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Anzeiger für (bas frühere knrhesfische) Oberheyen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Bisher 8 Ls-esopfsr Ler Berliner Maifeier

Wer looo Revolver- und KarabmmltM auf die Rolizci —

Mit UOerivritzen gegen die betvaltneten .politischen Kinder"

Hm 10 Hhr vormittags begannen in den großen Lokalen die Maifeiern, zu de­nen die Gewerkschaften aufgerufen hatten. Im allgemeinen hat sich der Auf­marsch verhältnismäßig ruhig vollzogen. Am Bahnhof Groß-Görschenstraße wurde eine Demvnstrationsversamm- lung durch die Polizei zerstreut.

Der Verkehr bot dasselbe Bild wie an anderen Tagen, Autobusse, Hoch- und Hntergrundbahn waren doll im Be­trieb. Bei der Hochbahn hatten sich er­heblich weniger Leute zur Maifeier be­urlauben lassen, als im vorigen Jähre. Bei den Gas- und Elektrizitätswerken wurde voll gearbeitet. In der Metall- in dustrie erschienen im allgemeinen nur wenig Leute zur Arbeit.

Im weiteren Verlauf des Vormittags mußten

zahlreiche Demonstrationszüge aufge­löst «nd Ansammlungen zerstreut.

werden. So hatten sich auf dem Deuter- Platz etwa 1200Personenversam- melt. die gegen die vorgehenden Beam­ten eine drohende Haltung einnahmen und 'Te mit Steinen bewarfen. Ein Po- izist wurde durch einen Steinwurf im Ge- icht verletzt. Die Demonstranten wurden n die Seitenstraßen abgedrängt. Vier Personen wurden zwangsgestellt. Auf dem Antonplatz in Weißensee sammelten sich ungefähr 500 bis 600 Personen an.

Zu einem weiteren Zusammenstoß kam es auf dem D ö n h o f f p l a tz, der von der Polizei geräumt werden muhte. Am Bahn­hof Großgörschen st raße, der schon in den frühen Vormittagsstunden Schau­platz eines Zusammenstoßes gewesen war, sammelte sjch'gegen Mittag erneut eine größere Menschenmenge an. 45 Personen wurden hier verhaftet. Aach Beendigung einer Versammlung in der Hasenheide bildete sich ebenfalls ein De­monstrationszug. Als die Polizei ihn auf­lösen wollte, wurde sie mit Zaunlat­ten angegriffen und mit Bierseideln beworfen. Vier Beamte wurden leicht ver­letzt. Die Demonsttanten sollen auch ge­schossen haben, so daß die Beamten ge­nötigt waren, ebenfalls zur Schußwaffe zu greifen.

Drei Personen wurden durch Schüsse verletzt.

Auch am Sennefelderplatz mußten die Be­amten von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei zwei Personen verletzt wur­den. Im ganzen haben sich im Laufe des Vormittags etwa 25 bis 30 Zusammen­stöße ereignet.

< Bis gegen 1 llhr mittags waren bei den verschiedenen Maifeiern rund 180 Personen festgenommen.

vnd dem Polizeipräsidium zugestellt wor­den. Ein besonders schwerer Zu­sammenstoß erfolgte am Hackeschen Markt, wo die Ruhestörer die Beamten mit Steinen bewarfen, mit Stöcken auf sie einschlugen und sie mit Füßen traten. Sie Beamten gaben in äußerst bedrohlicher Lage insgesamt acht Schüsse ab.

Ein Beamter und vier Demonstranten wurden verletzt, von denen letztere durch Arbeitersamariter schleunigst fortgeschafft wurden. Auch im Westen kam es verschiedentlich zur Blldung von Denronsttationszügen, die nur unter Anwendung des Gummiknüppels aufgelöst werden konnte.

In den ersten Nachmittags st un- den nahmen die Ansammlungen auf dem Alexanderplatz, wo zur Zeit zahl­reiche Bauzäune für den Bau der Unter­grundbahn errichtet sind, einen derartigen Umfang an, daß die Polizei nach wieder­

holten vergeblichen Aufforderungen zum Auseinandergehen mehrmals mit dem Gummiknüppel gegen die Menge vorgehen muhte. Da sich aber immer wie­der neue Trupps zusammenschlossen und den Verkehr behinderten, ging man schliehlich

mit dem Wasserschlauch gegen die Menge vor.

Der Erfolg war verblüffend. Völlig durch­näht ergriff alles die Flucht und die Ruhe­störer gingen nun endgültig nach Hause.

Auch an weiteren Stellen der Stadt ist es zu Zusarnrnenstöhen zwischen Polizei und Kommunisten gekommen. In der Putbuser Strohe, wo ein Beamter durch einen F a u st s ch l a g im Gesicht ver­letzt wurde, und am Helmholzplatz wur­den je vier Personen festgenommen. Auch am Senefelderplatz und Schönhausertor muhten wiederholt Ansammlungen zer­streut werden. Zn fast allen Fällen wurden

die Beamte« mit Steinen beworfen und beschimpft.

In der Kösliner und der Webbingstraße erfolgten die Steinwürfe aus den Fenstern der Häuser. Zn der Kösliner Straße wurden sogar aus den Fenstern ungefähr 30 Schüsse auf die Beamten ab- gefeuert. Eine Anzahl Beamte wurden durch die Steinwürfe verletzt. Um die An­griffe abzuwehren, gaben die Beamte

S ch r e ck s ch ü s s e ab. An der „Vorwärks"- Filiale in der Erätzstratze in Treptow ver­brannten Ruhestörer eine schwarz-rot-gol­dene Fahne, die sie von dem Gebäude her­untergeholt hatten.

Erzen 2 Uhr wurde abermals der Potsdamer Platz geräumt, wobei eine männliche und eine weibliche Person sistiert werden mutzten. Darunter befand sich auch der kommunistische Reichs­tagsabgeordnete Ende. Ferner wurde ein Kraftwagen mit drei Demonstranten an­gehalten, auf dem man zur allgemeinen Ueberraschung eine Funkstation ent­deckte. Diese Funkstation wurde beschlag­nahmt, nachdem man die drei Insassen des Wagens festgestellt hatte. An einer an­deren Stelle der Stadt wurde der kom­munistische Landtagsabqeordnete Schulz, der sich auch unter den Demonstranten be­fand, festgenommen. Besonders lebhaft &es am B ü l o w p l a tz zu, wo immer r Hunderte von Kommunisten sich an» sammelten und bei der Räumung die Be­amten mit Steinen bewarfen. Als einer der Demonstranten eine Pistole zog, gin­gen auch die Beamten mit der Schußwaffe vor.

In den Abendstunden kam es in N e «- k ö l l n zu größeren kommunistischen Aus­schreitungen, die schließlich die Polizei ver­anlaßten, mit schärferen Mitteln vorzu­gehen. Gegen 19 Uhr setzte plötzlich un­

erwartet eine riesige Säubern«gs- aktion ein, wobei besonders das Arq beitervieriel Neuköllns, so die Steinmetz», Zieten-, Karman- und Zögerstraße restlos für jeden Pasiagier und Fuhrwerk ab, geriegelt wurde. Personen, die zu ihren in den Vierteln gelegenen Wohnun­gen wollten, konnten nur unter Woh, nungsausweis dorthin gelangen. Mij Gummiknüppeln und Feuer» spritzen versuchte man, die sich überaq bildenden Ansammlungen zu zerstören was jedoch nicht immer gelang.

Bis 8 Uhr abends waren außer einer großen Reihe von Verletzten sowohl.aus Seiten der Polizei wie auf der der Demon­stranten, deren Zahl aber noch nicht fest­steht. auch drei Tote zu melden, und zwar der Arbeiter Eemeinhardt. bet in der Kösliner Straße, wo nachmittags schwere Zusammenstöße stattfan­den, die abends noch anbauerten, burch eine verirrte Kugel getroffen mürbe, als er aus einem Fenster seiner Wohnung im Hause Kösliner Straße 19 auf bie Vor­gänge auf bie Straße hinabsah, zweitens ein Mann, ber in ber Prinz-Eugen-Stratze burch einen Kopfschutz schwer verletzt würbe unb bann im Virchowkrankenhaus verstarb, unb brütens ein 24 Zähre alter Arbeiter Quctnei, ber Bei einem Tumult am Alexanberplatz burch einen Polizeilastkraftwagen überfahren unh auf ber Stelle getötet würbe.

Nächtliche Straßenfchlachl in BerlinR

Sfe Wirei aus den Wicken und von »en Süchern beschossen — Kamps um eine Barrikade

Zm Laufe bes Abenbs ist es im Narben Berlins, in bem ausgesprochenen Znbu- strieviertel bes Webbing, zu schweren Stratzenkämpfen gekommen. Die Kommunisten errichteten abenbs zwischen 5 unb 6 Uhr an ber Pankstratze, Ecke Kös­liner- unb Webbingstratze, eine große Barrikade.

Zn ber Pankstratze werben augenblicklich bie Kanalisierungsarbeiten vorgenommen. In ber Kösliner Stratze befinben sich ba- her eine Anzahl von Baububen, Eeräte- wagen, Eisenröhren unb sonstiges Bau­material. Die Kommunisten stürzten bie Wagen ber Bauunternehmer um, ritzen bie Baububen ein unb errichteten baraus eine hohe Barrikabe.

Als die Polizei anrückte, erhielt sie von der Barrikade «nd von de« Dächern in der Kösliner «nd der Webdingstraße heftiges Fe«er.

Im ganzen sind etwa 1000 bis 1500 Schütze auf bie Polizei abgegeben worben. Die Kommunisten waren anscheinenb mit Pistolen unb kleinkalibrigen Waffen, aus­gerüstet. Allerbings mußten auch einige Karabinerschütze sestgestellt werben. Durch bas Feuer würbe eine Anzahl von Poli- zeibcamten verletzt. Die Polizei forderte sofort Verstärkungen vom Polizeipräsidium an. Polizeioberst Heymannsberg rückte

mit mehreren Hundertschaften «nd Panzerwagen sowie Scheinwerfer- wage«

in die Parkstraße ein. Hier erhielt er in der Gegend zwischen Kösliner und Wed- dingstratze starkes Feuer. Er gab nun strikte Anordnung, daß kein Fenster ge­öffnet werden dürfe. Die Häuser wurden mit Scheinwerfern abgeleuchtet, doch ge­lang es nicht, irgendwo Schützen festzultel- len, da die Schütze anscheinend in der HauLNache

ans Dachbodenfenster»

abgegeben wurden, und bie Schützen sich beim Einbringen ber Polizei in bas bc» treffenbe Haus über bie Dächer in Sicher­heit brachten. Dieser Feuerkampf bauerte bis gegen 9 Uhr abenbs. Dann flaute bas Feuer in ber Pankstratze etwas ab unb bie Polizei konnte gegen bie Kösliner Straße hin vorrücken.

Die Barrikaden wurden genommen unb bie Polizei ging gegen bie Häuser vor, aus benen geschossen würbe, wobei einige Karabinersalven abgegeben würben.

Bei biesem Feuergefecht sinb anscheinenb eine ganze Anzahl von Personen verletzt worben. Bisher schätzt man bie Zahl ber Verletzten auf 15 bis 20, bie in bie Kran­kenhäuser gebracht wurden. Doch dürfte sich diele Zahl noch wesentlich erhöhen, da viele Verletzte aus Furcht vor Strafe sich nicht melden. Gegen 10 Uhr abends war die Weddingstraße ruhig. Die Polizei nahm jedoch immer wieder Verhaftungen vor, von Personen, die die Sperre zu durch­dringen versuchten unb bei benen bann bei ber Visitation Waffen in ben Taschen gefunben würben.

Bisher wurden etwa 20 Personen mit Waffen in den Tasche» sistiert.

Aus bem Hause Kösliner Straße Nr. 1 kam u. a. ein kommunistischer Führer her­aus, ber in ber einen Hanb eine weiße Fahne unb in ber anberen Hanb einen schußbereiten Revolver trug. Er würbe sofort verhaftet unb in bas Polizei- präsibium eingeliefert.

Bei ben fdimeren Kämpfen in ben Stra­ßen bes Nordens wurde ber Polizei- OberleutnantvonBranitzburch mehrere Schüsse schwer verletzt. Außer ihm würben mehrere andere Polizeibeamte durch Schütze ber Demonstranten verwunbet.

Nach ben Mitteilungen bes Netiungs» amtes ber Stadt Berlin von 10.30 Uhr abends sinb insgesamt 70 De­monstranten verletzt worben, von

benen ein Teil in bie Krankenhäuser ge­bracht wurde, ber andere nach ben Woh­nungen entlassen werben konnte.

Außerdem istdieZahlderTote« auf sieben gestiegen.

Von ben sieben Toten befinben sich brei im Schauhause, zwei im Virchowkrankenhause unb einer im jübischen Krankenhause. Der siebente, ein Kaufmann, würbe abenbs 11 Uhr im Webbinggebiet burch Kopf­schutz getötet.

Gegen 2 Hhr nachts waren im Polizei­präsidium Alexanderplatz und Magazin» sttaße etwa 900 sistierte Personen ein­getroffen.

Die Zahl der Toten beträgt 8, die der verletzten Kommunisten etwa 80, abgesehen von den vielen Verletzten, bie durch ihre Kameraden weggefchafft wurden.

Bei der Erstürmung der von den Äom» muniften an der Ecke Pank- und Köslin» sttaße errichteten Barrikaden nahm die Polizei gestern abend 40 der Aufrührer fest. Mehrere der Verletzten hatten teils schwere, teils leichtere Verletzungen davon» getragen. Auch

vier Tote wurde« auf dem

Kampffelde aufgefuude« und durch Krankenwegen des AettungS* dienstes aottanSportiert.

Tie treue Polizeiwaffe: Evritzenautos.

Berlin, 1. Mai. Die Polizei hat den Kommunisten eine große Ueberraschung be­reitet. Gestern abend wurden der Polizei be­sonders konstruierte schnelle Autos geliefert mit einer Einrichtung, die es ermöglicht, binnen wenigen Sekunden einen Anschluß an b‘< Sttatzenhydranten berzustellen und bie Demonstranten unter Wasser zu setzen. Es wurden 83 Spritzkommandos gebildet zu ie vier Mann, die in schärister Alarmbereitschaft gehalten wurden und dauernd durch die Stra­ßen patrouillierten. Auf den Hauotverkehrs-

vlätzen waren seit vergangener Nacht dauernd grobe Spritzen an die Hydranten angeschlotzen^