Montag, den N. April MS
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Anzeiger für (bas frühere kur-hessische) OLerhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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WcktrlttsMWen Parker Gilberts
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Zwischen dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der am Sonntag vormittag in Berlin angekommen ist, und der Regierung haben bisher, laut „Montag", noch keine Verhandlungen stattgesundcn. Auch in der Reichsbank waren noch keine Besprechungen angesetzt, sodatz sich die frühere Abreste des Reichsbankpräsidenten aus Paris wohl aus rein persönlichen Gründen erklärt. Dr. Schacht wird frühe st ens am Mittwoch abend Berlin wieder verlassen, da es noch am Mittwoch an den Verhandlungen des Eeneralrats der Reichsbank teilnimmt. Von den Beratungen der Reichsbank sind offizielle Erklärungen über die Festigkeit der deutschen Währung und gegen die von Frankreich betriebenen Machenschaften gegen die deutsche Mark zu erwarten.
Die Londoner Blätter heben in Berliner Telegrammen die volliommene Grundlosigkeit der Besorgnisse wegen der Stetigkeit der Reichsmark hervor. Reuter meldet aus Berlin, daß in dortigen Bankkreisen an einen konzentrischen Angriff auf die Stabilität der deutschen Währung aus einer auswärtigen Hauptstadt, wahrscheinlich Paris, geglaubt wird.
Sn Kreisen, die in enger Fühlung mit dem Büro des Generalagenten für Reparationen stehen, werde kategorisch erklärt, datz eine neue Snflation in Deutschland oder selbst eine ernste Gefährdung der deut- chen Währung vollkommen unmöglich ei. Die deutsche Währung sei durch Gesetz o festgelegt, datz ein solches Ereignis nicht eintreten könnte. „S u n d a y Times" berichten aus Berlin: Die Erregung im Ausland über die Lage der deutschen Mark hat keinerlei beunruhigende Wirkung in Deutschland Hervorrusen können und die Reichsbank sowie die führenden Berliner Banken behalten eine stoische Ruhe. Der vorgestrige Angriff auf die deutsche Währung wurde rasch als politisches Manöver erkannt. Man fühlte, daß ein Veriuch unternommen wurde, Deutschlands Haltung gegenüber der Reparationsfrage zu erschüttern, und auch, daß der Versuch innerhalb sehr weniger Tage fehlschlagen muh. Die deutschen Banken und Finanzleute haben volles Vertrauen in den Willen und die Fähigkeit der Reichsbank und ihres Präsidenten Dr. Schacht, die Stabilität der Mark aufrecht zu erhalten.
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Die dem Reichsautzenminister nahestehende offiziöse „Autzenpolitische Korrespondenz" empfiehlt die sofortige Einsetzung einer diplomatischen Konferenz. Sie schreibt: Wenn die Erperten-Kommission tot ist, dann mutz ■ sofort eine neue Konferenz aufleben, eine diplomatische Konferenz. Wie die Dinge heute liegen, übertreibt man nicht, wenn man erklärt: Durch das Verhalten der französischen Presse am Donnerstag ist mehr zerschlagen worden, als in fünf Jahren aufrichtiger Versuche der Entspannung aufgebaut werden konnte. Wenn die Staatsmänner jetzt die Zügel am Boden schleifen lassen und sie nicht ergreifen und damit das Schlimmste nicht verhindert wird, werden sie eine schwere Verantwortung vor der Geschichte tragen. Aus diesem Grunde müssen die Diplomaten und Politiker nachholen, was die Sachverständigen, wie die Dinge liegen, anscheinend nicht vollbringen können.
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Die meisten amerikanischen Blätter beschäffi- yen sich mit Amerikas Nachgeben in der Re- lervistensrage. Der Pariser Berichterstatter der „N e w y o r k Times" bezeichnet Deutschland als isoliert und erklärt, Frankreich stehe nunmehr der Weg zur Schaffung starker Reserven offen. „Chicago-Tribüne" meldet dagegen, daß Eibsons Erklärungen lediglich bedeuteten, Amerika wolle stillschweigend beiseite stehen und abwarten, ob nun irrankreich wirklich Einschränkungsabsichtcn be- iüglich seines Landheeres offenbare. Der Leitartikel der „Baltimore Sun" hält diese Version für richtig und glaubt, daß Frankreich Nun mit der Reduzierung ernst machen werde. „Washington Post" protestiert als bisher einziges Dlott gegen Amerikas Um- mll, der die ganze Abrüstungskonferenz zur Komödie mache. Eibfon habe zuerst in Werfenden und logischen Worten dargelegt, daß die Rcservistcn mitgezählt werden mußten, da fie ein richtiges Anzriffs-Kriegsmittel seien, »arin habe er plötzlich diesen Standpunkt auf- Segeben, nur um ein Abkommen auf dem Papier zu erzielen.
Dem „Sntransigeant" zufolge erklärt man in Kreisen der Cachverständigey- konferenz, datz der Reparationsagent Par- ter Gilbert diesen Posten auf seinen persönlichen Wunsch verlassen werde. Man fügt hinzu, die Vereinigten Staaten wünschten nicht, einen Amerikaner als Nachfolger Parker Gilberts zu sehen. Die Nachricht, datz der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, die Nachfolge des Reparationsagenten antreten werde, wird von dem Blatt als unwahrscheinlich bezeichnet und erklärt, dergleichen sei für den Augenblick nicht vorgesehen.
Auch in den Kreisen, die den amerikanischen Sachverständigen nahestehen, bezeichnet man das Gerücht, der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, sei als etwaiger Nachfolger Parker Gilberts vorgesehen als sinnlos. Was die Absicht Parker Gilberts anlangt, von dem Amte des Reparationsagenten zurückzutreten, so stellt „Chicago Tribüne hierzu fest, es sei kein Geheimnis, datz Parker Gilbert beabsichtige, seinen Posten vor Ende dieses Sah- rcs aufzugeben, um in die Bankwelt der Vereinigten Staaten zurückzukehren. Das Blatt verzeichnet das Gerücht, Gilbert sei die Teilhaberschaft in der Morganbank angeboten worden.
Zur Frage der Herabsetzung der Effektivbestände begründete Sonnabend Graf V e r n st o r f f im Vorbereitungsausschutz für die Abrüstungskonferenz den bekannten deutschen Standpunkt über die Notwendigkeit der Einbeziehung der ausgebildeten Reserven und führte insbesondere die Gründe an. aus denen
Deutschland auf die Anrechnung der ausgebildeten Reserven nicht verzichten kann. Bezugnehmend auf die Erklärung des amerikanischen Hauptdelegierten G i b- s o n gab Gras Vernstorff zum Schlutz seiner Ausführungen der Meinung Ausdruck, datz es seines Erachtens sehr zur Klärung der Lage und zu einer Beschleunigung der Arbeiten des Ausschusses beitragen würde, „wenn die Delegierten, die sich zu Konzessionen bereit erklärt haben, möglichst bald sich darüber äußern würden. auf welchem Gebiet sie etwa Konzessionen zu gewähren geneigt sind. Auch ich bin der Ansicht, datz eine Äbrüstungs- konvention nur bei gegenseitigem Entgegenkommen in denjenigen Punkten, in denen Meinungsverschiedenheiten be, stehen, zustande kommen kann. Ehe ich auf das Entgegenkommen eingehe, das Deutschland selbst beweist, lasten Sie mich einen Punkt klar Herausstellen. Eine Ab- rüstungskonvention und zwar auch eine solche, die den ersten Schritt darstellt, kann zuerst nur in Betracht gezogen werden, wenn sie eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen bringt.
Ich hoffe, datz ich mich mit diesem Wunsch auch in llebereinstimmung mit dem verehrten Vertreter der Vereinigten Staaten^ befinde. Denn es wäre wohl kaum möglich, t ine fühlbare Herabsetzung bei den Seerüstungen durchzuführen, bei den Rüstungen zu Lande aber alles beim Alten zu lasien.
Die optimistische Auffassung in Paris hält an und findet neue Nahrung in der Berliner Reise des Reichsbankpräsidenten. Man knüpft an sie die Hoffnung, datz Dr. Schacht vielleicht mit neuen Vorschlägen zurückkommen werde, die eine Einigung noch in letzter Stunde ermöglichen. Teilweise wird die schnelle Abreise Dr. Schachts auf die Besprechungen zu rückgeführt, die er am Freitag und Sonnabend mit Owen Poung und anderen Persönlichkeiten des Sachverständigenausschusses hatte.
„Chicago Tribüne" behauptet, datz Dr. Schacht in Berlin die Reichsregierung dafür gewinnen wolle, sein neues Angebot, das gut unterrichteten Kreisen zufolge tatsächlich gemacht worden sein soll, zu billigen. Dieses neue deutsche Angebot sei, so glaubt man, für die Alliierten annehmbar, zum wenigsten für die ersten 15 Annuitäten. Das Schema sehe eine Klausel vor, auf Grund derer die Zahlungen später herabgesetzt würden, ober, wenn die Weltwirtschaftslage es erfordere, aufgeschoben werden könnten. Grundlage des ganzen Projektes fei: Offenlastung der Lösung nach 1945, weil man glaubt, datz die Vereinigten Staaten ganz gut in eine Revision der Kriegsschulden einwilligen könnten. (Es handelt sich offenbar um einen von dem gleichen Blatt bereits genannten Annuitätenbetrag von 1750 Millionen Eoldmark.)
Zn diesem Punkte, nämlich in der Frage der fühlbare« Herabsetzung der Rüstungen, kann Deutschland keine Zugeständnisse machen, da es selbst bereits vollkommen abgerüstet ist.
Für uns kommt es in dieser Beziehung nur darauf an, ob die anderen an den Landrüstungen interessierten Staaten bereit sind, in Ausführung der Verträge und des Völkerbundspaktes eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen ins Äuge zu fasten. Deutsche Konzessionen können bei der gegebenen Sachlage nur erwartet werden hinsichtlich der M e t h o d e für die Durchführung einer fühlbaren Abrüstung der nicht abgerüsteten Staaten.
Eine solche Konzestion habe ich im Geiste des Entgegenkommens hinsichtlich der jetzt im Vordergrund der Debatte stehenden Frage der ausgebildeten Reserven ins Äuge gefaßt. In meinen Bemerkungen habe ich bereits dargelegt, datz die deutsche Regierung bereit ist, einen Weg zu suchen, auf diesem Gebiete eine Einigung zu finden.
In den seitherigen Beratungen des Ausschustes stand auf der einen Seite eine Gruppe von Staaten, zu der Deutschland gehörte, die der Ansicht waren, daß die ausgebildeten Reserven in den Rahmen der Abrüstungskonvention einbezogen werden müßten. Eine andere Staaten« gruppe vertrat die These, datz die Konvention die ausgebildeten Reserven nicht umfasten solle. Die Anregung, die sich in meinen Bemerkungen gemacht habe, lief darauf hinaus,
eines Mittelweg z« suche«. „
Es ist nach meiner Ansicht durchaus möglich, durch Aufstellung eines Wertmessers ein» Methode auszuarbeiten, bei des
(Fortsetzung flehe Seite 2.)
Erweiterung ter SMvolilik?
Zn den letzten Tagen ist in der Presse mehrfach angedeutet worden, als Hobe sich die Notwendigkeit ergeben, die von den Finanzfachverständigen in Angriff genommene Sparaktion zur "Balancierung deck ReichShrushaliS weiter durchzuführen. Wie aus einer Veröffentlichung des Hansa- Bundes hervorgeht, steht im Vordergrund solcher Erwägungen der Plan, das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs dvtz Rentenbankscheinen zu ändern. Insgesamt waren ab 1. April 1929 noch 640 Mill, zur Rentenmarktilgung aufzubringen, von denen die eine Hälfte auf den ReichShaus- halt, die andere Hälfte auf den Zinsdienst der Landwirtschaft für die Rentenbank- grundschuld entfällt. Die Tilgung soll nach dem Gesetz vom August 1924 bis zum 30. September 1935 durchgeführt fein, würde aber bereits Mitte 1933 bei Beibehaltung des jetzigen Tempos der TilgungSauswen- bungen beendet fein. In einem in allen Einzelheiten paragraphierten Gesetzentwurf war daher in der Hansa-Dund-Denkschrift empfohlen, die Tilgungen durch den Reichshaushalt wie folgt zu staffeln: 1929 : 20 Millionen, 1930: 40 Millionen, 1931: 50 Millionen, ab 1932 bis zum Ende der Tilgungsfrist (30. September 1935) je 60 Millionen, während in den letzten Jahren und auch im Haushaltsplan für 1929 die Tilgung jeweils allein beim Reichshaushalt 62 bis 65 RM. in Anspruch nimmt. Ein AuSeinanderziehen der TllgungSfrist auf den im Gesetz vorgesehenen Gesamttilgungszeitraum würoe auch die Möglichkeit eröffnen, den Zins der Landwirtschaft vorübergehend zu entspannen; der Zinssatz beträgt jetzt 5 Prozent und könnte für 1929 auf 2 Prozent, 1930 auf 2,5 Prozent, 1931 auf 3 Prozent und 1932 auf 4 Prvz. erhöht werden, um erst mit 1935 wieder die Höhe von 5 Prozent zu erreichen.) Mit Wirkung für den Etat 1929 liehen sich hier also neue Entspannungen zugunsten des Reichshaushalts in Höhe von mindestens 45 Millionen schaffen.
Weiter wird, wie in der genannten Veröffentlichung behauptet wird, der Plan erwogen, zum mindesten die durch Mittel deS außerordentlichen HauHalts in Vergangenen Jahren erworbenen 231 Millionen Vorzugsaktien durch Aebernahme einer ZinSgarantie des Reiches lombardfähig zu machen, um sie dann zum mindesten zu einem Teil den Sozialverficherungsttägern für die Anlage neuer Vermögensreferven Sur 9 ügung zu stellen. Man wird bei fämtl a Versicherungsanstalten für das Jahr 1929 etwa mit einem Vermögenszuwachs von rund 800 bis 1000 Millionen zu rechnen haben. Da für die Versicherungsträger die Verpflichtung besteht, 25 Prozent ihres Vermögens in festverzinslichen öffentlichen Wetten anzulegen, sollte die Möglichkeit gegeben sein, im Lause deS Zahres 1929 den hier erwähnten Teil des Reichsbahn-Dorzugsattienbesitzes des Reiches bei ihnen unterzubringen, was prakt- tisch bedeuten würde, daß oer Kassenlase des Reiches eine überaus fühlbare Entspannung zuteil werden könnte.
Wenn neben den hier erwähnten Plänen gleichzeitig auch Meldungen aus dem Parlament besagen, daß die Gefahr bestände, daß man im gewissen Umfange doch noch lvieder auf den Ausweg der Steuererhöhungen zurückzugreifen beabsichtige, so dürfte eS sich hier um nicht ernst zu nehmende Pläne und Vermutungen handel«. Denn darüber wird sich der Reichstag in den vergangenen Wochen wohl klar geworden sein: Er findet nur dann bei Oer überwiegenden Mehrheit des deutschen Volles die ausreichende Stütze für seine gesetzgeberische Arbeit und daher nur dann ksie Möglichkeit zur Zusammenführung festerer Mehrheitsgruppierungen, wenn er Die mit den Sparvereinbarungen der gegentoärti« gen Mehrheitspatteien verbundenen Verzichte auf jegliche Steuererhöhungspläne aufrecht erhält und sein ganzes Strebe«
Deutsches ZugestSn-nis io Gerrs
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