Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend,

den 27. Avril ISN

Dl» ^Vbrrhessisch« Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Ee zugSPreiS monatlich 2.10 SM.au«. schließl. Zustellungsgebübr, durch vi«Post2.35 CM.§Lr etwa infolge Streik«, Maschinenrosekle oder elementarer Ereignisse auSiaLend« Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Kitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei d. Zoh. Bug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5C15. Sprechzeit »et Redaktion don 1011 und

*jtl1 Uhr.

Rarbmser

Lastsamkiger

Stimme LandrsZettung

öberheUsche Jettung

Nr. 98 64.80M Marburg «.Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt fM den 10 gestalt. Zeilenmillimelers 0.08 GM., kleine Baranzeigrq 0.06 GM amtliche und au<( wärtige Anzeigen 0.10 SM. Des schwierigem Satz sowie bei Platz« Vorschrift 50°l. Aufschlag. H Sammelanzeigen 100 °1» Aust schlag. Reklamen der Mistig 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt «U Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet.ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle «ntz Zusendung der Angebote. Ess« füllungsort Marburg.

1 Goldmark '/«,°D»llaÄ

DBE^ViTSÄB

*1

Anzeiger für (bas frühere kurhessifche) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen snr Stadt «nd Kreis Marburg.

ragessviegel

Die Dörsenlage nach der Diskont» irhöhung hat den Beweis dafür er» »rächt, daß Wirtschaft und Börse mit dem Ausmaß dieser Erhöhung durchaus gerech­tet haben, ja. man ist in einigen Kreisen sogar der Auffassung gewesen, daß eine nxh höhere Hinaufsetzung des Diskonts «folgen mühte. In diesen Kreisen nimmt han auch an, daß es bei dem jetzigen AuS- liaß gar nicht bleibe, sondern daß in ab­sehbarer Zeit doch noch einmal eine Hin- tufsetzung erfolgen müsse. Der Umstand schließlich, daß eSnur" zu einer einpro- »entigen und nicht zu einer anderthalb- brozentigen Erhöhung des Diskonts im [eisigen Augenblick kam, hat denn auch dahin geführt, daß an der Börse statt des erwarteten weiteren Kursabschlags teil­weise sogar beträchtliche Kurserhöhungen berauskamen. Das zeigt, daß man schon bei den bisherigen Kursherabfetzungen die Wirkungen der Diskonterhöhung bereits reichlich eskomptiert, also vorweg genom­men hatte. ES zeigt aber auch weiter, daß man sich mit der gesamten Sachlage be- reiis abgefunden hat.

' Die französischen Blätter bringen aus­führliche Berichte über die Borgänge an der Berliner Börse, verhalten sich aber den Arbeiten der Sachverständigen- konferenz gegenüber im allgemeinen schweigsam. DemRewBorkHerald" zufolge soll in den letzten 24 Stunden in Len Kreisen der Sachverständigen eine größere Zuversicht Platz gegriffen haben. Man rechnet etwas mehr mit der Möglichkeit, zu einem Abkommen über die Höhe und Zahl der Zahreszahlungen zu gelangen. Diese geringe Zunahme des »Optimismus sei übrigens nicht aus neue Borschläge, sondern auf eine persönlichere Haltung der Sach­verständigen zurückzuführen. Der halb­amtlicheExcelfior" schreibt, es stehe noch nicht fest, ob der DedaktionSauSschuß einen einheitlichen Bericht über ge­wisse Punkte ausarbeiten werde, bei denen die deutsche Abordnung Vorbehalte machen könnte, oder ob man zwei Pa­rallelberichte unfertigen müsse. Das Blatt erklärt dann weiter, die französische Presse wünscht nichts mehr, als ihre An­sicht über den Charakter und die Methode Dr. Schachts ändern zu können. Wenn mm trotz der Langsamkeit und der Miß­verständnisse zu einem vernünftigen Ergeb­nis käme, so könnten die deutschen Anter- Händler sicher sein, daß ihre Bemühungen nach Gebühr anerkannt würden. Zm M a t i n beschäftigt sich Sauerwein mit den verschiedenen Möglichkeiten, mit denen die Arbeiten der Sachverständigen ausgehen könnten, und erklärt dabei u. a., Lie Tatsache, daß die Sachverstän­digen nicht zu einer Einigung gelangen konnten, beweise noch nicht, daß die Re­gierungen eine solche erreichen konnten.

Das amerikanische Zugeständnis an den französischen Standpunkt in der Land- vbrüstungSfrage wird auf englischer Seite ohne Kommentar verzeichnet. Da die englische Politik in voller Ueberein« ftimmung mit der von Gibsvn angekün­digten amerikanischen Haltung statt, ist jedoch nicht daran zu zweifeln, daß die Erklärung GibsonS begrüßt wird. Offen­bar will man auf englischer Seite ab - barten, was die deutschen Dertteter in der Abrüfttiugskommission nach Rücksprache mit der Berliner Regierung auf den ameri­kanischen Vorschlag antworten. Hefter die weitere Entwicklung der Flotten-Aft- rüstungsverhandlungen berichten dieSi­ir. e S, die amerikanischen Sachverständi­gen hatten bereits einen Plan für die Be­wertung der einzelnen Faktoren der See- Ct.tftung ausgearbeitet. Auf amerifani- Vxx- Seite herrsche aber das Gefühl, daß hlen nicht veröffentlicht wer­den sollten, bis jedes Land unabhängig don den Berechnungen der Gegenseite selbst eine genaue Kalkulation der Kampf­kraft feiner Flotte ausgearbeitet hätte.

Der

Wieder vertagt

Parker Gilberts Schuld nm Scheitern der Pariser Konferenz

Die für gestern nachmittag angesetzte B, ll- fitzung des Siebener-Ausschusses der Revara- tionskonferenz, die sich mit der Abfassung de« Berichts zu beschäftigen bat, fand nicht statt.

Urber d>e Arbeiten der Sachverständigen be­richtet die Morgenvresie, daß die Sitzung des Redaktionsausschusses auch heute nicht, sondern wahrscheinlich am Montag vormittag 11 Uhr stattsinden wird.

lieber die Gründe der Vertagung der Vollsitzung des Redakttons-Unterausschusses der Revarationskonferenz berichtet tzaoas: Da der erste englische Delegierte Sir Josiah S t h a m v. der den Vorsitz im Redaktionsaus­schutz führt, erst vorgestern aus London zurück-, gekehrt war, hielt man es für erforderlich, die vorbereitenden Arbeiten für die Abfassung b*5 Berichtes noch gestern und heute fortzusetzen. Parker Gilberts seltsame Rolle in Paris.

Der Pariser Berichterstatter des ,,B. T." beschäftigt sich mit der merkwürdigen Rolle, die Parker Gilbert während der Sachverständigenoerhandlungen hinter den Kulissen gespielt hat. Gilbert habe ganz offenbar eine Politik der persönlichen Selbstverteidigung getrieben, denn .sein Ansehen in den Kreisen, die in ihm das große internationale Finanzgenie bewun­

derten, stehe aus dem Spiele. Jeder wisse, daß er die treibende Kraft gewesen fei, die die Reparationskonferenz zusammen» gebracht habe, obwohl zu Anfang des Jahres die Meinung herrschte, daß die Zeit noch nicht reif fei.

Aber sein Optimismus sei größer ge­wesen als seine Kenntnis europäischer Länder.

Die Konzessionen, die er für möglich gehalten habe, habe er offensichtlich als feststehende dargestellt. So sei in allen Ländern, die er besucht habe, der Ein­druck entstanden, daß Deutschland seine Leistungsfähigkeit geringer einschätzen würde als es tatsächlich der Fall war. Dieser mehr von Temperament als von Wissen gestützte Optimismus Parker Gil­berts fei der Konferenz zum Verhängnis geworden. Zunächst habe sich herausge- stellt, daß er die gegenseitige Konzessions­bereitschaft der Eläubigerländer stark ''berschätzi habe, woraus der peinliche Quotenkampf unter den Alliierten ent­standen sei. Dann aber habe sich gezeigt, daß man auch hinsichtlich Deutschlands "ift nrtemöglid)heit nur auf dem Wege über die privaten Ansichten oes General­agenten, nicht aber über die wirklichen erhältnisse unterrichtet worden sei.

Amerika stützt Frankreich

KM NerMiMisung tsr Mrrven bei der Abrüstung

In der vorbereitenden Aftriistungskom- mission gab am Freitag vormittag der amerikanische Botschafter Eibson im Namen feiner Negierung eine Erklärung ab. in der der

Standpunkt drr Vereinigten Staaten in der entscheidenden Frage der Her­absetzung der Zahl der ausgebildeten

Reservisten

zum Ausdruck gebracht wird. Eibson er­klärte. der amerikanische Standpunkt habe bisher in schroffem Gegensatz zum franzö­sischen Standpunkt gestanden. Eibson hielt es auch weiterhin für seine Aufgabe, zu erklären, daß eine Macht mit großen Re­serven jederzeit zum Angriff übergehen könne und somit andere Machtmittel in der Hand habe, als die Mächte ohne aus­gebildete Reserven. Eine Herabsetzung der ausgebildeten Reserven fei jedenfalls nach amerikanischer Auffassung notwendig. Im Namen seiner Regierung erkläre er aber.

daß die amerikanische Abordnung be­reit sei, sich den Auffassungen der Mehrheit der an der Landabrüstung interessierten Mächte anzuschliehen

und alle Zugeständnisse zu machen, um eine Einigung in dieser Frage herbeizu­führen. Nur aus der Grundlage weit­gehender Zugeständnisse.von feiten sämt­licher beteiligten Mächte könnte man end­lich einen Ausweg aus dieser schwierigen Lage finden.

Unmittelbar im Anschluß an die Aus­führungen Eibsons erklärte Graf Bern- ft o r f f, er sei in so hohem Maße von den Erklärungen Eibsons beeindruckt r.nd be­halte sich vor, auf der nächsten Sitzung da­zu Stellung zu nehmen. Auch

der französische Vertreter Massigli

betonte, daß die Stellungnahme der ameri­kanischen Regierung von geschichtlicher und weittragender Bedeutung sei. Er habe mit tiefer Bewegung von den Erklärungen des amerikanischen Botschafters Eibson Kenntnis genommen. Die franzöfi - j sche Regierung habe bisher die

Ansicht vertreten, daß sie auf dem

Eebiet der ausgebildeten Reser­ven keinerlei Zugeständnisse machen könne. Die französische Regierung sei hierbei von dem Gefühl beseelt, daß ihrer Haltung keinerlei aggressive Absichten zugrunde lägen. Die Erklärungen des Botschafters Eibson hätten die Lage völlig verändert. Er sei bereit, im Namen feiner* Negierung die Karten offen auf den Tisch zu legen und soweit als nur mög - l i ch Zugeständnisse zu machen.

Der Vertreter Japans erklärte eben­falls, daß auch Japan bereit sei, alle Zu- geständnisie zu machen, um auf dem Ge­biete der ausgebildeten Reserven zu einer Einigung zu gelangen. Jedoch müße er erst von der Notwendigkeit über­zeugt sein. Japan habe erst seit 60 Jahren eine ständige Wehrpflicht und habe daher noch nicht genügend Erfahrun­gen gemacht.

In den Kreisen der deutschen Abordnung hat die Erklärung Eibsons tn der Fret- tagssitzung der Abrüstungskommftsion einen außerordentlich nieder- drückenden Eindruck hervorge­rufen. Rach der ersten hoffnungsvollen Rede über die Seeabrüftung hat Eibson, wie betont wird, nunmehr klar erkennen lassen, daß sich die Vereinigten Staaten in der für Deutschland entscheidenden Frage der Land­abrüstung tatsächlich als un­interessiert ansähen. Die Folge hiervon kann nur sein, daß

Frankreich und den von Frankreich abhängigen Staaten völlig freie Hand in der Behandlung der Landabrüstungs- srage in einer Richtung gelassen wird, die zweifellos in schroffen Widerspruch r» den deutschen Auffassungen steht.

Der Appell Eibsons an die Konzessions­bereitschaft der Mächte verliert unter die­sen Umständen rtarf an Bedeutung und dürfte kaum einen nachhaltigen Widerhall finden. Es kann unter keinen Umständen erwartet werden, daß Frankreich in der entscheidenden Frage der Beschränkung der

(Fortsetzung f.efte Sette 2?

haben unsere llniversMen versagt?

Von Staatsminister a. 'S. Dr. Dvelitz, M. b. 2. !

Zn den eben abgeschlossenen DerhanD- langen des Preußischen Landtags über den Kultusetat haben sozialistische Abgeordnete einen ungewöhnlich scharfen Vorstoß gegen unsere Universitäten unternommen, der entschiedenste Zurückweisung verdient. Set Abgeordnete König, der kulturpolittsche Führer der Sozialdemokratie im Preußi­schen Landtag, und der Abgeordnete Dr. R ö l t i n g, Professor an der Frankfurter Akademie der Arbeit, haften übereinstim­mend erklärt, daß die deutschen Universi­täten in den letzten 15 Zähren völlig ver­sagt hätten. Sie hätten vor allem jede Führung der Ration und jegliche geistige Erziehung der Heranwachsenden Genera­tion vermissen lassen und hätten dünkel­haft und aftgesperrt der neuen Zeit ge­genüber gestanden, weil sie'starr und ent* wicklungslos liegengeblieben seien und west eine Professorenschaft da sei, die heiser anftelferte gegen die neue Entwicklung.

Aus diesen Ausführungen der beiden sozialistischen Redner spricht ein solcher Haß gegen diebürgerlichen" Universi­täten, daß das Bürgertum bei einem sol­chen Vorstoß nicht mit tauben Ohren da- sitzen sollte. Wir wissen, daß die heuti­gen Universitäten alles andere eher find» als das Zdeal der Sozialoemokratie. Zhy Zdeal ist ganz allein die Arbeiter-Hoch-, schule, zu der der Weg nicht durch die heute bestehenden höheren Schulen führt, sondern durch die soziale QlrbeitS* und Produktionsschule und durch ausge- sprochene Berufsschulen. Diese Arbeiter- Hochschulen sollen allein den Zweck haben, der organisierten Arbeiterschaft ein gen schultes Material für die Zwecke der son zialistischen Selbstverwaltung zuzuführenr mit anderen Motten: die Sozialdemokratie erstrebt eine völlige Umgestaltung des Unkn versitätswesens, die heute weit über das- hinausgehen soll, was einst der sozialistisch^ Kultusminister Konrad Haenisch erftrebte. Aber die Auseinandersetzung hierüber ist. eine politische Frage, die aufs engste mit- den Forderungen des Marxismus und sei­nem Idealbild von der zukünftigen Ge­staltung der wirtschaftlichen Verhältnisse zusammenhängt, mit dem Kampf gegen die jetzigekapitalistische Profitwirtschaft* und mit der völligen Umgestaltung der heutigen gesellschaftlichen Ordnung. Hier­über wird später einmal zu sprechen fein. Heute handelt es sich nur um die Frage, ob wirklich der unerhörte Vorwurf der Sozialdemokratie, daß unsere Universitäten in der geistigen Führung der Ration völlig versagt hätten, zu Recht besteht.

Mas heißt geistige Erziehung der Ra­tion?

Wer darunter etwa verstehen wollte, daß die Hochschulen in direkter Fortsetzung der höheren Schulen auch die pädago­gische Förderung der akademischen Zugend schulgemäß übernehmen müßte, die etwa in einer ausgeprägten Zndividualpäd* agogik bestände, kennt das Wesen unserer Universitäten nicht. Ihr Wesen beruht ganz auf der Synthese von Forschung und Lehre, in einer indealen Verbindung von reiner, unbestechlicher, wissenschaftlicher Er­forschung der Wahrheit und der Vermitt­lung der Ergebnisse dieser Forschung an ein heranwachsendes Geschlecht, das sich aus freier Wahl feinem Lehrer ander* traut. Zn dessen großen Aufgaben haben die Universitäten nicht versagt. Zm di­rekten Gegensatz zu den Anschuldigungen der Sozialdemokratie muh mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die deutsche Hochschullehrerschaft ttotz der rie­sigen Schwierigkeiten, die ein verlorener Krieg dem Aniversitätsleben, vor allem auch nach der Seite der Ausstattung von Znstituten, Laboratorien, Bibliotheken ge­bracht hat, nicht nur nicht versagt hat, sondern in hervorragendem Maße den alten Ruf deutscher Gelehrsamkeit bewahrt