verbleiben.
Die Häuser läge haben Tage unter
der betroffenen Stratze«- noch mehr als am erste« dem Kugelregen gelitten.
Rk.M 61. Mr-. Marburg a.Laba
Kommunisten be- mit lärmenden
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Ee zugspreismonatlich 2.10 SM. aus- schließ!. Zuslcllungsgebühr, durch diePosi2.35 EM.FLr etwa infolge Streiks. Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag b. Dr. §. Hiheroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Joh. Aug. Koch. Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
*1,1—1 Uhr.
Kommunistenradau im ReiWag
AMaanteMunVn mit teil SsMteinskrÄen
Aeberall trifft man auf Schußspuren.
Gegen 8 Uhr vormittags hatte die Polizei die ganze Hermannstratze in Neukölln beseht. Die Barrikaden find größtenteils beiseite geräumt Es gibt
Kundgebungen.
Abg. Geschke (Komm.)
beantragte darauf, daß sich der Reichstag
„angesichts des Blutbads" sofort bis morgen vertage.
(Segen die Arbeiter sei nicht nur Schupo eingesetzt worden, sondern auch Re'chswehr in Schuvouniform. (Hört, hört! bei den Kommunisten.)
Keitas, den t.Mai ISA
Der Dettagungsantrag wurde gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und der ■' '■ der
Gegen die sofortige Beratung des kommu- “ 1 aus dem Sause
Kommunisten bei Stimmenthaltung Deutschnationalen abgelebnt. Abgeordneter
Stöcker (Komm.) erklärte
niftischen Antrags wurde Widerspruch erhoben. Die gleiteten diesen Vorgang
Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen sur Stadt und Kreis Marburg
keinen Verletzten.
Das Unruheviertel war heute morgen gegen 7 Uhr zwischen Bug- und Hermann- straße noch vollkommen gesperrt. Polizei mit Karabiner durchsucht Verdächtige nach Wafffen. Niemand m der Gegend kann ohne Ausweis hinein noch heraus. In den frühen Morgenstunden haben sich wesentliche Zwischenfälle nicht mehr ereignet. Die Polizei muhte jedoch am Kampfplatz
Die Polizei rückte gegen 4y2 Uhr mit einem Niesenanfgebot an und hat in allergrößtem Umfang das ganze Stadtviertel vom Bahnhof Her- mannsttaße bis zum Hermannsplatz mit sämtlichen Nebenstraßen abgesperrt. Den vielen Arbeitern und Angestellten, die sich in den frühen Morgenstunden zur Arbeit begeben wollten, wird das Verlassen des ganzen Bezirks nur an der Salchowerstraße-Ecke Weiße Straße gestattet und auch hier nur gegen Ausweis. Die Fenster müssen weiterhin geschlossen gehalten werden, da die Polizei immer wieder gewärtig sein muh, aus den Fenstern beschossen zu werden. Die Tatsache, daß die Hermannsttaße und die Neben- sttaßen gesperrt sind, hat hat u n t e r v i e- len Tausenden von Arbeitern, die zur Olrbeitsstätte wollen, eine «wisse
Unruhe he rvorgerufen. Schon in den frühesten Morgenstunden bildeten sich allenthalben debattierende Gruppen.
Die Polizei beabsichtigt, den Kordon allmählich enger zu ziehen und die besonders verdächtigen Häuser systemattsch durch Kriminalbeamte nach Waffen abfuchen zu lassen, da einwandfrei feststeht, daß von kommunistischer Seite Schußwaffen, auch schweren Kalibers, verwandt worden sind, wie die auf der Sttaße gefunden« Muni- tton beweist.
Es ist einwandfrei frstgestellt worden, ' daß es sich bei dr« nächtlichen Angreifern in der Hauptsache um Banden halbwüchsiger Burschen handelt, die vorzüglich organisirrt waren, eine« regelrechten Dorpostendienst und ein Lanvtauartier unterhielte« und zen»
ein Paket Zeitungen lns Gesicht.) Der Redner erklärte, der Abg. Künstler sei der Kumpan, der die Lüge von den 200 Toten in die Welt gesetzt babe. Diesem Kumpan sei das Kainszeichen auf die Stirn gedrückt. (Ordnungsruf.) Unter lautem Beifall der Kommunisten schloß der Redner mit dem Ausruf: „Es lebe die proletarische Diktatur!" (Der kommu- nistische Abg. Heckert erhielt zwei Ordnungsrufe.)
Dis Straßenkämpfr in Berlin danem an g ZoteZopftt tes 1. Rai - z $dc und raMM EHmrmWe In ter Nach! vom 2. zum Z. Mai
als Protest gegen diese unerdötte Ablehnung werde sich die kommunistische Fraktion nicht weiter an den Beratungen des Reichstages beteiligen.
Die Kommunisten stimmten darauf die Internationale an. Vizepräsident Eraef unterbrach die Sitzung; als die Kommunisten ihren Gesang beendet hatten, verließm sie unter Rufen: „Pfui den Mördern und dem Mörderreichstag!", geschlossen den Sitzungssaal.
Der Anzeigeuprei« beträgt für den 10 gestalt. Zeilenmillimet-r 0.08 GM., kleine B-r-nzeigen 0.06 GM„ amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierigem Satz sowie bet Platz» borschrift 50’1. Aufschlag. — Sammetanzeigen 100 ’l« Aufschlag. Reklamen der Mtllim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt al» B-rrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet.ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle mrd Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Doldmark — '/^»Dollar.
tral gebildete Aktionen gegen e.azeln» von der Polizei besetzte Punkte unternahmen.
Der SturmaufdasPolizeirevier in der Selchowerstraße war ein ganz zen- ttal eingeleitetes Unternehmen der vereinigten Banden. Bevor es zum Sturm ging* hielt an der Ecke Herfurth- und Hermannsttaße ein halbwüchsiger Bursche eine Brandrede gegen das Zörgiebel- System und forderte seine Genossen auf, die in dem Polizeirevier angeblich gehaltenen Kameraden befreien zu helfen. Di« Umgebung des Polizeireviers ist mit Pflastensteinen bedeckt, die heute nacht von den Banden gegen die Fensterläden des Polizeireviers geschleudert worden sind.
Auch in der kommenden Nacht?
Anter den Barrikaden fand man um* gestürzte Lastautos und Traktoren, Leerkessel, sowie eine ganze Reih« großer Benzintanks und ähnliches Material. Die Demonstranten hatten sich offenbar darauf vorbereitet, im Falle eines Angriffes der Polizei
die Barrikade» mit Benzin z« über, gießen und in Brand zu setzen.
Die Polizei macht sich jetzt daran, di« verdächtigen Häuser zu untersuchen. Di« Straßenbahn verkehrt gegen 6.30 Ahr nicht; jedoch wird der Verkehr im Laufe 6e<| Vormittags wieder ausgenommen werden können. Die Kommunisten haben auch ver^ • schiedentlich Telegraphenleitungen uni Sttaßenbahndrähle zerschnitten, sodaß di« Aufnahme des Verkehrs auch dadurch ver- zögert wird. Die Aufräumungsarbeiten in der Steinmetz- und Zietensttaße gestalten sich sehr schwierig, da hier
überall die schweren eisernen, für de« Bau der Untergrundbahn bestimmte« Träger quer Über die Straße gelegt sind und außerdem an verschiedene« Stellen das Pflaster ausgerissen
worden ist. Vorläufig dürft« auch die Hermannsttaße für den Wagenverkehr nicht freigegeben werden. Die Polizei ist immer noch dabei, die Sttaße nach Munition ab- zufuchen und festzuhalten, mit was für Waffen geschossen wurde.
Man befürchtet, daß sich die Ereignisse dieser Nacht auch in den nächste« Nächten wiederholen werden.
Die Absperrungen der Polizei dauerte» die ganze Nacht an. Ein Leutnant der Schutzpolizei war mit seiner Abteilung über eine Stund« in dem Hause Hermann- sttaße 209 von Kommunisten eingeschlossen und in einer sehr bedenklichen Situation, da bei jedem Versuch das Haus zu verlassen, den Beamten ein prasselndes Feuer von den umliegenden Dächern entgegenschlug. Durch einen wahren Zufall hatte bis jetzt die Polizei ttotz des GefchoßhagelS
Berlin, 2. Mai. Der Besinn der heutigen Reichstagssitzun« verzögerte sich um etwa zehn Minuten. Als gegen 14.10 llhr Vizepräsident Eraef die Sitzung eröffnet, lärmen die Nationalsozialisten und Kommunisten. Letztere rufen:
Mo ist denn der sozialdemokratische Ko- sackenhauvtmann Loebe?"
Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt Abg. Pieck (Komm.) das Wort zu den blutigen Zusammenstößen am 1. Mai. Die verbrecherische Polizei habe sich nicht gescheut, unter Führung des Sozialdemokraten Zörgiebel „friedlich demonstrierende" Arbeiter zu mor- gcn. (Lärm bei den Kommunisten.) Neun erschossene Arbeiter (Pfuirufe bei den Kommunisten), weit über 100 Schwerverletzte und über 1000 Verhaftete, die schwer mißhandelt worden seien, seien die Opfer dieses Verbrechens der Polizei. Die Tatsache, daß sich unter den Verbrechern nicht ein einziger Toter befände, beweise, daß hier in frivoler,, frevelhafter Weise von der Polizei an der friedlich demonstrierenden Arbeiterschaft gehandelt worden sei. (Zustimmung bei den Kommunisten, von denen den Sozialdemokraten Beschimpfungen zugerufen werden, wie: „Verbrecherhauvtmann Stampfer!" usw.). Der Redner verlangte, daß der Reichstag sofort zu diesem Verbrechen Stellung nähme auf der Grundlage des kommunistischen Antrags auf Aufhebung des Demonstrationsverbots. Die Arbeiterschaft werde dem sozialdemokratischen Polizeipräsidenten beweisen, welche Macht sie besitzt und diesen Kerl von seinem Platze verjagen.
Die Polizei und die Sozialdemokratie treffe die Blutschuld an den Vorgängen.
(In diesem Augenblick drängen die kommunistischen Abgeordneten auf den sozaldemokratischen Abgeordneten Künstler ein und werfen ihm,
wagen gegen die errichteten Barrikaden vor, zog sich aber gegen Mitternacht zurück, um die Säuberung der unbeleuchteten Sttaße auf die Morgenstunden zu verschieben.
Hier forderte der Kampf 3 Todesopfer imd 10 Schwerverletzte.
Die heutige Ausgabe der „Roten Fahne" ist von der Polizei beschlagnahmt und ihr Erscheinen auf drei Wochen, bis zum 23. Mai, verboten worden.
Der Schauplatz der nächtliche« Kämpfe in Neukölln
macht bei Tagesanbruch einen wüsten Eindruck. Die Hermannsttaße ist durch di« Barrikaden auch weiterhin gesperrt; ebenso die Prinz-Handjerh-Straße und Sieten»
sttaße. Zn der Prinz-Handjerh- und der Steinmetzstraße haben die Kommunisten die hohen alten Bäume grsällt und quer über die Straße gelegt.
Von den Häusern sind Baugerüst« abgerissen und zum Darrikadenbau verwandt worden. Auf den Baustellen der Unter» grundbahn in der Hermannsttaße sind di« Baubuden zerschlagen, das Inventar, dar» unter die Kleidung der Arbeiter, entwendet, die Zeichnungen zerrissen. Auch das Handwerkszeug ist gestohlen worden und alles sonst, was nicht niet» und nagelfest war. In vielen Läden wurden die Schaufenster und Schaukästen zertrümmert und die Auslagen geplündert. In der Lessing- straße kam es heute morgen gegen 5 Ahr wieder zu einzelnen Schießereien.
Nach den bisherigen Ermittlungen sind bei den Zusammenstößen am 1. Mai zwischen Polizei und Demonsttanten
ucu« Personen getötet und mehr als neunhundert verhaftet
loorden. Soweit der Polizei bekannt ist, find 80 Demonsttanten verletzt worden. Doch dürfte ihre Zähl in Wirklichkeit bedeutend höher sein, da die Kommunisten die meisten der Verletzten bald fortschaffen konnten. Don der Schutzpolizei sind 25 Beamte mehr oder minder zu Schaden gekommen. Di« meisten der gestern und im Laufe der Nacht festgenommenen Personen konnten bereits wieder entlassen werden, da sie sich lediglich gegen das Dersamm- lungsverbot vergangen haben. Ein Teil der Verhafteten wird heute dem Schnellrichter vorgefühtt werden. Einige der Festgenommenen werden sich wegen W i - Verstandes gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruches und Aufruhr zu beranttoorten haben.
Gestern nachmittag zwischen zwei und drei Uhr kam es in Berlin am Bülowplatz vor dem Karl-Liebknecht-Haus zu erneuten Zusammenstößen zwischen Polizei und Kommunisten. Einige hundert Kommunisten versuchten, Demonstrationszüge zu bilden, die von der Polizei nach wiederholten vergeblichen Aufforderungen, auseinanderzugehen, mit dem Gummiknüppel zerstreut werden mußten.
Um 5 Uhr kam es in den Straßen am Wedding, wo vorgestern schon gekämpft wurde, erneut zu schweren Zusammenstößen.
Die angegriffene Polizei mutzte von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei noch drei Leute schwer verletzt wurden.
Dann wurden die Straßen mit dem Gummiknüppel gesäubert und von starken Polizeikräften besetzt. Auch in der Hermannstraße in Neukölln mußte die Schupo mit dem Gummiknüppel gegen Demonstranten vorgehen.
Nene Barrikaden
In den späten Abendstunden wurde die Lage in Neukölln äußerst bedrohlich. Die Schießereien zwischen den Demonstranten der KPD. und der Schutzpolizei verschärften sich zusehends.
Unaufhörlich rollten die Krankenautos mit Verletzten davon.
Ob auch Tote zu verzeichnen sind, ließ sich nicht feststellen, zumal in den hauptsächlichen Kampfstraßen, der Steinmetz- und Handjery-Straße, wiederum alles Licht ausgelöscht war. In diesen Straßen hatten die Kommunisten wiederum
Barrikaden errichtet,
hinter denen sie unaufhörlich auf die Polizei schoflen. Gegen 22.30 llhr rückten von allen Seiten Schupoverstärkungen heran, dazu Panzerautos mit Maschinengewehren.
Die neuanrückende Schupo war mit Karabinern ausgerüstet, zum Teil trugen die Beamten Handgranaten.
Die Polizei greift mit den schärfsten Mitteln durch. Wer sich am Fenster blicken läßt, hat damit zu rechnen, daß er erschossen wird. Scheinwerfer und Leuchtpistolen erhellen das nächtliche Kampfgebiet. Die ganze Gegend um den Her- mannplatz ist polizeilich abqeriegelt, die Demonstranten sind eingekeflelt. Der Verkehr ist lahm gelegt.
Nach abgehaltenen kommunistischen Pro- testversammlungen in Neukölln gegen d-ie Vorgänge am 1. Mai ging die Polizei in der Hrrmannsttaße in drei Hundertschaften mit Pangerkraft-
ÄberkMsche