wurde und die damals Ludendorff unterstand. Die philosophische Fakultät der Universität Berlin verlieh Bauer während des Weltkrieges die Ebrendoktorwürde. 1920 beteiligte er sich-an dem mißglückten Umsturzversuch des General-Landschaftsdirektors Kapp. Er mußte fliehen und hielt sich meist in Budapest auf.
5m September 1925 wurde er amnestiert. 3m Avril 1928 tauchten in den Zeitungen Nachrichten auf, wonach sich Bauer, einem chinesischen General zur Verfügung gestellt habe. In Schanghai eingetroffen, gewährte er einem Vertreter der „North Shina Daily News", die seinerzeit seine Ernennung zum militärischen Ratgeber der Nanking-Regierung gemeldet hatte, eine Unterredung. Er erklärte darin, daß er nicht militärischer Ratgeber der Nanking-Regierung, sondern ökonomischer und industrieller Ratgeber des Staatspräsidenten General Tschiankaischek sei.
Nach einer amtlichen Meldung aus Nanking war Oberst Bauer bis zum letzten Augenblick bei voller Besinnung und äußerte kurz vor seinem Ableben, das um Mitternacht erfolgte, den Wunsch seine Leiche nach Deutschland zu überführen. Der amtliche Bericht übet die Erkrankung Bauers besagt, daß die Arzte alles getan hätten, um Bauer am Leben su erhalten. Er habe sich jedoch zu sp ä t in ärztliche Behandlung begeben, weil er die Gefährlichkeit seiner Erkrankung nicht erkannt habe. Das chinesische Kriegsminisiertum hat beschloßen, dem Verstorbenen alle militärischen Ehren zu erweisen. Marschall Tschiankaischek bezeichnete Oberst Bauer einem Pressevertreter gegenüber als großen Freund der chinesischen National-