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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
Eknzeiger bet amtlichen Bekanntmachungen ffit Stadt und Kreis Mardurg
Nr. 86 ßz.Sahrg.
Marburg a. Lahn
Nardmerr raMmzeim
Sonnabend, den 1Z. April IW
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Em Polizeiikanbal m Lonvon
S amte een Stellan» Ard liefen ndt Rußland in
gefeinter Verbindung - Mästende llnlertmbung
Loudo«, 12. April. Der Leiter de» Poli- Mi, Lord Song, hat mi Heilen lassen, dab er gemeinschattlich mit anderen Offizieren mit der Untersuchung eines neuen Polieeiskan. dal, beschäftigt sei. Diese Erklärung bat allgemein Aufsehen hervorgernken. Soviel verlautet. find gegen einzelne Beamte een Scotland Bard sehr schwere Anschuldigungen erhoben worden, und zwar bandelt es sich dabei am Beamte des Sonderdezernats der polt, lischen Polizei, dem die Ueberwachung auswärtiger Staatsangehöriger, der persönliche Schutz der Mitglieder des Kabinetts und die sorgfältige Beobachtung der Kommunisten nud ähnlicher politischer Körperschaften obliegt.
Wie im Laufe des Abends weiterhin He
in bU Angelegenheit verwickelt fei, der geheime hochwichtige Mittelungen erhalten haben soll.
AchkiS Eiarestmsuch abgelrbal
Verls«, 12. April. Das Reichskabinett hat sich mit der Frag« der Einreise Trotzkis nach Deutschland beschäf. tigt. Rach eingehender Prüfung aller Umstände hat das Kabinett beschlossen, dem Sesuch Trotzkis n i ch t stattzugeben.
Kim Beschluß des Reichskabinetts, Trotzkis Einreifegesuch abzulehnen, muß daran erinnert weroen, daß seinerzeit die russische Regierung inoffiziell angefragt
hatte, wie sich die oeutsche Regierung zu Trotzkis Einreise stellen würde. Man kam damals zu dem Schluß, auf diese Anfrage nicht weiter einzugehen, besonders, um keine Trübung der deutsch-russischen Beziehungen wegen einer Einzelperson ein- treten zu lassen. Sentimentale Gründe kommen bei 6er Ablehnung nicht in Bettacht, sondern nur politische. Das deutsche Volk wird den Beschluß des Reichskaöi- netts begrüßen, denn der Mann, auf dessen Schuldkontv mit in erster Linie jene Millionen unschuldiger Opfer zu buchen sind, die während der Devolution und von der Tscheka hingemordet wurden, verdient gewiß kein Mitleid, nachdem ihn seine ehemaligen Anhänger haben fallen lassen. Mit ihnen mag er sich auseinandersetzen.
tonnt gegeben wurde, handelt cs sich darum, bah wichtige Informationen durch Indiskretion von Beamten von Scotland Bard in bte Oeffentlichkeit gedrungen find. Wie angetonbigt wird, wird es einige Zeit beanspruchen, ehe die in Dang befindliche Untersuchung den Sachverhalt soweit geklärt bat, dab die in ergreifenden Maßnahmen be» tanntgegeben werden können, wobei es sich um ein Verfahren wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses oder um ein Disziplinarverfahren handeln könnte.
Ueber den neuen „Scotland-Skandal", wie tt von „Daily Mail" genannt wird, berichtet bas Blatt: Die Anschuldtgungen beziehen sich «nf die Tätigkeit der Kommunisten, bi« in ständiger Fühlung mit den russischen Bolschewisten stehen. Die Polizeichefs sind angewiesen worden, alle gegen bestimmte Geheimpolizisten erhobenen Behauptungen zu prüfen. Kürzliche Zwischenfälle, di« zur Äennhite der Behörden gebracht wurden, führten zu bei Annahme, daß Geheiminforma- ttonen die Polizisten durch eine ausländische Agentur in England erreicht haben. Seit einiger Zeit wurden Beobachtungen angestellt, um die Quelle dieser Nachrichten zu entdecken. Es wird angenommen, datz die Behörden jetzt den Kanal kennen, durch den die Informationen gegangen sind. Gestern ist ein in kommunistischen Kreisen bekannter Mann von der Geheimpolizei verhört worden. Die Informationen, die zu der Untersuchung geführt haben, kamen zuerst zur Kenntnis des Kriegsamtes. Besondere Beamte wurden in Polizeikraftwagen nach den Wohnungen der Detektivs entsandt, gegen die die Anschuldigungen erhoben worden find. Die Beamten haben nach eingehender Untersuchung
tta« Anzahl von Dokumenten zurück- gebracht.
»D a i ly T h r o n i c l e" berichiet zu der Sensation liebt Beamte von Scotland Bard m internationale Verwicklungen hinein. Es verlautet, daß auswärtige Interessen berührend« Fragen mit der amtlichen Untersuchung zusammenhängen. Aufsehenerregende Enthüllungen über die
angeblich« Verbindung von Scvttand vard-Beamten mit Emissionär«, auswär
tiger Mächte haben vielleicht zu der erschöpfenden llnter- luchung der Beschuldigungen gegen drei Be- ®mte von Scotland Bard geführt, die auswär- iise Agenten mit geheimen Informationen versehen haben sollen.
„D a i l y E h r n i c l e" berichtet zu der bcotland Bard-Angelegenheit. es werde ange- bautet, dab gewisie hochwichtige Mitteilungen
in England befindliche Agenten einer ton« twentalen Macht, wi« verlautet R u b l a n d, «elangt seien. Es beiht, dab auch ein Zivilist 1
Sie überreichen ihre Forderungen
Wersabe eines Memorandums in -er -ruttgen AMtzung
Sanas berichtet über den Inhalt oesMemorandums, das im Laufe der heute vormittag ftattfindenden Vollsitzung der Reparattonskonferenz über- werden wird, daß dieses Schriftstück in Wirklichkeit nicht ein Vorschlag der Delegierten der reparationsberechtigten Lander an die deutsche Delegation sei, sondern
eine schriftliche Mitteilung einer Delegation an die Reparationskonferenz, um sie über die Ergebnisse ihrer Arbeiten und über die Schlußfolgerungen in Kenntnis zu setzen, lieber den Inhalt des ver- hältnismäßig kurzen Schriftstückes sei bekannt, daß es
ziffernmäßige Angaben über den Betrag und die Anzahl der Annuitäten enthalten
werde, die die hauptsächlichen reparations- oerechtigten Länder mit der Zahlungs- iEdigkeit Deutschlands vereinbar erachten. Dem Memorandum sei eine Aufstellung von Normal-Annuitäten beigefügt, deren Annahme geeignet wäre, die Mindestforderung der reparationsberech- tigten Mächte zu befriedigen. Es sei sehr wahrscheinlich, daß die Sachverständigen die Diskussion über das Dokument erst am Montag beginnen würden, damit die deutsche und japanische Delegation in Ruhe das Memorandum prüfen könnten.
„Matin" will über die beigefüqte Annuitätenliste selbst berichten können, daß die darin vorgeschlagenen
Anfangs-Annuitäten 18 00 Millionen Reichsmark betragen und nach und nach auf 2400 Millionen steigen würden, um nach 37 Zahle« für 21 Zahre auf 1700
Millionen zurückzugehen.
„3 o u r n a l" sagt bereits voraus, daß dre angewiesenen Ziffern unter diesen eben genannten Ziffern liegen würden, aber nicht sehr viel darunter, denn die wer Delegationen seien entschlossen, ihre Position zu verteidigen.
„New y o rk H e ra ld" glaubt, daß das Memorandum der Eläubiger-Dele- gationen zwar nicht eine Herabsetzung der amerikanischen R e- p"ikli,onsforderungen vorsehe, daß aber, da die künftigen Annuitäten unter der Normal-Annuität des Dawes- Planes liegen würden, bei Annahme des "^"egenden oder eines ähnlichen Vorschlages die Vereinigten Staaten mög- ttcherweise jährlich eine geringere Summe erhalten würden, als sie nach dem Dawes-Plan erhalten hätten.
Die Stellungnahme der französischen Presse scheint insofern nicht ohne Bedeutung, als fast alle Zeitungen hervorheben, die Forderungen der Alliierten würden kein Ultimatum bedeuten, sondern nur als Verhandlungsunterlage zu dienen haben. Man darf daher annehmen, daß es sich auch jetzt noch nicht um das letzte Wort der Gläubigerstaaten handeln wird. Weiterhin kommt eine Bedeutung der gleichfalls von der französischen Presse betonten Tatsache zu, daß der Amerikaner Owen Poung, bet nicht nur als Vermittler, sondern auch als Verbindungsmann dient, der Einberufung einer Vollsitzung zugestimmt hat.
Owe« Psung kennt die deutsche« Forderungen.
Er hat am Donnerstag abend eine lange und eingehende Aussprache mit Dr. Schacht gehabt, in deren Verlauf er den Reichs- bankpräsidenten über alle Einzelheiten der alliierten Forderungen unterrichtete. Wenn er nun einer gemeinsamen deutsch- alliierten Aussprache zustimmt, so kann dies nicht mehr und nicht weniger bedeuten, als daß er sich von dieser Aussprache etwas verspricht. Diese beiden hier erwähnten Gesichtspunkte könnten daher einen gewissen Optimismus erlaubt erscheinen lassen, wenn ihnen nicht die Zahlen des alliierten Vorschlages gegenüberständen, die weit entfernt sind von dem, was Dr. Schacht zubilligen will und kann.
Bmiftms im LstirkW-Prozeß
Berlin, 12. April. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil Des Erweiterten Schöffengerichts Berlin- Schöneberg im Langkvpp-Prozeß Berufung eingelegt. Bekanntlich hatte das Schöffengericht entgegen dem Anträge des Ersten Staatsanwalts Köhler den Farmer Heinrich Langkopp von der Anllage der räuberischen Erpressung freigesprochen und nur wegen Bedrohung und Nötigung und unerlaubten Waffenbesitzes zu fünf Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist Der- urteilt. Die Freisprechung wegen Vergehens gege n das Spreng- stoffg «seh dürfte bei der Berufungs- derhandlung durch die Staatsanwaltschaft nicht angefochten werden, da von ihr selbst dieser Anklagepunkt fallen gelassen worden war. Auch die Rechtsan. walte Lang kopps sollen das Urteil c Schöffengerichts durch Berufung angefochten haben. Der Langkvpp-Prozeß wird daher eine Neuauflage vor der großen Sttafkammer des Landgerichts 2 erleben.
SnmMtfe NetMnMimM zur ÄtteferotfltWte
Von Arthur Zmarzly.
Die französische Diplomatie hat lange Zeit gebraucht, ebe sie dem Bei spiel anderer Länder folgte und einer umfassenden Zusammen, stellung der Urkunden über bie Vorgeschichte des Krieges und ihrer Veröffentlichung zu- stimmte. In den nächsten Wochen wird der erste Band der Sammlung erscheinen und kurze Zeit darauf auch in deutscher Sprache vorliegen. Die zeitliche Anordnung der Veröffentlichungen ist in drei Abschnitte gegliedert. Der erste umfaßt die Zeit von 1871 bis 1900, der zweite die von 1901 bis 4. November 1911, und der dritte reicht vom 5. November 1911 bis zum Kriegsausbruch. Der Gesamtumfang wird nach französischer Abschätzung 50 bis 60 Bände füllen. Zn jedem Jahre sollen fünf Bände von durchschnittlich ie 500 Seiten erscheinen. Der in der nächsten Zeit berauskommende Band der Gesamtver- östentlichungen bringt die Dokumente aus dem ersten Teil des dritten Abschnittes.
Die französische Urkundenveröffentlichung bat eine sebr interessante Vorgeschichte. Die französische Regierung öffnet traditionsgemäß ihre llrkundenarchive nicht gern. Während Deutschland seine Archive bis 1898 der Forschung offen bält, bleiben dem Historiker die französischen Archivsammlungen von 1871 ab verschlossen. D>e Oeffentlichkeit, im allgemeinen auch das Parlament, erhält von den diplomatischen Dokumenten nur durch die amtlichen Sammlungen Kenntnis, die von Zeit zu Zeit und zu bestimmten Zwecken her» ausgegeben werden. Diese sogenannten Gelb- bücher erscheinen seit 1860; ihre Zahl beträgt bis zur Gegenwart fast 300. Der überwiegend größte Teil der Eelboücher befchäftigt sich mit kolonialen Dingen. Eine Ausnahme davon bilden die 1922 veröffentlichten drei Bände über die Battanangelegenbeiten, die sechs Bände über Marokko, das Eelbbuch über die französisch-italienischen Vereinbarungen von 1900 bis 1902, jenes übet das russisch-französisch« Bündnis und der 1914 berausgebene Band „La Euerte europ^enne". Für die Forschung besitzen alle diese Delbbücher keinen großen Wert. Das Mißtrauen gegen diese Art der Veröffentlichung ,des diplomatischen Schriftwechsels und des Urkundenmaterials konnte nicht besser gerechtfertigt werden als durch die Aufdeckung der Fälschungen in dem letztgenannten französischen Eelbbuch, das sich mit der unmittelbaren Vorgeschichte des Krieses beschäftigte.
Der Entschluß, die Geheimarchive zu öffnen, erfolgte nicht ganz freiwillig, sondern unter dem Zwange, der sich für die französische Regierung daraus ergab, daß in der internationalen Aussprache über die Kriegsschuldfrage eine starke Verschiebung zu Ungunsten Frankreichs eintrat. Das Kabinett Herriot hatte schon Anfang 1925 die Herausgabe der diplomatischen Aktcn beschlossen; allerdings sollte sich die Sammlung auf die Kriegsjahre selbst beschränken. Die Bearbeitung war Beamten des Auswärtigen Amtes übertragen worden, die auch schon sechs Dokumentenbände, das erste Kriegsjahr umfassend, fertig gestellt batten, als Poincare, der im Sommer 1927 wieder die Regierung übernommen hatte, die Veröstentlichung verhinderte. Das Kabinett Poincare beschloß, dem Beispiel der anderen Länder" zu folgen und die diplomatischen Akten über die Vorgeschichte des Krieges herauszu- geben. Poincare hatte erkannt, daß die Zn- rückung in der Frage der Oeffnung der Geheimarchive das Mißtrauen der Weltöffent- lichkeit gegen die friedliche Vorkriegsvolitik Frankreichs stark vermehrte. Die französische Schuldth.se verlor mit jedem Jahre an lieber- zeugung-,kraft, und die Untersuchungen objektiver Forscher mehrten sich, di« PoincarL selbst als einen der Hauvtschuldigegn am Kriege bezeichneten. Wiederholt trat der französische als einen der Hauptschuldigen am Kriege begründeten Beschuldigungen in Vorträgen und Schriften entgegen, ohne Erfolge zu erzielen. Als Anfang 1922 Rene Marchand, den der „Figaro" als Korrespondenten nach Petersburg geschickt hatte, und der sich dann später Lenin anschloß, im Auftrage der Räte- regierung die Akten über die französisch-russischen B.sprechungen von 1910 bis 1914 veröffentlichte, kam etwa, mehr Licht in die dunklen Gründe, aus denen der größte Krieg der Weltgeschichte erwuchs. In den links gerichteten Kreisen Frankreichs stand es fest, daß Poincart zu den Hauptschuldigen #u zählen ist. llnd als auch eine Anzahl angesehener omeri- kaniicher Historiker di« gleich« Behauptung