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Zeitung

Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Sir. 104 64. Fahrs. Marburg a.Lahn

Sonnabend, den 4. Mai ms

Marbmm ZageZünzeiger

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Vie ^Vberhessisch« Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Le zugSprei« monatlich 2.10 GM. aus. schließt. Zustellungsgebühr, durch diePost2.35 EM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckcret b. Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <u M. Nr. 5015. Sprechzeit Met Nedaktlon von 1011 und

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Kleiner Belagerungszustand

Angesichts der immer wieder aufflackern- den Störungsversuche und zum Schutze der ruhigen und arbeitstätigen Bsvölrerung hat sich die Polizei zu folgender Notstands­maßnahme entschlossen:

In den abgesperrten Straßenzügen muß von 21 Uhr bis 4 Uhr mor­gens jeder Verkehr ruhen. Die Gastwirtschaften haben um 21 Uhr ihren Betrieb einzustellen. Zu gleicher Zeit muffen sämtliche Fen st er in den Häusern geschlossen werden. In den nach der Straßenseite gelegenen Räumen darf in der Zeit von 214 Uhr kein Licht angezündet werden." Die Maßnahme findet ihre gesetzliche Grundlage in § 10, 217 des Allgemeinen Landrechts, dem bekannten Polizei- Paragraphen. Auch nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ist eine solche Maßnahme der Polizei zulässig, wenn 8. B. die Polizei nicht über die nötigen Kräfte verfügt oder, was in diesem Falle in Frage kommt, nach Lage der Dinge die Störenfriede nicht fassen kann.

Die Zahl der Todesopfer ist mit dem heutige« Tag auf insgesamt 17 ge­stiegen, wozu noch mehr als 100 größtenteils Schwerverletzte kommen, die in verschiedenen Berliner Kranken­häusern untergebracht worden find.

Anhaltendes Fener

Nachdem in den gestrigen Vormittags­stunden in Neukölln in der Hermann- und in den angrenzenden Straßen immer wie­der kleinere Zusammenstöße zwischen Poli­zei und Straßenpöbel stattfanden, die erst durch das Eingreifen größerer Polizeiauf­gebote im gemeinsamen Vorgehen mit Panzerwagen beendet werden konn­ten, ist es

das Betreten der Straßen auf eigene Berantwartung geschieht und mit Lebensgefahr verbunden ist.

Die zahlreichen Läden in der Hermann­straße und in den Querstraßen sind mit wenigen Ausnahmen, geschloffen und haben die Rolläden Heruntergelaffen.

Die Polizei hat in Neukölln, um die Dachschützen wirksam zu bekämpfen, nach Einbruch der Dunkelheit an der Ecke der Prinz-Hcmdjery-Straße und der Hermann­straße auf den Dächern große beweg­liche Scheinwerfer angebracht und Maschinengewehre aufgestellt. Das Mittel erwies sich als ausgezeichnet, denn sobald diese Reflektoren auflammten,

hörte die Schießerei von den benachbarten Häusern auf. Die Aufständischen zogen sich bis in die Allerstraße z u rück. Von dort aus versuchten junge Bur­schen mit Steinen und Revolverschüssen die an der Ecke stehenden Gaslaternen zum Erloschen zu bringen.

Die Polizei eröffnete von der Prinz» Handjery-Stratze aus gegen neun Uhr ««haltendes Feuer auf die Kreuzung Allerstraße.

E i n M a n n , der sich dort zu weit vorge- w«gt hatte, wurde getroffen und stürzte zu Boden. Gegen sechs Uhr nachmittags war ein Arbeiter durch einen Kopfschuß

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üt den Nachmittagsstunden zu neuen Zwischenfällen gekommen.

Die neueingesetzten Polizeitruppen sind mit Handgranaten ausgerüstet.

Nach den Nachmittags-Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei fand man die 61 Jahre alte Frau Elise Scheibe auf dem Balkon ihrer Wohnung in der Hermannstraße in Neukölln erschossen auf. Von welcher Seite der tödliche Schuß ab­gegeben worden ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Im Verlauf der poli­zeilichen Säuberungsaktion mußte die Po­lizei wieder in großem Umfange von ihren Schußwaffen Gebrauch machen.

Bei diesen Kämpfen wurden aber­mals zwei Frauen erschaffe« u«d ei« Mann schwer verletzt.

In den späten Nachmittagsstunden blieb es verhältnismäßig ruhig. Aus einem noch unentdeckten Nest werden die Beamten Mit einer Maschinenpistole beschossen. Trotz eifriger Bemühungen und Durch­suchung der in Frage kommenden Häuser war es noch nicht möglich, das Nest aus­zuheben. Die Beamten achten scharf dar­auf, daß niemand vor den Haustüren herumsteht und auch niemand die Fenster öffnet. Die Zivilbevölkerung, die nur nach gründlicher Legitimierung die gesperrten Straßen durchqueren darf, wird von den Beamten darauf hingewiesen, daß

schwer verletzt worden, an deffen Fol­gen er nach wenigen Minuten v e r st a r b. Vier Personen wurden schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Auf dem Wedding ist es weiter bis neun Uhr abends ruhig geblieben.

Gegen 10 Uhr abends kam es an der Ecke Hermann st raße uns Zöger­st r a ß e, wo sich zwei große Kinos befinden.

z« einem neuen schwere« Zu» s a m m e n st o tz.

Dort rotteten sich eine große Anzahl jun­ger Burschen zusammen und beschimpf­ten die Polizei. Als die liege drohen­der wurde und die Menge sich nach mehr­maliger . Aufforderung nicht zerstreute, gaben die Polizeitruppen mehrere Salven ab.. Anscheinend haben die Kommunisten eine Anzahl Verwun­deter, vielleicht auch Tote zu ver­zeichnen.

Die Unruhen in Neukölln.

Die Schießereien in dem Neuköllner Sperrbezirk haben auch in den späten Abendstunden angehalten. ,

Die Pslizeiposten auf de« Dächern »nrden durch eine Maschinenzewehr» Pistole beschaffen.

In der Prinz-Handjery-Straße wurde eine fliegende Wache eingerichtet, in die bis 11 Uhr abends 15 Personen eingeliefert wurden, darunter einige junge Burschen, die in der Lcssingstraße eine Barrikade zu errichten versucht hatten. Die meisten Sistierten waren im Besitz von Waffen verschiedener Art. Die Passagiere, die in dem Sperrbezirk wobnen, werden nach genügender Legitimation

««ter paliz'ilichem Schutz i« ihre Häuser geleitet.

Die gestrigen Kämpfe haben bisher vier Todesopfer gefordert. Von den Ver­letzten, die am 1. Mai ins Krankenhaus Neukölln-Buckow eingeliefert wurden, sind, wie das Städtische Nachrichtenamt mitteilt, inzwischen zwei gestorben. Am W d- ding herrschte, dank der umfaffenden Maß­nahmen der Polizei, Ruhe.

Der Verlauf der Nacht in Neukölln.

Dis geaen 2 llbr nachts waren in der Hermannstraße und in der Steinmetzstraße von beiden Seiten Schüsse gewechselt worden.

Der Nest der Nacht bi« Tagesanbruch verlief ruhig.

Um < Uhr morgens räumte die Polizei die lvanlschen Reiter, mit denen sie die Straße

(Serifetiuna siebe Geile 2.)

müssen. Wer die damalst in Deutschland trauten die'

:gen Machthaber !sem Wort, Erz­berger pochte auf den Vorfriedens- vertrag der sich im großen und ganzen auf Wilsons vierzehn Punkte aufbaute. Diese vierzehn Punkte vom 8. Januar 1918

waren zwar in recht anspruchsvollem und überheblichem Ton gehalten, wurden aber vor zehn Jahren als die magische For­mel betrachtet, die für die Einleitung eine« gerechten, niemand übermäßig stark in sei­nen LebenSäußerungen beengenden Frie­dens geeignet erschien. Sie betonten die Oeffentlichkeit der FriedenSverhand- lungen, die Freiheit derMeere, die Beseitigung aller wirtschaftlichen Ver­kehrshindernisse, also der Schutz­zölle, Abrüstung, unparteiischen Aus­gleich aller kolonialen Ansprüche, Räumung Rußlands und Wiederherstel­lung seines Selbstbestimmungsrechts, Ra­tionalgrenze für Italien, Wtvnomie der Einzelvölker Oesterreichs und der Türkei, Räumung Belgiens und Frankreichs nebst Rückgabe Elsah-Lothringens, Räumung Rumäniens, Errichtung eines unabhängi­gen Polen mit Zugang zum Meere, Grün­dung eines Völkerbundes und Wiedergut­machung in den zerstörten Gebieten.

Alle diese Wilsonschsn Forderungen wurden bis auf den Grundsatz der Freiheit der Meere und mit einer Ausdehnung der Wiedrrgutmachungspslicht auf die Zivil- bevölkerung im Vorverträge mit Deutsch­land angenommen. Da dies« internatio­nale Vereinbarung dem Waffenstillstands­abkommen von Cvmpiegne zeitlich dorauf­gegangen ist, versteht man heute gegenüber

zehn Mtt Versailles

Zum 7. Mai 1929, dem zehnjährigen 6e» dächtnistage der Bekanntgabe des Ver­sailler Friedensdiktates.

Don Konrad F. Lehnert.

Der 7. Mai 1919 leitete für die Be­völkerung Deutschlands die Folge schwerer Tage ein, in denen die letzten Schleier üb« das unserem Lande zugedachte unerhörte Schichal hinweggerissen wurden. An die­sem Tage vollzog sich di« amtliche Be­kanntgabe des Versailler Friedensdiktates, so wie es sachlich unverändert ohne Frie­densverhandlungen mit Deutschland von dem gegenwärtigen Reichskanzler Hermann Müller und dem damaligen ReichÄolonirl- minister Dr. Bell am 28. Juni 1919 unter­zeichnet worden ist, verschärft durch di« gleichfalls am 28. Juni durch Unterschrift dieser beiden Minister rechtswirksam ge­wordene Vereinbarung über die militärische Besetzung des Rheinlandes.

Heute haben wir erkannt, daß der so-, genannte Friedsnsvertrag von Versailles, dessen Unterzeichnung durch ein aus fünf. Tage befristetes Ultimatum mit dem des-' henden Revolver Fochs einer schwachen und schwankenden AeichSregierung abge- preht wurde, nicht nur als Fortsetzung doch Krieges in veränderter Form wirkte, svn-j drrn trotz Umsturz und Republik auch als Kriegserklärung gegen Deutschland und! die Deutschen bis zur Vernichtung unserer! Dolls- und Wirtschaftskraft gedacht ge*1 wesen ist.

!Mit der Msicht der Demütigung Deutschlands wurden die Verhandlungen unserer (Gegner über den Entwurf eines Friedrnsvertrages am 18. Januar, also dem ReichsgründungStage, in Paris er­öffnet. Diese Wllsonsche Geste ist in der ungeheueren Rot der damaligen Zeit mit Achselzucken abgetan worden. Sie hätte ofort den stärksten Verdacht gegenüber >em Wort des amerikanischen Präsidenten ür einen ehrenvollen Frieden erwecken