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Donnerstag, ton li. Avril 1929

©{e ^Obrrhrssifche Zeitung" et- <4t!nt sechsmal wöchentlich. Te I^gspreiS monatlich 2.10 GMauS- schließl. Zufiellung-gebübr, durch riePoli2-35 EM.Für eltra infolge Etreik«. Majchlncndesekle «der elementarer Ereignise auSt-cende Kummern wird lein Ersatz cf Itifitt. Verlag v. Dr. §. Hitzcrclh. ©nid der Unib.-Buchdruckerei b. Z,h. Aua- Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Pastschedkonto: Amt Frankfurt g. M. S?r. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

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Nr. 84 64.3afog. Marburg M

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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekannlmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Eise Rotlöfims -er Resierunsskrife

Regierung und Wrtekn einigen sich aus eine .Zwlfchenform" zur Ereken KoaMen - SaS Zentrum rrW tret Minijtecposten

DaS Reichskablnett trat gestern vormittag 11 Ahr unter dem Vorsitz des Deichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, in der nach längerer Aussprache einstimmig eine Erklärung beschlossen wurde, die in der darauffolgenden Parteiführerbe» sprechung den Parteiführern vorgelcgt wurde. Die

Erklärung der Neichsrezierung hat folgenden Wonlaut:

»Angesichts der außen» und innenpoliti­schen Lage und insbesondere im Hinblick auf die angeblich in Paris tagende Re» varatjonSkonferenz ist eine aktivnS » fähige Regierung in Deutsch­land das unabweisbare Erfor­dernis. Die Reichsregierung wird daher ihre ganze Kraft daran sehen, daß die Grundlagen der deutschen EtaalSwirtschaft nicht erschüttert werden und deshalb ins» besondere der Reichshaus ha lts- plan 1 929 alsbald im Reichstage zur Verabschiedung gelangt.

Zu diesem Zweck bekräftigt die Reichs» tegierung ihren bereits am vergangenen Sonntag nach eingehender Prüfung im Hinblick auf die gesamtpolitischen Rot­wendigkeiten gefaßten Defchlutz, unter Rückstellung ihrer Bedenken auf den Boden der Vorschläge zu treten, welche von den Sach verständigen der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen PolkSpartei, der Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei gemeinsam vereinbart worden find. Für die Durchsetzung der so zustande gekomme­nen Vorschläge, einschließlich derjenigen für den Haushalt des Reichswehrmini­steriums, wird die Reichsregierung sich geschlossen einsetzen.

Die Reichsregierung erwartet, daß die vorgenannten Fraktionen des Reichstages sie in dieser Arbeit unter­stützen und etwaigen Anträgen auf weitere Streichungen über, die ge­nannten Vorschläge hinaus oder auf höher« Ausgabenbewilligungen den er­forderlichen Widerstand entgegensetzen werden. Sie erwartet weiter, daß zur Ge­währleistung eines reibungslosen Ganges der Reichsgeschäfte Anträge von grund­legender Bedeutung überhaupt nur im gegenseitigen Benehmen gestellt oder wei­ter verfolgt werden.

Auf dieser Grundlage wird die Reichs­regierung mit den oben genannten Frak­tionen des Reichstages in Verbindung treten, um durch fortgesetzte engste Stel­lungnahme die Erreichung dieser politi­schen Ziele zu gewährleisten. Sie wird gleichzeitig die von ihr angesttebte Er­weiterung des Reichskabinetts ohne weiterenVerzug in die Wege leiten.

Die vorstehende Entschließung der Reichsregierung wurde vom ReichÄkanz» ler den Partei- und Fraktionsführern der Sozialdemokratie, des ZenttumS, der Deut­schen Dolkspartei, der Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei übermittelt und von ihnen den betteffenden Reichstagsfraktionen unterbreitet

Sämtliche beteiligten Reichstagsfrak- tiouen billigte« die Entschließung der Reichsregierung und erklärten sich be­reit, auf dieser Erundlage di« Regie­rung zu unterstützen.

*

Die Zentrumsfraktion des Reichstages nahm am Mittwoch nachmittag den Be­richt ihres Vorsitzenden, des Abg. Sieger» wald. über die Besprechung der Partei­führer mit dem Reichskanzler entgegen. Die ZentrumSfraktion beschloß nach kurzer Aussprache, sich auf den Boden der Re-

GROSSE KOALITION

Iustizminister Koch- Weser seine Demis­sion gibt, worauf der Reichskanzler dann, wahrscheinlich auch bereits morgen, dem Reichspräsidenten über die Lage Bericht erstatten und 'hm die Ernennung der drei Zentrumsminister Vorschlägen wird. Ge­genüber Gerüchten, daß der StaatSsekre» tär im Ministerium für die besetzten Ge­biete, der ber Deutschen Dolkspartei an­gehörende Abg. Schmidt, von seinem Posten zurückzutteten gedenke, hött das Nachrichtenbüro des DDZ. aus parla­mentarischen Kreisen, daß Staatssekretär Schmidt lediglich die Absicht hat, einen längeren Urlaub anzutrewn.

glerungSerklärung zu stellen. Zn einer neuen Sitzung am Abend beschloß die Fraktion einstimmig, dem Reichskanzler als Mitglieder der Reichsregierung vorzu­schlagen.

den Wg. von G n 6 r a r d für das Reichsjustizministeriutn,

den Abg. Stegerwald für das Ver- kehrSministerium und

den Abg. Dr. Wirth für das Mini­sterium für die besetzten Gebiete.

ES ist anzunehmen, daß die weiter« Entwicklung sich nun so abspielt, daß der

Lin mühsamer Weg. Werden iie alle ankommen?

ReMtviMaMrat

Berlin, 10. Avril. Der Unterausschuß des Berfassungsausschuffes der Voriäuiigen Reichswirtschaftsrates bat einmütig be­schlossen, dem volkswirtschaftlichen Reichsiags- ausfchub zu emvicblen, sich dem seinerzeitigen Gutachten des Vorläufigen Rctchswirtschafts- ratcs anzuschließen, wonach die Zabl der stän­digen Mitglieder der drei Abteilungen aus je 48, die Gcsamlzabl also auf 144 festgesetzt wird. Es gäbe keinen triftigen Grund, die Zabl der ständigen Mitglieder des endgülti­gen Reichswirtschaftsrats über eine Ziffer hinaus zu vermehren, die der Vorläufige Reichswirtschaftsrat selbst als ausreichend be­zeichnet habe Für jede neue Eruvve, die man durch eine Vermehrung der Sitze berücksichtigt und zufriedenstellt, entstehe eine Reibe neuer unzufriedener Gruppen. Ein ständiger Ver­treter der Handelsvereine sei entbehrlich. Weiter tritt er dafür ein, daß dcr Siö für die landwittschaftliche Hausfrau vom Reichsoer­band der landwirtschaftlichen Hausfrauenver­eine allein besetzt wird. Richt gerechtfertigt erscheine eine Vermehrung der Sitze der Deut­schen Bauernschaft, die nur 200 000 Mitglieder umfasse. Der Unterausschuß hält an seinem früheren Beschluß fest, wonach der Deutsche Landgemeindetag und der Deutsche Landkreis­tag je zwei Sitze erhalten sollen. Die Ver­treterin der Hausfrauen soll lediglich vom Reichsoerband deutscher Hausfrauenvereine ernannt werden. Schließlich fordert er, daß der Reichsbund deutscher Technik aus der Reibe der Verbände, die die Vertreter der freien Berufe Vorschlägen, gestrichen wird, da sich dieser Bund In seiner großen Uederzabl aus Beamten zu jammensetze.

Dir Ermittlung des Feldwebels Wul»

Anläßlich der im Rechtsausschuß des Land­tages erfolgten Mitteilung, daß sich bet ehe­malige Feldwebel Fahlbusch auf dem Wege nach Deutschland befindet, nachdem die Ver­einigten Staaten seiner Auslieferung wegen siebenfacher Mordbeteiligung stattgegebcn ha­ben, glaubt eine Berliner Korrespondenz die Wiederaufnahme aller Femevrozesie Voraus­sagen zu können. Sie erinnert daran, daß Fahlbusch vorgeworfen wird, daß er in den Fcmefällen Sand, Wilms, Eaedicke, Groeschke, Brauer und Reim die entscheidende Rolle ge­spielt hat. Fahlbusch ist während der Lands­berger Prozesse von Klaoprotb und einigen Zeugen auf das schwerste belastet worden. Weiter wird Fahlbusch beschuldigt, seinen Mithelfer, den ehemaligen Feldwebel Büschtng ermordet zu haben. Fahlbusch ist. wie lesistehf, mit Büsching zusammen von einem italieni­schen Hafen aus zunächst nach Südamerika ge­flüchtet. Unterwegs ist Düsching eines Nachts auf dem Schiff verschwunden, ohne daß sich da­mals feststellen lieb, ob der Vermißte einem Unglückssall oder einem Gewaltakt zum Opfer gefallen ist. Die Ermittelungen der deutschen Bebörden werden sich, wie die Korrespondenz meint, auch auf diese rätselhafte Tat ausdeh- nen und man wird durch Heranziehung des Loggbuchrs des Dampfers und der italieni­schen Besatzung versuchen, hier Klarheit zu schassen.

Kellogg NMolger Srrricks?

Kellogg bei PoincarL

fk. Paris, 1L Avril. Kellogg stattet« am Mittwoch dem Ministerpräsident P o iu- rate einen Besuch ab. Am Vormittag batt« Kellogg eine Unterredung mit dem amerikaui, scheu Sachverständigen Owen Ponng. Der halbamtlicheErcelsior halt die Er­nennung Kellrggs zum Nachfolger des verstor­benen Botschafters Settid für wahrschein­lich.

Sie Kabinettsumbildung In Polen

Die voraussichtliche Ministerlifte.

fk. Warschau, 11. April. Am Mittwoch Abend batte Ministerpräsident Bartels eine längere Besprechung mit dem Staatsprä­sidenten. Es wird berichtet, daß diese Bespre­chung bereits 3u entscheidenden Beschlüssen in bet Frage der Kabinettsbildung geführt ha­ben. Die amtliche Ernennung durch den Staatspräsidenten sei spätestens am Freitag oder Sonnabend zu erwarten. Das Kabinett werde sich vermutlich folgendermaßen rusarn- mensebrn:

Ministerpräsident: Dr.S w i t a l s k t; Innen­minister: General Skadkowski; Außen. Minister: Zaleski; Kriegsminister: Mar­schall Pilsudskij Justtzminister: Car; Lnan»ministei: General G o t.eck i; Atbeits« Minister: Oberst Szrednicki; Postmünster. Major Pol alte wie,; Derkehrsmintstef. Kühn: Agrarreform: Przedvetski;

Landwirtschaft: R u d o w s k i.

Ueber die Leitung des Kultusministeriums und des Handelsministeriums sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Ar SmhvllWndlgm rechnen Sag und Rächt

Journal" berichtet zu den Verhand­lungen der Gläubiger-Delegationen der Neparationskonserenz, wenn man noch nicht zu einer Einigung gekom­men sei, so gewiß nicht aus Mangel an Anstrengungen.

Di« Fachleute rechneten sozusagen Tag und Nacht.

Die Delegierten der vier Hauptgläubiger- staaten hätten gestern vormittag zwei Stunden und gestern nachmittag 2^ Stun­den mit den Amerikanern verhandelt, ohne zu einem anderen Entschluß zu ge­langen als dem, die Ziffern noch­mals durchzuprüfen.

Ze weiter man gehe, um so deutlicher bemerke man, wie schwierig es sei, die Forderungen der Gläubiger, die Schäden zu reparieren haben, in den von den Amerikanern festgesetzte«

Raum einzufüge«.

Nach im Umlauf befindlichen Gerüchten sei nach dem amerikanischen Plan eine An­fangs-Annuität von 1750 Millionen Mark, die später 2300 Millionen nicht übersteigen würde, vorgesehen.

Der augenblickliche ReparationsanteU müßte also um 40% gekürzt werde«.

Dieser Anteil mache aber nur. 16 Milli­arden aus gegenüber 25 Milliarden für die Rückzahlung der Kriegsschulden, die für u n a n t a st b a r erklärt worden seien.

Toruado in Arkansas.

fk. Little Rock, 11. April. Di» Gegend zwischen Diaz und Steif ton ist durch einem Tornado heimgesucht worden. Dabei wurden 6 Personen getötet. ®ine 7» köpsrge Familie wird vermißt. Rach einer Meldung sind durch den Tornalw, der mehrere kleine Orte in der Rühe von Stei'ton be­troffen hat, etwa 40 Menschen umS Leben gekommen. Zahlre che Häuser wur­den zerstört. De tSettunc8ir5e:ten werde« dadurch erschwert, das; die betroffenen Sied­lungen kilometerweise von den Straßen ent­fernt liegen und auch diese durch den Regen ungangbar geworden sind.